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Putzen lohnt sich

Wir verlangen den Tieren in der Schweinehaltung viel ab – hohe Zunahmen, gute Futterverwertung. Sie sollen zügig wachsen und das Fleisch gute Schlachtqualitäten haben. So etwas kann nur funktionieren, wenn die Tiere nicht zusätzlich in ihrem Leben mit Keimen belastet oder gestresst werden.

Um das Keimniveau im Stall möglichst gering zu halten, wird durch gutes Management und Waschhygiene schon viel gemacht. Was hierbei häufig allerdings in Vergessenheit gerät, ist das Sauberhalten der Abluftkanäle. Während bei der Einzelabsaugung noch eher Verschmutzungen zu sehen sind, wird der Zentralabsaugkanal häufig vergessen. Dabei ist die Sauberhaltung mindestens genauso wichtig, wie die vom Abteil selbst.

Gerade in den Wintermonaten, wo die Luftraten geringer sind und es leicht zu Kondensatbildung im Kanal kommt, bleibt der Staub im Kanal liegen bzw. haften. Diese Ablagerungen bilden ein hervorragendes Klima für Keime. Mikroorganismen, wie zum Beispiel Salmonellen, können sehr oft in Staubablagerungen oder anderen Verschmutzungen nachgewiesen werden. Bakterien und Viren haften sich am Staub aus Futter- Haut- und Haarpartikeln an und finden bei den Temperaturen im Abluftkanal gute Lebensbedingungen vor. Die Ventilatoren schaffen es bei geringeren Luftraten nicht, diesen Staub gleich weiter nach draußen zu befördern. Durch die Ansammlung in Ecken oder an Wänden und auf dem Boden finden zusätzlich Kleintiere wie Fliegen, Käfer, Motten und Spinnen ihren Lebensraum. Im Extremfall nisten sich Mäuse ein. Spinnen vertilgen zwar eine Menge der Insekten, verschlechtern aber die Saugkraft der Ventilatoren, wenn in ihren Netzten sich der Staub ansammelt.

Schmale kleine dunkle Schächte erschweren die Arbeit und verringern die Motivation, sie sauber zu halten.  Es empfiehlt sich, schon beim Bau eines Stalles darauf zu achten, dass die Ab- und auch Zuluftkanäle gut erreichbar bzw. begehbar sind. Zusätzlich sollte beim Neubau oder auch Umbau der Abluftkanal mit Lampen und einem Ablauf ausgestattet sein. Lampen können leicht nachgerüstet werden. Ohne einen Ablauf kann im Falle einer erforderlichen Nassreinigung des Kanals das Waschwasser nicht ordentlich abgeführt werden.

Aber nicht nur die Feuchtigkeit muss raus, sondern auch der Staub. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Fegen oder Saugen mit einem Industriestaubsauger oder vorsichtig ausspritzen. Letzteres sollte nur im absoluten Notfall gemacht werden und nicht als Standardreinigung. Bei holzverkleideten Abluftkanälen sollte gar nicht mit Wasser gereinigt werden.

Auf einigen Betrieben wird der Staub aus dem Abluftkanal zurück über die Abluftschächte in das Abteil gefegt. Das ist durchaus eine praktikable Lösung. Rein aus hygienischer Sicht sollte dieser Staub allerdings aufgefangen und aus dem Stall befördert werden. Bei allen Arbeiten im Abluftkanal sollte zum eigenen Schutz eine Atemmaske aufgesetzt werden. Bei groben Verschmutzungen muss zunächst der Staub zusammengetragen und aus dem Kanal entfernt werden. Bei kontinuierlicher Reinigung fällt nicht mehr so viel Staub an, so dass dieser bei maximaler Ventilatorumdrehung abgefegt und aus dem Ventilatorschacht nach draußen gefördert werden kann. Zu bedenken sind allerdings mögliche Solaranlagen auf dem Dach.

Bei der Einzelabsaugung sollten nach jedem Durchgang der Ventilator und auch der Abluftkamin gereinigt werden. Durch die Abführung der feuchten Stallluft sind sehr schnell starke Ablagerungen an den Ventilatorflügeln oder den Abluftschächten zu finden. Der Ventilator läuft dadurch schwerer und auch „unrund“. Das kann einen Lagerschaden und damit einen Ausfall des Lüfters zur Folge haben.

Das Sauberhalten des Abluftkanals verringert nicht nur den allgemeinen Keimdruck, sondern gibt die Gelegenheit die Funktionen von Stellmotoren und Stellklappen zu überprüfen. Durch Ammoniak, Feuchtigkeit und Staubablagerungen an den beweglichen Teilen können diese teilweise nur noch mit enormen Kraftaufwand oder auch gar nicht mehr bewegt werden. Durch die regelmäßige Kontrolle und Pflege der einzelnen Teile kann hier gewährleistet werden, dass auch wirklich alle Stellklappen funktionieren und den geforderten Luftdurchlass gewährleisten. Alle beweglichen Teile sollten mindestens zweimal im Jahr kontrolliert und ggf. gereinigt werden. Auch ein Dach bzw. Dachboden lebt. Damit ist gemeint, dass es zu Bewegungen kommt, die zu Verschiebungen oder auch Rissen am Abluftkanal führen können. Anhand von extremen Staubablagerungen oder Kondenswasserbildung an Kanten und Stößen sind Undichtigkeiten gut und schnell zu erkennen. Diese sollten umgehend repariert werden, um eine richtige Luftabführung gewährleisten zu können.

Zu einem guten Stallmanagement gehört neben der Tierbetreuung und der Abteilhygiene ebenfalls das Sauberhalten der Abluftschächte und Abluftkanäle. Diese Arbeit ist keine schöne Aufgabe, jedoch unerlässlich und bringt einem noch was ein. Durch die Keimreduzierung und Instandhaltung der Technik, können sie ein gutes Klima für die Tiere gewährleisten. Zudem sind die Wiederstände für die Ventilatoren in einem sauberen Kanal geringer, das spart Strom und Geld.  


Kontakt:
Katrin Peperkorn
Bau- und Technikberatung
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Stand: 17.12.2018