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Wichtiger denn je - Den Finanzüberblick behalten

Strukturwandel, techn. Fortschritt und Wettbewerb führen dazu, dass in der Landwirtschaft die Betriebe größer werden. Steigender Fremdkapitaleinsatz, höherer Pachtflächenanteil und steigende Personalkosten gefährden folglich in Zeiten volatiler Märkte und bei einem hohen Spezialisierungsgrad die Liquidität eines Betriebes.

 

Mit steigender Größe steigen auch die Mengenumsätze der einzelnen Geschäftsvorfälle sowie damit verbunden auch das Risiko den Überblick der Finanzkonten zu verlieren. Im schlimmsten Fall sogar zahlungsunfähig zu werden. Der Hebel bei Preisveränderungen auf der Ausgabenseite wirkt aufgrund der einzukaufenden Mengen deutlich stärker. Der Betrieb wird mit größer werdenden Wachstumsschritten damit vielfach anfälliger für Engpässe. Mit steigender Betriebsgröße wird also eine laufende Liquiditätsplanung, am besten mit Soll/Ist-Vergleich, existenziell und unumgänglich, um mögliche Defizite frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Um den Überblick der Finanzen nicht zu verlieren, sollte eine laufende Liquiditätsplanung erstellt und Monat für Monat fortgeführt werden. Ein Unternehmen muss jederzeit in der Lage sein, seine laufenden Kosten und eingehenden Rechnungen bezahlen zu können. Für den Unternehmer heißt es, die Alarmzeichen rechtzeitig zu erkennen und zu deuten. Möglich ist dieses nur, wenn die Buchführung zeitnah erfolgt und ggf. ein Berater die Kennzahlen der Liquidität analysiert und die Monatssalden der vergangenen 12 Monate für die zukünftige Vorausschau der ersten Liquiditätsplanung zusammen mit dem Unternehmen aufbereitet und erstellt.

Die Liquiditätsplanung zeigt dem Leser eine Vorhersage des Kontostandes der Zahlungsmittel. Längere negative Kontostände sollten früh genug erkannt, und nach Möglichkeit dessen Verlauf durch Ergreifung von Gegenmaßnahmen bessergestellt werden.

Die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens sollte systematisch geplant und überwacht werden. Dies geschieht mit Hilfe einer Liquiditätsrechnung/-planung, die mindestens 6 Monate umfassen sollte, aber auch für 18 Monate erstellt werden kann. Sämtliche Einnahmen sind den Ausgaben gegenüberzustellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Zahlungen privat bzw. betrieblich verursacht werden. Auch privat verursachte Entnahmen wie beispielsweise der Kauf einer neuen Küche können die Zahlungsfähigkeit eines Betriebes gefährden. Aus der Differenz der Einnahmen und Ausgaben ergibt sich der monatliche Überschuss (Überdeckung) oder auch ein Fehlbetrag (Unterdeckung).

Wird eine Liquiditätsplanung erstellt, sollte sich der Betrieb die Ergebnisse genau erklären lassen. Somit kann die notwendige Investition evtl. noch verschoben bzw. Entnahmen kontrolliert werden. Auch nach der Liquiditätsplanung sollte der tatsächliche Girokontostand immer mit der Planung verglichen werden. Verläuft der tatsächliche Girokontostand dem ermittelten Kontostand der Liquiditätsplanung, ist der Verlauf planerisch korrekt. Dies aber sicherlich nicht immer der Fall, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten wie z.B. der Marktpreis sich besser entwickelt als veranschlagt. Solange sich der tatsächliche Girokontostand besser als der Plan-Kontostand entwickelt, ist keine Anpassung notwendig, jedoch wenn eine umgekehrte Entwicklung eintritt. Dieses sollte vom Betrieb erkannt und ggf. mit der Bank oder einem Unternehmensberater abgesprochen werden.

5 Punkte der Liquiditätsplanung und –kontrolle:

  • Erstellen Sie zusammen mit Ihrem betriebswirtschaftlichen Berater des Vertrauens zunächst eine tabellarische, auf monatsebene bezogene Planung der nächsten 12 Monate. Grundlage hierfür sollten die letzten 12 gebuchten Monate der Finanzbuchführung sein. Der Zeitraum aller nicht gebuchten offenen Geschäftsvorfälle sollte nicht mehr als 4 Wochen betragen und nach Möglichkeit in die Planung eingepflegt werden.
  • Für die Hauptprodukte und Hauptkostenblöcke (in der Milchproduktion beispielsweise die Milch und Futter) bedarf es ein Preis/Mengengefüge für die Vorausschau um Veränderungen im Marktgeschehen in der Planung einzupflegen zu können.
  • In der Planung sollte der Verlauf des Geschäftskontos aufführt sowie eine Ausgabenzeile für den Privatbereich (für Lebenshaltung, Steuern, Versicherung) und jeweils zwei Zeilen für den Anlagenzu-/abgang und Kapitalzu-/abgang dargestellt werden. Mit dem Verlauf des Kontostandes ist der Geldbedarf bzw. der Überschuss für notwendige Investitionen der nächsten 12 Monate zu erkennen. Hiermit wird ein frühzeitiges Gespräch mit der finanzierenden Bank möglich.
  • Soll/Ist-Vergleich (SIV). Nach der Planung sind Monat für Monat die Zahlen fortlaufend mit den tatsächlichen Zahlen der Finanzbuchführung zu ersetzen bzw. daneben zu stellen, mindestens aber der Kontostand abzugleichen sowie die Planung nach hinten hin jeweils um einen Monat zu erweitern. Änderungen der Zahlen sind immer nach dem Grund zu hinterfragen. Dadurch werden die Wechselwirkungen und deren Ausschläge auf den Kontostandsverlauf besser verstanden.
  • Ändert sich eine Markt- oder Produktionssituation anders als geplant, sind diese unverzüglich für die folgenden Monate im Preis/Mengengefüge einzupflegen. Die Ergebnisse werden als Grundlage für betrieblichen Entscheidungen herangezogen, wann z.B. eine Anschaffung möglicherweise am besten geleistet werden, und wie sich unvorhergesehene Reparaturen auswirken.

Liquiditätsrisiken sind vermeidbar. Sie entstehen häufig aufgrund von Versäumnissen in der Finanzsteuerung und können selbst hochrentable Unternehmen existenziell bedrohen. Unternehmen brauchen deshalb, und nicht nur zum Zeitpunkt der Zahlungsschwierigkeit, eine vorausschauende Liquiditätsplanung, um sich einen Überblick des Zahlungsverkehrs zu verschaffen und zu erhalten.


Sehen Sie auch den vollständigen Artikel in der Anlage. Bei Fragen wenden Sie sich auch gerne an unsere Wirtschaftsberater*innen oder bei Finanzgefährdung an unserere Sozioökonomischen Berater*innen.

 

 


Kontakt:
Renke Harms
Unternehmensanalyse AgriCon, Betriebsplanung AgriPlan, Agrarinformatik
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Stand: 28.08.2020