Bezirksstelle Northeim
Webcode:01038540

Resthofkauf - Pferde nicht immer legal

Der Traum vom Resthof mit Pferden - wer sich vorm Immobilienkauf nicht richtig informiert, für den könnte es daraus ein böses Erwachen geben. Ein neues Beratungsangebot der LWK Niedersachsen soll genau das verhindern.

Pferde in altem Pferdestall
Pferde in altem PferdestallChristian Mühlhausen / Landpixel
Mehr als einmal hat Volker Grothey reichlich Tränen fließen sehen. Dann nämlich, wenn er den engagierten Neu-Eigentümern eines Resthofes, die wohl möglich bereits Tausende Euro in die Umgestaltung der Altställe in Pferdeboxen investiert haben, eröffnen muss: „Tut mir leid, eine Pferdehaltung ist hier nicht möglich.“ Grothey ist Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Bezirksstelle in Northeim und Berater aus der Fachgruppe „Nachhaltige Landnutzung, Ländliche Entwicklung“. Gemeinsam mit seinem Fachgruppenleiter Philipp Ilse entscheidet er zwar nicht über ein Verbot oder eine Genehmigung von Tierhaltungen, ihre Expertise wird aber von den Baubehörden regelmäßig zu Rate gezogen - vor allem dann, wenn es Beschwerden von Nachbarn oder Anzeigen gibt. 

 

So erstrebenswert es auch ist, alte Ortskerne mit Hofstellen wieder mit Leben zu füllen und so die Gebäudesubstanz zu erhalten: „Etliche der Tierhaltungen in den Dörfern sind illegal, weil es keinen Bestandsschutz mehr gibt und Emissionsgründe dagegen sprechen. Jede Art von Tierhaltung muss genehmigt werden“, sagt Grothey. Jahrzehntelang könne eine solche Tierhaltung gut gehen und „behördlich unauffällig“ sein. Doch kommt es zu einer Überprüfung, aus welchen Gründen auch immer, droht ein Verbot. Etwa fünf bis sechs Fälle, bei denen die Tierhaltung untersagt wird, gehen bei ihm jedes Jahr über den Schreibtisch. Auslöser für Anzeigen seien häufig, dass die Tierhaltung erweitert oder beispielsweise ein Paddock gebaut werde: „Das findet in der dichten Ortsbebauung, die es in vielen südniedersächsischen Dörfern gibt, verständlicherweise nicht jeder toll. Die Akzeptanz des Nachbarn ist überschaubar, wenn da plötzlich ein Pferd unterm eigenen Fenster steht“, sagt Grothey. Man wolle den Resthofinteressenten die Tierhaltung nicht ausreden, aber sie vor größerem Schaden bewahren, ehe das Kind in den Brunnen gefallen sei. Und man helfe, dabei auszuloten, wie man die Tierhaltung genehmigungsfähig bekomme.

LWK Berater Volker Grothey
LWK Berater Volker GrotheyChristian Mühlhausen / Landpixel

LWK Berater Philipp Ilse
LWK Berater Philipp IlseChristian Mühlhausen / Landpixel
Verständlicherweise bricht für die Beteiligten eine Welt zusammen, wenn das behördliche Aus der Tierhaltung kommt, wie Philipp Ilse resümiert. Besonders, wenn beispielsweise der Resthof nur gekauft wurde, um dort Tiere zu halten. Dabei seien diese unschönen Momente doch allesamt vermeidbar, wenn man sich im Vorfeld informieren würde, sagt Ilse. „Wir haben daher als neues Produkt eine Kaufberatung für Resthöfe in unser Beratungsangebot aufgenommen“, erklärt der Fachgruppenleiter. Kaufinteressenten würden dabei von Beginn an die Hand genommen. 

 

„Der Trend, einen Resthof zu kaufen, ihn umzunutzen und ihn zu bewirtschaften sowie dort zu leben ist, ungebrochen, bei Hobbyhaltern wie bei Existenzgründern. Aber einfach zu kaufen und drauf los zu bauen ist keine gute Idee“, sagt Ilse. Einen alten Hof umzubauen, birgt neben den Chancen auch viele Risiken. Wer die Beratung der Landwirtschaftskammer schon vor der Unterschrift des Kaufvertrages in Anspruch nehme, müsse mit weniger Risikofaktoren rechnen. „Nur weil auf dem Hof früher Tiere gehalten wurden, ist die Tierhaltung dort nicht automatisch wieder möglich. Im Gegenteil, der Bestandsschutz ist eher die Ausnahme als die Regel“, erklärt Grothey, der schätzt, dass 90 Prozent der bei der Landwirtschaftskammer anfragenden Kaufinteressenten Pferdehalter seien. Gemeinsam mit dem Kaufinteressenten würden die Berater daher schauen, ob und wie eine Tierhaltung überhaupt umsetzbar ist auf der Wunschimmobilie.

Mistlagerung
MistlagerungChristian Mühlhausen / Landpixel

Ein dabei oft unterschätztes Thema: Wohin mit dem Mist? Mitnichten sei die alte, wohl möglich löchrige Misteplatte auf dem Hof geeignet, dort Mist dauerhaft zu lagern. Auch hier berät die Landwirtschaftskammer, wie beispielsweise eine genehmigungsfähige Mistlagerung auszusehen hat oder wie der Mist über Abnahmeverträge abgegeben werden kann.

 

So begrüßenswert Enthusiasmus auch sei, wenn es darum geht, alter Bausubstanz wieder Leben einzuhauchen: „Laien unterschätzen oftmals die Kosten einer Sanierung von Jahrhunderte alter Bausubstanz, zumal wenn Denkmalschutzauflagen berücksichtigt werden müssen“, erläutert Ilse. Damit der Umbau kein Fass ohne Boden wird, geben die Berater der Landwirtschaftskammer aus ihrer langjährigen Praxis eine Ersteinschätzung, die später noch durch Bausachverständige erweitert werden kann. 

Die Resthof-Kaufwilligen profitieren dabei von dem breiten Beratungsangebot der Landwirtschaftskammer Bezirksstelle Northeim: „Wir können das Gesamtpaket anbieten“, sagt Ilse. Nach einem Baukastenprinzip können sich die künftigen Resthofbewirtschafter auch noch eine betriebswirtschaftliche Beratung dazu buchen, beispielsweise um die Rentabilität des geplanten Hofladens oder der Pferdepension zu ermitteln. Wer fremde Pferde einstallt, um die eigenen Kosten zu decken, ist fortan gewerblich statt nur privater Tierhalter - auch hier gebe es wichtige Aspekte zu berücksichtigen. „Bei Bedarf erstellen wir mit den Käufern auch einen Businessplan für ihr Vorhaben und besprechen mit ihnen perspektivische Entwicklungen wie eine Ausweitung des Geschäfts oder Möglichkeiten des Reithallenbaus“, sagt Ilse. Weiterhin stehen Experten für Direktvermarktung - auch da müssen Auflagen beachtet werden -, Düngerecht, Förderung und Antragswesen für Beratungen bereit.

Eine von ihnen ist Tanja Kodewitz, Mitarbeiterin in der Fachgruppe 2 bei der Landwirtschaftskammer in Northeim, und spezialisiert auf Pferdehaltung. „Nicht jeder Altstall ist für die Pferdehaltung geeignet. Mindesthöhe, Lichteinfall, Tierschutzaspekte, Mistlagerung - das alles spielt eine Rolle und das sollte man vorher abklären.“

LWK Beraterin Tanja Kodewith
LWK Beraterin Tanja KodewithChristian Mühlhausen / Landpixel

Doch wonach entscheidet eine Behörde, ob eine Tierhaltung grundsätzlich statthaft ist oder nicht? Neben der Art der Ausweisung im Flächennutzungsplan - Mischgebiet, Wohngebiet, Dorfgebiet - spielt die Vorbelastung durch andere Tierhaltungen mit ihren Emissionen eine Rolle. Gerade in den Dörfern des Eichsfelds im Landkreis Göttingen gebe es noch viele Tierhaltungen, vor allem Schweine. Anders gesagt: Wenn im Dorf in der Nähe bereits ein Betrieb Schweine mästet, dann macht der Geruch von zusätzlichen zwei Pferden zwar nicht viel aus, ist aber dennoch nicht möglich, da dadurch rechnerisch die Emissionen zunehmen. Den rechtlichen Vorgaben entsprechend muss bei einer Begutachtung eine Gesamtbetrachtung der Geruchsbelastung dargestellt werden. Da kann es sein, dass zwei zusätzliche Pferden dafür ausschlaggebend sind, dass die zulässigen Werte überschritten werden. 

Das Argument, dass ja auch früher Tiere in diesen Ställen gehalten wurden, zieht nicht: Ein Bestandsschutz greift in der Regel nur bei einer durchgängigen Tierhaltung der gleichen Art und der gleichen Anzahl ohne nennenswerte zeitliche Unterbrechungen. In der Praxis aber sind die meisten zum Verkauf stehenden Resthöfe schon seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Ähnliches gelte für Aussiedlerhöfe: Diese seien privilegiert im Außenbereich errichtet, dürften aber in der Regel nicht erweitert werden durch beispielsweise Paddock oder Reitplatz für eine Hobbypferdehaltung, sondern nur für eine landwirtschaftliche Nutzung. Kernfrage sei immer, ob das geplante Vorhaben der Landwirtschaft diene und es eine Gewinnerzielungsabsicht gebe. „Und das ist bei der Pferdehaltung häufig nicht gegeben“, sagt LWK-Beraterin Kodewitz.

Autor: Christian Mühlhausen 

Kontakte


Philipp Ilse

05551 6004-270

philip.ilse~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

Gartenfachexkursion Versmold/Bad Driburg 2022

Gartenfachexkursion nach Versmold-Peckeloh und Bad Driburg

Bei schönstem Gartenwetter starteten 24 TeilnehmerInnen am 25.06.2022 von der LWK-Außenstelle Hildesheim nach Nordrhein-Westphalen zum Privatgarten Wagenhuber in Versmold-Peckeloh. Herr Wagenhuber und Herr Leßmeier empfingen uns in …

Mehr lesen...
Die erfolgreichen Absolvent*innen 2022

„Ihr habt verstanden, wie Landwirtschaft geht!“

Für 18 junge Landwirte und Landwirtinnen aus der Region Northeim und Göttingen ist nach 2 bzw. 3 Jahren die Ausbildung nun endgültig zu Ende. Am 13. September 2022 überreichte ihnen der Northeimer Kreislandwirt Markus Melzer ihre …

Mehr lesen...
Hauswirtschafter*innen Göttingen

„Alles ist gut gegangen“ - Urkundenübergabe in den Berufen der Hauswirtschaft

Im Gebiet der Bezirksstelle Northeim bestanden in diesem Sommer insgesamt 17 Absolvent*innen die Abschlussprüfung in den Berufen der Hauswirtschaft. Zehn Teilnehmer*innen legten die Prüfung im Beruf Hauswirtschafter*in ab, sieben im …

Mehr lesen...
Pferd auf befestigtem Winterauslauf an Altgebäuden

Northeim: Veranstaltungsreihe zum Thema Pferd kommt in die Hufe

Wie bereits angekündigt nimmt das Veranstaltungsangebot für Pferdehalter:innen in Northeim wieder zu. Den Anfang machte ein Webseminar im Februar zur Agrarförderung, über das an dieser Stelle berichtet wurde. Am 20. April 2022 …

Mehr lesen...
Weidetagebuch ENNI

Weidetagebuch: Ihre Pflichten als Tierhalter

Landwirt*innen müssen auch den Nährstoffanfall ihrer Weidetiere im Rahmen der Düngeverordnung dokumentieren. Die Betriebsinhaber*innen müssen laut § 10 Abs. 2 der Düngeverordnung nach Abschluss der …

Mehr lesen...
Gärtnern mit Kindern an der Bezirksstelle Northeim

Vom Schlüssellochbeet und anderen interessanten Dingen …

Vor kurzem konnte der Projektkurs „Gärtnern mit Kindern“ in der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Northeim in einer Hybridveranstaltung abgeschlossen werden. 11 Teilnehmerinnen haben das dreiteilige Kursangebot…

Mehr lesen...

Veranstaltungen

Pferdegruppe

Sachkundelehrgang für Pferdehalter

24.10.2022 - 28.10.2022

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bietet im Oktober 2022 einen Sachkundelehrgang für Pferdehalter in Hoppensen an. Zielgruppe sind Personen, die Pferde bereits halten, aber nicht über eine entsprechende Ausbildung …

Mehr lesen...
Logo b|u|s

bus-Unternehmertraining - Infoabend

08.11.2022

Bei dieser bus-Impulsveranstaltung bekommen Sie durch einen Trainer der Andreas-Herms-Akademie erste Einblicke in ein typisches bus-Training.  Die Teilnahme ist kostenfrei für alle Interessierten, die überlegen, in diesem …

Mehr lesen...

AK "Landwirtschaft im Nebenerwerb"

15.11.2022 - 07.03.2023

Der Arbeitskreis bietet an vier Abenden den Erfahrungsaustausch mit anderen Betriebsleitern und Informationen über aktuelle landwirtschaftliche Themen.

Mehr lesen...

Haus und Hof - naturnah und artenreich

15.11.2022 - 29.11.2022

Das Erscheinungsbild des Hofes dient heute mehr denn je der Imagepflege der Landwirtschaft und ist nicht nur für Direktvermarkter, Betreiber von Hofcafés und Ferienhöfe interessant. Und veränderte Betriebsstrukturen erfordern …

Mehr lesen...
Infografik b|u|s Kurs

Neuer bus-Kurs - Modul 1 - 3

25.11.2022 - 10.03.2023

In Südniedersachsen startet im Herbst ein neuer bus-Kurs! Mit den bewährten bus-Trainings entwickeln Sie sich und Ihren Betrieb weiter und führen ihn gut gerüstet in die Zukunft. Gleichzeitig wird die Familie und Ihr Umfeld in …

Mehr lesen...

Pflanzenschutztagung Hildesheim der Bezirksstelle Northeim

08.12.2022

Bad Salzdetfurth (neuer Veanstaltungsort). Vorträge zu aktuellen Fragestellungen im Pflanzenschutz und Pflanzenbau unter Berücksichtigung von neuen Versuchsergebnissen, Empfehlungen für das Anbaujahr 2023. Die Veranstaltung ist eine…

Mehr lesen...