Winterroggen hat auch 2026 seine Stärken auf leichten und trockengefährdeten Standorten unter Beweis gestellt. Trotz Frühjahrstrockenheit und Hitzeperioden erzielten die Landessortenversuche noch zufriedenstellende Erträge. Welche Sorten in den verschiedenen Anbauregionen Niedersachsens überzeugten und worauf bei der Sortenwahl künftig besonders zu achten ist, zeigen die aktuellen Ergebnisse der Landessortenversuche.

Anbauentwicklung und Marktbedingungen
Winterroggen konnte auch für die Ernte 2026 leicht an Fläche gewinnen konnte. Nach den INVEKOS-Zahlen wurden in Niedersachsen auf 127.491 ha Winterroggen (+ 2%) angebaut. Roggen hat damit weiterhin einen festen Platz in den Fruchtfolgen im Norden und Nordosten Niedersachsens.
Für die Ernte 2026 stellte sich die Vermarktungslage insgesamt verhalten dar. Eine erwartungsgemäß etwas kleinere Ernte traf auf weiterhin gut versorgte europäische Märkte, sodass das Preisniveau unter Druck blieb. Die Vermarktung von Brotroggen wurde zusätzlich durch die verschärften Anforderungen hinsichtlich des Mutterkornbesatzes beeinflusst, wodurch Qualitätsaspekte und die Wahl entsprechend angepasster Sorten weiter an Bedeutung gewonnen haben. Gleichzeitig bleiben die Zuschläge für Brotroggen vergleichsweise gering, sodass ein großer Teil des Absatzes weiterhin über den Futtermarkt erfolgt. Und auch hier gab es teilweise hohe Preisabschläge bei entsprechendem Mutterkornbesatz.
Vegetationsverlauf 2025/26
Die Aussaatbedingungen im Herbst 2025 waren in weiten Teilen Niedersachsens günstig. Nach der Bestellung sorgten ausreichende Niederschläge und milde Temperaturen vielerorts für einen zügigen Feldaufgang und eine gute Vorwinterentwicklung. Auch später gesäte Bestände konnten sich meist noch ausreichend etablieren. Der Winter verlief insgesamt moderat. Wiederkehrende Frostphasen wurden weitgehend von einer schützenden Schneedecke begleitet, sodass Auswinterungsschäden bei Roggen nur vereinzelt auftraten.
Das Frühjahr war zunächst von kühlen Temperaturen bei gleichzeitig geringen Niederschlägen bestimmt. Besonders auf leichteren Standorten machte sich die Trockenheit schon früh bemerkbar. Die Entwicklung der Bestände verlief dadurch vielerorts zunächst verhalten, da das Wasserangebot begrenzt war und die Nährstoffnachlieferung aus dem Boden nur langsam in Gang kam. Vor allem auf den Sandstandorten traten zeitweise Trockenstresssymptome auf, während tiefgründigere Böden die Defizite zunächst besser ausgleichen konnten.
Mit den Niederschlägen Anfang Mai verbesserten sich die Wachstumsbedingungen deutlich. Die Bestände holten die zuvor verzögerte Entwicklung rasch auf und durchliefen Schossen, Ährenschieben und Blüte überwiegend unter günstigen Bedingungen. Die Wasserversorgung kam für die Ertragsbildung noch rechtzeitig.
Die kühl-trockene und niederschlagsarme Witterung bis in den April hinein führte zunächst zu einem geringen Krankheitsdruck. Blattkrankheiten spielten in Roggen über weite Strecken der Schossphase nur eine untergeordnete Rolle. Mit den Niederschlägen ab Mai änderte sich die Situation regional. Nach dem Ährenschieben trat insbesondere Braunrost stärker auf. Daneben wurden vereinzelt Rhynchosporium-Blattflecken festgestellt.
Die weitere Entwicklung wurde maßgeblich durch mehrere Hitzeperioden im Juni geprägt. In vielen Regionen wurden Höchsttemperaturen bis nahe 40 °C gemessen. Besonders auf Standorten mit begrenzter Wasserversorgung verkürzte die Hitze die Kornfüllungsphase und begrenzte das Ertragspotenzial. Weiter entwickelte Bestände auf leichteren Standorten konnten die Belastung meist besser kompensieren, während auf gut wasserversorgten Standorten die Temperaturen die Bestände oftmals in einem früheren Entwicklungsstadium trafen und somit dort noch mehr Ertragspotenzial „verbrannte“.
Die Erntebedingungen gestalteten sich überwiegend günstiger als in den Jahren 2023 und 2025. In vielen Regionen konnte zügig gedroschen werden, größere Probleme mit Auswuchs oder einem Rückgang der Fallzahlen traten nicht auf. Insgesamt lag der Ertrag beim Roggen in diesem Jahr laut Landesamt für Statistik in Niedersachsen mit durchschnittlich 65,1 dt/ha knapp über dem des Vorjahres (64,3 dt/ha).
Das Thema Mutterkorn blieb auch in diesem Jahr von hoher Bedeutung. Die feuchte Witterung während der Roggenblüte erhöhte hier das Infektionsrisiko deutlich, sodass es regional zu einem hohen Befall mit Mutterkorn im Roggen kam. Seit der Absenkung des zulässigen Mutterkorngehaltes auf 0,2 g/kg für unverarbeiteten Brotroggen hat die Bedeutung dieses Qualitätsmerkmals weiter zugenommen. Während für Futterroggen weiterhin ein Grenzwert von 1,0 g/kg Futtermittel gilt, können bereits geringe Besatzmengen die Vermarktung von Brotroggen erheblich erschweren. Entsprechend gewinnen die Wahl wenig anfälliger Sorten sowie vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen zunehmend an Bedeutung.
Ergebnisse der Landessortenversuche
Im LSV Winterroggen standen 2026 insgesamt zehn Sorten. Das Sortiment setzte sich aus sechs bereits mehrjährig geprüften Sorten sowie vier neu aufgenommenen Kandidaten zusammen. Die Versuche wurden in den drei Anbauregionen Sandböden West, Sandböden Nord und Lehmböden auf elf Standorten angelegt. Ergänzend wurden Versuchsergebnisse aus Nordrhein-Westfalen in die regionalen Auswertungen einbezogen.
Die Erträge lagen auf den westlichen Sandstandorten mit durchschnittlich 90,5 dt/ha auf einem guten Niveau, blieben jedoch unter den hohen Ergebnissen des Vorjahres. Auf den Sandböden Nord wurden im Mittel 75,8 dt/ha erzielt. Hier wirkte sich die Frühjahrstrockenheit deutlicher aus als in den anderen Anbauregionen. Auf den Lehmböden erreichten die Versuche mit durchschnittlich 98,5 dt/ha wiederum ein hohes Ertragsniveau. Die Einzelstandorte wiesen Erträge zwischen 83 und über 111 dt/ha auf. Trotz der Trockenheit im Frühjahr bestätigte Roggen erneut seine Anpassungsfähigkeit an leichte und trockenheitsgefährdete Standorte. Die Ertragsunterschiede zwischen den Sorten fielen in allen Regionen vergleichsweise gering aus.
Empfohlene Sorten
Die langjährig geprüfte und in der Praxis sehr etablierte Sorte KWS Tayo erreichte auch 2026 knapp durchschnittliche Erträge. Die Sorte überzeugt weiterhin durch ihre hohe Ertragsstabilität, eine gute Blattgesundheit, die allerdings eine Lücke bei Braunrost aufweist und eine vergleichsweise geringe Mutterkornanfälligkeit. Sie wird weiterhin für alle Regionen empfohlen.
SU Karlsson zeigte erneut ausgeglichene Leistungen und erreichte in allen Anbauregionen durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Erträge. Die Sorte verfügt über eine durchschnittliche Blattgesundheit und Standfestigkeit sowie eine geringe Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn. Mit überdurchschnittlichen Hektolitergewichten und Rohproteingehalten zeigt die Sorte zudem gute Qualitätseigenschaften. Aufgrund ihrer Ertragsstabilität und des insgesamt ausgewogenen Eigenschaftsprofils bleibt sie eine sichere Empfehlung für alle Anbauregionen.
Die EU-Sorte KWS Fidalgor bestätigte die guten Ergebnisse des Vorjahrs. Mit leicht überdurchschnittlichen Erträgen auf den Sandböden West sowie durchschnittlichen Leistungen in den übrigen Regionen beweist die Sorte im zweiten Prüfjahr ihre Stabilität. Positiv hervorzuheben sind außerdem die gute Blattgesundheit und die günstige Mutterkorneinstufung. Die Sorte wird daher für alle Anbauregionen empfohlen.
KWS Emphor bestätigte ihre Position als robuste Sorte. Die Erträge bewegten sich 2026 auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau, liefern mehrjährig aber ebenfalls stabile Ergebnisse. Besondere Stärken liegen in der sehr guten Einstufung hinsichtlich der Mutterkornanfälligkeit sowie in der guten Blattgesundheit. Die Sorte wird aufgrund der leicht unterdurchschnittlichen Ertragsleistung für alle Anbauregionen eingeschränkt empfohlen.
SU Fred präsentierte sich ertraglich in diesem Jahr in allen Anbauregionen unterdurchschnittlich. Die große Stärke der Sorte liegt allerdings in ihren anderen Eigenschaften. Als einzige Sorte im Sortiment vereint SU Fred Standfestigkeit, Blattgesundheit und eine sehr geringe Mutterkornanfälligkeit. Die Sorte wird wegen der geringeren Kornerträge für alle Anbauregionen eingeschränkt empfohlen.
SU Erling bestätigte auch in diesem Jahr die hohe Ertragsleistung. In allen drei Anbauregionen erzielte die Sorte überdurchschnittliche Relativerträge und gehörte erneut zu den leistungsstärksten Kandidaten im Sortiment. Die mehrjährig verrechneten Erträge bestätigen die Ertragsstabilität der Sorte. Neben der Ertragsstärke überzeugt die insgesamt ausgewogene Agronomie. Die Mutterkornanfälligkeit wird jedoch lediglich durchschnittlich eingestuft, sodass auf gefährdeten Standorten die Bestandesführung entsprechend angepasst werden sollte. Die Sorte erhält daher nur eine eingeschränkte Empfehlung für alle Anbauregionen.
KWS Valentor absolvierte 2026 das erste LSV-Jahr und erzielte in allen drei Anbauregionen überdurchschnittliche Erträge. Besonders auf den Lehmböden sowie den Sandstandorten Nord überzeugte die Sorte mit hohen Relativerträgen. Die Sorte hat eine Schwäche in der Standfestigkeit, während Blattgesundheit und Mutterkornanfälligkeit vielversprechend erscheinen. Daher erhält die Sorte eine Empfehlung für den Probeanbau.
Auch SU Fenn zeigte im ersten Prüfjahr überzeugende Leistungen. Die Sorte erreichte auf den Sandstandorten Nord die höchsten Relativerträge des Sortimentes und konnte auch auf den übrigen Standorten überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Hinzu kommt eine gute Blattgesundheit geringe Mutterkornanfälligkeit. Allerdings zeigt auch diese Sorte Defizite in der Standfestigkeit. Aufgrund des Gesamtbilds der Sorte wird diese zum Probeanbau empfohlen.
Weitere geprüfte Sorten
Farmaleo erreichte im ersten Prüfjahr durchschnittliche Erträge und bestätigte die hohen Ertragsleistungen aus den Vorprüfungen nicht ganz. Trotz einzelner positiver Eigenschaften konnte die Sorte noch keine ausreichenden Vorteile gegenüber den leistungsstärkeren Neuzugängen zeigen.
Der erstmals geprüfte Kurzstrohroggen KWS Erebor erzielte auf den Sandstandorten teilweise deutlich überdurchschnittliche Erträge, blieb jedoch insbesondere auf den schwereren Lehmböden etwas hinter dem Sortimentsmittel zurück. Zudem zeigte die Sorte in diesem Jahr Schwächen beim Hektolitergewicht und Rohproteingehalt. Durch die Kurzstrohgenetik verfügt die Sorte auch ohne den Einsatz von Wachstumsreglern über eine sehr gute Standfestigkeit. Zusätzlich ist die Sorte mit einer sehr geringen Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn ausgestattet.
Fazit
Das Anbaujahr 2025/26 stellte auch den Winterroggen vor Herausforderungen durch Frühjahrstrockenheit und Hitze während der Kornfüllung. Allerdings konnte der Roggen seine Stärken auf leichteren und trockengefährdeten Standorten erneut unter Beweis stellen und sich insgesamt als vergleichsweise ertragsstabile Kultur präsentieren Die Landessortenversuche zeigen, dass leistungsfähige und an die unterschiedlichen Anbauregionen angepasste Sorten zur Verfügung stehen. Aufgrund der verschärften Qualitätsanforderungen rücken insbesondere die Mutterkornanfälligkeit und die Vermarktungssicherheit stärker in den Fokus der Sortenwahl Insgesamt bestätigen die Versuchsergebnisse die Bedeutung einer standort- und fruchtfolgeangepassten Sortenwahl, um Ertragspotenzial und Vermarktungssicherheit bestmöglich auszuschöpfen.




