„Grünland - mehr Augenmerk auf Grundversorgung und Pflege“ lautete das Motto der Veranstaltung, zu der am 05.02.2026 etwa 210 Besucher nach Rodenkirchen (LK Wesermarsch) kamen.

Mehr Details zum Grußwort entnehmen Sie dem Dateianhang.
Boden, Futter, Gülle: Durch Analysen sowohl Schwachstellen als auch Potenziale kennen
Wie steht es um die Mineralstoffversorgung auf niedersächsischen Wiesen und Weiden? Die LUFA Nord-West hat Daten aus über einem Jahrzehnt Laboranalysen ausgewertet und präsentiert nun Ergebnisse, die für die Tiergesundheit und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe von entscheidender Bedeutung sind. Auf Basis von 428.000 Bodenproben, 63.000 Grassilageanalysen und 7.000 Gülleuntersuchungen aus dem Zeitraum 2014 bis 2025 zeigt die Auswertung deutliche Trends und regionalen Handlungsbedarf auf.
Wirtschaftlicher Wert der Nährstoffe unterschätzt
Nährstoffe sind bares Geld wert: In einem Betrieb mit 100 Kühen und Nachzucht repräsentieren allein die im Kreislauf vorhandenen Mengen an Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) einen Düngerwert von rund 38.800 Euro pro Jahr. „Eine hohe Nährstoffausnutzung senkt die Düngerkosten massiv und schließt den Kreislauf im Betrieb effektiv“, erklärt Dr. F. Lorenz von der LUFA Nord-West.
Bodenanalyse: Kalkmangel und sinkende Phosphorgehalte
Ein kritisches Ergebnis der Langzeitanalyse betrifft den pH-Wert der Böden. Besonders auf schweren Marschböden liegen die pH-Werte oft „im Keller“. Ein optimaler pH-Wert ist jedoch die Grundvoraussetzung für eine gute Bodenstruktur, die Nährstoffmobilität und das Wachstum wertvoller Gräser. Zudem zeigt die Düngeverordnung Wirkung: Die Phosphorgehalte in den Böden nehmen kontinuierlich ab. Während die Gehalte in der Grassilage derzeit noch stabil im optimalen Bereich liegen, müssen Landwirte die Bodenreserven im Auge behalten, um Ertragseinbußen vorzubeugen.
Trends bei Silage und Gülle: Rohprotein sinkt
Bei der Grassilage ist ein rückläufiger Trend beim Rohproteingehalt zu beobachten, der häufig unter den Fütterungsempfehlungen liegt. Kalium hingegen weist eine große Streuung auf: Während einige Proben zu geringe Gehalte für ein optimales Pflanzenwachstum zeigen, finden sich in anderen Silagen Gehalte, die für die Tiergesundheit bereits zu hoch sind. Hier wird die Bedeutung einer einzelbetrieblichen Untersuchung von Futter und Gülle deutlich.
Empfehlungen für die Praxis
Um die Leistungsfähigkeit der Tiere und die Effizienz des Grünlands zu sichern, rät die LUFA Nord-West zu einem dreistufigen Vorgehen:
- Analysieren: Regelmäßige Untersuchung von Boden, Gülle und Silagen, inklusive Spurenelementen und DCAB-Werten.
- Reagieren: Gezielte Kalkung und Düngung auf Basis der Ergebnisse, um Schwachstellen frühzeitig zu beheben.
- Kontrollieren: Den Erfolg der Maßnahmen durch Folgeanalysen absichern.
„Nur wer seine Zahlen kennt, kann Schwachstellen entdecken und die Gesundheit seiner Herde sowie den wirtschaftlichen Erfolg langfristig sichern“, so Dr. Lorenz.
pH-Wert als wichtiger Hebel
Der Grünlandexperte Hans Koch zeigte in seinem Vortrag auf, dass Grünland mehr ist als „Futterfläche“: Wer Boden, pH-Wert und Nährstoffkreisläufe im Griff hat und die Bestandeszusammensetzung aktiv steuert, kann Ertrag, Futterqualität und Stabilität deutlich verbessern – mit überschaubarem Aufwand an Grunddünung, Pflege und messbarer Wirkung.
Die Kernbotschaften von Herrn Koch lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Messen anstatt raten: Bodenuntersuchung + Bestandscheck + Ertrags-/Qualitätsdaten liefern die Basis für zielgenaue Maßnahmen.
- Wirtschaftlichkeit beginnt im Boden. Jede Entscheidung (Nutzung, Düngung, Nachsaat) wirkt nur so gut, wie Bodenstruktur und pH-Wert es zulassen.
- pH-Wert ist der „Schalthebel“ für Nährstoffverfügbarkeit. Kalkung ist kein „Extra“, sondern häufig Grundvoraussetzung für effiziente N- und P-Nutzung.
- Organische Dünger sind wertvoll – wenn Timing und Technik passen. Verluste (v. a. Ammoniak) kosten Geld und Wirkung.
- Bestand schlägt Rezept. Arten- und Sortenwahl muss zu Standort, Nutzung (Schnitt/Weide) und Wasser-/Nährstoffangebot passen.
Für die Wirtschaftlichkeit von Grünlandflächen tragen maßgeblich die Bodenstruktur, der Boden-pH Wert und eine effiziente Nutzung organischer Dünger bei. Ein zentraler Schwerpunkt liege auf der Bedeutung der Kalkung, da sie die Nährstoffverfügbarkeit, die Wirksamkeit der Düngung und die Bestandsstabilität entscheidend beeinflusst. Koch betonte, dass eine präzise Bodenanalyse, eine standortgerechte Arten- und Sortenwahl sowie ein angepasstes Nährstoffmanagement die Ertrags- und Futterqualität deutlich steigern können.
Darüber hinaus machte er deutlich, dass stabile und leistungsfähige Grünlandbestände eine Grundvoraussetzung für hohe Futterqualität sind.
Organische Dünger können laut Koch besonders effektiv wirken, wenn Ausbringzeitpunkt, Technik und pH-Wert stimmten. Sein Fazit: Zielgerichtete Pflege und ein systematischer Blick auf Boden und Bestand führen bei überschaubarem Aufwand zu messbaren Verbesserungen. Der Vortrag und das Handout seines Beitrages können Sie unten herunterladen.
Bericht aus der Praxis
Landwirt Thore Lünschen berichtete aus seinem Milchvieh und Zuchtbetrieb mit rund 350 Kühen. Grundlage für hohe Leistungen von über 13.000 Kilogramm Milch je Kuh seien für ihn intensiv genutztes, gepflegtes Grünland und eine gleichbleibend hohe Futterqualität. Lünschen setzt auf frühe organische Düngung, regelmäßige Düngung, Kalkung, Nachsaat und möglichst frühe Mahdtermine (Beginn Ährenschieben) für jeden Schnitt, auch wenn durch Sommertrockenheit der Ertrag gering ausfällt. In guten Jahren sind bis zu sechs Schnitte pro Jahr möglich. Entscheidend sei zudem eine saubere, gut verdichtete Silage aus jungem, gut verdaulichem Gras. Konstante Rationen, konsequente Tierbeobachtung und feste Routinen in der Herdenführung tragen nach seinen Erfahrungen maßgeblich zu Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und stabiler Milchleistung bei.
Gewinner ausgezeichnet
Weiterhin wurden in Rodenkirchen die Sieger des Silagewettbewerbes 2025 ausgezeichnet. Dr. Christine Kalzendorf, bei der LWK-Beraterin für Grünland, mehrjährigen Ackerfutterbau und Futterkonservierung, blickte zunächst auf die Bedingungen im vergangenen Jahr zurück: Auf dem Grünland kam das Graswachstum wegen Trockenheit und kühler Temperaturen nur langsam in Gang. Dennoch fielen die Nährstoff- und Energiewerte der Silagen des 1. Aufwuchses gut aus. Entscheidend für gute Futterwerte war hier eine frühe Ernte. Der Silomais konnte sich abgesehen von kühlen Temperaturen und Trockenheit bei der Aussaat im weiteren Verlauf weitgehend ungestört entwickeln, Erntemenge und Qualität waren im Schnitt sehr gut. So konnten im Silagewettbewerb sehr hohe Punktzahlen erzielt werden.
Den ersten Platz in der Kategorie „Grassilage, 1. und 2. Schnitt“ teilen sich Reent Weerda aus Wilhelmshaven und Jannis Klee aus Helvesiek (Landkreis Rotenburg/Wümme). Gleichfalls einen ersten Platz in der Kategorie „Folgeaufwüchse“ belegte Eike Albers aus Zeven (Landkreis Rotenburg/Wümme). Die beste Maissilage hatte Hans Christopher Nack aus Tespe (Landkreis Harburg). Das Feld war dieses Jahr in dieser Kategorie besonders eng: Den zweiten Platz teilen sich fünf Landwirte. Die Ergebnisse des Silagewettbewerbes finden Sie im Webcode: 01045108

















