Steigende Betriebsmittelkosten und schwankende Erlöse machen vorausschauende Liquiditätsplanung zu zentraler Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe. Kostenfreies Online-Seminar der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am 22. September.
Betriebsmittel verteuern sich deutlich
„Die aktuelle Preis-Kosten-Situation zeigt, wie groß die Herausforderung ist“, sagte Stephanie Stöver-Cordes, Fachreferentin für Marktanalyse und Marktberichterstattung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), während der Ernte-Pressekonferenz der LWK am Donnerstag (03.09.2026) in Hannover (siehe dazu separate Pressemitteilung „Trockenheit und Kostendruck prägen Ernte 2026“). Der Erzeugerpreis für Brotweizen B lag Stöver-Cordes zufolge Ende August bei 201,00 Euro je Tonne und damit 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Beim Raps betrug der Anstieg 13,4 Prozent auf 504,35 Euro je Tonne 1. „Gleichzeitig verteuerten sich aber wichtige Betriebsmittel deutlich: Der Stickstoffdünger Harnstoff lag 20,4 Prozent über dem Vorjahrespreis, der mineralische Dünger Diammoniumphosphat lag 18,7 Prozent darüber und der Preis für Diesel lag sogar 44 Prozent höher“, berichtete die LWK-Marktexpertin.
Eine positive Preisentwicklung bei einzelnen Kulturen bedeute deshalb nicht automatisch, dass ein Betrieb über ausreichend Liquidität verfüge, hob Stöver-Cordes hervor. „Entscheidend ist vielmehr der zeitliche Verlauf der Zahlungsströme.“
Ackerbau erfordert hohe Vorleistungen
Hierbei weist der Ackerbau nämlich eine Besonderheit auf: Die Einnahmen konzentrieren sich auf wenige Zeitpunkte, während die Vorleistungen bereits Monate vorher finanziert werden müssen. „Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Diesel, Lohnarbeiten und weitere Kosten fallen an, bevor die entsprechende Ernte verkauft und bezahlt wird“, so Stöver-Cordes. Besonders kritisch könnten die Monate vor der Ernte sowie der Zeitraum rund um den 1. Oktober sein, wenn Pachtzahlungen anstehen, bevor die Flächenprämien der EU-Agrarförderung eingehen.
Auch wenn eine Ernte bezahlt ist, kann es kritisch bleiben – wie zum Beispiel nach der Kartoffelernte 2025, als die Erzeugerpreise wegen eines Überangebots ins Bodenlose fielen. In so einer Situation lässt sich ein Gewinn aus besseren Vorjahren nicht einfach als Krisenpuffer verwenden: Von diesem Gewinn gilt es unter anderem Versicherungen, Altenteilleistungen, Nettoinvestitionen und private Steuern zu finanzieren.
Liquiditätsplan macht kritische Monate sichtbar
Eine Liquiditätsplanung macht Finanzierungsspitzen sichtbar: Einnahmen und Ausgaben werden monatlich oder quartalsweise gegenübergestellt. Damit lässt sich erkennen, wann ein Finanzierungsbedarf entsteht, wie groß dieser ausfallen kann und wann wieder Liquiditätsüberschüsse zu erwarten sind. Stöver-Cordes: „Frühzeitig erkannte Finanzierungslücken lassen sich wesentlich besser steuern als kurzfristig auftretende Zahlungsprobleme.“
Kostenfreies LWK-Webseminar am 22. September
Wie genau eine Liquiditätsplanung funktioniert, erläutern Fachleute der LWK zusammen mit einem Experten der NordLB beim kostenfreien LWK-Webseminar „Liquidität in Ackerbaubetrieben sichern und steuern“ am Dienstag, 22. September, von 18.30 bis 20 Uhr. Mehr Informationen und den Teilnahme-Link finden Sie hier.
Ein Betrieb sollte, so empfahl die LWK-Marktexpertin während der Ernte-PK, verschiedene Szenarien durchspielen: „Was passiert, wenn die Erträge niedriger ausfallen? Was, wenn sich die Vermarktung verzögert? Wie wirkt sich eine weitere Kostensteigerung aus? Und welche Finanzierung wird benötigt, wenn mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig eintreten?“
Stellschrauben auf Einnahmen- und Ausgabenseite
Eine durchdachte Liquiditätsplanung schafft konkrete Ansatzpunkte für Entscheidungen: Auf der Einnahmenseite können beispielsweise bestehende Forderungen konsequent und zeitnah eingefordert oder Ernten bei angespannter Liquidität zügiger vermarktet werden. Auch der Verkauf von Teilmengen auf verschiedenen Vermarktungswegen kann helfen, über das Jahr hinweg regelmäßiger Einnahmen zu erzielen. „So erreichen die Ackerbäuerinnen und Ackerbauern das Ziel, nicht zwangsläufig die gesamte Ernte zum gleichen Zeitpunkt und damit unter dem gleichen Angebotsdruck vermarkten zu müssen“, machte Stöver-Cordes deutlich.
Investitionen auf den Prüfstand – Kontakt zur Hausbank suchen
Auch auf der Ausgabenseite gibt es Stellschrauben, um den Betrieb flüssig zu halten: Investitionen können gegebenenfalls verschoben, Steuervorauszahlungen angepasst und notwendige Betriebsmittel dennoch gekauft und gegebenenfalls finanziert werden. Gleichzeitig empfiehlt sich ein frühzeitiger Austausch mit der Bank, beispielsweise wenn eine Umschuldung sinnvoll sein könnte. Auch die Kosten für die Arbeitserledigung auf dem Betrieb sind Posten, die es zu analysieren gilt. Schon kleine Veränderungen im Betriebsablauf können die Ausgaben auf dieser Seite reduzieren.
Alarmsignale nicht verdrängen
Besonders wichtig ist es laut Stöver-Cordes, dass Liquiditätsprobleme nicht erst dann bearbeitet werden, wenn Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können. „Ein dauerhaft negatives Kontokorrentkonto, steigende Verbindlichkeiten trotz ausbleibender Investitionen, zunehmende offene Rechnungen bei Lieferanten sowie Notverkäufe und Mahnverfahren sind sehr deutliche Alarmsignale, dass dem Betrieb das Geld ausgeht.“ Wer dagegen frühzeitig erkenne, dass in einigen Monaten eine Finanzierungslücke drohe, habe noch verschiedene Optionen – „von der Anpassung der Vermarktung über die Verschiebung von Investitionen bis hin zum Gespräch mit der Bank“.
Liquiditätsplanung verschafft nötigen Handlungsspielraum
Eine Liquiditätsplanung hilft nicht nur in finanziell schwierigen Zeiten – im besten Falle schafft sie zu jeder Zeit den nötigen unternehmerischen Handlungsspielraum. „Wer weiß, wann Geld benötigt wird und wann Einnahmen zu erwarten sind, kann Vermarktungsentscheidungen bewusster treffen, Finanzierungsbedarf rechtzeitig mit der Bank besprechen und Investitionen besser terminieren“, fasste Stöver-Cordes zusammen. So verwandelt eine durchdachte Liquiditätsplanung einen drohenden Engpass in eine planbare unternehmerische Entscheidung.
Auch die Produktionsstrategie kann einbezogen werden: Eine Diversifizierung des Anbaus kann helfen, Anbau- und Ertragsrisiken zu reduzieren. Mögliche alternative Einkommensquellen wie Geflügelhaltung, Erneuerbare Energien oder Immobilien schaffen neue Spielräume – wenn sie wirtschaftlich zum Betrieb passen. Bei den Betriebsmitteln können Preisvergleiche und eine zeitweilige Anpassung der Grunddüngung zur besseren Steuerung der Kosten beitragen. Die richtige Bewertung von Gülle, Gärresten und Mist ist ein wesentlicher Faktor, um die Grundversorgung der Flächen mit Pflanzennährstoffen auch zu geringeren Preisen abzusichern.
Zusammenfassung
Schwankende Erzeugerpreise, volatile Erlöse, geopolitische Spannungen sowie steigende Betriebskosten können die Finanzplanung eines Ackerbaubetriebs kurzfristig vor neue Herausforderungen stellen und machen eine vorausschauende Liquiditätsplanung immer wichtiger. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen unterstützt die Betriebe bei diesen Überlegungen mit individueller betriebswirtschaftlicher sowie pflanzenbaulicher und produktionstechnischer Beratung. Wie sich Liquidität gezielt planen und steuern lässt, erläutern LWK-Fachleute außerdem im kostenfreien Webseminar „Liquidität in Ackerbaubetrieben sichern und steuern“ am 22. September 2026.
Anmerkung
1 Die genannten Erzeugerpreise sind Momentaufnahmen und mit den Durchschnittspreisen in der Tabelle „Anbauflächen, Erträge und Erlöse“ (siehe Pressemitteilung zum Erntejahr 2026) nicht direkt vergleichbar.


















