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Zwischenfruchtanbau 2026 gestalten - Vorbereitung und Aussaat

Webcode: 01045587
Stand: 06.07.2026

Um für den Zwischenfruchtanbau die richtige Strategie zu wählen und bestmögliche Bedingungen zu schaffen, stellt sich bereits vor der Ernte die Frage, in welchem Umfang und auf welcher Fläche Zwischenfrüchte angebaut werden sollen. Durch die aktuelle Aussetzung der Anbauverpflichtung in roten Gebieten kann der Anbau auch hier flexibel gestaltet werden. Da die wirtschaftliche Situation in vielen Betrieben angespannt bleibt, gilt es umso mehr, aus dem Zwischenfruchtanbau größtmöglichen Nutzen zu ziehen

Weites Feld mit grünen Pflanzen, vereinzelt Bäume am Horizont, bewölkter Himmel.
Zwischenfruchtversuch in Barum am 08.11.2024: links Drohnensaat, Mitte Direktsaat, rechts klassische DrillsaatAnnette Hoffmann
Klar ist: Nur ein gut entwickelter, funktionaler Bestand kann die vielfältigen Ziele wie Erosionsschutz, Nährstoffbindung, Nematodenreduktion, Unkrautunterdrückung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit erfüllen. Je leichter und auswaschungsgefährdeter ein Standort ist, desto eindeutiger fällt die Entscheidung für einen Zwischenfruchtbau aus. Auf schweren Standorten haben sich Zwischenfrüchte in trockenen Jahren nicht immer positiv auf Düngebedarf und Wachstum der nachfolgenden Zuckerrüben ausgewirkt. Wichtig ist hier, der nachfolgenden Sommerung ein optimales Nährstoffangebot bereitzustellen und den Bestand evtl. vorzeitig umzubrechen. Wichtige Aspekte, die auch auf wenig auswaschungsgefährdeten Standorten für einen Anbau sprechen, sind Bodenbedeckung, Erosionsschutz und Unkrautunterdrückung, sowie die Möglichkeit, nach Ernte der Hauptfrucht organische Dünger entsprechend den Vorgaben der Düngeverordnung auszubringen. (Weitere Informationen:  Nährstoffversorgung und Artenwahl)

Frühe Saat sichert den Erfolg

Auch in diesem Jahr ist ein früher Erntebeginn zu erwarten, was grundsätzlich für günstige Voraussetzungen spricht, um eine rechtzeitige Aussaat bis Ende August als Basis für eine gute Zwischenfruchtentwicklung optimal vorbereiten zu können. Vor allem wenn eine N-Bindung über Leguminosen im Vordergrund steht, sollte die Aussaat bereits bis Mitte August erfolgen. Frühe Saattermine begünstigen aber auch die Nematodenreduktion von Ölrettich oder Senf.

Bei früher Ernte im Juli kann das Ausfallgetreide vor der Zwischenfruchtaussaat sicher bekämpft werden, was vor allem bei konkurrenzstarker Gerste wichtig ist. Gerste bietet als frühräumende und im Vergleich zum Weizen weniger wasserzehrende Vorfrucht grundsätzlich die besseren Startbedingungen für die Zwischenfrucht, da zum einen das Gerstenstroh die besseren Umsetzungseigenschaften. Bei Weizen sollte am besten schon bei der Sortenwahl im Herbst an den Zwischenfruchtanbau im Folgejahr gedacht werden. Frühreife, kurzstrohige Sorten mit guter Standfestigkeit und leichter Drusch- und Häckselfähigkeit sind klar zu bevorzugen.

Schon bei der Ernte an die Zwischenfrucht denken

Schon bei der Ernte sollten Sie die nachfolgende Zwischenfrucht im Auge haben. Das bedeutet: Möglichst verlustarm dreschen und eine gute Häckselqualität sicherstellen. Achten Sie auf scharfe Häckslermesser, kontrollieren Sie die Querverteilung des Strohs und vermeiden Sie den Drusch bei feuchtem Stroh. Bereiche mit Lagergetreide sollten mit einem Schlegelhäcksler nachgearbeitet werden, auch ein Strohstriegel kann evtl. die Strohverteilung verbessern.

Eine gute Häckselqualität ist unabhängig von den weiteren Bearbeitungsgängen anzustreben
Eine gute Häckselqualität ist unabhängig von den weiteren Bearbeitungsgängen anzustrebenJoerg Schaper
Aus kosten- und arbeitswirtschaftlichen Gründen haben sich pfluglose Anbauverfahren durchgesetzt. Je extensiver die Bodenbearbeitung zur Zwischenfruchtaussaat erfolgen soll und je verdichtungsempfindlicher der Boden ist, umso wichtiger wird neben der exakten Strohverteilung eine bodenschonende Ernte. Mähdrescher und Transportfahrzeuge sollten möglichst großvolumig bereift sein und mit angepasstem Luftdruck gefahren werden. Achten Sie darauf, mit Abfuhrfahrzeugen vorwiegend in den festen Fahrgassen zu fahren. Eine Pflugfurche bietet zwar Vorteile bei ungünstigen Bodenbedingungen und bei der Bekämpfung von Ausfallgetreide, gleichzeitig steigt jedoch die Erosionsgefahr. Zudem kann auf eine vorhergehende Stoppelbearbeitung im Hinblick auf eine gleichmäßige Stroheinarbeitung oft nicht verzichtet werden. In Mulchsaatverfahren sollte sich die Bearbeitungsintensität an den vorhandenen Strohmengen und dem Gare- und Feuchtigkeitszustand des Bodens orientieren. Die Umsetzung des Strohs mit vergleichsweise weitem C:N-Verhältnis kann besonders unter trockenen Bedingungen zu temporärem N-Mangel führen. Diesem kann durch tiefere Einarbeitung mit entsprechendem Verdünnungseffekt oder durch Düngungsmaßnahmen entgegengewirkt werden. Mit der Ernte fallen etwa 60 bis 90 dt/ha Stroh an, deren Rotte ca. 0,5 - 1 kg N/dt Stroh bindet und in Konkurrenz zur Zwischenfrucht tritt. Ist auf nachlieferungsschwachen Standorten keine Düngung vorgesehen, sollte auf grobkörnige Leguminosen zurückgegriffen werden.

Drohnen- oder Direktsaat als Alternativen

Alternativ kann das Stroh auch an der Oberfläche belassen und die Zwischenfrucht im Direktsaatverfahren oder bereits kurz vor der Ernte z. B. mittels Drohne ausgebracht werden. In beiden Verfahren entsteht zunächst keine Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe und die Zwischenfrüchte entwickeln sich besser. Versuche zeigen sowohl in feuchteren als auch in trockenen Jahren eine bessere Pflanzenentwicklung nach Vorernte- und Direktsaat.

Abbildung 2: Stickstoff-Aufnahme November 2023-2025 von Zwischenfruchtbeständen mit unterschiedlichen Aussaatterminen
Abbildung 2: Stickstoff-Aufnahme November 2023-2025 von Zwischenfruchtbeständen mit unterschiedlichen AussaatterminenAnnette Hoffmann

N-Aufnahme (Trockenmasse *Stickstoffgehalt) im November nach unterschiedlichen Zwischenfruchtaussaatterminen gemittelt über die Standorte

Drohnensaat: kurze Stoppel und gleichmäßige Strohverteilung fördern die Zwischenfruchtentwicklung
Drohnensaat: kurze Stoppel und gleichmäßige Strohverteilung fördern die ZwischenfruchtentwicklungAnnette Hoffmann
Die einfache Überwurfsaat mittels Düngerstreuer kommt aufgrund des vorgegebenen Fahrgassenabstandes vor allem bei kleinkörnigen Arten schnell an ihre Grenzen. Die innovative Ausbringung mittels Drohne einige Tage vor der geplanten Ernte findet zunehmend Eingang in die Praxis. Vorteil der Vorernteverfahren, und für eine gute Etablierung auch erforderlich, ist die Bedeckung durch das Stroh. Die Verdunstung wird reduziert und es bildet sich ein entsprechendes Kleinklima unter dem Stroh, sodass vergleichsweise geringe Niederschläge für Auflauf und Entwicklung auch von grobkörnigen Leguminosen ausreichen. Die Saat mit der Drohne funktioniert grundsätzlich gut, Arbeitsspitzen werden gebrochen und eine frühe Aussaat unabhängig von der Befahrbarkeit ist gewährleistet. Wichtig ist, verdichtete Fahrspuren zu vermeiden. Nehmen diese keine zu großen Anteile ein, wird der lückigere Auflauf und schwächere Wuchs in den Spuren durch die Randbereiche kompensiert. Der Streutermin sollte idealerweise max. 3 - 4 Tage vor dem Druschtermin liegen. Bei deutlich längerem Zeitraum führt die längere Phase mit geringer Lichtintensität zu schwächeren Pflanzen mit längerem Hypokotyl und einer zunehmenden Gefahr des Abschneidens durch den Mähdrescher. Bei der Ernte ist eine geringe Stoppellänge anzustreben, um den Zwischenfruchtpflanzen ein zügiges Durchwachsen des beschatteten Bereiches zu ermöglichen. Von den Arten sind z. B. Phacelia und Rauhafer weniger für die Vorerntesaat geeignet. Als Vorfrucht eignet sich Gerste aufgrund der Begrannung und des schlechteren Durchdringens des dichten Bestandes weniger gut für eine Drohnensaat. Bei sehr früher Gerstenernte kann es auch für die Zwischenfrucht zu früh sein, da die Bestände schnell in die generative Phase übergehen und mit der Blüte beginnen. Hier sind spätere Sorten von Vorteil. Trotzdem ist bei Vorerntesaatverfahren zur Verhinderung der Samenreife in der Regel ein vorzeitiger Umbruch einzuplanen. Dieser sollte mit einer Bodenbearbeitung kombiniert werden, um das Stroh vor Winter einzuarbeiten und die Umsetzung zu beschleunigen.

Wesentlicher Vorteil der Vorerntesaat ist der geringe Arbeits- und Energieeinsatz. Die Drohnensaat wird in der Regel durch externe Dienstleister durchgeführt und bindet keine betrieblichen Kapazitäten.

Mähdrescher erntet ein großes Feld unter blauem Himmel, Staub wirbelt auf.
Eine gute Strohverteilung ist Grundlage für einen gleichmäßigen ZwischenfruchtbestandJoerg Schaper
Schwierigkeiten sind vor allem auf tiefgründigen Böden in der fehlenden Mäusebekämpfung zu sehen. Ist ein Mäusebesatz auf der Fläche festzustellen, sollte auf die Möglichkeit der „mechanischen“ Bekämpfung nicht verzichtet werden. Eine organische Düngung kann nur über Kopf erfolgen, was entsprechende Nährstoffverluste und Fahrspuren nach sich zieht.

Direktsaatverfahren unmittelbar nach der Ernte ermöglichen ebenfalls eine frühe und sichere Etablierung des Zwischenfruchtbestandes – auch bei Strohabfuhr. Die Kosten sind bei Nutzung vorhandener Technik gerade bei grobkörnigeren Arten und entsprechend höheren Saatmengen vergleichsweise gering. Saaten unmittelbar nach bzw. während der Ernte stellen allerdings eine logistische Herausforderung dar. Fahrspuren und Mäusebesatz sind auch bei diesem Verfahren zu beachten. Vor allem bei größeren Strohmengen werden höhere Anforderungen an die Saattechnik gestellt. Spezielle Direktsaatmaschinen, evtl. auch mit kombinierter Unterfuß- bzw. Reihendüngung, sind hier klar im Vorteil. Um die Keimruhe des Ausfallweizens auszunutzen und der Zwischenfrucht einen Wachstumsvorsprung zu verschaffen, ist bei Direktsaaten eine Saat unmittelbar nach der Ernte notwendig. Ein Vorteil des sehr frühen Termins ist auch in dem noch locker obenauf liegenden Stroh zu sehen. Unter diesen Bedingungen kann die Saat auch mit „Standard-“Scheibenscharmaschinen wie z. B. Rapid oder Pronto gut gelingen.

Bei konventioneller Saat gute Bedingungen abwarten

Erfolgt die Aussaat zum üblichen Termin Mitte bis Ende August sollte die erste flache Stoppelbearbeitung unmittelbar nach der Ernte erfolgen. Mit der zweiten tieferen Bearbeitung kann die erste Getreide-Auflaufwelle bekämpft und organischer Dünger eingearbeitet werden. Generell begünstigen eine intensive Saatbettbereitung und gute Rückverfestigung Feldaufgang und Jugendentwicklung und wirken dem Schnecken- und Mäusebesatz entgegen.

Insbesondere unter trockenen Bedingungen bietet die Drillsaat gegenüber dem Einsatz von Schleuder- oder pneumatischen Streuern oft die besseren Startbedingungen. Auch die Saattiefe kann exakter eingehalten werden. Hinsichtlich der Ablagetiefe gilt es bei Mischungen aus klein- und grobkörnigen Arten einen Kompromiss zu finden. Bei Leguminosen wie Wicke, Erbse und Bohne empfiehlt es sich, eher etwas tiefer als zu flach abzulegen. Gut möglich wäre auch die getrennte Saat: Ackerbohnen auf die Fläche streuen und mit der Bodenbearbeitung einarbeiten und im Anschluss z. B. Senf aussäen oder ebenfalls ausstreuen.

Ist trockenheitsbedingt kein gleichmäßiger Feldaufgang zu erwarten, sollte mit der Bestellung ggf. abgewartet werden, bis wieder bessere Bedingungen vorherrschen. Auch bei Septembersaaten kann sich noch ein zufriedenstellender, geschlossener Bestand mit ausreichender Nährstoffaufnahme entwickeln. Gewünschte Effekte wie Nematodenbekämpfung, Förderung von Humusgehalt und Bodenstruktur oder eine hohe N-Aufnahme sind allerdings eingeschränkt. Das Abfrierverhalten verschlechtert sich ebenfalls. Bei späten Saatterminen sollte auf Leguminosen verzichtet und, sofern aus Fruchtfolgegründen möglich, auf Senf bzw. senfbetonte Mischungen gesetzt werden. Diese entwickeln sich zügig, sind konkurrenzstark und vergleichsweise günstig. Weitere Hinweise zu Artenwahl, Düngung und rechtlichen Vorgaben erscheinen in einem Folgeartikel.

Schnell gelesen:

  • Ernte im Hinblick auf die Zwischenfruchtetablierung optimieren:
    • geringe Körnerverluste
    • gute Häckselqualität sicherstellen (scharfe Messer, Drusch bei trockenem Stroh, Querverteilung kontrollieren)
    • auf Bodenschonung achten
  • frühe Saat und ausreichende Stickstoffversorgung fördern die Zwischenfruchtentwicklung
  • schnelle Bodenbedeckung anstreben (ausreichende Saatstärke)
  • Vorerntesaatverfahren am besten max. 3-4 Tage vor Druschtermin durchführen
  • Direktsaat unmittelbar nach der Ernte durchführen
  • Voraussetzungen für Drohnen- und Direktsaat
  • kein Lagergetreide, kurze Stoppel, gute Stroh- und Spreuverteilung
  • keine verdichteten Fahrspuren
  • keine Mäuseproblematik zu erwarten
  • Strohverbleib auf der Fläche