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Klee & Co. für Milchkühe

Webcode: 01041582
Stand: 08.03.2023

Die heimischen Leguminosen erleben gerade eine kleine Renaissance, aber noch keinen Boom, den die Bundesregierung mit ihrer Eiweißstrategie gerne auslösen möchte.

Dabei geht es vorrangig um Körnerleguminosen Insbesondere Importsoja soll durch heimische Proteinkomponenten ersetzt werden. Milchkuhbetrieben bietet sich neben dem Anbau von Körnerleguminosen auch die Chance, mit Grünleguminosen mehr Protein auf ihren Flächen zu produzieren. Gleichzeitig muss dadurch weniger GVO-freies Eiweißfutter zugekauft werden.

Klee, Luzerne oder Kleegras sind nicht nur sehr schmackhafte und verzehrsfördernde Proteinkomponenten, sondern haben auch einen hohen Vorfruchtwert und können durch ihre N-Fixierung Dünger sparen. Letzteres kann aber in flächenknappen Betrieben eher hinderlich sein. Für hohe Erträge müssen die Ansprüche an den Standort (pH-Wert, P-Versorgung, Bodenstruktur u.a.) erfüllt sein, zudem erfordern Leguminosen mehrjährige Anbaupausen. Sie zählen zu den schwer silierbaren Pflanzen (geringer Zuckergehalt, hohe Pufferkapazität), weisen höhere Ernteverluste auf und konkurrieren mit anderen Ackerfrüchten um die Anbauflächen. Sie können aber auch im Grünland zur Erhöhung der Eiweißerträge beitragen. Im Vergleich zu Gräsern sind sie nutzungselastischer.  Zu beachten ist ferner, dass ein hoher Anteil an Leguminosen im Bestand nicht immer ein Garant für hohe Rohproteinerträge ist.

Kleegras

Kleegras und Kleegrassilagen sind vor allem als Hauptfutterkomponenten in ökologisch wirtschaftenden Rinderbetrieben bekannt. Als mehrjährige Ackerfutterpflanze eignet sich Rotklee allgemein besser für norddeutsche Standorte als Luzerne. Im Vergleich zur Luzernesilage (Tabelle 5) fallen die hohen Energiegehalte der Rotkleegrassilage auf. Entscheidend dafür sind frühe Schnittzeitpunkte.

Tabelle 1: Futterwert von Rotkleegrassilage (Angaben je kg TM, DLG, 2005)

Erntestadium

1. Aufwuchs

Rohprotein

g

nXP

g

Rohfaser

g

NEL

MJ

Ca

g

P

g

K

g

In der Knospe

Beginn der Blüte

174

166

146

137

246

277

6,55

6,11

10,3

10,3

3,7

3,4

32,0

32,0

In Untersuchungen der LWK Nordrhein-Westfalen und der LfL Bayern erreichten Kleegrassilagen (1. Aufwuchs) 6,0 bis 6,2 MJ NEL, rund 150 g Rohprotein und 240 g Rohfaser je kg TM.

Versuch mit Rotkleegras in Futterkamp

In einem Versuch der LWK Schleswig-Holstein in Futterkamp mit 36 Milchkühen wurde Rotkleegrassilage (50 % Rotkleeanteil) mit Weidelgrassilage verglichen. In beiden Gruppen wurden 3 kg TM Maissilage ergänzt. Der Verdauungsversuch (Hammeltest) ergab für beide Silagen einen NEL-Gehalt von 6,3 MJ/kg TM. Der Anteil an Extraktionsschroten im Kraftfutter konnte in der Rotklee-Gruppe halbiert werden.

Tabelle 2: Rotkleegras- oder Weidelgrassilage? (LWK Schleswig-Holstein, 2007)

 

Rotkleegrassilage

9 kg TM/Kuh

Weidelgrassilage

9 kg TM/Kuh

TM                                  kg

ECM*                              kg

Milchharnstoffgehalt   ml/kg   

20,4

33,5

188a

20,6

34,4

224b

* Energiekorrigierte Milch

Trotz nahezu gleicher Futteraufnahme lag die Milchleistung der Weidelgrassilage-Gruppe etwas höher, allerdings war der Unterschied nicht signifikant.

Kleegras pur oder Kleegras + Maissilage?

Im Öko-Milchkuhbetrieb von Haus Riswick wurde die Fütterung von Kleegrassilage mit einer Kombination aus Kleegras- und Maissilage verglichen. Die Kleegras-Gruppe erhielt 16,9 kg Kleegrassilage, die gemischte Gruppe 10,2 kg Kleegrassilage und 8,2 kg Maissilage.

Tabelle 3: Kleegras- und Maissilage betonte Fütterung (LWK Nordrhein-Westfalen, 2018)

 

Kleegrassilage

Kleegras- + Maissilage

Milchmenge                     kg

Milchfettgehalt                  %

Milcheiweißgehalt            %

ECM                                kg

Milchharnstoffgehalt    ml/kg   

28,6

4,83a

3,51a

31,5

218

30,4

4,37b

3,20b

31,3

218

Durch die höheren Milchinhaltsstoffe erzeugten die Kühe mit Kleegrassilage als alleinigem Grobfutter gleiche ECM-Leistungen wie die Kühe, die neben Kleegras- auch Maissilage erhielten.

Wie wirken sich steigende Anteile an Kleegrassilage auf die RNB aus? Hierzu eine überschlägige Berechnung mit Maissilage in der Ration.

Tabelle 4: Proteinversorgung bei steigenden Anteilen an Kleegrassilage

Anteil Maissilage

% der TS der Ration

Anteil Kleegrassilage

% der TS der Ration

Mich aus GF (kg)

RNB aus Grobfutter

NEL

nXP

80

60

40

20

0

20

40

60

80

100

15,0

14,5

14,0

13,6

13,1

15,5

15,9

16,2

16,5

16,9

-81

-44

-8

29

65

Maissilage: 6,8 MJ NEL, 134 g nXP, -9 g RNB/kg TM 

Kleegrassilage: 6,2 MJ NEL, 145 g nXP, 5 g RNB/kg TM

13 kg TM-Aufnahme aus Grobfutter

Rechnerisch ergibt sich eine ausgeglichene RNB bei Anteilen von etwa 35 % Maissilage und 65 % Kleegrassilage.

Luzerne

Luzerne, die Königin der Futterpflanzen, dient vor allem als Protein- und Strukturkomponente. Die anspruchsvolle Leguminose ist eiweißreicher als Rotklee und enthält kaum leicht fermentierbare Kohlenhydrate. Aufgrund ihrer hohen Strukturwirkung passt sie gut zu maisbetonten Rationen. Die in Versuchen belegte Steigerung der Futteraufnahme wird damit erklärt, dass Luzerne eine erhöhte Abbaurate der Trockenmasse und folglich eine höhere Passagerate im Pansen aufweist. Die geringere Energiekonzentration der Luzerne lässt sich zum Teil durch die höhere Futteraufnahme kompensieren.

Tabelle 5: Futterwert von Luzernesilage (Angaben je kg TM, DLG, 2005)

Erntestadium

1. Aufwuchs

Rohprotein

g

nXP

g

Rohfaser

g

NEL

MJ

Ca

g

P

g

K

g

  - in der Knospe

  - Beginn der Blüte

206

180

131

129

254

294

5,4

5,0

18,3

18,3

3,4

2,9

27,7

25,4

Ein früher Schnittzeitpunkt ist entscheidend für einen guten Futterwert, da ab Blühbeginn die Lignifizierung der Stängel schnell zunimmt. Durch ihre tiefreichenden Wurzeln ist Luzerne sehr trockenheitsverträglich und kann insbesondere in Dürrejahren die Futtergrundlage absichern.

In den Fütterungsversuchen des ZTT Iden wird Luzernesilage regelmäßig eingesetzt. Sie weist im Mittel folgende Werte auf.

Tabelle 6: Luzernesilagen in Iden (Engelhard, 2020)

Rohprotein

g/kg TM

nXP

g/kg TM

ADF

g/kg TM

NDF

g/kg TM

NEL

MJ/kg TM

208

137

278

323

5,6

In einem Versuch der LFL Bayern (2011) wurden 5,5 kg TM Luzernesilage (Versuchsgruppe) bzw. 5,5 kg TM Grassilage/Tag (Kontrollgruppe) gefüttert. Die Versuchsration enthielt 6,6 MJ NEL/kg TM und die Kontrollration 7,0 MJ. Die Kühe der Luzerne-Gruppe nahmen 1,8 kg TM mehr auf und konnten dadurch gleiche Mengen an ECM (energiekorrigierte Milch) erzeugen (Luzernesilage 28,4 kg, Grassilage 28,2 kg).

In einem Idener Versuch mit Luzerne- und Feldgrassilage wurden Unterschiede in der ECM festgestellt. Die Kühe der Luzernegruppe wiesen einen geringeren Milchfettgehalt auf und erzeugten 2,5 kg weniger ECM/Tag.

Tabelle 7: Luzerne- im Vergleich zu Feldgrassilage (Engelhard, 2010)

 

Luzernesilage

5,8 kg TM/Kuh

Feldgrassilage

6,2 kg TM/Kuh

TM-Aufnahme                  kg

Milchmenge                      kg

ECM                                  kg

Milchfett                            %

Milcheiweiß                       %

21,1

42,1

40,4a

3,75a

3,21

21,4

42,9

42,9b

4,11b

3,28

Luzerneheu

Auch für Luzerneheu bestätigen Versuche die positive Wirkung auf die Futteraufnahme von Milchkühen. Das Heu wird in erster Linie zur Sicherung der Strukturversorgung eingesetzt. Ein Projekt der LWK Niedersachsen mit Luzerneheu, das überwiegend aus Frankreich und Spanien stammte, zeigt große Schwankungen in den Nährstoffgehalten.

Tabelle 8: Futterwert von Luzerneheu (Angaben je kg TM)

 

LWK Niedersachsen (2012)

20 Proben

DLG (2005)

Ernte in der Knospe

Rohprotein            g

nXP                       g

Rohfaser               g

NEL                     MJ

Ca                         g

P                           g

164 (130-220)

130 (113-151)

299 (233-384)

5,1 (4,5-5,6)

20 (13,9-29,0)

2,4 (2,0-3,4)

165

121

237

4,5

13,8

2,4

Bei größeren Mengen lassen sich auch Proteinfutter in nennenswertem Umfang einsparen, wie ein Riswicker Versuch mit insgesamt 114 Milchkühen zeigt. Allerdings stiegen im Versuchszeitraum die Futterkosten mit zunehmendem Heueinsatz an.

Tabelle 9: Mit Luzerneheu Eiweißfutter sparen (VBLZ Haus Riswick, 2013)

 

Stroh

Luzerneheu

Tagesgabe je Kuh

1 kg

1 kg

2 kg

4 kg

TM                               kg

ECM                            kg

Rapsschrot                  kg

MLF                             kg

Futterkosten     Ct/kg ECM

21,7a

33,0a

3,4

3,8

15,5

23,1b

36,2b

2,7

5,0

15,1

22,9ab

34,0ab

2,2

5,4

16,2

23,0b

33,5b

1,2

6,3

17,3

Auch im Idener Versuch (2013) war ein Austausch von Eiweißfutter durch Luzerneheu möglich. So konnten 2 kg Luzerneheu je Kuh und Tag 0,9 kg Sojaschrot und 1,2 kg Stroh ersetzen.

Festzuhalten bleibt, dass Leguminosen und Leguminosengras einen wertvollen Beitrag zur Protein- und Strukturversorgung liefern. Sie sorgen nicht nur für Abwechslung auf dem Futtertisch und in der Fruchtfolge, sondern sparen auch Stickstoffdünger und reduzieren den Einsatz eiweißreicher Kraftfutter. Der niedrigere Energiegehalt der Luzerne lässt sich größtenteils durch eine höhere Futteraufnahme ausgleichen. Die hohen Calcium- und Kaliumgehalte der Luzerneprodukte sind insbesondere in der Fütterung von Trockenstehern zu beachten.