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Erfolgreiche Frauen in der Landwirtschaft: Interview mit Ina Janhsen

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Ina Janhsen berichtet von ihrem Weg in der Landwirtschaft – geprägt von früher Verantwortung, mutigen Entscheidungen und der Liebe zum Hofleben. Sie spricht über moderne Betriebsführung, die Herausforderungen wachsender Bürokratie und den Spagat zwischen Familie, Betrieb und Ehrenamt. Mit Klarheit, Organisationstalent und Durchhaltevermögen hat sie gemeinsam mit ihrem Mann einen erfolgreichen Hof aufgebaut. Ein inspirierendes Porträt über Verantwortung übernehmen, Veränderungen gestalten und Frauenpower in der Landwirtschaft.

Ina Jahnsen - Landwirtin und Präsidentin der Nds. Landfrauen Weser-Ems
Ina Jahnsen - Landwirtin und Präsidentin der Nds. Landfrauen Weser-EmsHenning Stauch / Fotograf

Der Weg in die Landwirtschaft beginnt oft mit familiären Einflüssen, ersten prägenden Erfahrungen oder dem Wunsch, mit der Natur und Tieren zu arbeiten.

Frau Janhsen, wie sind Sie zur Landwirtschaft gekommen?

"Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb bei Sande (Landkreis Friesland) aufgewachsen. Durch die Erkrankung meiner Mutter musste ich früh Verantwortung übernehmen. Eigentlich zog es mich später ganz woanders hin: Ich träumte davon, in einem Hotel in Hamburg zu arbeiten. Doch dann kam – zum Glück – die Liebe dazwischen.
Mein Mann und ich entschieden uns bewusst für das Leben auf dem Hof seines Großvaters. Gemeinsam haben wir den Betrieb bei Bensersiel übernommen, gestaltet, modernisiert und zu dem gemacht, was er heute ist: unser gemeinsames Lebenswerk."

Was fasziniert Sie an der Landwirtschaft besonders?

"Die Landwirtschaft ist unglaublich vielseitig und bedeutet Arbeiten im Einklang mit der Natur. Durch unsere Selbstständigkeit waren wir immer sehr selbstbestimmt. Das hat es mir ermöglicht, betriebliche Herausforderungen und Familienleben gut miteinander zu vereinbaren."

Die Aufgaben in einem landwirtschaftlichen Betrieb sind vielfältig und reichen von der täglichen Versorgung der Tiere und der Bewirtschaftung der Flächen bis hin zu organisatorischen und wirtschaftlichen Tätigkeiten.

Welche Aufgaben und Verantwortungsbereiche übernehmen Sie aktuell auf dem Betrieb?

"Mein Mann und ich führen den Betrieb gemeinsam. Meine Schwerpunkte liegen in der Organisation, im Agrarbüro sowie im Finanzbereich. Typischerweise gehört auch die Versorgung der Familie und der Mitarbeitenden zu meinem Aufgabenfeld."

Welche Tätigkeiten erledigen Sie am liebsten – und welche sind für Sie besonders herausfordernd?

"Ich schätze es sehr, den Gesamtüberblick zu haben, und arbeite gerne in den Bereichen Organisation und Logistik. Eine große Herausforderung stellen für mich die stetig zunehmenden politischen Auflagen dar. Die Vielzahl an Vorgaben und Kontrollen kostet Zeit, Kraft und oft auch Nerven."

Die Landwirtschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Technische Innovationen, neue gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen führen dazu, dass Betriebe sich kontinuierlich weiterentwickeln und anpassen müssen.

Welche Entwicklungen oder Veränderungen in der Landwirtschaft haben Ihre Arbeit im Laufe der Jahre am stärksten geprägt?

"Der zunehmende bürokratische Aufwand ist deutlich spürbar. Mehr Vorgaben, mehr Kontrollen – und ein immer größer werdender organisatorischer Druck. Gleichzeitig sehe ich aber auch die positiven Seiten des Fortschritts: Die Technisierung hat unseren Arbeitsalltag spürbar erleichtert.
Der Einsatz von Melkrobotern hat mir Zeit geschenkt – Zeit, die ich für andere betriebliche Aufgaben, für Familie und für mein ehrenamtliches Engagement nutzen kann."

Viele Höfe arbeiten heute mit mehreren Betriebszweigen, um bestehen zu können.  Diese müssen sorgfältig geplant und organisiert werden.

Auf Ihrem Hof bieten Sie auch Ferienwohnungen an. Wie organisieren Sie diesen Betriebszweig?

"Wir verfügen über zehn Ferienwohnungen, die an rund 200 Tagen im Jahr belegt sind. Ich übernehme die gesamte Organisation – von der Buchung bis hin zur Abrechnung. Zusätzlich fällt die Wäschepflege in mein Aufgabenbereich. Für die Reinigung beschäftigen wir Mitarbeitende, die diesen Bereich eigenständig organisieren. Das funktioniert sehr gut."

In der Landwirtschaft begegnet man immer wieder Widerständen, die den Arbeitsalltag beeinflussen. Dazu zählen äußere Faktoren wie Wetterextreme, wirtschaftliche Unsicherheiten oder politische Vorgaben, aber auch innere Hürden wie begrenzte Ressourcen, Zeitdruck oder die familiäre Situation.

Wo sind Sie auf Widerstände oder Hürden gestoßen – und wie haben Sie diese gemeistert?

"Eine der größten Herausforderungen war über viele Jahre der Generationenkonflikt. Der Hof gehörte lange Zeit nicht uns. Wir haben investiert – viel Geld, viel Zeit, viel Herzblut – ohne die Sicherheit, die man sich wünscht. Das war ein großes Risiko.

Doch mit Durchhaltevermögen, klarer Haltung und dem festen Willen, etwas Eigenes aufzubauen, ist es uns gelungen, aus einem kleinen, auslaufenden Hof mit Investitionsstau einen erfolgreichen Betrieb zu entwickeln. Das erfüllt mich mit Stolz."

Frauen in der Landwirtschaft übernehmen häufig zahlreiche Rollen gleichzeitig: Sie sind Unternehmerinnen, Fachkräfte im externen Umfeld, die familiäre Ansprechpartnerin und oft auch in Vereinen, Verbänden oder regionalen Projekten aktiv.

Sie engagieren sich ehrenamtlich als Präsidentin des Niedersächsischen LandFrauenverbandes Weser-Ems e.V.. Wie gelingt es Ihnen, dieses Engagement mit Ihren Aufgaben auf dem Betrieb zu vereinbaren?

"Ein solches Ehrenamt ist nur mit starkem familiärem Rückhalt möglich. Zudem hilft mir mein Organisationstalent: Ich kann gut delegieren und sage auch bewusst „Nein“, wenn es zeitlich oder inhaltlich nicht passt."

Welche Rolle spielt Ihre Familie oder Ihr Netzwerk in Ihrem Alltag?

"Der familiäre Rückhalt ist essenziell – ohne ihn wäre dieses Ehrenamt, das mir auch externe Anerkennung und Wertschätzung bringt, kaum leistbar. Als unsere Kinder noch klein waren, war außerdem das Netzwerk von Freundinnen unverzichtbar. Da wir keine Altenteiler direkt vor Ort hatten, waren wir bei der Kinderbetreuung auf dieses Netzwerk angewiesen."

Erfolge in der Landwirtschaft zeigen sich in vielen Formen – sei es eine gelungene Ernte, ein gut entwickelter Betriebszweig oder Anerkennung aus dem Umfeld. Solche Momente stärken die Motivation und prägen den beruflichen Weg nachhaltig.

Welche Momente, Projekte oder Erfolge erfüllen Sie rückblickend mit besonderem Stolz?

"Betrieblich bin ich sehr stolz auf die Entwicklung unseres Hofes. Privat erfüllen mich meine stabile Ehe und unsere Kinder mit Dankbarkeit und Stolz.
Im Ehrenamt freue ich mich über die Anerkennung der Landfrauen und unserer Netzwerkpartner. Als Präsidentin sichtbar etwas bewegen zu können, ist ein besonderes Gefühl. Ein großartiges Beispiel ist die Unterschriftensammlung der Landfrauen, die zur Aufstockung der Medizinstudienplätze beigetragen hat – ein Erfolg, der zeigt, was gemeinsames Engagement bewirken kann."

Frauen spielen in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle und prägen Betriebe, Familien und Regionen. Ihr Beitrag wird zunehmend sichtbarer, und sie übernehmen heute selbstverständlich Führungsaufgaben, gestalten Entwicklungen mit und setzen wichtige Impulse für die Zukunft des Berufsstandes.

Haben Sie Veränderungen bei der Wahrnehmung von Frauen in der Landwirtschaft erlebt?

"Auf jeden Fall. Ich finde es großartig, dass immer mehr Frauen den Beruf der Landwirtin ergreifen und sich nach der Ausbildung zur Meisterin oder Betriebswirtin weiterbilden oder ein Studium aufnehmen."

Welche Empfehlungen möchten Sie anderen Frauen mitgeben, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten?

"Übernehmt Verantwortung für euren Weg. Vertretet euren Standpunkt selbstbewusst. Und habt den Mut, euch durchzusetzen."

Das Interview führte Frauke Schwiderrek am 08.04.2026.

 

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