Landwirtschaftskammer und Verband niedersächsischer Saatguterzeuger tagen gemeinsam in Hannover – Verbandsvorsitz: Lauenstein folgt auf Brammer – Vorträge über Schnelltests und Analyse bei der LUFA Nord-West

Aus dem Kreis der Selbstaufbereiter gehört die Beecken Dienstleistungs GmbH & Co. KG aus Südergellersen (Kreis Lüneburg) zu den Ausgezeichneten. Die Brüder Arne und Henning Beecken organisieren auf 304 Hektar (ha) die Vermehrung und Aufbereitung von Vorstufen-, Basis- und Z-Saatgut in den Fruchtarten Winterroggen, Wintergerste, Hafer und Sommergerste. Vermehrt wird dort bereits seit 1967, der Großvater der Gebrüder Beecken startete im Jahr 1973 mit der Aufbereitung. Kürzlich nahm das Unternehmen eine neue, hochmoderne Aufbereitungsanlage in Betrieb.
Für die Vermehrung bei der nun prämierten Bio-Hof Oderwald GbR in Dorstadt (Kreis Wolfenbüttel) zeichnet Betriebsleiter und Gesellschafter Helge Buessemaker verantwortlich. Von 105 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche entfallen 35 ha auf die Vermehrung von Winterweizen, Sommerweizen, Spelzweizen und Hafer, die über die VO-Firma (VO = Vermehrungsorganisation) Öko-Korn in Betzendorf (Kreis Lüneburg) vermarktet wird. Der Betrieb arbeitet nach den Richtlinien des Anbauverbands Naturland.
Im Betrieb Henric Frerking aus Walsrode-Ebbingen (Heidekreis) wird die Vermehrung in zweiter Generation fortgeführt und ist nun dort seit mehr als 30 Jahren beheimatet. Neben 130 ha Ackerfläche und 8 ha Grünland gehören zum Betrieb noch 40 ha Wald. Auf einer Vermehrungsfläche von 56 ha wurden die Fruchtarten Winterweizen, Wintertriticale und Sommergerste angebaut. Daneben wurden noch 25 ha Grassamen von Deutschem Weidelgras erfolgreich vermehrt. VO-Firma ist hier die Hauptsaat in Linsburg (Kreis Nienburg). Im kommenden Jahr soll die Ackerfläche durch Zupachtung auf 250 ha vergrößert werden.
Für eine sehr erfolgreiche Gräservermehrung wurde der Betrieb Holger Prüser aus Syke-Steimke (Kreis Diepholz) ausgewählt. Auch hier hat die Vermehrung seit den 1960-er Jahren Tradition. Auf zuletzt 21 ha wurden die Grasarten Deutsches Weidelgras, Rotschwingel und Wiesenrispe für die Deutsche Saatveredlung vermehrt. Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb 260 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und neben der Gräservermehrung werden auch noch 40 ha Kartoffeln für Speise- und Veredlungszwecke, Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste und Mais (Biogas) angebaut sowie auf 1.100 Plätzen Mastschweine gehalten.
Wechsel an der Vereinsspitze

Im Jahresbericht des VNS wurde zum wiederholten Mal eine Korrektur des gefahrenbasierten Ansatzes zugunsten einer tatsächlichen Risikobewertung bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln thematisiert. Darüber hinaus empfahl der VNS eine europaweite Harmonisierung der Anwendungsauflagen für Beizmittel sowie die Streichung bestimmter Anwendungsauflagen für fungizide Beizmittel.
Keimfähigkeits-Schnelltests im Fokus
Während des Vortragsteils der Veranstaltung ging Jens Varnskühler vom Unternehmen Seedalive (Osnabrück) auf verschiedene Methoden zum Schnelltest der Keimfähigkeit von Saatgut ein. Seedalive hat einen KI-unterstützten Resazurintest entwickelt, der nach Varnskühlers Angaben auf der Messung der Wasserempfindlichkeit der mit geringsten Mengen mit dem Farbstoff Resazurin behandelten Samen beruht. Nach den Ausführungen des Referenten kommt es bei Schnelltests darauf, dass diese genau, kostengünstig, schnell, und umweltfreundlich sind.
Die Anwendung des Osnabrücker Unternehmens umfasst zahlreiche Parameter und könne somit etwa für die Einschätzung von DON-Werten, welche eine Belastung mit Fusarium-Pilzen anzeigen, sowie für den Test der Malzeignung Anwendung finden. Das Haupteinsatzgebiet der Keimprüfung von Getreidesaatgut sieht Varnskühler in größeren Unternehmen der Saatgutbranche, um schnell einen ersten Qualitäts-Eindruck des potenziellen Saatgutmaterials zu erhalten.
Bundesweit an der Spitze: Saatgutuntersuchung bei der LUFA Nord-West
Dr. Axel Goeritz, beim LWK-Laboranalytik-Unternehmen LUFA Nord-West in Hameln Leiter der Saatgutprüfung, schilderte die einzelnen Schritte in der Saatgutuntersuchung: vom Probeneingang über die Besatz- und Reinheitsuntersuchung, die Bestimmung der Sortenechtheit, die TKG-Ermittlung (TKG = Tausendkorngewicht, wichtiger Parameter für Reife und Qualität), die Keimprüfung, die Keimfähigkeitsauswertung bis zur Mitteilung des Ergebnisses. Durch fortlaufende Prozessoptimierung konnte die Saatgutprüfstelle nach Goeritz’ Angaben die Analysedauer bei allen Getreidearten deutlich reduzieren. 2025 lag die Untersuchungsdauer im Schnitt bei sechs bis acht Tagen. In diesem Zeitfenster lagen bei Wintergerste 91%, bei Winterweizen 86%, bei Winterrogen 92% und bei Wintertriticale 96% der Saatgutproben. Damit habe Niedersachsen deutschlandweit die Nase vorne, was die Schnelligkeit der Saatgutuntersuchung betreffe, berichtete der LUFA-Experte.
Ausführlicher Bildtext zum Gruppenfoto mit den ausgezeichneten Saatguterzeugern
Auszeichnungen für hohe Qualität des Saatgutes (von links nach rechts): Henrich Meyer zu Vilsendorf (Agrarministerium), Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Bettina und Holger Prüser (Syke-Steimke), Henric Frerking (Walsrode-Ebbingen), der scheidende VNS-Vorsitzende Albrecht Brammer, Daniel Mirschel (VO für Bio-Hof Oderwald, Dorstadt), der neue VNS-Vorsitzende Arnd-Kristian Lauenstein, Arne und Henning Beecken (Südergellersen).
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