Bezirksstelle Uelzen

Jetzt auf die Kostenbremse treten?

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Die Aussichten sind trübe, wenn es um die Gewinnerwartung der Marktfruchtbetriebe für das laufende Wirtschaftsjahr geht. Die gute Ernte kann die Preismisere auf den Absatzmärkten nicht ausgleichen. Auf dem Kartoffelmarkt ist sie sogar eine wesentliche Ursache für die schlechten Preise.

Die Kostenseite als Handlungsfeld

Strategische Unternehmensplanung
Strategische UnternehmensplanungRolf Fricke
Der Einzelbetrieb hat auf der Umsatzseite wenig Möglichkeiten, lukrativere Vermarktungswege zu erschließen. So bleibt nur die Kostenseite als Handlungsfeld. Damit stellen sich die folgenden Fragen: Welche Kostenblöcke haben den größten Einfluss auf das Betriebsergebnis? Wo zeigen sich große Unterschiede zwischen den Betrieben, wo könnte also ein bedeutendes Einsparpotenzial sein? Und wie schnell können Veränderungen realisiert werden?

Tabelle 1 zeigt den relativen Anteil der Kostenblöcke am gesamten Unternehmensaufwand. Ausgewertet wurden die Jahresabschlüsse 19/20 bis 23/24 von Ackerbaubetrieben, die in der Heideregion wirtschaften. Die „big points“ fallen sofort ins Auge: Direktkosten und Arbeitserledigungskosten ergeben zusammen fast 80% des Aufwandes. Der Pachtaufwand, die Gebäudekosten und der sonstige Betriebsaufwand haben einen deutlich geringeren Anteil. Diese Positionen zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass ihre Veränderung nur langfristig und/oder sehr schwierig möglich ist: Ein Gespräch mit dem Verpächter zur Anpassung des Pachtpreise nach unten dürfte nur in wenigen Fällen von Erfolg gekrönt sein.

Unterschiede zwischen den Betrieben

Nun folgt der Blick auf die Schwankungsbreiten dieser beiden großen Kostenblöcke. Beispielhaft sind in Tabelle 2 zwei Betriebe dargestellt, die hinsichtlich der Betriebsgröße und des Anbauspektrums ähnliche Strukturen aufweisen. Dennoch wirtschaften sie mit unterschiedlichen Direktkosten und vor allem mit deutlich differierenden Arbeitserledigungskosten. Natürlich ist eine Vergleichbarkeit nie in allen Bereichen gegeben: Bodenqualitäten, innere und äußere Verkehrslage, Vermarktungswege und viele weitere Aspekte können nicht komplett identisch sein. Dies sollte aber nicht als Ausrede dienen, um alle Unterschiede zu begründen und zur Tagesordnung überzugehen. Da sich viele der in Tabelle 1 betrachteten Betriebe jenseits der 300 ha bewegen, ergeben sich bei den Arbeitserledigungskosten schnell Differenzen im sechsstelligen Bereich.

Die Kostenblöcke im Einzelnen

Bei den Direktkosten ist die absolute Differenz nur gut halb so groß. Ihr unmittelbarer Einfluss auf Ertrag und Qualität der Früchte macht Einsparungen schwierig. Die Verwendung von eigenem Saat- und Pflanzgut (nur mit Keimprobe bzw. Virustestung), Einsparungen beim Grunddünger und der Pflanzenschutzeinsatz nur nach Schadschwelle könnten zu Kostensenkungen führen. Der Hebel ist nicht sehr groß, dafür aber kurzfristig wirksam.

Die Arbeitserledigungskosten setzen sich aus allen Positionen zusammen, die die Arbeitskräfte und die Maschinen betreffen. Ein „zu viel“ an Arbeitskräften ist selten auf den Betrieben anzutreffen. Ihr effizienter Einsatz muss Chefsache sein. Ein Arbeitsplan für die Woche sowie klare schriftliche oder digitale Arbeitsaufträge sind notwendig. Und die Mitarbeiter sollten sich mit Vorschlägen zur Effizienzsteigerung einbringen können.

Und dann die Maschinenkosten. Wer sich hier aus steuerlichen Gründen „bis an die Zähne bewaffnet“ hat, könnte im überbetrieblichen Maschineneinsatz neue Erlösquellen erschließen. Dafür muss dann aber auch ausreichend Arbeitskapazität zur Verfügung stehen. Einen üppigen Maschinenpark mit viel Abschreibungsvolumen als Sparbüchse für schlechte Wirtschaftsjahre anzulegen, ist sicherlich eine teure Art der Liquiditätsreserve.

Konsequenzen für den Einzelbetrieb

Strategische Unternehmensplanung bedeutet für den Maschinenbesatz, dass jede Investition auf ihre Notwendigkeit und Rentabilität hin beurteilt wird: Ist der Einsatz des Lohnunternehmers günstiger? Wie hoch können „Wartekosten“ sein, wenn der Lohner verspätet kommt? Kann die Auslastung durch den eigenen überbetrieblichen Einsatz erhöht werden? Wie ist das Risiko der Schaderregerübertragung beim Maschinenringeinsatz zu sehen?

Steuerliche Gesichtspunkte sollten ganz zum Schluss in diese Überlegungen einfließen. Natürlich ist es sinnvoll, je nach Erfolg des Wirtschaftsjahres Investitionen vorzuziehen oder zurückzustellen. Eine unrentable Investition wird aber durch eine Steuerersparnis nicht rentabel. Kurzfristige Liquidität kann nur der Verkauf von Maschinen erzielen. Ansonsten sind Anpassung beim Maschinenbesatz erst mittelfristig wirksam.

Um die Eingangsfrage wieder aufzunehmen: Ja, der Tritt auf die Kostenbremse ist fast immer gut. Als „Kostenführer“ ist ein Betrieb für Niedrigpreisphasen gut gerüstet. Aber dieser Appell ist in guten Jahren wichtiger als in schwierigen, da die Investitionsneigung nach hohen Gewinnen deutlich größer ist.

Wollen Sie ihre eigenen Zahlen mit den hier diskutierten Werten vergleichen? Dann sollten Sie mehrere Jahre für ihre Auswertung betrachten. Die Werte in Tabelle 1 stammen von Ackerbau-Hackfrucht Betrieben. Diese Kostendifferenzen bestehen aber innerhalb der Gruppe der Ackerbau-Halmfrucht Betriebe in ähnlicher Weise, nur auf etwas niedrigerem Niveau. Wichtig ist, die eigenen Zahlen zu kennen und dann den Vergleich und die Diskussion mit Betriebsleiterinnen und -leitern ähnlicher Betriebe zu suchen.

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Tabelle 1: Kostenanteile
Tabelle 1: KostenanteileRolf Fricke
Tabelle 2
Tabelle 2Rolf Fricke