Nach dem deutlichen Wiederanstieg der Anbaufläche für Dinkel im Jahr 2025 blieb diese Kultur auch zur Ernte 2026 für viele Betriebe eine interessante Alternative zum klassischen Anbau von Winterweizen. In diesem Jahr wurde in Niedersachsen auf 10.763 ha Winterdinkel angebaut. Das entspricht einem Anstieg von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (9026 ha). Ausschlaggebend hierfür dürfte weiterhin die wieder verbesserte Vermarktungssituation gewesen sein. Nachdem die in den Jahren 2022 bis 2024 aufgehäuften Übermengen weitgehend abgebaut werden konnten, wurden von Handel und Verarbeitern erneut attraktive Vertragsanbauprogramme angeboten.

Anbau von Winterdinkel in der Praxis
Dinkel wird heute überwiegend als entspelztes Saatgut ausgesät, da dies besonders bei Nutzung pneumatischer Saattechnik zu weniger Problemen mit Verstopfungen führt. Die Verwendung von Vesen (nicht-entspelzte Körner) hat aufgrund geringerer Saatgutkosten jedoch weiterhin Praxisrelevanz. Aussaatzeitpunkt und Bestandesführung orientieren sich grundsätzlich am Winterweizen. So dankt auch Dinkel die Fruchtfolgestellung nach Blattfrüchten. Die Saatstärke sollte in Abhängigkeit von Saattermin und Standort gewählt und von 200 Körner/m² bzw. 100 Vesen/m² bei sehr früher Aussaat auf bis zu 450 Körner bzw. 225 Vesen je m² bei sehr später Aussaat entsprechend erhöht werden.
Die Aussaatbedingungen im Herbst 2025 waren überwiegend günstig, sodass sich die Bestände bis zum Winter gut entwickeln konnten. Frostperioden im Januar und Februar führten dank vielfach schützender Schneedecken kaum zu Auswinterungsschäden. Die ausgeprägte Frühjahrstrockenheit ließ die Bodenwasservorräte auch auf den überwiegend lehmigen Dinkelstandorten Südniedersachsens deutlich zurückgehen. Gleichzeitig sorgte die strahlungsreiche Witterung für einen geringen Krankheitsdruck und stabile Bestände. Die Niederschläge Anfang Mai verbesserten die Wasserversorgung spürbar und ermöglichten eine zügige Weiterentwicklung. Hohe Temperaturen im Juni beschleunigten anschließend Kornfüllung und Abreife, sodass insbesondere auf flachgründigeren Standorten Trockenstress sichtbar wurde. Die im Frühsommer befürchteten stärkeren Ertragseinbußen blieben jedoch vielfach aus, und die überwiegend trockene Witterung ermöglichte eine zügige Ernte.
Für die Vermarktung bleiben insbesondere Rohproteingehalt, Fallzahl, Feuchtklebergehalt und Kernausbeute von zentraler Bedeutung. Als typische Mindestanforderungen für Backdinkel gelten Rohproteingehalte von mindestens 12 bis 13 Prozent, Fallzahlen von 230 bis 270 Sekunden, Feuchtklebergehalte von mindestens 24 bis 28 Prozent sowie Kernausbeuten von mindestens 69 Prozent. Von den Qualitätsparametern erfordert die Fallzahl besondere Aufmerksamkeit, da diese bei ungünstigen Bedingungen zur Ernte schnell in kritische Bereiche absinken kann, was zu hohen Abzügen bei der Vermarktung bis hin zur nicht mehr gegebenen Verwertbarkeit der Partien führen kann.
Das Hektolitergewicht der Vesen liefert zwar erste Hinweise auf die Kornfüllung und den Entspelzungserfolg bei der weiteren Verarbeitung, erlaubt jedoch keine direkte Aussage über die für die Verarbeitung wirtschaftlich besonders relevante Kernausbeute. Diese wird neben der Kornfüllung maßgeblich durch sortenspezifische Unterschiede im Spelzenanteil beeinflusst.
Ergebnisse der Landessortenversuche
Die beiden niedersächsischen Landessortenversuche in Höckelheim und Poppenburg erreichten zur Ernte 2026 einen mittleren Vesenertrag von 84,5 dt/ha. Damit bewegten sich die Erträge zwar etwas unter dem hohen Niveau des Vorjahres, liegen aber ziemlich genau auf dem Niveau der mehrjährig verrechneten Erträge. Dies unterstreicht die grundsätzlich gute Anpassungsfähigkeit des Dinkels an trockene Frühjahrsbedingungen. Besonders deutlich zeigte sich erneut, dass der Dinkel aufgrund seiner vergleichsweise geringen Ansprüche an Stickstoffversorgung und Standortbedingungen auch unter schwierigeren Witterungsverläufen stabile Leistungen erbringen kann.
Die Ertragsunterschiede zwischen den Sorten fielen 2026 insgesamt moderat aus. In der mehrjährigen Verrechnung unter Einbeziehung der Wertprüfungsergebnisse bestätigt sich die hohe Leistungsfähigkeit der einzelnen Sorten, die in diesem Jahr beobachtet wurde. Diese Resultate verdeutlichen zugleich den züchterischen Fortschritt der letzten Jahre, bei dem neben hohen Ertragsleistungen verstärkt auch Standfestigkeit, Blattgesundheit und Qualitätsmerkmale berücksichtigt wurden.
Die Trockenheit während Kornfüllung und Ernte wirkte sich insgesamt positiv auf die Qualitätsausprägung aus. Hohe Proteingehalte, gute Feuchtkleberwerte und überwiegend sichere Fallzahlen wurden auch von Verarbeitern und Mühlen bundesweit berichtet. Größere Probleme mit Auswuchs oder stark abgesunkenen Fallzahlen blieben 2026 weitgehend aus.
Die LSV-Ergebnisse 2026 zeigen, dass diese Anforderungen von den meisten geprüften Sorten sicher erreicht wurden. Alle geprüften Sorten erreichten Fallzahlen in einem für die Vermarktung günstigen Bereich. Dabei standen weniger Höchstwerte als vielmehr die sichere Erfüllung der Qualitätsanforderungen im Vordergrund. Ergänzt durch die überwiegend guten Rohprotein- und Klebergehalte ergaben sich insgesamt günstige Voraussetzungen für die Verwertung als Backdinkel. Während hohe Erträge die Wirtschaftlichkeit des Anbaus maßgeblich bestimmen, werden die Vermarktungschancen beim Dinkel vor allem durch die erreichten Qualitätsparameter geprägt.
Die Sorten im Einzelnen
Albertino bleibt weiterhin eine der bundesweit bedeutendsten Dinkelsorten. Auch 2026 bestätigte sie ihre hohe und stabile Ertragsleistung und erreichte sowohl im diesjährigen Versuch als auch in der mehrjährigen Verrechnung deutlich überdurchschnittliche Ergebnisse. Qualitativ punktet sie insbesondere durch ihre hohe Kernausbeute. Die Fallzahlen bewegten sich in diesem Jahr auf einem sicheren Niveau. Zu beachten ist die erhöhte Lageranfälligkeit infolge der überdurchschnittlichen Pflanzenlänge. Zudem zeigt Albertino Schwächen gegenüber Mehltau und Braunrost. Für Betriebe mit dem Schwerpunkt auf hoher Ertragsleistung bleibt die Sorte jedoch weiterhin interessant.
Franckentop konnte 2026 nicht an die Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen. Die Sorte rangiert sowohl im aktuellen Versuchsjahr als auch mehrjährig unter dem Versuchsmittel. Ihre Stärken liegen unverändert im Qualitätsbereich. Besonders hervorzuheben sind die hohen und sicheren Fallzahlen sowie die gute Kernausbeute. Agronomisch überzeugt Franckentop durch ihre gute Standfestigkeit und die geringe Anfälligkeit gegenüber Gelbrost. Eine Schwäche besteht dagegen bei Mehltau. Für qualitätsorientierte Vermarktungsprogramme bleibt die Sorte dennoch eine interessante Option.
Alrese wurde 2026 erstmals im LSV geprüft und präsentierte sich mit mittleren bis leicht überdurchschnittlichen Ertragsleistungen. In der mehrjährigen Verrechnung erreicht sie ebenfalls ein solides Niveau. Positiv fallen gute Rohproteingehalte auf. Beim Hektolitergewicht lieferte die Sorte die höchsten Werte, allerdings wird die Kernausbeute vom Bundessortenamt dagegen lediglich durchschnittlich bewertet. Agronomisch zeigt sich Alrese ausreichend standfest, besitzt aber Schwächen bei Braunrost und Mehltau, sodass die Blattgesundheit nicht zu den hervorstechenden Eigenschaften der Sorte zählt. Aufgrund der bislang noch begrenzten Datengrundlage bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten.
Zollernfit konnte die Ertragsleistung 2026 gegenüber den Vorjahren zwar verbessern, bleibt in der mehrjährigen Betrachtung jedoch weiterhin leicht unterdurchschnittlich. Die Sorte zeichnet sich vor allem durch ihre geringe Pflanzenlänge und die damit verbundene gute Standfestigkeit aus. Auch gegenüber Mehltau, Blattseptoria und Gelbrost besitzt sie Vorteile. Qualitativ überzeugt sie insbesondere durch hohe Rohprotein- und Feuchtklebergehalte. Die Fallzahlen lagen 2026 auf einem guten Niveau und bestätigten die günstige BSA-Einstufung. Ertraglich konnte Zollernfit jedoch bislang nicht dauerhaft zu den Spitzensorten aufschließen.
Alliente bestätigte 2026 die bereits im Vorjahr gezeigte Ertragsstärke. Mit dem höchsten diesjährigen Relativertrag und einer mehrjährigen Leistung von rel. 107 belegt die Sorte derzeit ertraglich die Spitze des Prüfsortiments. Agronomisch überzeugt die kurzstrohige Sorte durch eine gute Standfestigkeit sowie eine hohe Robustheit gegenüber den wichtigen Blattkrankheiten. Qualitativ liegt Alliente dagegen eher im mittleren Bereich. Insbesondere die Werte für Rohprotein, Kleber und Kernausbeute fallen geringer aus als bei vielen qualitätsorientierten Sorten. Für ertragsorientierte Anbauprogramme stellt sie derzeit jedoch eine der interessantesten Sorten dar.
Badenglanz bestätigte erneut ihre hohe Ertragsstabilität. Sowohl im diesjährigen Versuch als auch mehrjährig erzielte die Sorte überdurchschnittliche Ergebnisse. Ihre besonderen Stärken liegen im Qualitätsbereich. Hohe Rohprotein-, Feuchtkleber- und Fallzahlwerte unterstreichen die Eignung für anspruchsvolle Vermarktungswege. Aufgrund der kurzen Wuchshöhe weist die Sorte eine sehr gute Standfestigkeit auf. Auch bei der Blattgesundheit besitzt die Sorte das beste Profil aller geprüften Sorten. Die positive Kombination aus Ertrag, Qualität und Agronomie erklärt die zunehmende Bedeutung der Sorte im praktischen Anbau.
Rheingold erreichte im ersten Versuchsjahr lediglich unterdurchschnittliche Erträge und zeigte in der mehrjährigen Verrechnung ein durchschnittliches Leistungsniveau. Hervorzuheben sind die hohen Fallzahlen und die sehr hohe Kernausbeute. Demgegenüber fallen Rohprotein- und Klebergehalte vergleichsweise niedrig aus. Agronomisch zeichnet sich Rheingold durch eine kurze Pflanzenlänge und gute Standfestigkeit aus. Die Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten bewegt sich überwiegend im mittleren Bereich. Für eine abschließende Beurteilung sind allerdings weitere Versuchsergebnisse erforderlich.
Keltenschatz wurde ebenfalls 2026 erstmals geprüft. Ertraglich lag die Sorte in diesem Jahr knapp unter dem Mittel, während die mehrjährigen Ergebnisse aus Wertprüfung und LSV deutlich überdurchschnittlich ausfallen. Hervorzuheben sind die hohe Fallzahleinstufung sowie eine gute Kernausbeute. Die Qualitätsparameter bei Rohprotein und Klebergehalt liegen dagegen eher im mittleren Bereich. Agronomisch besitzt Keltenschatz eine gute Standfestigkeit und zeigt Vorteile gegenüber Gelbrost. Bei Braunrost ist dagegen eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich. Aufgrund der begrenzten Datengrundlage bleibt die weitere Entwicklung im praktischen Anbau abzuwarten.
Limpurger bestätigte im ersten LSV-Jahr die guten Leistungen aus den Vorprüfungen. Mit überdurchschnittlichen Erträgen sowohl im aktuellen Versuchsjahr als sehr hohen mehrjährigen Ergebnissen zählt die Sorte zu den leistungsstärkeren Neuzugängen im Sortiment. Die Sorte verfügt bei einer mittleren Pflanzenlänge über eine gute Standfestigkeit. Positiv hervorzuheben ist die geringe Anfälligkeit gegenüber Braunrost. Qualitativ bewegt sich Limpurger überwiegend im mittleren Segment. Die Kernausbeute wird vom Bundessortenamt leicht überdurchschnittlich eingestuft. Für Betriebe mit dem Schwerpunkt auf Ertrag und Anbausicherheit stellt die Sorte eine interessante Alternative dar.
Fazit
Winterdinkel konnte seine Position als interessante Alternative in weizendominierten Fruchtfolgen auch im Anbaujahr 2025/26 behaupten. Trotz schwieriger Witterungsverhältnisse erwies sich die Kultur erneut als vergleichsweise anpassungsfähig und lieferte auf den überwiegend lehmigen Standorten Südniedersachsens stabile Erträge. Die günstigen Erntebedingungen sorgten zudem für insgesamt gute Qualitäten mit sicheren Fallzahlen sowie hohen Protein- und Klebergehalten.
Die Versuchsergebnisse unterstreichen den züchterischen Fortschritt der vergangenen Jahre. Neben leistungsstarken Ertragssorten stehen zunehmend Sorten zur Verfügung, die hohe Erträge mit guter Standfestigkeit, verbesserter Blattgesundheit und vermarktungsrelevanten Qualitätseigenschaften verbinden. Für die Sortenwahl bleiben jedoch neben den agronomischen Eigenschaften vor allem die Anforderungen der aufnehmenden Hand entscheidend, da der Dinkelanbau weiterhin überwiegend über Verträge vermarktet wird.
Angesichts der stabilen Nachfrage und der verbesserten Vermarktungsaussichten bestehen aktuell weiterhin gute Perspektiven für den Dinkelanbau. Aufgrund der begrenzten Marktgröße sollte eine weitere Flächenausdehnung jedoch mit Augenmaß erfolgen und eng mit den Vermarktungspartnern abgestimmt werden.






