Um für den Zwischenfruchtanbau die richtige Strategie zu wählen und bestmögliche Bedingungen zu schaffen, stellt sich bereits vor der Ernte die Frage, in welchem Umfang und auf welcher Fläche Zwischenfrüchte angebaut werden sollen. Durch die aktuelle Aussetzung der Anbauverpflichtung in roten Gebieten kann der Anbau auch hier flexibel gestaltet werden. Da die wirtschaftliche Situation in vielen Betrieben angespannt bleibt, gilt es umso mehr, aus dem Zwischenfruchtanbau größtmöglichen Nutzen zu ziehen

Frühe Saat sichert den Erfolg
Auch in diesem Jahr ist ein früher Erntebeginn zu erwarten, was grundsätzlich für günstige Voraussetzungen spricht, um eine rechtzeitige Aussaat bis Ende August als Basis für eine gute Zwischenfruchtentwicklung optimal vorbereiten zu können. Vor allem wenn eine N-Bindung über Leguminosen im Vordergrund steht, sollte die Aussaat bereits bis Mitte August erfolgen. Frühe Saattermine begünstigen aber auch die Nematodenreduktion von Ölrettich oder Senf.
Bei früher Ernte im Juli kann das Ausfallgetreide vor der Zwischenfruchtaussaat sicher bekämpft werden, was vor allem bei konkurrenzstarker Gerste wichtig ist. Gerste bietet als frühräumende und im Vergleich zum Weizen weniger wasserzehrende Vorfrucht grundsätzlich die besseren Startbedingungen für die Zwischenfrucht, da zum einen das Gerstenstroh die besseren Umsetzungseigenschaften. Bei Weizen sollte am besten schon bei der Sortenwahl im Herbst an den Zwischenfruchtanbau im Folgejahr gedacht werden. Frühreife, kurzstrohige Sorten mit guter Standfestigkeit und leichter Drusch- und Häckselfähigkeit sind klar zu bevorzugen.
Schon bei der Ernte an die Zwischenfrucht denken
Schon bei der Ernte sollten Sie die nachfolgende Zwischenfrucht im Auge haben. Das bedeutet: Möglichst verlustarm dreschen und eine gute Häckselqualität sicherstellen. Achten Sie auf scharfe Häckslermesser, kontrollieren Sie die Querverteilung des Strohs und vermeiden Sie den Drusch bei feuchtem Stroh. Bereiche mit Lagergetreide sollten mit einem Schlegelhäcksler nachgearbeitet werden, auch ein Strohstriegel kann evtl. die Strohverteilung verbessern.

Drohnen- oder Direktsaat als Alternativen
Alternativ kann das Stroh auch an der Oberfläche belassen und die Zwischenfrucht im Direktsaatverfahren oder bereits kurz vor der Ernte z. B. mittels Drohne ausgebracht werden. In beiden Verfahren entsteht zunächst keine Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe und die Zwischenfrüchte entwickeln sich besser. Versuche zeigen sowohl in feuchteren als auch in trockenen Jahren eine bessere Pflanzenentwicklung nach Vorernte- und Direktsaat.

N-Aufnahme (Trockenmasse *Stickstoffgehalt) im November nach unterschiedlichen Zwischenfruchtaussaatterminen gemittelt über die Standorte

Wesentlicher Vorteil der Vorerntesaat ist der geringe Arbeits- und Energieeinsatz. Die Drohnensaat wird in der Regel durch externe Dienstleister durchgeführt und bindet keine betrieblichen Kapazitäten.

Direktsaatverfahren unmittelbar nach der Ernte ermöglichen ebenfalls eine frühe und sichere Etablierung des Zwischenfruchtbestandes – auch bei Strohabfuhr. Die Kosten sind bei Nutzung vorhandener Technik gerade bei grobkörnigeren Arten und entsprechend höheren Saatmengen vergleichsweise gering. Saaten unmittelbar nach bzw. während der Ernte stellen allerdings eine logistische Herausforderung dar. Fahrspuren und Mäusebesatz sind auch bei diesem Verfahren zu beachten. Vor allem bei größeren Strohmengen werden höhere Anforderungen an die Saattechnik gestellt. Spezielle Direktsaatmaschinen, evtl. auch mit kombinierter Unterfuß- bzw. Reihendüngung, sind hier klar im Vorteil. Um die Keimruhe des Ausfallweizens auszunutzen und der Zwischenfrucht einen Wachstumsvorsprung zu verschaffen, ist bei Direktsaaten eine Saat unmittelbar nach der Ernte notwendig. Ein Vorteil des sehr frühen Termins ist auch in dem noch locker obenauf liegenden Stroh zu sehen. Unter diesen Bedingungen kann die Saat auch mit „Standard-“Scheibenscharmaschinen wie z. B. Rapid oder Pronto gut gelingen.
Bei konventioneller Saat gute Bedingungen abwarten
Erfolgt die Aussaat zum üblichen Termin Mitte bis Ende August sollte die erste flache Stoppelbearbeitung unmittelbar nach der Ernte erfolgen. Mit der zweiten tieferen Bearbeitung kann die erste Getreide-Auflaufwelle bekämpft und organischer Dünger eingearbeitet werden. Generell begünstigen eine intensive Saatbettbereitung und gute Rückverfestigung Feldaufgang und Jugendentwicklung und wirken dem Schnecken- und Mäusebesatz entgegen.
Insbesondere unter trockenen Bedingungen bietet die Drillsaat gegenüber dem Einsatz von Schleuder- oder pneumatischen Streuern oft die besseren Startbedingungen. Auch die Saattiefe kann exakter eingehalten werden. Hinsichtlich der Ablagetiefe gilt es bei Mischungen aus klein- und grobkörnigen Arten einen Kompromiss zu finden. Bei Leguminosen wie Wicke, Erbse und Bohne empfiehlt es sich, eher etwas tiefer als zu flach abzulegen. Gut möglich wäre auch die getrennte Saat: Ackerbohnen auf die Fläche streuen und mit der Bodenbearbeitung einarbeiten und im Anschluss z. B. Senf aussäen oder ebenfalls ausstreuen.
Ist trockenheitsbedingt kein gleichmäßiger Feldaufgang zu erwarten, sollte mit der Bestellung ggf. abgewartet werden, bis wieder bessere Bedingungen vorherrschen. Auch bei Septembersaaten kann sich noch ein zufriedenstellender, geschlossener Bestand mit ausreichender Nährstoffaufnahme entwickeln. Gewünschte Effekte wie Nematodenbekämpfung, Förderung von Humusgehalt und Bodenstruktur oder eine hohe N-Aufnahme sind allerdings eingeschränkt. Das Abfrierverhalten verschlechtert sich ebenfalls. Bei späten Saatterminen sollte auf Leguminosen verzichtet und, sofern aus Fruchtfolgegründen möglich, auf Senf bzw. senfbetonte Mischungen gesetzt werden. Diese entwickeln sich zügig, sind konkurrenzstark und vergleichsweise günstig. Weitere Hinweise zu Artenwahl, Düngung und rechtlichen Vorgaben erscheinen in einem Folgeartikel.
Schnell gelesen:
- Ernte im Hinblick auf die Zwischenfruchtetablierung optimieren:
- geringe Körnerverluste
- gute Häckselqualität sicherstellen (scharfe Messer, Drusch bei trockenem Stroh, Querverteilung kontrollieren)
- auf Bodenschonung achten
- frühe Saat und ausreichende Stickstoffversorgung fördern die Zwischenfruchtentwicklung
- schnelle Bodenbedeckung anstreben (ausreichende Saatstärke)
- Vorerntesaatverfahren am besten max. 3-4 Tage vor Druschtermin durchführen
- Direktsaat unmittelbar nach der Ernte durchführen
- Voraussetzungen für Drohnen- und Direktsaat
- kein Lagergetreide, kurze Stoppel, gute Stroh- und Spreuverteilung
- keine verdichteten Fahrspuren
- keine Mäuseproblematik zu erwarten
- Strohverbleib auf der Fläche









