Webcode: 01033069

Landessortenversuche 2017: Sommerfuttergerste

 Ergebnisse 2017

Die Anbaufläche von Sommergerste hat sich 2017 um 4.000 ha auf nunmehr 45.900 ha etwas reduziert. Ein deutlicher Anbaurückgang war vornehmlich in den westlichen Futtergerstenanbauregionen festzustellen, während im östlichen Bereich eine spürbare Zunahme zu verzeichnen war, die durch einen vermehrten Braugerstenanbau erklärbar ist.

Die Zahlen des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) differenzieren leider nicht zwischen dem Futter- und Braugerstenanbau, sodass die Anteile von Futter- bzw. Braugerste vor allem durch die geografische Anbauverteilung abzuleiten sind. Da die Futtergerste vornehmlich in den westlichen Veredelungsregionen und Braugerste schwerpunktmäßig in den nordöstlichen Landesteilen mit entsprechender Beregnungsmöglichkeit angebaut werden, lässt sich anhand der GAP-Zahlen für die einzelnen Landkreise eine regionale Zuordnung vornehmen. Auf dieser Basis war 2017 eine deutliche Verschiebung zu Gunsten des Braugerstenanbaus zu verzeichnen.

Die vom Landesamt für Statistik geschätzten durchschnittlichen Erträge der Sommergerste insgesamt liegen mit 54,2 dt/ha unter dem Niveau der Vorjahre, wobei es hier 2017 regional begrenzt vor allem auf den leichten westlichen Standorten zu frühem Trockenstress mit entsprechenden Ertragsbeeinflussungen gekommen ist und dadurch regional stärkere Unterschiede auftraten.  

Ergebnisse der Sorten

Für die Futternutzung wurden in den Landessortenversuchen insgesamt 6 Sorten geprüft. Neben Salome, Vespa, Sydney und KWS Dante wurde die Braugerstensorte RGT Planet aufgrund ihrer guten Ertragsleistungen im zweiten Jahr auch in diesem Sortiment weitergeprüft. Mit KWS Fantex wurde eine Neuzulassung des Bundessortenamtes erstmalig in die Prüfungen mit aufgenommen.

Da der Futtergerstenanbau sich schwerpunktmäßig auf die leichteren Standorte Nordwestdeutschlands beschränkt, wurden die Ergebnisse von fünf auswertbaren Versuchen der drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen in der Anbauregion Sandige Standorte Nordwest/ Marsch zusammengefasst. Der für die fünf Standorte ausgewiesene Durchschnittsertrag von 79 dt/ha weicht von den niedersächsischen Praxiserträgen deutlich ab, weil zwei Ergebnisse von leichten Standorten mit zeitweiligem Trockenstress leider nicht berücksichtigt werden konnten.

Auch im zweiten Prüfjahr erzielte die Braugerstensorte RGT Planet wiederum das beste Ergebnis und überzeugte durch sehr konstante und auf allen Prüfstandorten überdurchschnittliche Erträge. Mit ihren guten Einstufungen im Bereich Standfestigkeit und Halmknicken sowie der Robustheit gegenüber Krankheiten gehört sie ganz klar zu den empfohlenen Sorten. Von den seit wenigstens 2014 geprüften Sorten erzielte KWS Dante bei allerdings etwas schwankenden Leistungen einen leicht überdurchschnittlichen Ertrag. Als ebenfalls standfeste Sorte mit guten Einstufungen im Bereich Halm- und Ährenknicken ist sie im Bereich der Festigkeit gegenüber Krankheiten etwas schwächer eingestuft. Die Sorte Sydney liegt sowohl einjährig als auch mehrjährig auf vergleichbarem Niveau und weist in den weiteren Merkmalen keine Schwächen auf. Vespa erreichte insgesamt einen mittleren Ertrag. Bei dieser ansonsten ausgewogenen Sorte ist die Gefahr durch Zwergrostbefall allerdings im Auge zu behalten. Bei der ertraglich vergleichbar eingestuften Sorte Salome ist die leicht erhöhte Lagerneigung bzw. das Ährenknicken zu beachten.

Die erstmalig geprüfte Sorte KWS Fantex konnte ertraglich noch nicht überzeugen, ist in Bezug auf Standfestigkeit und Strohstabilität sowie gegenüber Krankheiten jedoch als unproblematisch einzustufen.

Qualitäten

Sommer-Futtergerste wird vorrangig im eigenen Betrieb direkt verwertet und dann sind sicherlich die Parameter Ertrag, Standfestigkeit und Pflanzengesundheit entscheidend. Bei der Vermarktung hingegen sollten auch die Qualitätskriterien bei der Sortenwahl mitberücksichtigt werden. Hierbei ist das Hektolitergewicht maßgebend, welches mindestens 62 kg/hl betragen muss. Auch wenn die Werte zwischen 62 und 64 kg/hl liegen, ist bei der Vermarktung gegebenenfalls bereits mit Abschlägen zu rechnen.

Das Hektolitergewicht lag 2017 mit durchschnittlich 64,9 kg/hl auf einem recht hohen Niveau, da die auswertbaren Versuche auch insgesamt gute Erträge mit entsprechend gut ausgebildeten Körnern erreichten. Mit RGT Planet, KWS Dante und Vespa übertrafen drei der sechs Sorten mit über 65 kg/hl deutlich die Norm. Damit glich insbesondere RGT Planet die schwächeren Vorjahresergebnisse aus.

In der Einstufung Rohproteingehalt sind sämtliche Sorten sehr schwach eingestuft worden, da die geprüften Futtergerstensorten in der Regel zur Braugerstennutzung bei der Zulassung angemeldet wurden und damit auf geringe RP-Gehalte gezüchtet wurden.

Ausblick

Der Futtergerstenanbau wird, wie die übrigen Sommerungen auch, aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem Jahr eine stärkere Anbauausdehnung verzeichnen, da nicht zu bestellende Wintergetreideflächen im Herbst durch Ersatzkulturen in diesem Frühjahr bestellt werden müssen. Da Sommergerste im Vergleich zu beispielsweise Ackerbohnen ein recht breites Aussaatfenster besitzt, bietet sie entsprechende Möglichkeiten.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4500
E-Mail:


Stand: 01.03.2018