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Wenn man Bock auf die Sache hat, ist es egal!

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Theresa Harke (29) ist die einzige Frau in einer landwirtschaftlichen GbR mit gut 500 Hektar in Scharnhorst im Landkreis Celle. Im Sommer übernimmt sie den Betrieb von ihrem Vater. In unserem Interview spricht sie über gemeinsames Frühstücken als Führungsinstrument, ein belastbares Netzwerk und die Kunst, um Hilfe zu bitten.

 

Theresa Harke aus Scharnhorst
Theresa Harke aus ScharnhorstPrivat (keine Urhebernennung gewünscht)

Wie sind Sie in die Landwirtschaft gekommen?

"Ich komme aus einem echten Generationenbetrieb und hatte sogar das Glück, meine Uroma noch kennenzulernen. Sie hat den Hof als Kriegswitwe allein geführt, wurde 100 Jahre alt und lebte bis 2010. Nach meinen Großeltern übernahm mein Vater. Und jetzt bin ich an der Reihe. Hineingewachsen bin ich ganz ohne Druck. Die Entscheidung zur Übernahme fiel erst, als das Abitur schon in der Tasche war. Meine größten Unterstützer sind meine Großeltern, sie freuen sich sehr, dass es weitergeht."

Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten übernehmen Sie im Betrieb?

"Unser Betrieb hat eine Besonderheit: Seit 21 Jahren führen wir gemeinsam mit Familie Niemann eine Biogasanlage, seit elf Jahren bewirtschaften wir auch den Ackerbau zusammen in einer GbR. Wir sind vier Köpfe: zwei Senioren und zwei Junioren. Im Sommer übernehme ich von meinem Vater.

Im Büro teile ich mir die Aufgaben mit meinem Mitgesellschafter. Ich bin zuständig für die Ackerschlagkartei, die Buchführung und die Düngeplanung. ANDI, ENNI, FaNi, wie sie alle heißen, kenne ich gut. Den größten Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich aber draußen, in der Außenwirtschaft."

Wie organisieren Sie Abläufe und Zuständigkeiten?

"Nicht alle können über alles entscheiden, deshalb ist Kommunikation bei uns das A und O. Unsere Wohnsitze liegen zwei Kilometer auseinanderliegen, wir treffen uns einmal wöchentlich mit allen Gesellschaftern. Jeden Morgen gibt es zusätzlich eine kurze Fünf-Minuten-Runde mit dem ganzen Team, um den Tag zu besprechen.

Wir haben zwei feste Mitarbeiter in der Landwirtschaft und einen, der die Biogasanlage betreut. In der Saison kommen Aushilfskräfte für das Sortieren dazu, unser Schwerpunkt liegt auf Pflanzkartoffeln und Zwiebeln. Ansonsten arbeiten wir mit wenig festen Abläufen.

Auszubildende haben wir noch keine, aber die Lust dazu ist da. Wichtig ist, dass wir wirklich Zeit für einen Azubi haben. Ein Auszubildender ist keine volle Arbeitskraft, und das muss man ernst nehmen. Wir sind offen dafür und werden sehen, was in den nächsten Jahren möglich ist."

Was hilft Ihnen, wenn unterschiedliche Erwartungen oder Arbeitsweisen aufeinandertreffen?

"Ein Vorteil bei uns ist, dass der Generationswechsel bei beiden GbR-Partnern gleichzeitig stattfindet. Das ist besser, als wenn einer schon lange etabliert ist und dann ein neuer Junior dazukommt.

Trotzdem sind wir sehr unterschiedliche Charaktere: Zurückhaltende treffen auf Forsche und Innovative. Das führt manchmal zu Reibung. Was uns geholfen hat: Externe Unterstützung holen. Das ist keine Schwäche. Seitdem wissen wir viel besser, wer wie tickt, und das macht die Zusammenarbeit einfacher.

Was bleibt, ist die Herausforderung, dass in stressigen Phasen die Kommunikation oft als Erstes leidet. Und anders als in einem klassischen Familienbetrieb fehlen uns die gemeinsamen Mahlzeiten, die informellen Momente, in denen vieles ganz nebenbei geklärt wird. Wir überlegen deshalb, ob wir künftig einmal am Tag zusammen essen. Einfach um in entspannter Atmosphäre zusammenzukommen."

Welche Aufgaben erledigen Sie am liebsten, und welche fordern Sie besonders heraus?

"Am liebsten bin ich draußen auf dem Trecker, das ist für mich ein echter Ausgleich. Kartoffeln roden und pflanzen macht mir besonders viel Spaß.

Meine größte Herausforderung ist die Kommunikation. Ich schaue immer, dass es allen gut geht und vergesse dabei manchmal mich selbst. Wenn ich die Wahl zwischen Büro und Außenwirtschaft habe, gewinnt draußen immer. Aber das funktioniert natürlich auf Dauer nicht."

Wie organisieren Sie Büroarbeit, Termine und Dokumentation im Betriebsalltag?

"Die größte Stärke unserer Gemeinschaft ist, dass die Last auf mehreren Schultern liegt. Das gibt uns Spielraum. In den Schulferien konnten wir zum Beispiel verreisen. Wir versuchen, mehrmals pro Woche gemeinsam im Büro zu arbeiten. In der Saison müssen wir uns das aber fest vornehmen, sonst wächst der Stapel ungeöffneter Briefe. Bei gutem Wetter zieht es uns alle nach draußen, da braucht es manchmal etwas Disziplin.

Die Dokumentation liegt komplett bei mir. Die Mitarbeiter schicken mir per WhatsApp, was wann wo gemacht wurde, ich trage das zeitnah ein. Eine Ackerschlagkartei als App steht noch auf der Agenda, ebenso ein gemeinsamer digitaler Kalender. Da ist noch Luft nach oben."

Wo haben Sie in den letzten Jahren bewusst etwas verbessert oder verändert?

"Wir haben in den letzten Jahren einiges angepackt. Bei der Digitalisierung haben wir einen großen Schritt gemacht: Die Zeiterfassung läuft inzwischen über Crewmeister, und wir arbeiten mit NLB online sowie einer neuen Ackerschlagkartei, die sowohl mit der Landberatung als auch mit ENNI kompatibel ist.

Aber auch im Miteinander hat sich etwas verändert. Die wöchentlichen Treffen haben wir verbessert, und wir frühstücken gelegentlich gemeinsam. Das klingt klein, macht aber einen Unterschied.

An der Technik haben wir ebenfalls gearbeitet: Die Kartoffellagerung und -aufbereitung ist heute deutlich benutzerfreundlicher als früher."

Was tun Sie, um Überlastung oder mentalen Druck vorzubeugen?

"Wir versuchen, den Sonntag wirklich freizuhalten. Das gelingt uns zu neunzig Prozent. Nur bei schlechtem Wetter und drohenden Ernteverlusten machen wir eine Ausnahme. Mir tut dieser freie Tag sehr gut, weil ich dann einfach nicht an die Arbeit denken muss.

Gegen mentalen Druck habe ich einige Dinge für mich gefunden. Ich habe gelernt, mehr zu sprechen, das hilft mir sehr. Abends mache ich das Internet früh aus, keine Nachrichten, keine E-Mails. Telefonisch bin ich aber immer erreichbar. Und ich pflege bewusst Freundschaften außerhalb der Landwirtschaft, damit man auch mal über ganz andere Dinge redet.

Viel gelernt habe ich von meinem Vater. Wenn etwas schiefläuft, sagt er: Hauptsache, alle sind heil rausgekommen. Und dann lösen wir das Problem. Für ihn ist das Glas immer halb voll. Das ist eine Haltung, die ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufe. Vielleicht kommt sie mit der Lebenserfahrung."

Worauf sind Sie besonders stolz?

"In unserer GbR gibt es die Männer und mich. Und darauf bin ich stolz. Mir ist wichtig, dass ich gleichbehandelt werde und dieselben Aufgaben übernehme wie die Männer. Im engen Umfeld wurde ich nie anders angesehen, und das hat mich sehr geprägt und wachsen lassen.

Meine Stärke: Ich kann um Hilfe bitten. Wenn etwas schlicht zu schwer ist – ich wiege nun mal dreißig Kilo weniger als die anderen und bin drei Zentimeter kleiner – dann sage ich das einfach. Das ist für mich keine Schwäche, sondern gesunder Menschenverstand."

Was würden Sie anderen Frauen in einer ähnlichen Situation mit auf den Weg gehen?

"Habt Selbstvertrauen! Man ist oft erstaunt, was man alles schafft. Wer Freude an der Arbeit hat, wächst über sich hinaus. Und das A und O ist, offen zu sprechen und zu kommunizieren.

Geht in den Austausch! Netzwerke sind wichtig, egal ob mit Männern oder mit Frauen. Alle sitzen im selben Boot, die Herausforderungen sind nur unterschiedlich. Man lernt immer von den anderen.

Was mich wirklich freut: Heute spielt es kaum noch eine Rolle, ob man männlich oder weiblich ist. Wenn man Bock auf die Sache hat, ist es egal. Das finde ich richtig gut."

 

Das Interview führte Anne Dirking am 17.3.2026