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Projekt REVIEW – Reduzierung von Lebensmittelverlusten in der Wertschöpfungskette von Frischgemüse

Form, Farbe, Gewicht und Frische - Qualität ist ein wichtiges Kriterium beim Kauf von frischem Obst und Gemüse. Doch auf dem Weg von der Produktion zum Verkauf haben sich mittlerweile Qualitätsstandards etabliert, die zum Teil weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen.

 

Im Rahmen des Projektes „REVIEW“ untersuchen wir – das sind die Landwirtschaftskammer Niedersachsendie Produzenten Mählmann Gemüsebau GmbH & Co. KG und Behr AG/AMG, das Einzelhandelsunternehmen Edeka Minden-Hannover und die Hochschule Osnabrück - welche Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette von Frischgemüse mit veränderten Qualitätsanforderungen eingespart werden können. In dem Projekt wird auch untersucht, ob sich durch eine ressourcenschonendere Produktion die Produktaufmachung verändert - und wenn ja - wie diese von Verbraucher*innen akzeptiert wird.

Einsparpotentiale entlang der Wertschöpfungskette nutzen

Der Freilandgemüsebau steht wie die gesamte Landwirtschaft vor der Herausforderung, hochwertige und sichere Lebensmittel mit möglichst geringem Ressourceneinsatz zu produzieren. Eine Möglichkeit der Ressourceneinsparung liegt im Bereich der Produktion bzw. auf dem Acker: Beispielsweise kann durch den Einsatz neuer Technologien und Verfahren die Effizienz der Düngung erhöht und damit Stickstoff eingespart werden (Projekt RESIDUE).

Weiteres Potenzial der Ressourceneinsparung liegt im Bereich der Vermarktung von frischen Produkten. Marktübliche Qualitäten, wie Sie jeder Verbraucher und jede Verbraucherin aus dem Handel kennt, gehen oftmals über gesetzliche Vorgaben, den sogenannten Vermarktungsnormen für frisches Obst und Gemüse, hinaus. Der Markt fragt solche Qualitäten ab und die Produzent*innen liefern diese. Allerdings verbrauchen sie dadurch zum Teil auch mehr Ressourcen, als sie für die Produktion von Gemüse nach Anforderung der gesetzlichen Vermarktungsnormen müssten.

In dem praxisnahen Projekt „REVIEW“ gehen wir erstmalig gemeinsam mit Playern aller Ebenen der Wertschöpfungskette von Frischgemüse der Frage nach, in welchem Umfang Ressourcen eingespart werden können, wenn das Gemüse konsequent nach den Qualitätsanforderungen der gesetzlichen Vermarktungsnormen produziert und auf die oft höheren, marktüblichen Qualitätsstandards verzichtet wird. Auch untersuchen wir, inwieweit die Produktaufmachung sich zu den bisherigen Erzeugnissen mit marktüblichen Qualitätsstandards unterscheiden und ob die Verbraucher*innen veränderte Produktaufmachungen am Point of Sale (PoS) akzeptieren.

 

Vier Modellkulturen im Fokus

Aufgrund ihrer bundesweit flächenmäßigen Bedeutung wurden Eissalat, Brokkoli, Kohlrabi und Blumenkohl als Modellkulturen aus dem Frischgemüsespektrum gewählt. Das Projekt gliedert sich in die Wertschöpfungsbereiche „Produktion“ und „Vermarktung“:

Projektteil Produktion

Auf den Partnerbetrieben werden innerhalb der Anbauflächen Düngefenster eingerichtet, die mit einer reduzierten Stickstoffversorgung versehen werden. Im Rahmen des 3-jährigen Projektes ermitteln wir wie weit wir die Stickstoffdüngung reduzieren können, um noch die nach staatlichen Vermarktungsnormen geforderten Qualitätskriterien einzuhalten. Dabei erfassen wir, ob und wie sich die Produktqualität verändert und ob es Änderungen in der Kulturdauer gibt. Durch einen direkten Vergleich mit der Produktion der Modellkulturen unter konventionellen Ressourceneinsatz können wir konkrete Aussagen zur Ressourceneinsparung treffen. Welche Dünger- aber auch Wasser- oder Pflanzenschutzgaben konnten eingespart werden, weil die Ware die gesetzlich geforderte Vermarktungsqualität erreicht hat?

 

Projektteil Vermarktung

Schwerpunkt im Bereich „Vermarktung“ ist, Informationen über das Kaufverhalten der Verbraucher*innen bei Gemüse zu sammeln und zu ermitteln, inwieweit veränderte Produktaufmachungen durch die Verbraucher*innen akzeptiert werden. Aufbauend auf diesen Informationen erarbeitet die Hochschule Osnabrück in diesem Projekt entsprechende Marketingkonzepte, die die Vorteile der ressourcenschonenden Produktion an den Verbraucher kommunizieren.

Dafür starten wir eine repräsentative Umfrage unter Verbraucher*innen und arbeiten direkt am PoS: Die Erzeugnisse aus den reduzierten Düngungsvarianten des Projektes werden in 20 EDEKA-Märkten im norddeutschen Raum ohne konkurrierende „konventionelle Ware“ angeboten. Dafür passt der Projektpartner EDEKA in den ausgewählten  Märkten das Angebot und zum Teil auch das Bezahlsystem an:

Blumenkohl

Vermarktung bzw. Angebot von „10-er Blumenkohl“ statt üblicherweise „6-er Blumenkohl“. Blumenkohl wird üblicherweise in Kisten á 6 Köpfen als Größeneinheit vermarktet. Im Projekt sollen den Verbraucher*Innen kleinere Blumenkohlköpfe angeboten werden, von denen 10 in eine Kiste passen.

Kohlrabi

Knollen ohne Laub und mit einem Knollendurchmesser von 80 bis 100 Millimeter. Üblicherweise wird Kohlrabi mit Laub und größeren Knollendurchmesser angeboten.

Eissalat

Vermarktung des Salatkopfes nach Gewicht ab 350 g, statt wie bisher üblich nach Mindestgewicht von ca. 500 Gramm pro Kopf.

Brokkoli

Vermarktung nach Gewicht ab 350 Gramm, statt wie bisher üblich nach Mindestgewicht von 500 Gramm.

Im Anschluss evaluieren wir über den Warenabfluss, welche Vermarktungsstrategien erfolgreich waren und geben Empfehlungen an den Handel und die Erzeuger.

 

Projektpartner & -laufzeit

Zur Bearbeitung des Projektes haben sich neben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen folgende Projektteilnehmer zu einer Operationellen Gruppe zusammengeschlossen:

  • Mählmann Gemüsebau GmbH & Co. KG
  • AMG Agrarmanagement GmbH in Zusammenarbeit mit der Behr AG
  • EDEKA Minden-Hannover
  • Hochschule Osnabrück, Institut für Agrarmarketing

Vollständiger Projekttitel: Reduktion der Stickstoffemissionen im Gemüsebau durch Reduzierung der Düngung und der Lebensmittelverluste in der Wertschöpfungskette

Projektlaufzeit: 36 Monate

Bewilligungszeitraum: 01.06.2020 bis zum 31.05.2023


Kontakt:
Wasseem Suleiman
Beratung und Qualitätsmanagement im Gartenbau
Telefon: 0511 4005-2315
Telefax: 0511 4005-2300
E-Mail:
Dr. Hendrik Führs
Leiter Fachbereich Beratung und Qualitätsmanagement im Gartenbau
Telefon: 0511 4005-2314
Telefax: 0511 4005-2300
E-Mail:


Stand: 08.01.2021