Bezirksstelle Osnabrück

Landwirtschaft im Nebenerwerb: Zwischen Leidenschaft und Pragmatismus

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In einer Zeit, in der sich die Agrarlandschaft stetig wandelt, gewinnt die Landwirtschaft im Nebenerwerb zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, neben einem Hauptberuf einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen – sei es aus familiärer Verbundenheit, aus Liebe zur Natur oder aus dem Wunsch, einen Beitrag zur regionalen Versorgung zu leisten.

Sozioökonomische Beratung
Nebenerwerb bedeutet oft Arbeit mit zwei Paar SchuhenWolfgang Ehrecke
Als Nebenerwerbsbetrieb bezeichnet man in der Landwirtschaft einen Betrieb, in dem weniger als die Hälfte des Einkommens mit der Landwirtschaft erwirtschaftet wird. Maßgeblich ist dabei das Einkommen des Betriebsinhabers beziehungsweise Betriebsinhaberpaares. Der überwiegende Teil des Einkommens wird also außerhalb der Landwirtschaft verdient.

Nebenerwerb überwiegt

54 Prozent aller landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Deutschland werden im Nebenerwerb bewirtschaftet (Stand 2023). Zwischen den Bundesländern gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede: So liegt der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in Schleswig-Holstein bei 41 Prozent, während in Hessen und Baden-Württemberg 67 Prozent der Familienbetriebe im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Alle Nebenerwerbsbetriebe zusammen bewirtschaften rund 18 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Warum Nebenerwerb?

Die Entwicklung der Nebenerwerbslandwirtschaft ist eng mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte verbunden. Viele Landwirte stehen vor der Entscheidung, in neue Ställe oder eine bessere Vermarktung zu investieren, Mitarbeitende einzustellen oder Flächen zu pachten. Dies bringt hohe Kosten mit sich und führt zum Zwang, höheres Einkommen zu erwirtschaften, bedeutet also ein finanzielles Risiko. Um nicht komplett aus der Landwirtschaft aussteigen zu müssen, bewirtschaften sie ihre Betriebe oft im Nebenerwerb.

Viele machen dies aus Traditionsbewusstsein, Liebe zum Beruf oder mit einem Zusatzeinkommen weiterhin landwirtschaftlich tätig sein zu können. Das reicht von der Gästebeherbergung und -bewirtung, Direktvermarktung oder der Führung von Schulklassen bis hin zur Mitarbeit im Maschinenring oder einfach einer außerbetrieblichen Tätigkeit in einem anderen Unternehmen.

Die Vorteile: Flexibilität, Vielfalt und Lebensqualität

Ein großer Pluspunkt der Nebenerwerbslandwirtschaft ist die finanzielle Absicherung durch ein zweites Standbein. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bietet der Hauptberuf Stabilität, während die Landwirtschaft Raum für unternehmerische Entfaltung lässt.

Zudem ermöglicht der Nebenerwerb eine größere Flexibilität: Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter können sich auf bestimmte Nischen spezialisieren – etwa Direktvermarktung, ökologische Produktion oder seltene Tierarten – ohne den Druck, davon vollständig leben zu müssen.

Nicht zu unterschätzen ist der emotionale Wert: Die Arbeit mit Tieren, Pflanzen und der Natur schafft einen Ausgleich zum oft hektischen Berufsalltag. Viele berichten von einer gesteigerten Lebensqualität und einem tieferen Sinn in ihrer Tätigkeit.

Die Herausforderungen: Zeitmanagement und Bürokratie

Natürlich bringt der Nebenerwerb auch Herausforderungen mit sich. Zeitmanagement ist eine der größten Hürden: Die Arbeit auf dem Hof muss mit dem Hauptberuf und dem Privatleben in Einklang gebracht werden. Besonders in arbeitsintensiven Phasen wie der Ernte oder der Tiergeburt ist eine gute Planung unerlässlich.

Auch die bürokratischen Anforderungen können zur Belastung werden. Förderanträge, Dokumentationspflichten und gesetzliche Vorgaben sind oft genauso umfangreich wie bei Vollerwerbsbetrieben. Hier ist es hilfreich, sich frühzeitig zu informieren und gegebenenfalls Unterstützung zu suchen – etwa durch Beratungsangebote oder Netzwerke.

Zusammenfassung
Landwirtschaft im Nebenerwerb wird immer wichtiger, da sie finanzielle Sicherheit und Flexibilität bietet. Viele schätzen die emotionale Bereicherung durch die Arbeit in der Natur und die Möglichkeit, sich auf Nischen wie Direktvermarktung oder ökologische Produktion zu spezialisieren.

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Herausforderungen liegen vor allem im Zeitmanagement und in der Bürokratie, die ähnlich umfangreich wie bei Vollerwerbsbetrieben ist. Dennoch trägt der Nebenerwerb zur Vielfalt in der Agrarstruktur bei, stärkt regionale Kreisläufe und eröffnet Chancen für nachhaltige Entwicklung.

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