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Trockenheit und Kostendruck prägen Ernte 2026

Webcode: 01045736
Stand: 03.09.2026

Teils extreme Wetterverhältnisse schmälern Erträge: Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt Bilanz des Erntejahrs vor. Trotz stabilerer Preise stehen viele Betriebe wirtschaftlich unter Druck.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Wetter: Insgesamt günstige Aussaatbedingungen im Herbst 2025, in der Regel problemlose Überwinterung trotz Frost dank Schneedecke; ausgeprägte Trockenheit von März bis April, ergiebigere Regenfälle erst im Mai; insgesamt eher günstige Aussaatbedingungen für Sommerkulturen. Hitzeperiode mit Temperaturen von 40 Grad Ende Juni wirkt sich – je nach Kultur, Standort und Entwicklungsstadium – auf Entwicklung der Pflanzen sehr unterschiedlich stark aus. Ausgeprägte Trockenheit in den Sommermonaten. Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar.
  • Winterkulturen: Diese werden überwiegend in ähnlichem Umfang wie im Vorjahr angebaut, Fläche bei Raps und Gerste deutlich ausgeweitet; bei den Sommerkulturen gibt es ein Flächen-Plus beim Silomais und ein Minus bei Sommer- beziehungsweise Braugerste.
  • Getreideernte: Erträge gegenüber dem Vorjahr uneinheitlich – überdurchschnittliche Erträge bei der Winter- und der Sommergerste, teils deutliche Einbußen bei Winterweizen und Triticale. Qualitäten fallen sehr unterschiedlich aus – je nachdem wie stark die Bestände vom „Hitzschlag“ Ende Juni getroffen wurden.
  • Kartoffeln: Nach Überangebot und Preisverfall deutlich reduzierte Anbaufläche. Nicht ausreichende Niederschläge und Hitze lassen weniger Ertrag und Einbußen bei der Qualität erwarten. Marktaussichten seit kurzer Zeit wieder positiv.
  • Raps: Anbaufläche dank guter Marktpreise erheblich ausgeweitet; regionale Frostereignisse während der Blüte, ebenfalls regional auftretende Schotenschädlinge und die Hitze während der Samenreife wirken sich negativ auf die Ertragsbildung aus.
  • Zuckerrüben: Globales Zucker-Überangebot und wenig attraktive Marktpreise führen zu einem weiteren Rückgang der Anbaufläche. Gute Bedingungen während der frühen Aussaat im März. Infolge der Trockenheit im Sommer hilft Beregnung dabei, die Erträge abzusichern. Im Kampf gegen die Schilf-Glasflügelzikade, die Krankheiten übertragen kann, findet intensives Schaderreger-Monitoring statt. Kampagne beginnt in den nächsten Tagen.
  • Mais: Aussaat der flächenstärksten Kultur unter insgesamt günstigen Verhältnissen, kühle Phase im Frühjahr bremst Jugendentwicklung bis Ende Mai. Regional unterschiedliche Niederschlagsmengen wirken sich auf Wachstum aus. Seit Juli weitet sich Trockenheit aus – Trockenstress verhindert mancherorts die Blüte, infolgedessen bleiben Bestände kolbenlos. Betroffene Bestände müssen vorzeitig gehäckselt werden. Insgesamt früher Erntebeginn, teils deutliche Ertragseinbußen zu erwarten.
  • Grünland: Trotz unterdurchschnittlicher Niederschläge fallen Erträge und Qualitäten bei erstem und zweitem Schnitt noch zufriedenstellend aus; Trockenheit ab Jahresmitte führt danach regional zu sehr unbefriedigenden Ernteergebnissen. Erreichte Grundfuttermenge insgesamt noch ausreichend, da noch Vorräte aus dem Vorjahr vorhanden sind. Wachsende Mäuse-Population birgt Risiken fürs kommende Erntejahr.
  • Erzeugerpreise: Außer bei Sommer-/Braugerste steigen Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr leicht zur Ernte hin an; notwendige Preiserholung bei Kartoffeln. Doch nur beim Raps werden Preise über dem Fünf-Jahres-Schnitt erreicht. Sinkende Erträge und steigende Produktionskosten belasten finanzielle Situation der Betriebe teils erheblich.
  • Ökolandbau: Öko-Wintergetreide reift generell früher ab und entkommt daher der Juni-Hitze; überwiegend gute Erträge, Backqualitäten auf durchschnittlichem Niveau. Winterhafer mit hohem Potenzial als Kultur zur Klimaanpassung (stete Nachfrage nach guten Qualitäten). Nachfrage nach heimischen Öko-Körnerleguminosen wie Ackerbohnen und Soja weiterhin hoch, Trockenheit und Hitze setzen Ackerbohne zu, ansonsten durchschnittliche bis gute Erträge erwartet. Öko-Mais leidet unter Trockenstress, deutliches Flächen-Plus bei Öko-Sonnenblumen, Ertragsrückgang beim Öko-Raps. Teils hoher Beikrautdruck bei der Öko-Zuckerrübe – fast alle Öko-Rüben-Betriebe nutzen Robotik zur Beikrautregulierung. Marktbereinigung auch bei der Öko-Kartoffel, durchschnittliche Erträge unter Vorjahresniveau erwartet.

Kammerpräsident Gerhard Schwetje während der Ernte-Pressekonferenz am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem. Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau). Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau) und Mareike Beiküfner (Fachbereich Ökolandbau). Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau) und Mareike Beiküfner (Fachbereich Ökolandbau). Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem: Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau). Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem: Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau). Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau) und Mareike Beiküfner (Fachbereich Ökolandbau). Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau).
Hannover – Die Konsequenzen des Klimawandels und das weiterhin überwiegend unterdurchschnittliche Erzeugerpreisniveau auf den Agrarmärkten haben deutliche Spuren in der Erntebilanz der landwirtschaftlichen Betriebe Niedersachsens hinterlassen. Während die Erträge bei Raps und Getreide durch Trockenheit und Hitze im Vergleich zum Vorjahr teilweise erheblich zurückgingen, sind die Produktionskosten gestiegen. „Dadurch profitieren unsere Landwirtinnen und Landwirte kaum von den etwas besseren Marktpreisen“, fasste Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), die Erntebilanz zusammen. Der Markt für Kartoffeln sei zwar auf Erholungskurs – doch das Wetter der zurückliegenden Monate mache den Knollen ebenso zu schaffen wie dem Mais.

Niedersachsen sei im Vergleich zu den Dürreschwerpunkten in Süddeutschland zwar bislang vergleichsweise weniger stark betroffen, sagte Schwetje am Donnerstag (03.09.2026) während der Ernte-Pressekonferenz der LWK in Hannover. „Von einer Entwarnung kann jedoch keine Rede sein.“ Die Ernte 2026 mache erneut deutlich, wie entscheidend der Zeitpunkt extremer Wetterereignisse für den landwirtschaftlichen Ertrag sei: „Nicht allein die Frage, ob Niederschlag fällt, sondern auch wann und mit welcher Intensität und Menge er fällt, entscheidet zunehmend über das Ergebnis.“

Mehr heiße Tage mit 30 Grad und mehr

Nach Berechnungen des Wetterinformationsdienstes Wetterkontor, die auf Messdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beruhen, wurden an niedersächsischen Wetterstationen bis Ende August 2026 je nach Region bereits etwa 13 bis 22 heiße Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 Grad registriert. Damit wurde an zahlreichen Stationen bereits deutlich mehr als die für Niedersachsen ermittelte mittlere Zahl von 7,3 Hitzetagen pro Jahr in der DWD-Klimareferenzperiode 1991–2020 erreicht. „Diese Entwicklung macht deutlich, dass eine Anpassung des Acker- und Pflanzenbaus an die zunehmenden Wetterextreme weiter an Bedeutung gewinnt“, betonte der Kammerpräsident.

Die Niederschlagsverteilung in Deutschlands Agrar-Bundesland Nummer eins war ein weiteres Mal extrem unterschiedlich und machte vielerorts gute Erträge auf Acker- und Grünland zunichte. Am wenigsten Regen fiel in einem Korridor zwischen dem Emsland im Westen und Lüneburg im Osten sowie in den Kreisen Peine, Gifhorn und Lüchow-Dannenberg. Schwetje: „Diese Verhältnisse haben zur Folge, dass die Entwicklung von Kulturen schwerer vorauszusehen ist, wenn Niederschläge in Frühjahr und Sommer ausbleiben – vor allem wenn es keine Möglichkeit zur Feldberegnung gibt.“

Risiken durch Extremwetter so gering wie möglich halten

Die Getreideernte 2026 in Niedersachsen erreicht nach Berechnungen des Landesamts für Statistik ohne Körnermais rund 5,5 Millionen Tonnen. Damit bewegt sie sich knapp 200.000 Tonnen oder 3,4 Prozent (%) unterhalb des Niveaus des Vorjahres. „Nach der deutlichen Ertragssteigerung im Vorjahr liegt der Durchschnittswert pro Hektar (ha) dieses Jahr bei 72,9 Dezitonnen – immerhin noch über dem Sechs-Jahres-Durchschnitt“, so Schwetje (siehe dazu Tabelle „Anbauflächen, Erträge und Erlöse“).

„Das Erntejahr 2026 ist eine weitere Bestätigung dafür, wie wichtig es ist, mit Hilfe einer ausgeklügelten Fruchtfolgeplanung Risiken durch Extremwetter so gering wie möglich zu halten“, hob der Kammerpräsident hervor. Wer Kulturen und innerhalb dieser auch Sorten mit möglichst weit auseinanderliegenden Reife- und Ernte-Zeitpunkten habe, streue das Risiko von Ertragseinbußen bestmöglich. „Diesmal konnte sich die Wintergerste dank eines frühen Erntezeitpunktes sehr gut entwickeln – später Weizen und Raps wurden hingegen vom ,Hitzschlag‘ Ende Juni in einer für Ertrag und Qualität entscheidenden Entwicklungsphase getroffen.“

Widerstandskraft gegen Hitze und Krankheiten zunehmend erforderlich

Zu den weiteren Anpassungsstrategien zählte Schwetje eine standortangepasste, möglichst flache, wassersparende Bodenbearbeitung, die Nutzung von Zwischenfrüchten (u. a. Schutz vor Verdunstung, Verschlämmung, Erosion, verbesserte Bodenstruktur) und die Aussaat von Getreidesorten, die tolerant gegenüber Trockenheit oder resistent gegen Krankheiten sind. Lohnenswert könne auch die Methode sein, klassische Sommerkulturen wie Ackerbohnen und Erbsen als Winterung anzubauen, um die regenreicheren Wintermonate zu nutzen.

Schwetje: „Generell gilt: Wer es schafft, seine Kulturen mit Nährstoffen und Pflanzenschutzmaßnahmen bestmöglich zu versorgen, bekommt gut entwickelte Pflanzen, die über das Wurzelwerk die Bodenstruktur optimieren, sodass der Boden mehr Wasser speichern kann und die Pflanzen insgesamt widerstandsfähiger gegen Stresssituationen sind.“

Betriebliche Stellschrauben für langfristige Liquidität

Einbußen bei Ertrag und Qualität, weiterhin überwiegend unterdurchschnittliche Erzeugerpreise – Wetterrisiken, politische Krisen und steigende Preise für Energie und weitere Betriebsmittel: Diese Mischung erfordert in zahlreichen Ackerbaubetrieben bereits seit Anfang des Jahres eine wohlüberlegte Liquiditätsplanung, um für die Ausgaben des kommenden Erntejahrs gerüstet zu sein. „Wir werden in dieser schwierigen Situation die heimischen Betriebe dabei unterstützen, damit sie bei Engpässen die nötigen Stellschrauben schnell erkennen und Vermarktung sowie Finanzierung gezielt zur Liquiditätssteuerung nutzen können“, kündigte Schwetje an (siehe dazu separate Pressemitteilung „Liquidität im Blick – den Betrieb im Griff“).

Ernte 2026 in Niedersachsen: Die Kulturen im Einzelnen

Getreide: Wetter-Zäsur Ende Juni schmälert Ertrag und Qualität

Die Getreide-Anbaufläche 2025/26 ist nach Zahlen der Anträge auf EU-Agrarförderung (Quelle: Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem, InVeKoS) mit 740.683 ha gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Prozent gewachsen. Winterweizen bleibt mit 344.000 ha die flächenstärkste Getreidekultur in Niedersachsen (-2,6%). Die größten Veränderungen bei der Anbaufläche gab es bei der Wintergerste (+11,1% auf 161.000 ha) und bei der Sommer-/Braugerste (-6,9% auf 34.000 ha). Dieser Rückgang zeigt die weiterhin sinkende Nachfrage nach Bier und damit nach Braumalz. In Niedersachsen ist derzeit keine Mälzerei mehr ansässig, und auch Brauereien schließen.

Nach überwiegend guten Aussaatbedingungen im Herbst 2025 und einer vergleichsweise problemlosen Überwinterung entwickelten sich die Bestände zunächst positiv. Im Frühjahr setzte jedoch eine ausgeprägte Trockenphase ein. Auf leichten Sandstandorten zeigten sich früh Anzeichen von Trockenstress, während tiefgründigere Böden die fehlenden Niederschläge zunächst besser ausgleichen konnten. Die vergleichsweise kühlen Temperaturen begrenzten den Wasserverbrauch der Pflanzen und verhinderten zunächst größere Schäden. Die Niederschläge ab Anfang Mai kamen in vielen Regionen noch rechtzeitig und ließen die Ertragserwartungen zunächst wieder steigen.

40 Grad Hitze ausgerechnet in sensibler Entwicklungsphase

Die entscheidende Zäsur im Vegetationsjahr folgte ab Mitte Juni: Trockenheit und Temperaturen nahmen erneut deutlich zu. Die Hitzeperiode Ende Juni mit Temperaturen von teilweise knapp 40 Grad Celsius traf die Kulturen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Für die später reifenden Winterweizensorten fiel diese Phase in die Kornfüllung. Damit traf die extreme Witterung genau die Phase, in der Wasserverfügbarkeit und Temperatur entscheidend für die Ausbildung des Korns und damit für Ertrag und Qualität sind. Die Folgen fielen regional und abhängig von Standort, Kultur und Entwicklungsstadium sehr unterschiedlich aus.

Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss der Witterung beim Winterweizen: Der vorläufige Durchschnittsertrag beträgt 77,3 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) und liegt damit 7,6% unter dem Vorjahreswert sowie unter dem sechsjährigen Mittel.

Die Wetter-Auswirkungen spiegeln sich nicht nur in den Mengen, sondern auch in den Qualitäten wider: Häufig wurden niedrige Hektoliter- und Tausendkorngewichte festgestellt (siehe dazu die Erklärung der Fachbegriffe weiter unten). Hinzu kommen regional stark schwankende Proteingehalte. Dadurch reicht die Qualitätsspanne vom Futterweizen bis zu aufmischfähigen Partien. Auch Mutterkorn rückte zur Ernte regional stärker in den Fokus.
Damit fällt beim Winterweizen der Unterschied zum Vorjahr besonders deutlich aus: Weniger Fläche trifft auf einen deutlich niedrigeren Hektarertrag mit teilweise schlechteren Qualitäten.

Wintergerste als Ertrags-Lichtblick

Die Wintergerste hingegen konnte unter anderem dank des früheren Reifezeitpunkts insbesondere auf leichteren Standorten ihre Erträge vielerorts besser absichern. Auf besseren Böden in den südlichen Landesteilen blieb die Ernte dagegen teilweise hinter den Erwartungen zurück. Auch bei den Qualitäten zeigen sich regionale Unterschiede. Insgesamt präsentiert sich die Wintergerste jedoch deutlich robuster als der Winterweizen. Der durchschnittliche Ertrag erreichte 78,7 dt/ha und lag damit sogar 2,1% über dem Vorjahr. Gleichzeitig wurde das Sechsjahresmittel von 72,6 dt/ha deutlich überschritten. Der Erlös pro Ernteeinheit für Wintergerste ist jedoch geringer als für Winterweizen.

Der Erzeugerpreis für Winterweizen konnte diesen Mengen- und Qualitätsdruck bislang nur teilweise ausgleichen. Mit 19,30 Euro je dt (Durchschnittspreis unterschiedlicher Qualitäten) liegt er zwar 9% über dem Vorjahresniveau, bleibt aber unter dem Fünfjahresmittel (21,80 Euro). Der durchschnittliche Erzeugerpreis für Getreide stieg mit 17,40 Euro/dt nur leicht und bleibt unterdurchschnittlich. Die sinkende Nachfrage nach Braugerste zeigt sich am Preis-Minus von 7,1% auf 18,40 Euro/dt.

Winterraps: Mehr Fläche, deutlich weniger Ertrag

Besonders deutlich ist der Gegensatz zwischen Anbauausweitung und Ertragsentwicklung beim Winterraps. Die Fläche wurde nach Zahlen der LWK um 16,3 Prozent auf 107.000 ha erhöht. Der durchschnittliche Ertrag ging gleichzeitig um fast ein Fünftel (19,8%) auf 32,5 dt/ha zurück. Das sechsjährige Mittel von 37,2 dt/ha wird damit deutlich unterschritten.

Die Ursachen des Minderertrages liegen in einer Kombination verschiedener Witterungs- und Schadereignisse: Neben Frost während der Blüte und regional verstärkt auftretenden Schotenschädlingen setzte die Hitze während der Samenreife den Beständen zu. Hinzu kamen lokal begrenzte Hagelereignisse, die teilweise erhebliche Schäden bis hin zu Totalausfällen verursachten.

Wirtschaftlich wird die schwache Ernte beim Raps allerdings durch die Marktentwicklung zumindest teilweise abgefedert. Der Erzeugerpreis erreichte 52,10 Euro/dt, ein Plus von 15,5 Prozent gegenüber 2025. Damit liegt der Preis nicht nur über dem Vorjahresniveau, sondern auch über dem Fünfjahresmittel von 50,30 Euro je Dezitonne. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von den anhaltenden geopolitischen Spannungen. Insbesondere die Konflikte im Nahen Osten haben die Energiepreise ansteigen lassen und damit auch die Märkte für Ölsaaten gestützt. Gleichzeitig sorgen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung in der Schwarzmeerregion für Nervosität an den Agrarmärkten.

Leguminosen: Stetige Ausweitung – Licht und Schatten beim Ertrag

Die Leguminosenernte 2026 bestätigt den langfristigen Trend eines wachsenden Anbaus in Niedersachsen. Die Gesamtfläche stieg um 5,8% auf 24.827 ha. Besonders stark wurde der Anbau von Ackerbohnen ausgeweitet, während die Körnererbsenfläche weitgehend stabil blieb. Auch bei der Sojabohne setzte sich die Flächenausweitung fort.

Ertraglich zeigt sich jedoch ein deutlich differenzierteres Bild. Die früher entwickelte Körnererbse konnte trotz eines Rückgangs gegenüber dem sehr guten Vorjahresergebnis solide bis gute Erträge erreichen. Die später abreifende Ackerbohne wurde dagegen von der Hitze Ende Juni und Juli erheblich getroffen. Bei der Sojabohne steht die abschließende Erntebewertung noch aus.

Insbesondere Hitze und Wassermangel während Blüte, Hülsenansatz und Korn- beziehungsweise Samenfüllung können bei Leguminosen innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Ertragseinbußen führen. Zugleich zeigt die unterschiedliche Reaktion von Erbse und Ackerbohne, dass der Entwicklungszeitpunkt einer Kultur entscheidend dafür ist, wie stark sie von extremen Wetterbedingungen betroffen wird. Frühe Reife war in diesem Jahr vorteilhaft – eine sichere Prognose für die Zukunft ist das aber nicht.

Kartoffeln: Anbaufläche sinkt – Preise steigen

Nach der außergewöhnlich großen Anbaufläche des Vorjahres wurde die Fläche um 10,6% auf 124.852 ha reduziert. Gleichzeitig haben Trockenheit und mehrere Hitzeperioden das Knollenwachstum erheblich beeinträchtigt.

Besonders die Entwicklung ab Ende Juni war für die hitzeempfindliche Kartoffel entscheidend: Die Pflanzen hatten zunächst eine ausreichende Zahl an Knollen gebildet, konnten diese unter den anschließenden heißen und trockenen Bedingungen jedoch vielfach nicht mehr ausreichend vergrößern. Entsprechend wird eine eher kleinfallende Sortierung erwartet. Die trockene Witterung hatte auch einen positiven Nebeneffekt: Der Befall mit Blattkrankheiten blieb vergleichsweise gering beziehungsweise war gut kontrollierbar. 2026 war kein Krautfäule-Jahr.

Bedeutung der Feldberegnung steigt

Wie bei den anderen Kulturen zeigt sich bei der Kartoffel, wie unmittelbar sich extreme Witterungsbedingungen auf Ertrag und Qualität auswirken: Ein guter Vegetationsstart reicht nicht aus, wenn während des entscheidenden Knollenwachstums Wasser fehlt und die Lufttemperaturen deutlich über 30 Grad steigen. Die Beregnungsmöglichkeiten haben in vielen Regionen Niedersachsens dazu beigetragen, die Auswirkungen zumindest abzumildern – die Bedeutung der Feldberegnung für die Absicherung von Ertrag und Qualität wird unter den Bedingungen zunehmender Wetterextreme weiter steigen. Insbesondere in diesem Jahr ist der Einsatz der Beregnung aufgrund der Dieselpreise sehr kostenintensiv (viele Pumpen werden von Dieselmotoren angetrieben); dies verstärkt den Druck auf die Liquidität der Betriebe.

Die Kartoffel-Haupternte beginnt in diesen Tagen, sodass eine endgültige Bewertung der Erntemengen noch nicht möglich ist. Die Kombination aus deutlich weniger Anbaufläche und witterungsbedingt geringeren Ertragserwartungen verknappt das Angebot und sorgt für steigende Preiserwartungen. So liegt der Erzeugerpreis aktuell bei durchschnittlich 25 Euro/dt – fast doppelt so viel wie vor einem Jahr, aber immer noch unter dem Fünf-Jahres-Schnitt (27,20 Euro/dt).

Ein positives Signal liefert die weitgehend abgeschlossene Frühkartoffelsaison. Sie verlief deutlich stabiler als im Vorjahr und war von guten Qualitäten sowie zufriedenstellenden Erträgen geprägt. Die Erzeugerpreise lagen dabei im Durchschnitt rund 10 Euro/dt über dem Vorjahresniveau.

Zuckerrüben: Anbaufläche weiter zurückgegangen

Auf niedersächsischen Feldern wachsen 2026 auf rund 93.330 ha Zuckerrüben. Damit ist die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 5,8% zurückgegangen. Einen vergleichbar niedrigen Anbauumfang gab es zuletzt 2015 und 2016. Hintergrund ist vor allem die Marktentwicklung: Die sehr gute Ernte 2025 führte zu einem großen Angebot, setzte den Zuckermarkt unter Druck und drückte die Preiserwartungen für die laufende Ernte. Die Zuckerunternehmen haben deshalb weniger Fläche unter Vertrag genommen. Der Rückgang fällt in Niedersachsen allerdings geringer aus als im Bundesdurchschnitt (-13,5%).

Die Zuckerrüben starteten zunächst unter guten Bedingungen in die Vegetation. Viele Bestände konnten bereits im März bei günstigen Bodenverhältnissen ausgesät werden.

Die niedersächsischen Bestände sind zwar von der extremen Trockenheit weniger stark betroffen als die Zuckerrüben in den südlichen Bundesländern. Dennoch bleibt eine ausreichende Wasserversorgung wichtig, um Ertrag und Zuckergehalt abzusichern. Auf leichteren Standorten konnte Beregnung dabei zeitweise einen wichtigen Beitrag leisten – wenngleich das Defizit nicht vollständig ausgeglichen werden konnte.

Schilf-Glasflügelzikade unter strenger Beobachtung

Neben der Witterung spielt auch die Schilf-Glasflügelzikade in Niedersachsen zunehmend eine Rolle. Sie kann die Erreger der Krankheiten SBR und Stolbur übertragen, die erhebliche Ertragseinbußen verursachen können. Das Monitoring der LWK an 91 Standorten zeigt 2026 eine höhere Zahl gefangener Zikaden als im Vorjahr. Das Auftreten konzentriert sich bislang auf Landkreise im südöstlichen Niedersachsen. An den meisten Standorten wurden allerdings nur geringe Fangzahlen festgestellt. Die Schäden im Feld waren bislang gering.

Die Zuckerrübenkampagne hat noch nicht begonnen. Deshalb liegen noch keine belastbaren Ertrags- und Zuckergehaltsdaten für 2026 vor. Die aktuelle Einschätzung geht von einer – je nach Region – unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Ernte mit 77 bis 81 Tonnen/ha aus. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt bei 81 t/ha. Gleichzeitig besteht die Hoffnung auf höhere Zuckergehalte als in den beiden vergangenen Hochertragsjahren.

Zwiebeln: Fläche wächst weiter – Wassermangel bremst Größenwachstum

Der Aufwärtstrend beim Zwiebelanbau in Niedersachsen setzt sich auch 2026 fort. Die Anbaufläche der verschiedenen Allium-Arten stieg gegenüber dem Vorjahr insgesamt um rund 4% beziehungsweise 393 ha auf etwa 9.700 ha. Damit wurde erneut eine Rekordanbaufläche erreicht. Der Zuwachs fällt allerdings deutlich geringer aus als in den vergangenen Jahren. Rund 80 Prozent der Fläche entfallen dabei auf Sommerspeisezwiebeln.

Die Zwiebelproduktion konzentriert sich weiterhin auf wenige niedersächsische Regionen. Die größten Anbauflächen liegen im Landkreis Uelzen mit rund 2.300 Hektar, im Emsland mit 1.290 Hektar, in Lüchow-Dannenberg mit 830 Hektar und in der Region Hannover mit 650 Hektar.

Zwiebeln verfügen über ein vergleichsweise gering ausgeprägtes Wurzelsystem und benötigen deshalb spätestens ab Beginn der Bulbenbildung im Juni eine gesicherte Wasserversorgung. Aufgrund der trockenen und heißen Witterung wurde dieses Entwicklungsstadium in diesem Jahr teilweise früher als üblich erreicht. Wo die Bestände weder durch Niederschläge noch durch Beregnung ausreichend mit Wasser versorgt werden konnten, haben sich nur kleinere Zwiebeln gebildet. Damit besteht zugleich das Risiko, dass die erforderlichen Qualitätsnormen nicht erreicht werden.

Mais: Mehr Fläche – erheblicher Trockenstress

Mais bleibt auch 2026 die flächenstärkste Kultur in Niedersachsen. Nachdem die Anbaufläche im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen war, haben die Landwirtinnen und Landwirte den Maisanbau in diesem Jahr wieder um rund 4% beziehungsweise 22.297 ha ausgeweitet. Damit stieg die Anbaufläche auf insgesamt 565.000 ha. Davon sind laut Zahlen aus den EU-Agraranträgen rund 476.000 Hektar für Maissilage und etwa 89.000 Hektar für Körnermais vorgesehen, wobei sich die endgültige Verwertungsrichtung noch ändern kann.

Mit Beginn der Blüte im Juli waren die Bedingungen vielerorts zunächst noch günstig. Gleichzeitig zeigte sich insbesondere in der Mitte Niedersachsens bereits erheblicher Trockenstress. Auf den leichten Sandböden dieser Region entwickelten sich zahlreiche Bestände aufgrund des Wassermangels so schlecht, dass sie gar nicht mehr zur Blüte kamen. Betroffene Flächen mussten teilweise vorzeitig gehäckselt werden, um zumindest die bereits gebildete Futtermenge und -qualität zu sichern.

LWK-Portal hilft bei der Suche nach zusätzlichem Grundfutter

Besonders gravierend ist die Situation für Betriebe, die auf Mais als Grundfutter für ihre Rinderherden angewiesen sind. Fehlende Futtermengen müssen teilweise durch Zukäufe ersetzt werden und verschärfen damit die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation der Betriebe. Auch ursprünglich als Körnermais vorgesehene Bestände werden teilweise aufgrund ihrer schlechten Entwicklung als Silomais genutzt. Die zusätzliche Futtermenge reicht jedoch vielerorts nicht aus, um die durch die Trockenheit entstandenen Defizite auszugleichen.

Betriebe, die auf der Suche nach zusätzlicher Silage sind oder die überschüssige Grundfuttermengen anbieten wollen, können im Portal LWK-Agrarmarkt schnell und unkompliziert entsprechende Gesuche und Angebote einstellen.

Im Osten und Süden des Landes fielen im Sommer noch Niederschläge, sodass die Situation dort weniger angespannt ist. Gute Ernteergebnisse werden dennoch nur in wenigen Regionen erwartet. Wie hoch die endgültigen Ertragseinbußen ausfallen, lässt sich derzeit noch nicht abschließend bestimmen. Fest steht jedoch, dass die Auswirkungen regional extrem unterschiedlich sind. In der Mitte Niedersachsens werden teilweise Mindererträge von mehr als 50 Prozent erwartet. Die Ernte früher Sorten hat bereits regional begonnen.

Körnermais besonders unter Druck

Auch der Körnermais steht damit vor einer schwierigen Ernte. Die ursprünglich für die Körnernutzung vorgesehenen Bestände können teilweise aufgrund ihrer schlechten Entwicklung nicht mehr entsprechend genutzt werden und werden als Silomais gehäckselt. Das reduziert das Angebot an Körnermais zusätzlich. Der aktuelle Erzeugerpreis liegt mit 21 Euro/dt 13,5% über dem Vorjahr und unter dem Fünf-Jahres-Schnitt (22,20 Euro/dt).

Langfristig steht der Maisanbau vor Veränderungen: Insbesondere die Nutzung als Substrat für Biogasanlagen dürfte an Bedeutung verlieren. Der Maisanteil in den Fermentern ist nach Auslaufen der EEG-Förderung begrenzt, gleichzeitig werden zahlreiche Anlagen perspektivisch nicht weiter betrieben. Dadurch sind Veränderungen in der Fruchtfolge zu erwarten. Der Maisanbau könnte sich – bei guten Marktbedingungen und kalkulierbaren Trocknungskosten – künftig teilweise stärker in Richtung Körnermais verschieben, aber insgesamt etwas zurückgehen.

Grünland: Gute Ernte nur in der ersten Vegetationshälfte

Die Grünlandernte 2026 fällt insgesamt unterschiedlich aus. Während der erste und zweite Aufwuchs noch akzeptable bis gute Erträge brachten, führten Trockenheit und hohe Temperaturen in der zweiten Vegetationshälfte regional zu erheblichen Mindererträgen. Grünland hat wegen der langen Vegetationszeit von Frühling bis Herbst einen besonders hohen Bedarf an Wasser – und genau daran mangelte es in diesem Jahr. Mit 700.000 ha Fläche spielt Grünland bei der Versorgung der Milchviehherden eine entscheidende Rolle.

Auffällig war der ungewöhnliche Niederschlagsverlauf: In der ersten Vegetationshälfte erhielten die südlichen Regionen Niedersachsens mehr Niederschlag als der Norden. Im Norden konnten die Bestände dennoch von der Winterfeuchte und den wasserhaltenden Böden profitieren. Die kühlen Frühjahrstemperaturen förderten zudem eine gute Bestockung der Gräser.

Ab der zweiten Vegetationshälfte verschärfte sich die Situation. Besonders im Emsland zeigte sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle bei Trockenheit und Mindererträgen. In den Regionen von Lingen bis Salzbergen konnten nach dem zweiten Schnitt teilweise kaum noch nennenswerte Grasmengen eingefahren werden. Auch im Raum Nienburg und teilweise Osnabrück kam das Graswachstum weitgehend zum Erliegen.

Trotz der regional deutlichen Einbußen wird die vom Grünland gewonnene Futtermenge für 2026 insgesamt als ausreichend eingeschätzt. Vorhandene Futterreserven aus dem Vorjahr sichern die Winterfütterung ab. Sollte sich eine solche unterdurchschnittliche Entwicklung allerdings auch im kommenden Jahr wiederholen, könnte sich die Futtersituation deutlich verschärfen. (Futterbaubetriebe, die beim Grundfutter vor allem auf Mais setzen, müssen dagegen – siehe oben – teilweise mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen und möglicherweise früher Futter zukaufen.)

Positiv verliefen auf dem Grünland die Erntebedingungen für die Futterbergung: Sowohl die Silagebereitung in Milchviehbetrieben als auch die Heugewinnung in Pferdebetrieben konnten im Allgemeinen unter guten Bedingungen durchgeführt werden. Gleichwohl zeichnet sich bereits ein weiterer Risikofaktor ab: Die Mäusepopulation auf dem Grünland nimmt wieder zu. Entscheidend wird sein, ob sich die Bestände weiter aufbauen und möglicherweise ähnliche Schäden verursachen wie 2019, als Grasnarben erheblich beeinträchtigt wurden.

Ökolandbau: Fläche wächst – unterschiedliche Ernteergebnisse

Mittlerweile werden in Niedersachsen gut 162.000 ha Fläche ökologisch bewirtschaftet. Nach Erhebungen des Agrarministeriums, denen Zahlen der Öko-Kontrollstellen zugrunde liegen, nahm die Fläche zwischen Ende 2024 und Ende 2025 um rund 7.000 ha zu. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Öko-Betriebe hat sich im selben Zeitraum um 49 auf insgesamt 2.741 erhöht.

Die vorläufigen Zahlen aus den Agrar-Sammelanträgen, die der LWK für dieses Jahr vorliegen, bestätigen die stetige Entwicklung: Demnach legte die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Niedersachsen 2026 gegenüber dem Vorjahr um 6,4% zu. Diese Flächenzunahme ist insbesondere auf Betriebe zurückzuführen, die erstmalig die Öko-Prämie beantragen und noch keine Öko-Zertifizierung durchlaufen haben. Daher bleibt abzuwarten, ob die Umstellung der Flächen auf allen Betrieben tatsächlich umgesetzt und die Öko-Zertifizierung abgeschlossen wird.

Auch das Interesse an einer Umstellung nimmt wieder zu: Bereits im ersten Halbjahr 2026 wurden von der LWK ebenso viele Betriebe zur Umstellung auf den ökologischen Landbau beraten wie im gesamten Jahr 2025. Die Nachfrage hält auch während der Ernte an. Einen besonderen Impuls für interessierte Betriebe versprechen die Öko-Feldtage 2027 in Amelinghausen. Sie bieten die Gelegenheit, sich umfassend über den Ökolandbau und die Arbeit des Teams Öko der LWK zu informieren. Zusätzliche Impulse für den Ökolandbau werden vom jüngst gegründeten Verein BioBündnis Niedersachsen erwartet. Die LWK gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Öko-Getreide: Hitze sorgt für regionale Unterschiede

Das Öko-Getreidejahr begann unter guten Voraussetzungen. Wintergetreide ging nach günstiger Aussaat und milder Herbstwitterung gut entwickelt in den Winter. Das kühle Frühjahr bremste das Wachstum zunächst, vor allem durch eine verzögerte Stickstoffmineralisierung. Die zunehmenden Niederschläge ab Mai kamen jedoch rechtzeitig und führten überwiegend zu gut entwickelten Beständen.

Die Hitzeperioden im Juni ließen die Ertragserwartungen zunächst deutlich sinken. Besonders gut kamen Öko-Wintergerste und Winterhafer mit der Hitze zurecht und erzielten gute bis sehr gute Erträge. Auch Winterroggen und Wintertriticale sowie vielfach Winterweizen, Dinkel und Sommergetreide brachten gute Ergebnisse. Schwächere Erträge wurden vor allem auf Flächen mit später Aussaat beobachtet, da die Bestände stärker von den Hitzephasen betroffen waren. Die Backqualitäten bei Weizen und Dinkel lagen überwiegend auf durchschnittlichem Niveau.

Körnerleguminosen: Erbsen stabiler als Ackerbohnen

Bei den Öko-Körnerleguminosen verlief die Aussaat überwiegend unter guten Bedingungen. Die Bestände entwickelten sich nach den Niederschlägen und der Erwärmung ab Mai zunächst gut. Der Krankheits- und Schädlingsdruck blieb insgesamt gering.

Die Ackerbohne litt dagegen deutlich unter den hohen Temperaturen und erreichte überwiegend unterdurchschnittliche bis bestenfalls durchschnittliche Erträge. Körnererbsen erzielten vielfach zufriedenstellende bis gute Ergebnisse, insbesondere im Gemenge mit Getreide. Weiße Lupinen profitierten von ihrer vergleichsweise guten Trockentoleranz. Bei Soja ist eine abschließende Ertragsbewertung noch nicht möglich; insbesondere auf leichten Standorten ohne Beregnung machte sich die Wasserknappheit bemerkbar.

Die Nachfrage nach heimischen Öko-Körnerleguminosen als Eiweißfutter und auch für die menschliche Ernährung bleibt gleichzeitig hoch. Besonders für Soja werden weiterhin stabile Vermarktungsmöglichkeiten erwartet. Das Interesse am Anbau von Öko-Soja nimmt entsprechend weiter zu.

Öko-Mais: Trockenstress vor allem auf leichten Böden

Auch der Öko-Mais profitierte zunächst von günstigen Bedingungen nach der Aussaat. Spätere Aussaaten entwickelten sich nach Mitte Mai besonders zügig. Mit zunehmender Trockenheit im Juli und August nahm der Trockenstress jedoch deutlich zu – vor allem auf sandigen Standorten. Da Mais während der Blüte und Kolbenbildung besonders viel Wasser benötigt, muss dort ohne Beregnungsmöglichkeit mit Ertragsausfällen bei Silomais und Körnermais gerechnet werden. Erste Bestände wurden bereits gehäckselt.

Öko-Raps, Sonnenblumen und Zuckerrüben mit unterschiedlichen Ergebnissen

Der Öko-Winterrapsanbau ging 2026 weiter zurück. Hoher Schädlingsdruck, trockene Witterung und eine schwierige Nährstoffversorgung führten zu einer eher unterdurchschnittlichen Ernte. Positiv bleiben die guten Marktpreise für Öko-Raps.

Deutlich günstiger entwickelte sich dagegen die Öko-Sonnenblume. Ihre Fläche nahm um 230 ha zu. Aussaat und Beikrautregulierung verliefen nahezu optimal, und die Bestände verkrafteten Hitze und zeitweise Trockenheit gut. Derzeit wird mit einer guten Ernte Ende September beziehungsweise Anfang Oktober gerechnet.

Bei den Öko-Zuckerrüben blieb die Anbaufläche nach dem Rückgang des Vorjahres weitgehend stabil. Die frühe Aussaat verlängerte die Vegetationszeit, und die Rüben verkrafteten Hitze und Trockenheit vergleichsweise gut. Auf leichteren Standorten war allerdings Beregnung erforderlich. Insgesamt werden normale bis gute Erträge erwartet.

Die Rentabilität des Bio-Zuckerrübenanbaus wird erheblich durch den Kostenaufwand für die Handjäte zur Beseitigung von Unkraut beeinflusst. Zudem ist die termingerechte Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften eine weitere große Schwierigkeit. Aus diesen Gründen setzen die Ökobetriebe zunehmend auf den Einsatz von Robotik zur Beikrautregulierung. Auf den meisten Öko-Betrieben kommt mittlerweile autonome Hacktechnik im Zuckerrübenanbau zum Einsatz. Diese Technik hat sich enorm weiterentwickelt und erreicht mittlerweile hohe Wirkungsgrade.

Öko-Kartoffeln: Weniger Fläche – durchschnittliche Erträge erwartet

Nach der schwierigen Vermarktungssaison 2025 wurde die Öko-Kartoffelfläche 2026 reduziert. Die Bestände entwickelten sich zunächst gut. Trotz zeitweise erhöhter Krautfäulegefahr blieb der Krankheitsdruck vergleichsweise gering. Hitze und Trockenheit belasteten die Bestände in Niedersachsen weniger stark als in anderen Regionen Deutschlands. Für Niedersachsen werden derzeit durchschnittliche, tendenziell unter dem Vorjahresniveau liegende Erträge erwartet; die Haupternte hat gerade erst begonnen.

Wir erklären Kornfüllungsphase, Samenreife, Hektoliter- und Tausendkorngewicht

Die sommerliche Hitze hat insbesondere Winterweizen und Raps in sensiblen Entwicklungsstadien getroffen – das hat Auswirkungen auf die Qualität des Ernteguts. Hier erklären wir Entwicklungsschritte und Qualitätsparameter.

Kornfüllungsphase

In der Kornfüllungsphase verlagert die Getreidepflanze Energie und Nährstoffe in die Körner. Das ist so ähnlich wie beim Füttern eines Sparschweins: Je länger und besser die Bedingungen sind, desto voller wird es. Gut gefüllte Körner sind maßgeblich für gute Erträge und meist auch für gute Qualitäten.

Hektolitergewicht

Das Hektolitergewicht gibt an, wie viele Kilogramm 100 Liter Getreide wiegen. Es beschreibt damit die Masse eines bestimmten Volumens. Damit kann indirekt bestimmt werden, wie gut die Körner gefüllt sind. Oder praktisch gefragt: Wie schwer ist ein Eimer voller Getreide? Je schwerer, desto besser sind die Körner gefüllt. Geringe Hektolitergewichte deuten auf schlecht entwickelte Körner hin.

Tausendkorngewicht

Das Tausendkorngewicht (TKG) gibt an, wie viel 1.000 Körner oder Samen wiegen. Damit lässt sich abschätzen, wie groß und schwer die einzelnen Körner sind. Damit ist das TKG nicht nur ein Qualitätsparameter, sondern auch für die Aussaatplanung wichtig. Die Aussaatstärke wird nicht nach Kilogramm pro Hektar festgelegt, sondern nach der gewünschten Anzahl Pflanzen pro Quadratmeter. Da große Körner mehr wiegen als kleine, ist bei einem höheren TKG eine höhere Saatgutmenge erforderlich, um die gewünschte Pflanzenzahl pro Quadratmeter zu erreichen.

Samenreife beim Raps

Die Samenreife ist die Phase, in der sich die Rapskörner von grün und weich zu dunkel, hart und ölreich entwickeln. Die Pflanze wird dabei langsam trocken, die Schoten verfärben sich gelb bis braun, die Samen werden schwarz und fest. Erst wenn die Samen reif sind, kann geerntet werden, denn dann enthalten sie ihr volles Öl- und Ertragspotenzial.


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