Deutschland wird älter – und mit dem demografischen Wandel wächst auch die Nachfrage nach passenden Wohn- und Versorgungsangeboten für ältere Menschen. Viele Seniorinnen und Senioren wünschen sich, möglichst lange selbstbestimmt zu leben, in Gemeinschaft zu wohnen und dabei in ihrer vertrauten ländlichen Umgebung bleiben zu können.
Gleichzeitig stehen auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben Gebäude leer. Gründe dafür sind unter anderem der Strukturwandel, Betriebsaufgaben oder Veränderungen in der betrieblichen Ausrichtung. Was auf den ersten Blick wie ein Problem erscheint, kann eine interessante Perspektive eröffnen: die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude für neue Wohn- und Betreuungsangebote.
Seniorenwohnen auf dem Bauernhof – eine Chance für Betriebe und Regionen
Immer mehr Landwirtinnen und Landwirte beschäftigen sich mit der Frage, wie leerstehende Gebäude sinnvoll und langfristig genutzt werden können. Seniorenwohnen kann dabei eine Möglichkeit sein, die vorhandene Hofsubstanz zu erhalten und gleichzeitig eine neue Einkommensquelle für den Betrieb zu erschließen.
Die Voraussetzungen auf landwirtschaftlichen Betrieben sind häufig günstig: Gebäude und Freiflächen bieten Raum für barrierefreie Wohnungen und gemeinschaftliche Bereiche. Natur, Tiere und die Einbindung in das dörfliche Umfeld können zusätzliche Qualitäten schaffen. Je nach Konzept sind sowohl Angebote für selbstständige Seniorinnen und Senioren als auch Wohnformen mit Betreuungs- oder Pflegeangeboten denkbar.
Dabei gibt es nicht das eine Modell des „Seniorenwohnens auf dem Bauernhof“. Die Möglichkeiten reichen von einzelnen barrierefreien Wohnungen über gemeinschaftliche Wohnformen bis hin zu ambulant betreuten Wohngemeinschaften und Wohn-Pflege-Angeboten. Entscheidend ist, dass das Konzept zum Standort, zum Betrieb und zu den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner passt.
Wohnen, Gemeinschaft und Pflege neu denken
Ein besonderer Mehrwert landwirtschaftlicher Wohnprojekte kann die Verbindung von Wohnen, Gemeinschaft und dem Leben auf dem Hof sein. Gerade für ältere Menschen kann die Nähe zur Natur und zu Tieren eine hohe Lebensqualität bieten. Gemeinsame Aktivitäten, Begegnungen und die Einbindung in das Hof- oder Dorfleben können dazu beitragen, soziale Kontakte zu erhalten und Einsamkeit entgegenzuwirken.
Bei Menschen mit Unterstützungs- oder Pflegebedarf kommen weitere Anforderungen hinzu. Hier sind unter anderem die Organisation der Betreuung, die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegediensten und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
Ein interessantes Beispiel dafür ist das Konzept „Pflegehof – Ein Zuhause in Natur und Gemeinschaft für Menschen mit Demenz“.
Das Pflegehof-Konzept: Ein Zuhause in Natur und Gemeinschaft
Wie können Menschen mit Demenz möglichst selbstbestimmt leben, Teil einer Gemeinschaft bleiben und gleichzeitig professionell betreut werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Pflegehof-Konzept der Initiative Pflegehof.
Im Mittelpunkt stehen kleine Wohngemeinschaften, eine professionelle ambulante Betreuung und die Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner in den Alltag. Natur, Tiere, Gemeinschaft und sinnstiftende Aktivitäten sind dabei wichtige Bestandteile des Konzepts. Der Hof soll nicht nur ein Ort der Pflege sein, sondern vor allem ein Zuhause, in dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner sicher und angenommen fühlen.
Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit älteren Menschen, Angehörigen, Fachverbänden, Pflegediensten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie weiteren Expertinnen und Experten. Dabei werden die Bereiche Wohnen, Pflege, Natur und Landwirtschaft miteinander verbunden.
Das Ziel: neue Perspektiven für die Versorgung von Menschen mit Demenz aufzuzeigen und gleichzeitig Möglichkeiten zu schaffen, landwirtschaftliche Strukturen und Gebäude sinnvoll weiterzuentwickeln.
Das Pflegehof-Handbuch als Ideengeber
Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt wurden in einem umfangreichen Handbuch zum Pflegehof-Konzept zusammengefasst. Das Handbuch der Initiative Pflegehof richtet sich an alle, die sich mit der Entwicklung eines entsprechenden Angebots beschäftigen und bietet neben den Grundlagen des Konzepts auch praktische Hinweise.
Das Handbuch wurde entwickelt, um das Konzept Pflegehof verständlich, praxisnah und übertragbar zugänglich zu machen. Es bündelt Informationen, Erfahrungswerte und konkrete Umsetzungshilfen zu zentralen Fragen der Gründung eines Pflegehofes: von der Suche nach einem geeigneten Standort über die Außen- und Innenraumgestaltung, die Organisation in ambulant betreuten Wohngemeinschaften, die Finanzierung, und den Alltag auf einem Pflegehof. Es versteht sich dabei ausdrücklich als Ideengeber und Baukasten. Es soll dazu anregen, eigene Konzepte zu entwickeln und den Green-Care-Gedanken weiterzuentwickeln.
Das Handbuch ist im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Innovation“ entstanden und steht in digitaler Form kostenlos auf der Website der Initiative Pflegehof zum Download bereit. Eine Printversion kann zum Selbstkostenpreis erworben werden.
Von der Idee zum eigenen Projekt
Wer über ein Seniorenwohnangebot auf dem eigenen Betrieb nachdenkt, steht schnell vor vielen Fragen: Welche Wohnform passt zum Standort? Welche baulichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Welche rechtlichen Vorgaben sind zu beachten? Wie lässt sich ein solches Vorhaben finanzieren und wirtschaftlich darstellen? Und welche Partner werden für Pflege, Betreuung und Organisation benötigt?
Ein erfolgreiches Projekt braucht deshalb mehr als eine gute Idee. Neben den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner müssen auch die Voraussetzungen des Betriebs und des Standorts berücksichtigt werden. Ebenso wichtig sind ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept, eine sorgfältige Planung und die frühzeitige Einbindung relevanter Akteure.
Gerade der Austausch mit bereits bestehenden Projekten kann dabei wertvolle Impulse geben. Was hat funktioniert? Welche Herausforderungen haben sich ergeben? Welche Lösungen wurden gefunden? Und welche Aspekte sollten bei der eigenen Planung von Anfang an berücksichtigt werden?
Seminar im Herbst: Seniorenwohnen auf dem Bauernhof

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen und erste oder bereits konkretere Ideen weiterentwickeln möchte, hat dazu im Rahmen unseres dreitägigen Seminars „Seniorenwohnen auf dem Bauernhof“ Gelegenheit.
Das Seminar findet in diesem Jahr direkt auf dem Greencarehof in Mellinghausen (Niedersachsen) statt. Neben fachlichen Informationen zu Wohnformen, Pflege und Betreuung, Baurecht, Fördermöglichkeiten, Finanzierung und rechtlicher Absicherung steht vor allem der Praxis- und Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt.
Eine Betriebsbesichtigung ermöglicht Einblicke in die praktische Umsetzung vor Ort. Das Seminar bringt Interessierte, landwirtschaftliche Betriebe, Gründerinnen und Gründer sowie weitere Akteurinnen und Akteure zusammen und bietet Raum, Fragen zu diskutieren, Kontakte zu knüpfen und eigene Ideen weiterzuentwickeln.
Sie haben leerstehende Gebäude auf Ihrem Hof und können sich vorstellen, daraus ein Wohn- oder Betreuungsangebot für ältere Menschen zu entwickeln? Oder Sie interessieren sich grundsätzlich für Green Care und neue Einkommensperspektiven in der Landwirtschaft?
Dann bietet das Seminar die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren, Praxis kennenzulernen und sich mit anderen Interessierten auszutauschen.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.












