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Welches Futter für welches Pferd?

Eine artgerechte und gute Fütterung ist wichtig für die Gesunderhaltung unserer Pferde. Die Basis jeder Fütterung muss ein einwandfreies Grundfutter darstellen. Rationen mit einem ausgeglichenen Verhältnis von Raufutter zu Kraftfutter sichern zwischen den Mahlzeiten einen gleichmäßigen Fluss energieliefernder Substanzen, da die Umsetzung des Futters in Energie unterschiedlich schnell erfolgt. Die Balance aus Raufutter und Kraftfutter ist somit sehr wichtig. Die untere Grenze der Raufutterversorgung sollte bei 1,5 kg Raufutter (z. B. Heu) pro 100 kg Lebendgewicht und Tag liegen.

Neben der Grundfutterversorgung schwört man in dem einen Stall auf Hafer und Mineralfutter, im Nachbarstall hingegen ist ausschließlich Müsli das Kraftfutter der Wahl. Welches Produkt ist für mein Pferd nun angesichts der üppigen Futtermittelauswahl der verschiedenen Futtermittelfirmen das Richtige und worauf muss ich achten, wenn ich ein Futtermittel kaufe? In diesem Artikel soll es um die Frage gehen, in welchen Fällen man ein Kraftfutter einsetzen sollte. Auch wenn Hafer, ergänzt mit einem vitaminierten Mineralfutter, in vielen Fällen ausreichen kann, so soll es hier um zugekaufte Mischfutter (Ergänzungsfutter für Pferde) gehen.

Futteraufbewahrung
FutteraufbewahrungUlrike Struck
Generell kann man die Ergänzungsfuttermitteltypen einteilen in die Gruppen: Erhaltungsbedarf/leichte Arbeit, Sportpferd, hochtragende Stute, Fohlen, alte Pferde. Darüber hinaus gibt es noch Futtermittel für verschiedene Rassen, Altersstufen, Nutzungsmöglichkeiten etc. Bei den Deklarationen der Futtermittel finden wir häufig schon die neue Energiebewertung (MJ ME [umsetzbare Energie]) sowie die neue Rohproteinbewertung (dvRp, dünndarmverdauliches Rohprotein). Für das bessere Verständnis werden in diesem Artikel noch die alten Bewertungen verwendet, MJ DE [verdauliche Energie] sowie das verdauliche Rohprotein (verd. RPr). Grundsätzlich gilt, dass die Deklarationen der Ergänzungsfuttermittel u. a. ebenfalls Werte für die Rohfaser (je mehr Rohfaser, tendenziell niedriger Energiegehalt) und den Rohfettgehalt (je mehr Rohfett, tendenziell höherer Energiegehalt) aufweisen. In manchen Futtermitteln wird auch der Gehalt an Stärke/Zucker angegeben.

Pferde mit lediglich einer geringen Arbeitsbelastung beziehungsweise im Erhaltungsstoffwechsel können ausschließlich mit Raufutter und einem vitaminierten Mineralfutter versorgt werden. Sollte es zu einem Energiemangel kommen, so mobilisiert der Körper Energiereserven aus den Körpersubstanzen. Aus diesem Grund muss die Fütterung unbedingt an äußere Faktoren (Klima, Haltung, Arbeitsbelastung) angepasst werden. Ergänzungsfutter für diese Pferdegruppen weisen ca. 10,0 bis 12,0 MJ DE sowie 6,5 bis 8,0 % verd. RPr. auf.

In einer Gesamtration für ein Reitpferd soll das Verhältnis zwischen verdaulichem Rohprotein zu verdaulicher Energie ca. 5 zu 1 betragen. In den meisten Rationen wird das Verhältnis überschritten. Ein Eiweißmangel ist daher eher selten, ein Überschuss hingegen häufig. Der Eiweißbedarf von arbeitenden Pferden verändert sich, da bei einem höheren Energiebedarf mehr Futter aufgenommen wird und mehr Rohprotein im Dünndarm verdaut wird und bei vorheriger Ruhepause durch Arbeitsbelastung das Muskelwachstum zunimmt. Eine überhöhte Eiweißzufuhr wird als Energiequelle genutzt, führt aber auch zu einem erhöhten Ausscheiden von Ammoniak. Die Riege der möglichen Kraftfutterergänzung ist groß. Ein Kraftfutter für die arbeitenden Pferde besteht häufig aus verschiedenen thermisch aufbereiteten Getreidearten, Leinsamen, verschiedenen Ölen, Luzernehäcksel, Bierhefe und weiteren Komponenten. Die Energiegehalte liegen bei ca. 12,0 bis 14,0 MJ DE, die Gehalte an verd. RPr schwanken zwischen 9,0 und 11 %.

Bei tragenden Stuten kann zum Beispiel eine unzureichende Nährstoffversorgung in der Frühträchtigkeit zu einem Abbruch führen. In der Hochträchtigkeit findet ein Ausgleich durch die Mutter meist einhergehend mit einer Verlängerung der Tragezeit statt. Ist das Fohlen erst einmal da und die Nährstoffversorgung nicht ideal, bleibt die Milchmenge zunächst normal, wobei ein Ausgleich des Nährstoffmangels durch die Stute stattfindet, welcher jedoch zu Lasten ihres Körperzustandes geht. Eine ausreichende Versorgung mit Energie, Rohprotein und Mineralstoffen während der Trächtigkeit ist für die Gesunderhaltung der Stute, der Entwicklung des Fohlens und die spätere Laktationsleistung sehr wichtig und sichert einen guten Start des Fohlens in das Leben. Spezielle auf die Zucht ausgerichtete Futtermittel versorgen die Mutterstute ideal mit den geforderten Nähr- und Mineralstoffen. Es ist empfehlenswert ein Futtermittel zu wählen, welches mindestens 15,0% Rohprotein (ca. 13,0% verd. RPr) und einen Energiegehalt von ca. 11,5 bis 12,5 MJ DE aufweist.

Das Fohlen selbst zeigt zunächst ein rasches Anfangswachstum. So hat sich das Geburtsgewicht nach 35-45 Tagen ca. verdoppelt und nach 2 Monaten sogar verdreifacht. Die körperliche Entwicklung verlangsamt sich in den weiteren Lebensmonaten. Die Obergrenze des Wachstumsverlaufes ist allgemein genetisch vorgegeben, wird aber auch durch nichtgenetische Faktoren, wie Ernährung, Absetzalter und Haltungsmanagement beeinflusst. Wesentlich für die Entwicklung des Trageapparates ist nun neben der ausgewogenen Mineralstoffergänzung eine ausreichende Bewegung, da Motorik und Belastungsreize sich positiv auf das gleichmäßige Wachstum des Fohlens auswirken. Aufgrund der allgemein hohen Wachstumsintensität ist zudem wichtig, auf eine ausreichende Zufuhr von essentiellen Aminosäuren, z. B. Lysin, zu achten. Ein Fohlenstarter sollte ebenfalls mindestens 15% Rohprotein (ca. 13,0 % verd. RPr) und ca. 12,0 bis 13,0 MJ DE aufweisen. Gut geeignet sind leicht verdauliche Komponenten wie Milchpulver, gequetschter Hafer, Grünmehle, später auch Sojaextraktionsschrot. Früh geschnittenes Heu von guter Qualität sollte ebenfalls angeboten werden.

Freßstand für Haflinger
Freßstand für HaflingerUlrike Struck
Die Futterverdaulichkeit bei Pferden zeigt sich vor allem bei älteren unterschiedlich. Ursache dafür sind z. B. ungenügendes Kauen, verringerte Darmtätigkeit, Gebissschäden; verringerte Stoffwechselaktivität, Erkrankungen im Magen-Darmtrakt; Parasitenbefall etc. Die Futtermittel sollten hier auch hoch verdaulich sein, z. B. thermisch aufgearbeitetes Getreide, Grünmehl, Pflanzenöl, Möhren u. ä. Der Energiegehalt sollte etwa 11,0 MJ DE betragen bei einem Gehalt an verdaulichem Rohprotein in Höhe von ca. 8,0 bis 11,0 %.

Die Futtermittel weisen unterschiedliche Verdaulichkeiten auf. So ist z. B. die Stärke des Hafers im Dünndarm leicht verdaulich, bei Gerste und Mais verbessert die Erhitzung die Verdaulichkeit. Tendenziell weisen Futterkomponenten mit hohen Rohfaseranteilen, z. B. spät geschnittenes Heu oder Stroh, niedrige Verdaulichkeiten auf. Pferde haben eher einen geringen Stärkebedarf. Eine zu üppige Versorgung über Getreide kann zu Stoffwechselprobleme wie Hufrehe, Cushing oder das equine metabolische Syndrom (EMS) führen. Als Faustzahl kann man 1 g Stärke pro kg Lebendgewicht und Mahlzeit zugrunde legen.

Allgemein bietet der Futtermittelmarkt eine Unmenge an verschiedensten Produkten. Der Kunde sollte sich informieren, welches Futtermittel am besten für sein Pferd geeignet ist. Hersteller liefern dementsprechend Produkte, welche bei einer bedarfsgerechten Anwendung hilfreich sein können. Diese Produkte unterscheiden sich jedoch stark angesichts ihrer Gehalte an umsetzbarer Energie und dem Rohproteingehalt.

Tipps für die Rationsgestaltung

1. erst Raufutter dann Kraftfutter

2. Mindestmenge an kaufähigem Material (ca.1,5 kg Heu / 100 kg Lebendgewicht und Tag)

4. Beschäftigung durch Futtersuche und –aufnahme ca. 12 h/Tag

3. max. 0,4 kg Krippenfutter / 100 kg Lebendgewicht und Mahlzeit

4. nur hygienisch einwandfreie Futtermittel verwenden

5. möglichst mehrere kleine Futtergaben

6. Fütterungszeiten beachten

7. Ruhepausen nach den Fütterungen beachten

Kontakte

Johanna Baumhus
Johanna Baumhus

Fachreferentin Pferdezucht und -haltung

 04231 9276-15

  johanna.baumhus~lwk-niedersachsen.de


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