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Getreideernte beginnt in Niedersachsen mit der Wintergerste

Webcode: 01045569
Stand: 30.06.2026

Landwirtschaftskammer: Erste Landwirt/-innen dreschen bei hochsommerlichen Temperaturen – Leicht überdurchschnittliche Erträge erwartet

Wintergerste Abreife
Die zuletzt warme und trockene Witterung hat dafür gesorgt, dass die Wintergerste in Niedersachsen besonders auf leichten Sandstandorten Ende Juni die Druschreife erreicht hat.Anne-Kathrin Bartsch
Hannover/Oldenburg – Während die meisten von uns in diesen Tagen einen schattigen Platz bevorzugen, haben Landwirtinnen und Landwirte in Niedersachsen vor wenigen Tagen die Mähdrescher gestartet und bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen die ersten Wintergerstenfelder abgeerntet. Die warme und trockene Witterung in der zweiten Juni-Hälfte hat dafür gesorgt, dass die Bestände dieser Getreideart besonders auf leichten Sandstandorten doch noch in diesem Monat die Druschreife erreichten.

Auch auf guten Böden schreitet Reife voran

Der allgemeine Erntebeginn für das Wintergetreide in Niedersachsen war von den Pflanzenbauexperten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) auf Anfang Juli geschätzt worden. Allerdings prognostizieren die Wetterdienste nach diesem ersten Auftritt des Hochsommers in Niedersachsen für den Monatswechsel Juni/Juli zunächst eine kurze Verschnaufpause mit kühleren Temperaturen und mehr oder weniger ergiebigen Niederschlägen. Diese Witterung kann dafür sorgen, dass sich der natürliche Alterungsprozess der Pflanzen beschleunigt, so dass auch die Wintergerste auf den Standorten besserer Bonität im südlichen Niedersachsen bald erntereif ist. 

Auch wenn es bis zur Ernte der übrigen Kulturen noch etwas dauern wird, so haben auch hier die extremen Hitzebedingungen zu einer deutlichen Beschleunigung der Entwicklung geführt, sodass ab Mitte Juli mit dem Erntebeginn bei Raps, Winterweizen und Winterroggen gerechnet werden kann.

Winterweizen bleibt flächenstärkste Mähdruschfrucht

In Niedersachsen wird nach Auswertung der INVEKOS-Daten (EU-Agrarförderung) 2026 auf gut 343.000 Hektar (ha) Winterweizen angebaut. Damit ist der Winterweizen nach wie vor die mit Abstand größte Kultur unter den Mähdruschfrüchten. Wintergerste wird in diesem Jahr auf knapp 161.000 ha, Winterroggen auf 127.500 ha und Raps auf 106.500 ha angebaut. Sommergetreide steht zur Ernte 2026 auf 57.000 ha. Damit sind die Anbauflächen beim Winterweizen, Winterroggen und Sommergetreide im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleichgeblieben, während die Anbauflächen von Wintergerste und Winterraps um jeweils rund 15.000 ha ausgeweitet wurden.

Ertrag: Regionale Unterschiede bei einzelnen Kulturen

Wie die Ernte bei Getreide und Raps in Niedersachsen in diesem Jahr ausfallen wird, lässt sich derzeit noch nicht sicher vorhersagen. Alles in allem ist von leicht überdurchschnittlichen Erträgen auszugehen. Sicher ist aber, dass es auch in diesem Jahr wieder regionale Unterschiede bei den einzelnen Kulturen geben wird. Zwar verursachten Schnee und Frost nur vereinzelt Auswinterungsschäden bei den Winterkulturen, eine anhaltende Trockenheit sorgte jedoch gerade auf leichten Standorten schon früh im Jahr dafür, dass das Wintergetreide die Zahl der für die Ertragsbildung wichtigen Nebentriebe reduziert und auch der Winterraps teilweise unter Wasser- und Nährstoffmangel gelitten hat. 

Niederschläge zur richtigen Zeit

Vorteilhaft können sich an dieser Stelle die recht kühlen Temperaturen im Mai herausstellen, die die Entwicklung der Bestände etwas verlangsamt und so den Wassermangel teilweise kompensiert haben. Für Entspannung sorgten außerdem vielerorts Niederschläge im Mai, die besonders für den Winterweizen rechtzeitig zum Ährenschieben kamen und somit die sensible Phase der Kornfüllung vor allem auf den Lehmstandorten absicherten. Aber auch die anderen Getreidekulturen sowie der Raps profitierten noch von den Niederschlägen.

Rapserdfloh sorgt stellenweise für Ertragseinbußen

Das kühl-feuchte Wetter hat regional das Auftreten von Krankheiten im Getreide begünstigt. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass dadurch der Ertrag maßgeblich gemindert wird, wenngleich eine abschließende Bewertung erst nach der Ernte möglich ist. Ebenso wird es auf einzelnen Rapsflächen Ertragseinbußen durch das Auftreten des Rapserdflohs im vergangenen Herbst sowie des Kohlschotenrüsslers und der Kohlschotenmücke im Frühjahr geben können. 

Weizen: Rekordhitze kann Backqualität schmälern

Ein weiterer Faktor, der sich noch negativ vor allem auf die Winterweizenerträge auswirken kann, sind die sehr hohen Temperaturen von knapp 40 Grad Celsius am vergangenen Wochenende. Solch hohe Temperaturen in der sogenannten Milchreife des Winterweizens können sich je nach Dauer der Hitzeperiode und der Wasserversorgung in Ertragseinbußen von 10 bis 15 Prozent niederschlagen. Zudem kann die Backqualität durch geringere Rohproteingehalte beeinträchtigt werden. Dagegen beeinträchtigen die tropischen Temperaturen die Qualität der bereits reifen Wintergerste nicht mehr.

Marktaussichten: Warten auf das Preis-Plus für Getreide

Ein Mähdrescher erntet ein großes Weizenfeld unter bewölktem Himmel.
Auch bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen beginnt jetzt wieder die Zeit der Getreideernte. Das Archivfoto zeigt den kammereigene Parzellen-Mähdrescher auf dem Gelände der Pflanzenbau-Versuchsstation Schickelsheim (Kreis Helmstedt).Wolfgang Ehrecke
Gegenüber den leicht positiven Erwartungen im Hinblick auf die Erträge bestehen eher gedämpfte Marktaussichten zur Ernte 2026. Zwar wird die Weizenproduktion für 2026/27 weltweit geringer als im Vorjahr eingeschätzt, was vor allem an niedrigeren Erntemengen in Nord- und Südamerika sowie in Australien und Teilen Osteuropas liegt. Auf die Erzeugerpreise in Niedersachsen hat sich diese Prognose aber noch nicht positiv ausgewirkt. Eine erste Einschätzung unserer Marktfachleute lesen Sie hier. Für Qualitätsweizen werden auch in diesem Jahr wieder Rohproteingehalt, Hektolitergewicht und die Fallzahl (ein Wert, der angibt, wie weit die Stärke im Korn bereits abgebaut ist und der stark von der Witterung beeinflusst werden kann) über Preisaufschläge gegenüber Futterweizen entscheiden.

Rapspreise bleiben stabil

Deutlich besser ist die Stimmung an der Börse für den Rapsmarkt. Der allgemeine Aufschwung am Ölsaatenmarkt sorgt dafür, dass auch die Preise für Raps stabil bleiben. Die vergleichsweise enge weltweite Versorgung und eine durch die weltpolitischen Geschehnisse bedingte kontinuierliche Nachfrage durch Ölmühlen und Biodieselindustrie stützt derzeit die Preise. Allerdings ist und bleibt der Markt abhängig von den Entwicklungen der Pflanzenölmärkte in anderen Teilen der Welt. Hier ist besonders die Nachfrage nach Soja- und Palmöl zu nennen. Dadurch kann es für niedersächsische Erzeuger bei aktuell guten Vermarktungschancen immer wieder zu kurzfristigen Preisschwankungen kommen.


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