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Landessortenversuche 2020: Sojabohnen

Sojabohnenanbau – auch für konventionelle Betriebe an klimatisch günstigen Standorten eine Überlegung wert.

 

Der Sojaanbau spielt für konventionelle Betriebe in Niedersachsen derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Er nimmt von den gut 800 ha Anbaufläche mit knapp 30 % einen recht bescheidenen Umfang ein, der überwiegende Anteil wird ökologisch erzeugt. Für die Überlegungen zu einer Erweiterung bestehender Fruchtfolgen sollte er jedoch auch im konventionellen Anbau nicht ganz außer Acht gelassen werden. Sowohl bundesweit als auch in Niedersachsen ist inzwischen eine stetige Anbauausdehnung festzustellen, da die Nachfrage nach heimischen Eiweißprodukten weiter anhält. Vor dem Einstieg in den Sojaanbau sollten allerdings die Vermarktungsmöglichkeiten sondiert und am besten durch entsprechende Kontrakte abgesichert werden.

Innerhalb Niedersachsens eignen sich für den Anbau die leichter erwärmbaren Standorte mit gesicherter Wasserversorgung – eventuell auch durch Beregnung. Als klimatische „Grenzregion" kommen für den Anbau vornehmlich Sorten der frühen Reifegruppe „000" in Frage. Sehr frühe Sorten aus der Gruppe „0000" reifen in der Regel noch zeitiger ab, sind ertraglich jedoch meist weniger interessant.

Um einen zügigen Aufgang der Sojabohne zu gewährleisten sind Bodentemperaturen ab 10 °C bei der Aussaat erforderlich. Die anschließende Witterung sollte ebenfalls mit milden Temperaturen die Jugendentwicklung unterstützen. Eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Anbau ist die Impfung des Saatguts mit speziellen Rhizobien für Sojabohnen. Dadurch wird die Stickstoff-Fixierleistung der Pflanzen verbessert und so der Ertrag und der Eiweißgehalt der Sojabohnen erhöht und gesichert.

Ein Problem beim Sojaanbau könnte die Gefahr von Vogel- oder auch Hasenfraß darstellen. Die Kollegen aus dem Ökolandbau empfehlen daher, beim Anbau entsprechend große Flächen (ab 5 ha) anzubauen, um einem möglichen Totalausfall durch Vogelfraß vorzubeugen.

Seit nunmehr vier Jahren werden auch in Niedersachsen Landessortenversuche (LSV) mit Sojabohnen unter konventionellen Bedingungen durchgeführt. Sie haben in erster Linie das Ziel, die Ertragsleistung und das Abreifeverhalten der Sorten für die Praxis zu prüfen und darzustellen. Von züchterischer Seite kommen zunehmend auch Sorten der oben beschriebenen frühen Reifegruppe an den Start, wovon 2020 vier neue Kandidaten in den LSV aufgenommen wurden. In diesem Jahr erreichten die drei niedersächsischen Standorte Poppenburg (LK HI), Höckelheim (LK NOM) und der BSA-Standort Scharnhorst (Wertprüfung, LK H) Erträge von 27 bis 34 dt/ha und konnten neben drei weiteren Standorten aus Hessen in die mehrjährige Verrechnung einbezogen werden; niedersächsische Ergebnisse aus 2019 konnten leider nicht gewertet werden. Verlässlichere Hinweise auf die Sortenleistungen geben die mehrjährigen Ergebnisse mit Einbeziehung weiterer Daten aus LSV- und Wertprüfungen aus NRW und Hessen, zumal die Einzelortergebnisse und Jahresunterschiede sehr ausgeprägt waren.

Wie der Tabelle zu entnehmen ist, erwiesen sich die vier neuen Sorten Cantate PZO, Nessie PZO, Ceres PZO und Sussex 2020 als sehr ertragsstark. Lediglich Obelix konnte von den länger geprüften Sorten auch überzeugen. Die Darstellung der mehrjährigen Zahlen basieren auf dem Mittelwert der 2020 geprüften Sorten, sodass die neuen Sorten dank ihrer guten Ergebnisse hier entsprechend positiv herauskommen. Es zeigt sich, dass diese neuen Sorten bereits in den Wertprüfungen deutlich ertragsstärker gegenüber den meisten älteren mitgeprüften Sorten waren, da sie entsprechend überdurchschnittliche Ergebnisse erreichten.

Zu den wichtigsten Sorten im Einzelnen

Neben den in der Tabelle dargestellten Ertragsdaten fließen bei der Sortenkommentierung auch die Erfahrungen der Kollegen aus dem Ökologischen Landbau mit ein. Von den insgesamt 10 Sorten, die 2020 im LSV geprüft wurden, gilt Merlin aufgrund ihrer Frühreife als Standard für einen sicheren Anbau. Ertraglich müssen allerdings gewisse Abstriche gemacht werden. Sie hat eine sehr gute Kältetoleranz und eine gute Frohwüchsigkeit. Sie eignet sich insbesondere für Neueinsteiger.

Obelix konnte 2020 ertraglich überzeugen, zeigte insgesamt jedoch auch schwankende Erträge. Mehrjährig betrachtet zählt sie zu den ertragsstärksten Sorten. Sie ist frohwüchsig und reift nur geringfügig später als Merlin ab. Zu erwähnen ist die hohe Tausendkornmasse. Ein Anbau kann in Erwägung gezogen werden.

Abelina wurde vornehmlich in Niedersachsen geprüft und konnte dort in den konventionellen Versuchen gute Ergebnisse erzielen. Die Datenbasis ist noch recht gering. Neben der guten Jugendentwicklung ist auch die sichere Abreife hervorzuheben, wobei sie vom BSA etwas lageranfälliger eingestuft ist. Diese Sorte könnte auch für den Anbau eingeplant werden.

Toutatis konnte in den bisherigen Versuchen nicht überzeugen und wird von daher nicht weiter verfolgt.

Sculptor gehört laut BSA auch zu den früh abreifenden Sorten und zeigte dieses 2020 auch. Ertraglich enttäuschte die Sorte allerdings.

ES Comandor erreichte mehrjährig betrachtet eher unterdurchschnittliche Erträge. Besonders die Frohwüchsigkeit und die Abreife sind positiv zu bewerten. Die Sorte hat sich in der Praxis bewährt und könnte nach wie vor angebaut werden.

Cantate PZO, Nessie PZO und Ceres PZO wurden 2020 vom BSA zugelassen und erreichten inklusive der Wertprüfungsergebnisse überdurchschnittliche Erträge. Laut BSA reift Nessie PZO von diesen drei Sorten tendenziell am frühesten ab. Weitere Ergebnisse müssen abgewartet werden.

Sussex erreichte ebenfalls überdurchschnittliche Erträge und zählt nach Einstufung des BSA zu den früh abreifenden Sorten. Sie könnte daher für den Anbau in Niedersachsen interessant werden, sollten sich die Leistungen bestätigen.

Fazit für den konventionellen Anbau

Die zögerliche Ausweitung des Sojaanbaus im konventionellen Bereich in Niedersachsen beruht zum großen Anteil darauf, dass die Vermarktung sich oftmals schwierig gestaltet. Daher sollte sie bereits vor dem Anbau abgeklärt sein. Wie die letzten Jahre gezeigt haben, ist die Anbausicherheit - vor allem die Abreife und der Erntetermin der Bestände - stärkeren Schwankungen unterworfen.

Neben der Ertragsleistung ist die gesicherte Abreife der Sorten mit entsprechend zeitgerechter Beerntung möglichst im September ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Sortenwahl.

Um die Einbindung der Sojabohne in bisherige enge Fruchtfolgen angemessen zu beurteilen, sollten auch die entsprechenden positiven Fruchtfolgewirkungen bei der wirtschaftlichen Betrachtung mitberücksichtigt werden. So könnte der Sojaanbau vor allem in den klimatisch günstigeren Regionen Niedersachsens mit ausreichender Wasserversorgung zukunftsfähig sein. Zur Förderung des heimischen, gentechnikfreien Sojaanbaus wäre es wünschenswert, wenn auch auf der Nachfrageseite, sprich beim Handel und bei Verarbeitern, entsprechend positive Signale für die Aufnahme der Sojabohne erkennbar werden.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Pflanzenbau; Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
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Stand: 15.02.2021