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Grundnährstoffe wirtschaftlich einsetzen: Effizienz schlägt Verzicht

Webcode: 01045675
Stand: 11.08.2026

Die Wirtschaftlichkeit des Ackerbaus steht unter Druck. Viele Erzeugerpreise haben in den vergangenen Jahren nicht mit den gestiegenen Produktionskosten Schritt gehalten. So bewegen sich die Preise für Düngemittel weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Viele Betriebe hinterfragen daher auch die notwendige Höhe der Grunddüngung.

Versuche sind die Basis für Düngeempfehlungen
Versuche sind die Basis für DüngeempfehlungenCaroline Benecke
Das Gehaltsklassenschema hat weiter Bestand: Die in Feldversuchen ermittelten notwendigen Düngungshöhen und das Ziel, Gehaltsklasse C anzustreben, sind auch ökonomisch sinnvoll. Besonders bei Phosphor, Kalium und Magnesium entsteht jedoch der Eindruck, dass sich hier Kosten einsparen lassen. Schließlich sind die Folgen einer reduzierten Versorgung oft nicht unmittelbar sichtbar. Anders als beim Stickstoff bleiben spürbare Ertragseinbußen zunächst häufig verborgen und werden erst nach mehreren Jahren sichtbar.

Dennoch gilt: Wer heute wirtschaftlich erfolgreich düngen möchte, sollte nicht pauschal sparen, sondern die Effizienz des Nährstoffeinsatzes erhöhen. Die notwendigen Informationen liegen auf den meisten Betrieben bereits vor – in Form von Bodenuntersuchungen, Schlagdaten und Pflanzenanalysen

Die Nährstoffversorgung ist betriebsindividuell

Betrachtet man die Entwicklung des Mineraldüngerabsatzes in Deutschland, wird deutlich, wie stark die Grunddüngung in den vergangenen Jahren zurückgefahren wurde. Gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2014/15 gingen die Absätze bis 2022/23 deutlich zurück – bei P und K sogar um über 50 %. Wirtschaftsdünger aus der weiterhin stark schrumpfenden Tierhaltung können dieses Defizit nicht ausgleichen.

Gleichzeitig zeigen regionale Auswertungen der Bodenuntersuchungen, dass die Versorgungslage keineswegs einheitlich ist. Während einige Betriebe noch über beachtliche Nährstoffreserven verfügen, bewegen sich andere Flächen im Bereich kritischer Gehalte. ENNI-Daten zeigen dies für 2024/2025 im neuesten Nährstoffbericht für Niedersachsen: Während 53 % der Schläge optimal mit P versorgt sind (Gehaltsklasse C), sind 20 % unter- (Gehaltsklassen A und B) und 27 % überversorgt – mit starken regionalen Unterschieden. 
Aus diesen Gründen muss jeder Betrieb intensiv die eigenen Untersuchungsergebnisse prüfen und die Nährstoffversorgung auf Grundlage von Boden, Fruchtfolge und Ertragserwartung planen. 

Nicht nur die Gehaltsklasse entscheidet

Gerade bei Phosphor konzentriert sich die Diskussion häufig auf die bekannten Versorgungsstufen der Bodenuntersuchung. Für die tatsächliche Nährstoffversorgung der Pflanzen reicht dieser Blick jedoch nicht aus. Ob eine Kultur tatsächlich ausreichend Phosphat aufnehmen kann, hängt von zahlreichen weiteren Faktoren ab. Neben dem gemessenen Bodengehalt spielen die Nachlieferungsfähigkeit des Bodens, die Durchwurzelbarkeit, die Bodenfeuchtigkeit und die chemischen Bindungsformen des Phosphors eine wichtige Rolle. Diese Faktoren entscheiden über die tatsächliche Verfügbarkeit des in der Bodenuntersuchung ausgewiesenen P-Gehaltes. 

Deshalb sollten die P-Untersuchungsergebnisse immer im Zusammenhang mit dem ebenfalls ausgewiesenen pH-Wert betrachtet werden. Erst aus dieser Kombination ergibt sich ein realistisches Bild der tatsächlich pflanzenverfügbaren Mengen: je geringer der pH-Wert der Fläche ist, desto mehr liegt das Phosphat als Eisen- oder Aluminiumphosphat gebunden vor und desto weniger ist es tatsächlich pflanzenverfügbar. Diese Flächen müssen gekalkt werden, damit das Bodenuntersuchungsergebnis auch wieder das tatsächlich pflanzenverfügbare P anzeigen kann. Bei hohen pH-Werten hingegen liegt Phosphat als Calciumphosphat festgelegt vor. Diese Flächen profitieren besonders von versauernden N- bzw. N-S-Düngern, um über das Absenken des pH-Wertes direkt an der Wurzel die P-Verfügbarkeit zu erhöhen. Ist der pH-Wert weit vom Optimum entfernt, sollte wasserlösliches Phosphat direkt zur Kultur gegeben werden. 

Die ergänzende Untersuchung der Phosphor-Freisetzungsrate zeigt, wieviel des pflanzenverfügbaren Phosphors unter den aktuellen Standortbedingungen tatsächlich freigesetzt wird. Sie kann insbesondere bei niedrigen Gehaltsklassen helfen, die tatsächliche Versorgung besser einzuschätzen. Damit gewinnt sie gerade in Zeiten hoher Düngerpreise an Bedeutung.

Phosphor gezielt in der Fruchtfolge einsetzen

Wenn die finanziellen Spielräume begrenzt sind, stellt sich die Frage nach der optimalen Verteilung der verfügbaren Nährstoffmengen innerhalb der Fruchtfolge. Dabei sollte Phosphor nicht ausschließlich auf die Kultur mit dem höchsten Entzug konzentriert werden. Entscheidend ist vielmehr das Nährstoffaneignungsvermögen der jeweiligen Pflanzenart, gerade in der Jugendentwicklung. Insbesondere Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben reagieren häufig deutlich auf eine gute Phosphorversorgung. Diese Kulturen profitieren von einer gezielten Versorgung oft stärker als Kulturen mit ausgeprägterem Wurzelsystem und höherem Aneignungsvermögen. 

Effizienz durch Platzierung steigern

Platzierung der Grunddüngung - in kritischer Jugendphase essentiell
Platzierung der Grunddüngung - in kritischer Jugendphase essentiellCaroline Benecke
Mit steigenden Düngerkosten wird auch die Frage der Ausbringungstechnik immer wichtiger. Zahlreiche Versuche zeigen, dass eine platzierte Phosphordüngung häufig ähnlich hohe Wirkungen erzielen kann wie deutlich größere Mengen bei flächiger Ausbringung. Insbesondere bei Mais und anderen Reihenkulturen lassen sich dadurch Effizienzvorteile erzielen. Die Platzierung verbessert den frühen Zugang der Pflanzen zum Nährstoff und reduziert die Abhängigkeit von den im Boden ablaufenden Umsetzungsprozessen. Gerade unter ungünstigen Bedingungen kann dies die Jugendentwicklung fördern, den notwendigen Düngeaufwand verringern und so wirtschaftlicher gestalten. Moderne Einzelkorntechnik und präzise Applikationsverfahren sollten umso mehr in Erwägung gezogen werden, je geringer die geplante Düngermenge pro ha ist.

Kalium wird in Trockenjahren zum Schlüsselnährstoff

Während bei der Grunddüngung oft zuerst über Phosphor gesprochen wird, verdient Kalium mindestens die gleiche Aufmerksamkeit. Kalium reguliert zahlreiche osmotische Prozesse in der Pflanze und spielt eine zentrale Rolle bei der Wasseraufnahme sowie bei der Steuerung der Spaltöffnungen. Damit beeinflusst es wesentlich die Trockenstresstoleranz unserer Kulturen. Angesichts häufiger auftretender Trockenperioden gewinnt dieser Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Besonders hoch ist die Reaktion auf eine Kalidüngung bei Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln. Danach folgen Raps und Getreide.

Den Wert des Strohs richtig bewerten

Strohabfuhr - was gilt es zu beachten?
Strohabfuhr - was gilt es zu beachten?Caroline Benecke
Ein häufig unterschätzter Aspekt der Kaliumversorgung ist die Strohabfuhr. Während Stickstoff und Phosphor überwiegend über das Ernteprodukt abgefahren werden, verbleiben große Teile des Kaliums im Stroh. Bei hohen Getreideerträgen können auf diese Weise erhebliche Mengen den Flächen entzogen werden. Deshalb sollte vor jeder Strohvermarktung nicht nur der Verkaufspreis betrachtet werden. Ebenso wichtig ist der Wert der abgefahrenen Nährstoffe, welcher durch im Internet verfügbare Rechner wie z.B. hier gut ermittelt werden kann. Gerade auf leichten Standorten ist Kali sehr verlagerungsanfällig. Zwischenfrüchte konservieren über die Sickerwasserperiode im Winter nicht nur Stickstoff, sondern natürlich auch die anderen Grundnährstoffe und sind somit ein wichtiger Baustein, um Nährstoffe auch über die Vegetationsperiode hinaus im Anbausystem zu halten. 

Magnesium immer mitdenken

Bei der Bewertung der Kaliumversorgung darf Magnesium nicht vergessen werden. Zwischen beiden Nährstoffen besteht ein Konkurrenzverhältnis. Hohe Kaliumgehalte im Boden können die Magnesiumaufnahme der Pflanzen beeinträchtigen und dadurch Mg-Mangelsituationen fördern. Das ist besonders kritisch, weil Magnesium das Zentralatom des Chlorophylls und somit essentiell für die Photosynthese ist. In vielen Fällen lassen sich solche Probleme bereits anhand der Bodenuntersuchung erkennen: ist die Kaliumversorgung des Bodens zwei Gehaltsklassen oberhalb der von Mg, ist ein Antagonismus wahrscheinlich. Pflanzenanalysen bestätigen anschließend häufig lediglich die bereits vorhandenen Hinweise. Der größte Teil potenzieller Magnesiumprobleme ist bereits vor dem Auftreten sichtbarer Mangelsymptome aus der Bodenuntersuchung ablesbar.

Blattdüngung kann unterstützen, aber nicht ersetzen

Angesichts hoher Düngerkosten wird häufig diskutiert, ob sich Grundnährstoffe verstärkt über Blattdüngungsmaßnahmen bereitstellen lassen. Für Makronährstoffe wie Phosphor, Kalium oder Magnesium ist dies jedoch nur sehr eingeschränkt möglich. Die über das Blatt aufnehmbaren Mengen reichen nicht aus, um den Bedarf der Kulturen zu decken. Eine Blattdüngung kann ihre Stärken vielmehr bei kurzfristigen Mangelsituationen oder in beginnenden Stressphasen ausspielen. Besonders Mikronährstoffe lassen sich auf diesem Weg effizient ergänzen. Als Instrument zur Feinsteuerung sind sie deshalb wertvoll. Eine bedarfsgerechte Grundnährstoffversorgung über den Boden können sie jedoch nicht ersetzen.

Präzision durch Technik

Teilflächenspezifische Grunddüngung ist nicht pauschal der Schlüssel zu einer Reduktion der einzusetzenden Düngemittel. Liegen die allerdings große Unterschiede auf den Flächen vor, bedeutet effizienterer Einsatz von Düngemittel auch die Umverteilung dieser Innerhalb der Schläge. Bei besonders großen Unterschieden ist eine Verringerung der Düngerkosten möglich. Nach unserer Erfahrung sprechen diese Kriterien für eine teilflächenspezifische Kalkung und Düngung:

  • Ertragsunterschiede von über 25% auf mehr als 25 % der Fläche
  • Mehr als 2 verschiedene Bodenarten
  • Nutzbare Feldkapazität variiert um mehr als 40 mm auf 1 m Tiefe
  • pH-Wert oder Phosphor variieren um mehr als eine Versorgungsstufe

Verstand statt Pauschalverzicht

Die aktuelle Kostensituation zwingt viele Betriebe, bewährte Düngestrategien neu zu bewerten. Die Lösung liegt jedoch selten in einem pauschalen Verzicht auf Grundnährstoffe. Erfolgreicher ist ein gezielterer Einsatz. Bodenuntersuchungen, Pflanzenanalysen, teilflächenspezifische Bewirtschaftung und präzise Düngetechnik bieten zahlreiche Möglichkeiten, die Effizienz der eingesetzten Nährstoffe zu steigern. Der Schlüssel für gute Entscheidungen liegt also in Kenntnissen über Pflanzenernährung und Düngung. 
Die wichtigste Botschaft lautet daher: Die Informationen für bessere Düngeentscheidungen liegen auf den meisten Betrieben bereits vor. Lernen Sie, Ihre Bodenuntersuchung richtig zu lesen! In Zeiten hoher Düngerpreise wird nicht der Betrieb mit den niedrigsten Düngerkosten erfolgreich sein, sondern der Betrieb, der aus den vorhandenen Informationen über seine Flächen die richtigen Schlüsse zieht.


Kurz & knapp:

  • Status Quo: Stark rückläufige Einsätze von Grunddüngung und heterogene Bodenversorgung
  • Statt Pauschalverzicht in der Grunddüngung Zusammenhänge der Pflanzenernährung auffrischen
  • P-Versorgung des Bodens immer mit dem pH-Wert abgleichen
  • Mg-Düngung bei hohen Kaligehalten im Boden besonders wichtig
  • Informationen zur Kalkung als wichtigste Voraussetzung für Nährstoffverfügbarkeit lesen Sie bald in einem separaten Artikel!
  • Alle wichtigen Infos zur Ermittlung des Bedarfes in der Grunddüngung finden Sie hier.
    Wichtig: gleichen Sie die Empfehlungen immer mit Ihrem Ertragsniveau ab!