Der Artikel befasst sich mit der Prüfung neuer Kartoffelsorten, die jährlich auf den Markt kommen, und deren Prüfung auf Anbaueignung und Qualität. Die Versuche in Niedersachsen zeigen, dass Erträge, Sortierung und Stärkegehalt von genetischen Faktoren beeinflusst werden. Auch äußere und innere Mängel wie Schorf und Eisenflecken werden bewertet. Nematodenresistenz ist ein wichtiger Faktor für den Anbau. Geschmackstests werden für die Klassifizierung von Kochtypen, Fleischfarben und dem Geschmack durchgeführt. Empfehlenswerte Sorten werden in Zusammenarbeit mit acht Bundesländern ermittelt.
Immer wieder neue Sorten

Allgemeine Versuchsdaten
Seit über 25 Jahren führen wir an der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Landessortenversuche durch. An zwei Standorten (Celle und Suderburg) laufen Versuche für frühe und mittelfrühe Sorten. Ein Großteil des Sortiments ist mit vielen anderen Bundesländern abgestimmt. Nachdem eine Sorte drei Jahre geprüft wurde und somit die Prüfung abgeschlossen ist, erfolgt eine bundesweite Beurteilung der Sorte. Diese finden sie am Ende des Artikels. Bei den ein- und zweijährig geprüften Sorten finden sich nur die Ergebnisse von den Versuchen in Celle und Suderburg wieder. Beides sind typische Heidestandorte mit ca. 30 Bodenpunkten, die bei Bedarf beregnet werden.
Grundsätzlich ist die Sortenwahl so aufgebaut, dass sich die neuen Sorten mit drei guten etablierten Sorten, unterschiedlicher Kochtypen, messen müssen. Das sind zum Beispiel im frühen Sortiment Sunita, Belana und Wega. Diese Sorten stellen auch die Bezugsbasis für die Berechnung der Erträge und Sortierungen, in relativ Zahlen, dar. Jede Sorte wird drei Jahre geprüft, es sei denn, die Sorte war nicht lieferfähig oder zeigte im ersten Versuchsjahr schon so gravierende Schwächen, dass sie aus dem Sortiment gestrichen wurde. In den Tabellen gibt es nicht von jeder Sorte zweijährige Ergebnisse, weil sie gestrichen, nicht geliefert, die Prüfung 2024 abgeschlossen oder eine Sorte erst 2025 neu aufgenommen wurde. 2025 standen im frühen Sortiment neun und im späteren fünfzehn Sorten. Neu aufgenommen wurden bei den frühen Sorten Jola, Milenia und Smilla. In der Reifegruppe 3 gingen erstmals die Sorten Coco, Ina, und Supernova an den Start. Von den 31 im Jahr 2024 und 2025 geprüften Sorten waren 8 festkochend, 22 vorwiegend festkochend und 1 mehlig kochend. Die Stickstoffdüngung wurde mit 150 kg/ha - Nmin durchgeführt. Bei Kali, Phosphor und Magnesium wurde nach der Bodenuntersuchung und den Empfehlungen der Landwirtschaftskammer gedüngt.
Die Kartoffeln wurden je nach Standort am 08. oder 15. April gepflanzt. Die Herbizid-Behandlung erfolgte mit einer metribuzinfreien Tankmischung, damit metribuzinunverträgliche Sorten nicht unter der Herbizidmaßnahme leiden. Die Fungizidmaßnahmen gegen Krautfäule und Alternaria sowie Insektizidmaßnahmen gegen Kartoffelkäfer und Läuse wurden so durchgeführt, dass die Bestände gesund blieben. So werden die eigentlichen Versuchsfragen nicht durch einen pilzlichen oder tierischen Schaderreger überlagert. Eine reifegruppenspezifische, praxisnahe Krautregulierung Ende Juli bis Anfang August war die Grundlage für die Ernte schalenfester Ware.
In den Versuchen fanden eine Vielzahl von Bonituren statt. Im Bestand wurden der Aufgang, die Fehlstellen, sowie die Krankheiten Rhizoctonia, Schwarzbeinigkeit und Krautfäule festgehalten. Sofort nach der Ernte ermittelten wir den Ertrag, die Sortierung, den Stärkegehalt und hohle Knollen an Übergrößen. Später bonitierten wir am Erntegut Fäulen, Schorf, Rhizoctonia, Eisenfleckigkeit, Wachstumsrisse und ergrünte Knollen. Ein Kochtest Anfang November gab Aufschluss über Kochtyp, Fleischfarbe und insbesondere Geschmack der einzelnen Sorten. In diesem Artikel stehen die wichtigsten praxisrelevanten Parameter im Vordergrund.
Erträge, Sortierung und Stärkegehalte
Die Erträge (dt/ha) lagen 2025 unter denen von 2024. An den relativen Erträgen ist gut zu erkennen, dass die meisten Sorten eine genetische Veranlagung zu hohen oder niedrigen Erträgen haben. Überdurchschnittliche Erträge (Tabelle 1 + 2) erzielten in beiden Jahren in der frühen Reifegruppe die Sorten Adorata, Artemis, Fabricia und Wega. Den höchsten Ertrag in 2025 erzielte die neue Sorten Milenia. In der Reifegruppe 3 hatten Lilly und insbesondere Taormina die Nase vorn. Auch die neuen Sorten Coco und Ina wiesen über-durchschnittliche Erträge auf. Nach der Ertragsfeststellung wurden die Kartoffeln sortiert. Ein erhöhter Anteil an Drillingen (kleine Knollen) wurde nur bei den Sorten Gerona und Jola ermittelt. Diese Eigenschaft muss aber nicht unbedingt von Nachteil sein. Für bestimmte Verwertungsrichtungen ist sie sogar ein erklärtes Zuchtziel. Auch ein hoher Anteil an Übergrößen wird je nach Vermarkter als Vor- oder Nachteil angesehen. Extrem viele Übergrößen (über 25%) hatten Adorata, Artemis, Fabricia, Sunita, Sandra, Supernova und Taormina. Wenn Übergrößen nicht explizit erwünscht sind, wäre die Konsequenz für die Praxis eine geringere Stickstoffdüngung, ein engerer Pflanzabstand und/oder ein früherer Krautregulierungstermin. Tabelle 3 zeigt die Stärkegehalte der Sorten. Auch hier ist zu erkennen, dass die Sorten eine genetische Veranlagung zu mehr oder weniger Stärke haben, da sich die Ergebnisse in den Jahren ähneln.
Anbaueigenschaften
Einige Eigenschaften sind in Tabelle 4 dargestellt. Für die Vermarktung können die äußeren und inneren Mängel entscheidend sein. Zu den wichtigsten äußeren Mängeln zählen der gewöhnliche Schorf und Rhizoctonia Pocken auf der Schale. Beide Eigenschaften sind genetisch veranlagt, während bei Rhizoctonia durch eine Beizung der Pilz bekämpft werden kann, wird es beim Schorf wesentlich schwerer, den Befall zu mindern. Bei den inneren Mängeln können Eisenflecken für eine erfolgreiche Vermarktung entscheidend sein. Da in 2023/24 kaum Eisenflecken in den Kartoffeln unserer Versuchsstandorte zu finden waren, wurde auf die Darstellung dieser Eigenschaft in Tabelle 4 verzichtet. 2025 gab es Eisenflecken an einem Standort, hier fielen die Sorten Milenia und Supernova negativ auf. Ob sich das in den nächsten Jahren bestätigt, werden wir beobachten.
Beim gewöhnlichen Schorf waren in den letzten Versuchsjahren starke Sortenunterschiede zu bonitieren. Diese Ergebnisse sind in Tabelle 4 eingeflossen. Insbesondere die Sorten Artemis, Florentina, Franca, Jola, Coco, Emiliana, Lotta, Luna Rossa, Regina, Samoa und Supernova hatten reichlich Schorf. Deshalb sollten diese Sorten nur auf Standorten angebaut werden, die intensiv beregnet werden können und einen nicht zu hohen pH-Wert aufweisen. Sehr geringen Schorfbesatz zeigten die Sorten Belana, Jutta, Sunita, Elise, Gerona, Ina, Lilly und Sandra. Auch bei Sorten, die sich in den Versuchen stabil gegen Schorf erwiesen, sollte nicht zu spät (Stolonenverdickung) beregnet werden. Frühes Beregnen unter trockenen Bodenverhältnissen kann für eine Minimierung von Schorf mit entscheidend sein.
Rhizoctonia trat in den letzten Versuchsjahren immer wieder auf, die Ergebnisse finden sich in Tabelle 4 wieder.
Nematodenresistenz gegenüber G. Pallida
Für den Landwirt ist es wichtig zu wissen, ob er Nematoden auf seinen Flächen hat und wenn ja, welche Art und Menge. Danach kann er planen, welche Sorte auf welchem Standort passt. Sollten weiße Nematoden (Pallida 2, 3) auf der Fläche sein, eignen sich die vorwiegend festkochenden Sorten Smilla, Ina und 4You (Pa 2, 3). Diese Sorten sind auch zur Nutzung im Rahmen von Bekämpfungsprogrammen in Deutschland geeignet. Die Sorte Thalia hat zwar auch eine Pallida 2 und 3 Resistenz, aber keine Resistenz gegen Ro 1 – 5 und ist somit zur Nematoden-Reduzierung nicht geeignet.
Speiseeigenschaften
Beim Testessen bestätigte sich meistens die bekannte Sorteneinstufung der Kochtypen festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend. Die Fleischfarbe “tiefgelb” gekochter Kartoffeln (Tabelle 5) zeigte sich bei den Sorten Belana, Wega, Coco, Emiliana, Merle, Regina und Santera am intensivsten. Wofür ist die Fleischfarbe wichtig? Die Antwort ist einfach: Das Auge isst mit, und tiefgelb ist einfach schöner als hellgelb.
Bei der Prüfung auf den Geschmack wird nicht in “gut” und “schlecht” schmeckende Sorten unterschieden. Vielmehr werden bestimmte definierte “Mängel im Geschmack” (z.B. bitter, fade) festgestellt. Besonders geringe Mängel und somit auch sehr gut schmeckend waren die Sorten Belana, Wega, Coco, Emiliana, Ina, Merle, Regina, Samoa und Santera.
Empfehlenswerte Sorten, deren Prüfung abgeschlossen ist


Fazit:
- Jede Sorte hat bei bestimmen Parametern Vorteile, aber auch Nachteile. Viele der geprüften Sorten schaffen es nicht, in die Empfehlung zu kommen.
- Guter Geschmack und gutes Aussehen ist wichtig, damit der Konsum bei den Speisekartoffeln nicht sinkt, sondern steigt.
- Die Vermarktungsfähigkeit kann die Auswahl einschränken. Noch unbekannte Sorten sind nicht so einfach zu vermarkten wie bekannte Sorten. Der Anbau sollte mit der aufnehmenden Hand abgesprochen werden.
- Nematoden sind auf einigen Standorten ein Problem, deshalb sollte auf die Nematoden Resistenz geachtet werden. Im Speisebereich gibt es noch wenig Sorten mit einer Pallida Resistenz. Wünschenswert ist eine Nematoden Untersuchung vor dem Anbau von Kartoffeln.








