Nachdem die Ernte der weiteren Mähdruschkulturen schon regional unterschiedlich bewertet wurde, setzt sich diese Beobachtung beim Winterweizen fort. Und auch hier dürften die Gründe letztendlich vielfältig sein.

Winterweizenanbau in der Praxis
Die Aussaat im Herbst erfolgte in weiten Teilen des Landes unter guten Bedingungen. Lediglich auf den Marschstandorten erschwerten Niederschläge im Herbst mitunter die Aussaat und führten dazu, dass einzelne Flächen nicht mehr bestellt werden konnten. Die Bestände konnten sich durch Niederschläge und moderate Temperaturen im Oktober und November gut etablieren, sodass sich auch Spätsaaten bis zum Winter noch ausreichend entwickelten. Dank der vielerorts geschlossenen Schneedecke während der Frostperioden im Januar und Februar gab es kaum Auswinterungsschäden.
Viele Bestände begannen durch milde Temperaturen im Frühjahr zügig mit der Bestockung. Aufgrund der gleichzeitig sehr knappen Niederschläge zeigten sich allerdings besonders auf leichten Sandstandorten auch bald erste Anzeichen von Trockenstress, was zum Teil zu einer Reduktion der bereits angelegten Triebe führte. Tiefgründigere Böden konnten durch größere Bodenwasservorräte die Trockenheit zunächst besser abpuffern. Vergleichsweise kühle Temperaturen reduzierten zudem den Wasserverbrauch der Bestände. Ab Mitte April machte sich dann aber auch auf besseren Standorten der Wassermangel bemerkbar. Bei einer hohen Sonneneinstrahlung stagnierte die Entwicklung zunächst, sodass viele Bestände den Eindruck erweckten, in BBCH 29/30 stehengeblieben zu sein. Diese kühl-trockene, strahlungsreiche Witterung sorgte allerdings für einen weitgehend geringen Infektionsdruck mit Blattkrankheiten und eine Stabilisierung der Halmbasis.
Niederschläge Anfang Mai in Verbindung mit wärmeren Temperaturen entspannten die Situation für den Winterweizen in weiten Teilen des Landes, sodass die Ertragsprognose zu diesem Zeitpunkt noch gut war. Die Entwicklung verlief durch die bessere Wasserversorgung nun zügig, sodass landesweit das Ährenschieben Ende Mai erreicht wurde. Der Juni war von großen Temperaturschwankungen geprägt: Nach einer ersten kurzen Hitzeperiode zum Monatswechsel Mai/Juni folgte eine Phase mit wechselhaftem Wetter und kühlen Temperaturen während der Blüte des Winterweizens. Diese Witterung ließ befürchten, dass es zu einem erhöhten Infektionsdruck mit Ährenfusarium kommen könnte, die sich nicht bestätigen sollten. Allerdings führte dieses Wetter auch dazu, dass der Trockenstress durch die Frühjahrstrockenheit abgemildert wurde und bis zu diesem Zeitpunkt keine massiven Trockenschäden zu verzeichnen waren.
Ab Mitte Juni stiegen die Temperaturen deutlich und auch die Trockenheit nahm wieder merklich zu. Ende des Monats setzten dann Temperaturen von knapp 40°C bei hoher Sonneneinstrahlung und teilweise Wind den Beständen, die sich in der Kornfüllung befanden, sichtbar zu. Bereits hier zeichnete sich ab, dass der jeweilige Saatzeitpunkt und damit einhergehend der Stand der physiologischen Entwicklung großen Einfluss darauf haben sollte, wie gut die Bestände mit diesem Witterungsextrem umgehen konnten. Nach der Hitze folgte zunächst wieder eine Phase mit wechselhafterem Wetter und Niederschlägen, sodass die Abreife der Bestände nicht so schnell voranschritt, wie es nach der Hitze zu vermuten war. Die Ernte erfolgte dann in der zweiten Julihälfte bis Anfang August wieder unter weitgehend trocknen Bedingungen, so dass Auswuchs und ein Absinken der Fallzahlen in diesem Jahr keine Rolle spielten. Während die Erträge auf den besser bonitierten Standorten in den südlichen Landesteilen oftmals etwas unterdurchschnittlich ausfielen, kann die Ernte auf leichteren Standorten als zufriedenstellend bezeichnet werden. Ein Bild, das sich auch schon bei Wintergerste und Winterraps abzeichnete und darauf hindeutet, dass die Hitze die Erträge stärker beeinflusste als die aktuelle Wasserversorgung im Boden
Allerdings offenbarten sich mit der Ernte auch die Folgen der Hitze Ende Juni. Je nach Entwicklungsstadium der Bestände wurde die Kornfüllung teilweise massiv beeinträchtigt. Durch die daraus resultierenden niedrigen Hektoliter- und Tausendkorngewichte beim Winterweizen konnten in diesem Jahr die Qualitätsanforderungen des Handels oftmals nicht erfüllt werden, sodass bei der Vermarktung Abzüge in Kauf genommen werden müssen. Hier trösten auch etwas bessere Rohproteingehalte von 12 bis 12,5 % aber nicht über Hektolitergewichte von teilweise unter 70 kg hinweg. Gerade spätgesäte Bestände ab Mitte Oktober reagierten besonders deutlich mit kleineren und leichten Körnern, während frühe und normale Aussaaten in der Kornfüllung bereits weiter vorangeschritten waren und deutlich bessere Kornqualitäten lieferten.
Besondere Herausforderungen in diesem Jahr
Gelbrost
Auch wenn der Krankheitsdruck insgesamt moderat war, gab es dennoch einige Herausforderungen, denen sich die Weizenanbauer in diesem Jahr stellen mussten. Zunächst wurde bereits im April von einem auffälligen Gelbrost-Auftreten berichtet, besonders in Sorten, die bisher als gesund eingestuft waren. Glücklicherweise bestätigten sich die Befürchtung einer Gelbrost-Epidemie wie in den Jahren 2014 und 2015 nicht, wenngleich die sogenannte Champion-Rasse, die in Großbritannien das Gelbrost-Resistenzgen Yr15 überwunden hat, über Dänemark bereits bis nach Norddeutschland vorgedrungen ist. Allerdings ist dieses Resistenzgen in deutschen Winterweizensorten im Gegensatz zu englischen und dänischen Herkünften nicht übermäßig häufig vertreten und dann oft auch in Kombination mit anderen Resistenzgenen.
Insgesamt war der Gelbrost in diesem Jahr in der Praxis unter ortsüblichem Pflanzenschutz nicht als problematisch anzusehen. Dennoch empfiehlt es sich immer, bereits im Frühjahr die Bestände zu kontrollieren, um eventuelle Verschiebungen in der Anfälligkeit einzelner Sorten rechtzeitig festzustellen und gegebenenfalls gegensteuern zu können.
Mutterkorn
Während zur Blüte allgemein ein erhöhter Fusariumdruck befürchtet wurde, der sich zum Glück aber nicht in einem solchen Maße zeigte, rückte zur Ernte ein anderer Pilzbefall an den Weizenähren in den Fokus: Mutterkorn. Hier reicht die Spanne von einzelnen infizierten Ähren bis hin zu nahezu nicht oder nur schwer zu vermarktendem Erntegut. Die Infektion mit dem Mutterkorn-Pilz (Claviceps purpurea) tritt vor allem bei feuchter Witterung während der Blüte auf und betrifft alle offen abblühenden Getreidearten (vor allem Roggen und Triticale, aber auch Gerste und Weizen) sowie Gräser. Hierbei gelangen die Sporen des Pilzes anstelle von Pollen in die Ährchen und bilden dort die Dauerkörper, die sog. Sklerotien. Die weitere Verbreitung im Bestand erfolgt dann durch sporenbeladenen Honigtau, der aus den infizierten Ährchen austritt und durch sich berührende Ähren, Insekten, Wind, Regen oder Maschinen verbreitet. Deshalb können auch Gräser wie Ackerfuchsschwanz oder einjährige Rispe im Bestand zu einem erhöhten Infektionspotenzial beitragen. Diese Arten dienen dem Mutterkornpilz ebenfalls als Wirt und blühen in der Regel etwas früher als der Winterweizen, sodass zur Weizenblüte schon eine hohe Sporenbelastung vorhanden ist. Somit gilt: Je länger die Phase der Blüte, desto größer ist die Infektionsgefahr. Hierbei ist ausdrücklich nicht die Blühdauer der einzelnen Ähre gemeint, sondern die Zeitspanne der Blüte des gesamten Bestandes.
Wenn von Mutterkornbefall berichtet wurde, dann handelte es sich meist um Flächen mit einem erhöhten Besatz an Ackerfuchsschwanz oder um lückige Bestände mit vielen Nachschossern und damit verlängerter Blütephase. Somit ist die Etablierung eines gleichmäßigen Bestandes und die wirksame Bekämpfung von Gräsern im Bestand ein zentraler Aspekt, um eine Infektion zu verhindern. Sortenunterschiede in der Anfälligkeit für Mutterkorn werden für Weizen, im Gegensatz zum Roggen, bisher nicht systematisch erfasst, sodass keine verlässlichen Informationen zur Sortenleistung in dieser Hinsicht vorliegen.
Bewertung der Landessortenversuche
Die Landessortenversuche (LSV) Winterweizen wurden in diesem Jahr in Niedersachsen an insgesamt 18 Standorten in den sechs Anbauregionen Marsch, Sandböden Nordwest, Lehmböden Nordwest, Sandböden Nordhannover, Lehmböden Südhannover und Höhenlagen Mitte/West durchgeführt. Die Versuche präsentierten sich über die Vegetation hinweg wie die umgebenden Praxisflächen und bilden somit die Bedingungen des ortüblichen Anbaus gut ab. Die Versuchsaussaat erfolgte zwischen dem 2. Oktober und 21. November 2025 unter weitgehend guten Bedingungen nach einer Blattvorfrucht. Die Entwicklung bis zum Winter verlief entsprechend dem jeweiligen Aussaatzeitpunkte gut. Auch in den LSV führten Schnee und Frost nicht zu nennenswerten Schäden.
Nach einer langsameren Frühjahrsentwicklung mit geringem Krankheitsdruck erreichten die Versuche das Ährenschieben zwischen dem 23. und dem 30. Mai 2026 zu einem gewöhnlichen Zeitpunkt. Die Niederschläge im Mai und Juni sicherten die Bestände, sodass der teilweise zu beobachtende Trockenstress gemindert wurde. Unwetterereignisse sorgten an einzelnen LSV-Standorten für differenziertes Lager. Dadurch konnte jedoch die Sortenleistung hinsichtlich der Standfestigkeit beurteilt werden. Aufgrund der Witterung waren Krankheiten an den meisten Standorten nur in geringem Maße zu beobachten. Allerdings gab es auch einige Standorte, an denen differenziert Blattkrankheiten (Mehltau, Gelb- und Braunrost und Blattseptoria) auftraten und entsprechend bonitiert wurden. Diese Informationen sind hilfreich, um die Anfälligkeit der Sorten unter den jahresaktuellen Bedingungen zu beurteilen.
Die Ernte erfolgte zwischen dem 23. Juli und dem 3. August 2026 allerorts unter guten Bedingungen. Das Ertragsniveau in den LSV variiert in diesem Jahr im Mittel der Bezugssorten deutlich zwischen 68,3 dt/ha am Standort Astrup (LK OS), der sehr unter Trockenheit gelitten hat, und 111,3 dt/ha am Standort Dunau/Groß Munzel (Region Hannover). Auch in den LSV-Ergebnissen bestätigen sich die Beobachtungen aus der landwirtschaftlichen Praxis: Die Erträge lagen für alle Standortgruppen unter dem Niveau des Vorjahres, aber nach wie vor über dem mehrjährigen Durchschnittsertrag.
Sortenbeurteilung
Für die Beurteilung spielen neben der Ertragsleistung auch die Eigenschaften einer Sorte eine wichtige Rolle. Hierbei wird besonderes Augenmerk sowohl auf das Resistenzprofil und die Standfestigkeit als auch auf die Qualitätseigenschaften gelegt. Gerade die Wahl gesunder Sorten ist ein wichtiger Baustein des integrierten Pflanzenschutzes und somit ein nicht zu unterschätzender Beitrag zu einem nachhaltigen Pflanzenbau. Darum ist auch der Minderertrag einer Sorte in der Stufe 1 (ohne Einsatz von Fungiziden und Wachstumsreglern) gegenüber der Stufe 2 (mit einer ortsüblich intensiven Behandlung) ein wichtiges Kriterium. Grundsätzlich können die meisten geprüften Sorten als blattgesund beschrieben werden (Tab. 2 und 3). Ausnahmen bilden hier z. B. die ertragsstarken Sorten Champion, KWS Donovan und LG Kermit mit einer erhöhten Anfälligkeit gegen Gelb- und bzw. oder Braunrost.
Neben dem Netzwerk der Versuchsstandorte in Niedersachsen, das alle Anbauregionen abdeckt, werden zusätzlich für einige Standortgruppen benachbarte Versuche der angrenzenden Bundesländer Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Hessen für eine bessere Aussagekraft der Ergebnisse herangezogen. Dadurch ist es möglich, die geprüften Sorten differenziert für die einzelnen Anbauregionen zu betrachten. Grundsätzlich wird der durchschnittliche Ertrag einer Sorte in einer Region beurteilt, da die Einzelortergebnisse oftmals größeren Schwankungen unterliegen (Tab. 1). Um Jahreseffekte im Ertrag auszugleichen und ein möglichst verlässliches Bild der Leistung zu bekommen, werden jeweils die vergangenen drei Jahre betrachtet. Da dies aber für neuere Sorten noch nicht ohne weiteres möglich ist, werden zusätzlich auch Ergebnisse der Wertprüfungen des Bundessortenamts sowie aus EU-Sortenversuchen über mehrere Jahre verrechnet, sodass auch Sorten im ersten und zweiten Prüfjahr bereits verlässlich beurteilt werden können.
In diesem Jahr wurden insgesamt 34 Sorten aller Qualitätsgruppen im LSV Winterweizen geprüft, wobei einige Sorten nur in ausgewählten Anbauregionen standen. Darunter waren zwei E-Weizen, 18 A-Weizen, neun B-Weizen und fünf C-Weizen.
Sortenempfehlung
E-Weizen
Das Angebot im Bereich der E-Weizen ist und bleibt überschaubar. Die Sorte Exsal blieb zwar in diesem Jahr hinter den Erträgen der Vorjahre zurück, zeigt sich aber in der mehrjährigen Betrachtung stabil. Darüber hinaus verfügt die standfeste Sorte über eine gute Blattgesundheit und ist fusariumtolerant. Allerdings ist der Anbau aus ökonomischer Sicht nur bei entsprechenden Zuschlägen für Qualitätsweizen im Vertragsanbau interessant. Somit wird die Sorte auf den Lehmböden Südhannover sowie den Höhenlagen Mitte/West für den Qualitätsanbau empfohlen.
Die Sorte Emmerto ist zwar in einzelnen Regionen etwas stärker im Ertrag, kann aber durch geringere Rohproteingehalte nicht ganz an die ökonomische Leistung von Exsal im Qualitätssegment heranreichen. Von den agronomischen Eigenschaften ist Emmerto ähnlich dem Exsal anzusehen bei einer etwas schlechteren Fusariumtoleranz.
A-Weizen
Die größte Qualitätsgruppe im LSV sind die A-Weizen. Hier ist unbedingt zu berücksichtigen, dass der Rohproteingehalt bereits seit 2019 keinen Einfluss mehr auf die Qualitätseinstufung einer Sorte und daher nur noch beschreibenden Charakter hat. Die Qualitätseinstufung beruht seitdem nur noch auf Merkmalen wie z. B. der Mehlausbeute, der Wasseraufnahme oder der Volumenausbeute beim Backen. Hintergrund dieser Entscheidung des Bundessortenamtes war, dass viele Weizensorten auch bei geringeren Rohproteingehalten gute Backergebnisse liefern. Und das tun auch alle der hier geprüften Sorten, denn andernfalls hätten sie nicht die Einstufung als Qualitätsgruppe A.
Dennoch ist und bleibt der Rohproteingehalt das zentrale Kriterium des Handels bei der Erfassung und Vermarktung von Weizenpartien. Dies bedeutet also, dass eine Sorte aus der Qualitätsgruppe A nicht zwangsläufig als A-Weizen vermarktet werden kann. Das trifft insbesondere auf die Gruppe der ertragsbetonten A-Weizen zu, die aufgrund der negativen Korrelation von Kornertrag und Rohproteingehalt teilweise nicht einmal die für B-Weizen erforderlichen Werte erreichen.
Wenn das Ziel die Vermarktung von Qualitätsweizen sein soll, empfiehlt sich auf jeden Fall ein Blick auf die Rohproteineinstufung des Bundessortenamtes. Die Wahl sollte dann auf qualitätsbetonte Sorten mit Note 5 und höher im Rohproteingehalt fallen. Vereinzelt bieten sich auch regional Möglichkeiten, bestimmte Sorten über Mühlen vor Ort im Vertragsanbau zu vermarkten. Eine detaillierte Betrachtung der Qualitätsergebnisse folgt nach Abschluss aller Untersuchungen in einem weiteren Bericht.
Empfohlene Sorten
SU Jonte präsentierte sich zwar ertraglich sowohl in diesem Jahr als auch in der mehrjährigen Verrechnung leicht unterdurchschnittlich bzw. knapp durchschnittlich, dennoch verfügt die blattgesunde Sorte über ein sehr umfassendes Profil ohne agronomische Schwächen und liefert auch stabil gute Kornqualitäten, sodass eine Anbauempfehlung für die Marschstandorte und die Lehmböden Südhannover gegeben wird.
LG Optimist erzielte in diesem Jahr überdurchschnittliche Erträge und bestätigt das auch in der mehrjährigen Betrachtung. Allerdings ist die Sorte stark lageranfällig und hat bei Mehltau eine deutliche Lücke im Resistenzprofil. Daher erhält die Sorte eine Empfehlung für die Sandböden Nordhannover und eine eingeschränkte Empfehlung für die Lehmböden Nordwest, Lehmböden Südhannover und Höhenlagen Mitte/West.
Die blattgesunde und standfeste Sorte Willcox konnte im dritten LSV-Jahr vor allem auf den Sandböden überzeugen und erhält eine Anbauempfehlung für die Sandböden Nordwest und aufgrund einer erhöhten Auswinterungsgefahr eine eingeschränkte Empfehlung für die Sandböden Nordhannover.
LG Kermit konnte vor allem auf den Marschstandorten, den Lehmböden Südhannover und den Höhenlagen Mitte/West ertraglich überzeugen. Allerdings ist die Sorte stark anfällig für Braunrost und wird daher nur eingeschränkt für den Anbau in den genannten Anbauregionen empfohlen.
Intensity kam zwar im zweiten LSV-Jahr nicht auf allen Standorten an die guten Ergebnisse des ersten Prüfjahres heran, zeigte sich aber alles in allem stabil. Zusammen mit einer guten Blattgesundheit und Standfestigkeit bei einer überdurchschnittlichen Fusariumtoleranz erhält die Sorte eine Anbauempfehlung für die Marsch, die Sandböden Nordwest, die Lehmböden Nordwest und Südhannover. Da die Sorte in der Winterhärte nur als unterdurchschnittlich bis knapp durchschnittlich beurteilt ist, sollte von einem Anbau in exponierten Lagen abgesehen werden.
KWS Donovan ist eine der wenigen Sorten im A-Segment, die über die Jahre stabile Erträge bei guten Qualitäten abliefert und daher vor allem auf den Ackerbaustandorten im südlichen Niedersachsen eine gewisse Bedeutung hat. Allerdings entspricht die Sorte durch ihre hohe bis sehr hohe Anfälligkeit im Bereich der Rostkrankheiten und Blattseptoria in keiner Weise dem Grundgedanken des integrierten Pflanzenbaus und den Erwartungen an eine moderne Winterweizensorte. Daher erhält die Sorte nur aufgrund der Kombination aus überdurchschnittlichen Erträgen und guter Kornqualität eine eingeschränkte Empfehlung für die Anbauregionen Lehmböden Südhannover und Höhenlagen Mitte/West.
Eine im Gegensatz dazu ausgesprochen blattgesunde Sorte ist Kumpel, die zusätzlich mit einer guten Standfestigkeit und Fusariumtoleranz ausgestattet ist und somit gut in einen pflanzenschutzreduzierten Ansatz passt. Die Sorte konnte im zweiten LSV-Jahr auf den Lehmböden Südhannover wieder überzeugen, ebenso wie im ersten Prüfjahr auf den Marschstandorten. Daher erhält die Sorte eine Anbauempfehlung für die Lehmböden Südhannover und eine Empfehlung zum Probeanbau auf den Marschstandorten.
Pondor konnte sich im ersten LSV-Jahr auf den Marschstandorten sowie auf Sand- und Lehmböden Nordwest mit überdurchschnittlichen Erträgen präsentieren. Allerdings erhält die Sorte aufgrund ihrer Schwäche bei Mehltau und Braunrost nur eine Empfehlung zum Probeanbau für die Anbauregion Marsch.
SU Horizon ist ein Paradebeispiel für ertragsbetonte A-Weizen. Die Sorte erhielt in diesem Frühjahr vom Bundessortenamt die höchstmögliche Einstufung im Hinblick auf den Kornertrag bei gleichzeitig der niedrigsten Rohproteineinstufung. Dementsprechend überzeugte die blattgesunde Sorte auch im ersten Jahr im LSV ertraglich in allen Anbauregionen. Allerdings ist die Fusariumtoleranz der Sorte geringer als bei anderen LSV-Kandidaten. SU Horizon erhält eine Empfehlung zum Probeanbau in den Anbauregionen Marsch, Lehmböden Nordwest und Südhannover sowie den Höhenlagen Mitte/West. Aufgrund des Fusariumrisikos ist die Empfehlung zum Probeanbau für die Sandböden Nordwest und Nordhannover eingeschränkt.
Weitere geprüfte A-Weizen
Mit Ambientus wurde eine weitere qualitätsbetonte Sorte geprüft, die ertraglich zwar nicht an die empfohlenen Sorten heranreicht, aber aufgrund ihres guten agronomischen Profils sowie der guten Kornqualität für Qualitätsstandorte interessant sein kann. Ähnlich verhält es sich mit Polarkap, der zusätzlich mit einer überdurchschnittlichen Standfestigkeit und Winterhärte punkten kann. Die blattgesunde und fusariumtolerante Sorte Filius erreichte in diesem Jahr teilweise überdurchschnittlich Erträge, bleibt in der mehrjährigen Betrachtung allerdings knapp unterdurchschnittlich und konnte in der Gesamtbetrachtung nicht vollständig überzeugen. Die mehrjährig geprüften proteinstarken Sorten SU Magnetron und SU Tarroca verfügen über eine gute Standfestigkeit, erzielten aber in diesem Jahr sowie in der mehrjährigen Betrachtung in allen Anbauregionen deutlich unterdurchschnittliche Erträge. KWS Friese konnte im zweiten LSV-Jahr nicht an die guten Ergebnisse des ersten Jahres anknüpfen. Durch die spätere Abreife dürfte die Sorte in diesem Jahr von der Hitze stärker beeinträchtigt gewesen sein. Die qualitätsbetonten Sorten KWS Lonnie, Pontiform und Karoque konnten im ersten LSV-Jahr zwar noch nicht vollständig überzeugen und können für Anbauer mit entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten in Frage kommen.
B-Weizen
Im Bereich der B-Weizen sind sich die Sorten sowohl im Ertragspotenzial als auch agronomisch sehr ähnlich. Viele der geprüften Sorten verfügen über eine überdurchschnittliche Blattgesundheit und präsentieren sich mit stabilen Erträgen über den Prüfzeitraum. Bei der Sortenwahl sollte daher das Gesamtprofil der Sorten betrachtet werden, um die bestmögliche Sorte für den eigenen Betrieb zu finden. Darüber hinaus können vor dem Hintergrund eingeschränkter Möglichkeiten beim Herbizideinsatz auch Aspekte wie die CTU-Toleranz den Ausschlag für die Anbauentscheidung geben.
Empfohlene Sorten
Spectral konnte in diesem Jahr wieder mit überdurchschnittlichen Erträgen in allen Anbauregionen überzeugen, was durch die mehrjährige Betrachtung bestätigt wird. Allerdings konnte die Sorte auf einzelnen besseren Standorten im südlichen Niedersachsen durch ihre etwas spätere Abreife das Potenzial nicht voll ausschöpfen. Zusätzlich verfügt Spectral über eine sehr gute Blattgesundheit, eine gute Standfestigkeit und Fusariumtoleranz. Die Sorte wird für alle Anbauregionen empfohlen.
RGT Kreuzer liegt ertraglich zwar knapp hinter der Sorte Spectral, ergänzt aber dafür dessen schon sehr gutes agronomisches Profil noch durch eine sehr gute Winterhärte und eine mittlere Abreife. Somit weist die Sorte aktuell keine Schwächen auf. RGT Kreuzer wird ebenfalls für alle Anbauregionen empfohlen.
SU Marathon reiht sich in die Riege der ertragsstabilen, gesunden und fusariumtoleranten B-Weizen ein und erhält eine Anbauempfehlung sowohl für die Lehmböden Nordwest und Südhannover als auch für die Sandböden Nordwest und Nordhannover. Lediglich in der Marsch und in den Höhenlagen Mitte/West präsentiert sich die Sorte mit knapp unterdurchschnittlichen Erträgen, kann aber aufgrund ihrer guten Eigenschaften auch hier eine passende Wahl sein.
Der langjährig geprüfte Chevignon erzielte in diesem Jahr auf Marschstandorten und Lehmböden Nordwest noch überdurchschnittliche Erträge, bleibt aber in der mehrjährigen Betrachtung in allen Anbauregionen unterdurchschnittlich. Zudem weist die Sorte mittlerweile eine hohe Anfälligkeit für Mehltau auf. Aufgrund ihrer ausgesprochenen Spätsaateignung wird Chevignon dennoch in diesem Jahr noch einmal für die Sandböden Nordhannover, die Lehmböden Nordwest und Südhannover sowie die Höhenlagen Mitte/West für späte Aussaaten empfohlen.
SU Tammo konnte in diesem Jahr noch auf den Lehmböden Nordwest und Südhannover sowie in den Höhenlage Mitte/West überdurchschnittliche Erträge erreichen. Die Sorte ist mit einer guten Blattgesundheit und vor allem einer ausgeprägten Festigkeit gegen Mehltau ausgestattet. Darüber hinaus zeigt die Sorte eine sehr rasche Frühjahrsentwicklung mit einer zügigen Bodenbedeckung, was für die Unterdrückung von Unkräutern und -gräsern von Vorteil ist. SU Tammo wird für die Lehmböden Nordwest empfohlen. Für die Lehmböden Südhannover und die Höhenlagen Mitte/West gibt es für die Sorte aufgrund der nur durchschnittlichen Winterfestigkeit und Fusariumtoleranz lediglich eine eingeschränkte Empfehlung.
LG Tomjol stand bereits im vergangenen Jahr in der Marsch sowie auf den Sand- und Lehmböden Nordwest im LSV. Aufgrund der überzeugenden Leistung wurde die Sorte in diesem Jahr in allen Anbauregionen geprüft und konnte sich auch über ganz Niedersachsen hinweg mit überdurchschnittlichen Erträgen präsentieren. Aufgrund der guten Blattgesundheit und Fusariumtoleranz bei einer leicht erhöhten Lagerneigung erhält LG Tomjol für die Marsch und die Sand- und Lehmböden Nordwest eine Anbauempfehlung. Für die Sandböden Nordhannover, die Lehmböden Südhannover sowie die Höhenlagen Mitte/West bekommt die Sorte eine Empfehlung zum Probeanbau aufgrund des erst einjährigen Ergebnisses für diese Regionen.
Die sehr ertragsstarke Sorte Champion wurde in diesem Jahr wieder auf den Marschstandorten geprüft. Hier zeigte sich in der unbehandelten Stufe, dass die Sorte mittlerweile auch in unseren Breiten hochanfällig für Gelbrost ist. An einigen Standorten sorgte der Gelbrostbefall in der unbehandelten Stufe für Ertragsverluste von bis zu 50 %. Aufgrund der dennoch deutlich überdurchschnittlichen Ertragsleistung bei ortsüblichem Pflanzenschutzeinsatz erhält Champion eine stark eingeschränkte Anbauempfehlung für die Marsch.
Erstmals im LSV geprüft wurde der im Frühjahr 2026 vom Bundessortenamt zugelassene LG Resonanz. Die sehr langstrohige Sorte verfügt über eine sehr gute Blattgesundheit bei gleichzeitiger Fusriumtoleranz und bestätigte im ersten Prüfjahr die guten Ertragsleistungen aus der Wertprüfung in allen Anbauregionen. Aufgrund der überdurchschnittlichen Pflanzenlänge ist die Standfestigkeit eindeutig der Schwachpunkt der Sorte, wenngleich die Lagerneigung aktuell etwas geringer als bei LG Optimist eingestuft wird. Daher erhält LG Resonanz eine eingeschränkte Empfehlung zum Probeanbau in allen Anbauregionen.
Mit SU Hybingo wurde wieder eine Hybridweizen-Sorte auf den Sandböden Nordwest und Nordhannover geprüft. Die blattgesunde und fusariumtolerante Sorte erreichte in beiden Standortgruppen deutlich überdurchschnittliche Erträge. Nur bei entsprechend höheren Erträgen kann der Anbau eines Hybridweizens trotz der deutlichen höheren Saatgutkosten ökonomisch durchaus sinnvoll sein. Ihr Potenzial scheint die Sorte vor allem bei frühen bis normalen Aussaatzeiten auf schwächeren Standorten unter Beweis zu stellen. Daher erhält SU Hybingo eine eingeschränkte Empfehlung zum Probeanbau auf den Sandböden Nordwest und Nordhannover.
C-Weizen
KWS Keitum ist nach wie vor das Maß der Dinge im Segment der Futterweizen. Die Sorte mit der größten Vermehrungsfläche in Niedersachsen erzielte auch in diesem Jahr wieder über alle Standortgruppen hinweg deutlich überdurchschnittliche Erträge und beweist diese beeindruckende Ertragsstabilität bei der Betrachtung der mehrjährig verrechneten Erträge. Zusätzlich ist die Sorte blattgesund und fusariumtolerant bei einer Schwäche in der Standfestigkeit. Die Anbauempfehlung bekommt die Sorte für alle Anbauregionen.
Mit Winner wurde ein Futterweizen geprüft, der besonders für einen extensiveren Anbau interessant ist. Die Sorte verfügt über eine gute Standfestigkeit und Fusariumtoleranz und erreichte in den Anbauregionen Marsch, Sandböden Nordwest und Lehmböden Nordwest in diesem Jahr überdurchschnittliche Erträge. Die diesjährige Leistung wird durch die mehrjährige Betrachtung der Erträge bestätigt. Daher erhält Winner eine Anbauempfehlung für die Marschstandorte, sowie die Sand- und Lehmböden Nordwest.
SY Transition wurde erstmals im LSV geprüft. Die Sorte ist blattgesund, standfest und fusariumtolerant. Ertraglich konnte die früher abreifende Sorte allerdings nur in der Marsch sowie auf den Lehmböden Nordwest überzeugen. Daher erhält die Sorte für die beiden Anbauregionen eine Empfehlung zum Probeanbau.
LG Niklas ist ein C-Weizen, der auch als Keksweizen vermarktet werden kann. Die vergleichsweise langstrohige Sorte ist mit einem durchschnittlichen Resistenzprofil ausgestattet, hat dabei aber eine Lücke beim Gelbrost. Ertraglich konnte sich die Sorte im ersten LSV-Jahr überdurchschnittlich präsentieren und erhält daher eine Empfehlung für den Vertragsanbau als Keksweizen.
Fazit
Das Winterweizenjahr 2026 hat erneut gezeigt, wie stark Witterungsverlauf und Standortbedingungen den Anbauerfolg beeinflussen. Trotz Trockenphasen im Frühjahr und erheblicher Belastungen durch die Hitze während der Kornfüllung konnten durchaus ordentliche Erträge erzielt werden. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass hohe Erträge allein nicht ausreichen, wenn die Kornqualität unter den Witterungsextremen leidet.
Die Ergebnisse der Landessortenversuche bestätigen dabei einmal mehr die Bedeutung einer gezielten Sortenwahl. Neben der Ertragsleistung gewinnen Eigenschaften wie Blattgesundheit, Standfestigkeit, Winterhärte und die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen zunehmend an Gewicht. Gerade vor dem Hintergrund häufiger werdender Wetterextreme bleibt die Wahl robuster und leistungsstabiler Sorten ein wichtiger Baustein für einen wirtschaftlich erfolgreichen und nachhaltigen Winterweizenanbau. Eine gewisse Vielfalt bei der Sortenwahl bietet zudem die Möglichkeit Anbaurisiken durch Extremereignisse zu minimieren. Die Landessortenversuche liefern hierfür eine verlässliche Grundlage und helfen dabei, Sortenentscheidungen auf eine möglichst sichere Basis zu stellen.






