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Frühjahrsmahd: Junge Wildtiere effektiv schützen – Mähtod vermeiden

Webcode: 01045405
Stand: 23.04.2026

Landvolk, Jägerschaft, Landwirtschaftskammer und Lohnunternehmen empfehlen umsichtige Planung sowie speziell an Flächen und Wildvorkommen angepassten Arbeitstechniken

Rehkitzrettung der Bewilligungsstelle Osnarbück 2022
Flächenbewirtschaftende sind dafür verantwortlich, ihre Flächen vor der Mahd nach Wildtieren abzusuchen.Christina Heinzel
Hannover/Oldenburg – Jedes Jahr im Frühjahr stehen Landwirt/-innen, Lohnunternehmen und Jäger/-innen vor einer gemeinsamen Herausforderung: Der Mahdtermin von Grünland, Ackergras und auch von Energiepflanzen wie Grünroggen fällt in die Brut- und Setzzeit vieler heimischer Wildtiere, die auf Grünlandschlägen und Ackerland ihre Nachzucht aufziehen. Doch „Ducken und Tarnen“ schützt zwar vor Prädatoren wie dem Fuchs oder Beutegreifern aus der Luft, nicht aber vor dem Mähwerk oder dem Häcksler.

Flächenbewirtschafter/-in trägt Verantwortung für Mähtodvermeidung

Die Frühjahrsmahd findet im Zuge der ordnungsgemäßen Landwirtschaft statt und ist notwendig, um qualitativ hochwertiges Futter zu ernten. Das Tierschutzgesetz sieht vor, dass ein Tier nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden darf. Ebenso darf ihm kein Leid und Schmerz zugefügt werden. Da die Mahd von Futterflächen vor diesem Gesetz keinen vernünftigen Grund für vorher Genanntes darstellt, obliegt es den Flächenbewirtschaftenden, dafür Sorge zu tragen, dass während der Mahd möglichst kein Wildtier verletzt oder getötet wird.

Die Verpflichtung für wirksame Schritte zur Wildtierrettung gehört damit zu den Aufgaben der Landwirtinnen und Landwirte. Da das Aufsuchen, Nachstellen und Fangen von Wild Jagdausübung sind, ist aktive Wildtierrettung nur mit Einverständnis der örtlichen Jägerinnen und Jäger möglich. Mit deren Zustimmung können auch fremde Suchteams engagiert werden.

Effektive Wildtierrettung beginnt bereits vor der Mahd

Bereits bei der Anbauplanung bestehen Möglichkeiten einer gezielten Mähtodvermeidung: Durch die Anlage von Ackerrandstreifen mit bei Wildtieren beliebten Wildackermischungen können Landwirtinnen und Landwirte zu einem gewissen Maße beeinflussen, wo sich Reh, Hase und Co. Eine Deckung suchen.

Der Einsatz von Wärmebilddrohnen – im Bild ist ein auf einer Grünlandfläche liegendes Rehkitz (hell hervorgehoben) zu erkennen – gilt als das erfolgversprechendste und effizienteste Verfahren, um Wildtiere vor der Mahd aufzuspüren.
Der Einsatz von Wärmebilddrohnen – im Bild ist ein auf einer Grünlandfläche liegendes Rehkitz (hell hervorgehoben) zu erkennen – gilt als das erfolgversprechendste und effizienteste Verfahren, um Wildtiere vor der Mahd aufzuspüren.Dr. Harm Drücker
Wärmebilddrohnen helfen beim Finden und Sichern des Wilds

Rückt der Mahdtermin näher, ist es empfehlenswert sich möglichst frühzeitig mit den betroffenen Jägerinnen und Jäger vor Ort in Verbindung zu setzen. Viele Jägerschaften oder Hegeringe verfügen bereits über eigene Drohnenteams, bestehend aus Drohnenpiloten und mehreren Helfern für die Bergung, welche sich direkt vor der Mahd am frühen Morgen um die Wildtiersuche kümmern. Das Abfliegen der Flächen mit Wärmebilddrohnen ist die mit Abstand erfolgversprechendste Methode zum Auffinden und Sichern der Wildtiere, erfordert aber ein spezielles Equipment, geschultes Personal und eine gründliche Organisation und Vorbereitung.

Knistertüten, Duschradios und Flatterbänder

Daneben können direkt vor der Mahd aber auch einfache Hilfsmittel wie Knistertüten, Duschradios oder Flatterbänder sehr effektiv sein. Sie sind kostengünstig und wiederverwertbar. Jeweils ein bis zwei dieser Vergrämungsmethoden pro Hektar können ausreichen, den Wildtierbestand in Flächen nahezu zu halbieren.

Von innen nach außen: Richtige Mähstrategie vermeidet Wildtierverluste

Während der Mäharbeiten lautet die grundsätzliche Empfehlung von innen nach außen zu mähen. Diese einfache Regel ermöglicht es fluchtfähigen Rehen, Feldhasen und Co. noch während der Mahd die Flächen nach außen durch das stehende Gras zu verlassen. Je nach Situation gilt es flächenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen: An stark befahrenen Straßen ist einseitig von der Straße her mit der Mahd zu beginnen. Besondere Aufmerksamkeit ist in den Saumbereichen gefragt – diese sind als Aufenthaltsorte bei vielen Wildtieren besonders beliebt und erfordern zusätzliche Vorsicht.

In Flächen mit bekanntem Wildvorkommen sollte bei den Mäharbeiten die Geschwindigkeit verringert werden und besondere Aufmerksamkeit gelten. Der Einsatz von akustischen Wildwarnern kann zusätzlich zur Beunruhigung der fluchtfähigen Wildtiere beitragen und sie zum rechtzeitigen Verlassen der Flächen animieren.

Bei Schnitthöhe an Bodenbrüter denken

Da sich viele Wildtiere vor hellem Scheinwerferlicht instinktiv ducken und nicht flüchten, sollte in der Dunkelheit auf Mäharbeiten möglichst gänzlich verzichtet werden. Bei der Ernte von Ganzpflanzensilage verspricht die Begrenzung der Schnitthöhe auf etwa 15 bis 20 Zentimeter in der kritischen Aufzuchtzeit zusätzlichen Erfolg – auch und gerade bei Bodenbrütern.

Grundsätzlich gilt: Kommunikation hilft allen

Wildtierrettung muss vor der Mahd in Gang gesetzt werden: Eine gute Kommunikation und enge Zusammenarbeit zwischen Landwirt/-innen und Jäger/-innen ist das A und O bei der Wildtierrettung. Insbesondere die rechtzeitige Absprache der Mähtermine ist hier von entscheidender Bedeutung. In das vielerorts bereits gut funktionierende Zusammenspiel sollten unbedingt auch die Lohnunternehmen eingebunden werden. Funktioniert diese Kooperation, rettet sie Rehkitz, Hase, Kiebitz und Co. tausendfach das Leben.


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