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Hackschnitzel: Nicht immer, aber öfter

Die Gewinnung von Hackschnitzeln ist heute keine exotische Angelegenheit mehr. In vielen Forstbetrieben ist die Maßnahme bereits fester Bestandteil der Wirtschaftsweise – Förster Dieter Scholz erläuterte in der Land & Forst 29/15 zweckmäßige Beispiele.

Bei verschiedenen forstlichen Maßnahmen kann eine Waldhackschnitzelgewinnung eingeplant werden, z.B.

  • bei einer Endnutzung, um das Kronenmaterial von der Kulturfläche zu bekommen.
  • zur Vermeidung von Brutmaterial für Borkenkäfer.
  • beim Freilegen eines nötigen Lichtraumprofils an Wegen. 
  • beim Aufschneiden von Rückegassen bzw. bei der Feinerschließung von Jungbeständen anfallendes, dünnes und bislang unverwertbares Material.

Die Entnahme der Biomasse darf allerdings nicht bei jeder Durchforstung erfolgen, denn dem Bestand werden damit auch Nährstoffe entzogen. Die Nutzung des Feinmaterials sollte deshalb vom jeweiligen Standort und der Nutzungsart abhängig gemacht werden. Auf nährstoffärmeren Standorten kann sich die Entnahme kritischer auswirken als auf den gut nährstoffversorgten Böden im Bergland.

In vielen Fällen kann eine Mobilisierung des ungenutzten Holzpotenzials sehr sinnvoll sein; hier zwei Beispiele:

Beispiel 1: An einer zugewachsenen Grenze waren dem wirtschaftenden Förster und Waldbesitzer seit Jahren der exakte Grenzverlauf unklar, mit der Folge, dass im Lauf diverser Durchforstungen immer ein Sicherheitsabstand von der möglichen Grenze belassen wurde, um diese nicht zu überschreiten.

Nach der Klärung der Grenzlinie anhand der aktuellen Flurkarte und einer Absprache der beiden Nachbarn konnte die Fläche nun endlich gepflegt werden und dabei bislang ungenutztes Holz auch geringerer Güte (Weichlaubholz für Hackschnitzel) geerntet werden; die dabei verwendete Maschine erläutern wir im nachfolgenden Beispiel.

Beispiel 2: Ein älterer Waldmantel hat sich sukzessive immer weiter Richtung Feld ausgebreitet und somit die Ackerfläche stetig verkleinert. Ein Zurückdrängen des Waldes im Winter im laublosen Zustand aus dem Bestandesinnern heraus wurde aufgrund der Topographie und mangelnden Frosttagen mehrfach verschoben, auch weil die Hackerlogistik ein zweispuriges Fahren neben dem Polter erfordert (Hacker auf LKW-Chassis und daneben der aufnehmende Schubboden-LKW). Daher wurde die Maßnahme in Abstimmung mit dem Landwirt und der ausführenden Firma bei Trockenheit nach der Ernte und nach der Setz- und Brutzeit terminiert.

Auf einem Rückezug wurde ein Fällaggregat anstelle des Greifers montiert, sodass die Maßnahme mit Hilfe nur einer Maschine und einem Maschinenführer durchgeführt werden konnte. Im Vorfeld waren Preis und Sortiment abgestimmt und vertraglich fixiert worden, denn die möglichen Abnehmer haben unterschiedliche Ansprüche an die Hackschnitzelqualität (verschiedene Anteile von Nadeln oder Blättern). Die Vermarktung sollte also unbedingt vor der Durchführung der Maßnahme erfolgen, um möglichen Streitigkeiten über die Güte des Materials aus dem Wege zu gehen.

Fazit

Mit der Hackschnitzelgewinnung können bislang ungenutzte Holzmengen akquiriert werden. Wichtig ist aber ein behutsames Vorgehen: sowohl mit Blick auf die damit verbundenen Nährstoffentzüge, als auch auf die Setz- und Brutzeiten und die Umfänge der Maßnahme (möglichst nicht brachial über lange Strecken durch komplettes Abhacken, sondern abschnittsweise). Dabei sollte die koordinierende Hilfe des Försters oder der Försterin in Anspruch genommen werden, damit die Fläche für eine Bündelung sinnvoll zusammengefasst wird. 


Kontakt:
Dieter Scholz
Bezirksförster
Telefon: 05565 548
Telefax: 05565 911249
E-Mail:


Stand: 18.05.2021