Während auf den Äckern die diesjährige Zuckerrübenernte heranwächst, läuft bereits die Frist für die Saatgutbestellung für den Zuckerrübenanbau 2027. Da bei der Frühbestellung die Preise geringer sind, lohnt es sich, einen Großteil des Saatgutbedarfes bereits jetzt zu decken. Um den züchterischen Fortschritt bereits im nächsten Jahr nutzen zu können, sollten Restmengen erst bei der Nachbestellung im Winter bestellt werden. So erhalten die zuckerrübenanbauenden Betriebe die Möglichkeit, neue Sorten auszuprobieren, für die erst im Herbst 2026 dreijährige Versuchsergebnisse vorliegen. Dies betrifft in erster Linie nematodentolerante Sorten, da in diesem Jahr keine Sorte ohne Nematodentoleranz zugelassen wurde.

Blattgesundheit
Das nächste Entscheidungskriterium ist die Anfälligkeit gegen Blattkrankheiten, insbesondere Cercospora beticola. Die Sortenwahl stellt einen wichtigen Baustein in Hinblick auf die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln dar. Versuche belegen, dass in cercosporatoleranten Sorten weniger Fungizide eingesetzt werden müssen, die Spritzabstände weiter sind und auch günstigere Mittel angewendet werden können (siehe auch Artikel: Cercospora unter Kotrolle: mit resistenten Sorten erfolgreich wirtschaften). So lassen sich die mitunter höheren Saatgutkosten blattgesunder Sorten durch Einsparungen bei den Pflanzenschutz- und Betriebsmitteln ausgleichen. Wir empfehlen die Verwendung blattgesunder Sorten. Innerhalb dieser Sorten ist es entscheidend, mit welchen zusätzlichen Herausforderungen auf der Fläche zu rechnen ist. So gibt es Sorten mit einer zusätzlichen Resistenz gegen Rizomania für Flächen mit Resistenzbruch (u. a. Beregnungsregionen Nordkreis Peine und um die Zuckerfabrik Uelzen). In manchen Jahren (feucht) und insbesondere auf leichten Standorten kann es zu einem Befall mit Gürtelschorf (Aphanomyces …) kommen. Aus Versuchen der ARGE NORD ist bekannt, dass die Sorten unterschiedlich anfällig sind. Daraus lässt sich ableiten, welche Sorten auf Flächen, die für Gürtelschorfbefall bekannt sind, nicht angebaut werden sollten.
Rhizoctonia
Steht die Zuckerrübe in Maisfruchtfolgen, kann das Risiko für das Auftreten der späten Rübenfäule (Rhizoctonia solani) erhöht sein. Hierdurch kann es zu erheblichen Ertragsausfällen kommen. Die Sorten BTS 3645 RHC im Nematodensegment und die BTS 6685 RHC bei den Normalsorten stellen einen Baustein dar, wenn die Umstellung der Fruchtfolge auf Mais nach Rübe und Aufnahme von Getreide nicht ausreichen.
SBR und Stolbur
SBR und Stolbur sind zwei Schadbilder, die durch Schilfglasflügelzikaden übertragen werden können. Ein starker Befall kann zu hohen Ertragseinbußen führen. Diesem verhältnismäßig neuen Schadkomplex trägt die Züchtung Rechnung. So konnten in den vergangenen Jahren Sorten mit einer Toleranz gegen SBR gezüchtet werden, gegen Stolbur gibt es keine Toleranz. Nur für Regionen, in denen ein Befall mit SBR bereits nachgewiesen ist, ist die Verwendung dieser Sorten anzuraten. In Niedersachsen ist das bisher nicht der Fall. Zu beachten ist, dass es im Segment der Conviso-Sorten bisher keine SBR-Toleranz gibt.
Die Bezahlung der Zuckerrüben durch die Nordzucker honoriert hohe Zuckergehalte. Deshalb sollte bei der Sortenwahl der Zuckergehalt berücksichtigt werden und die Sorte, die neben den gewünschten Eigenschaften den besten Zuckerertrag über den Zuckergehalt generiert, gewählt werden. Sorten, die als für die Frührodung geeignet gekennzeichnet sind, zeichnen sich durch hohe Zuckergehalte aus.
Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der Sortenversuche sowie die Beschreibung der Eigenschaften aller bestellbaren Zuckerrübensorten finden Sie in der Ausgabe 24 der LuF vom 11. Juni, S. 16-21. Tabelle 1 stellt die Sortenempfehlung aus Sicht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen dar.
Saatgutkosten
Der Zuckerrübenanbau steht kostenmäßig unter Druck. Das Saatgut wird standardmäßig mit Vibrance 500 als fungizidem Wirkstoff und Force (Wirkstoff Theflutrin) gegen Insekten gebeizt. Mit Buteo Start (Wirkstoff Flupyradifurone) wird eine systemisch wirkende Beize angeboten, die das Wirkspektrum im Bereich Blattbefall durch Moosknopfkäfer und Rübenerdfloh erweitert. Hiermit gebeiztes Saatgut darf nur mit pneumatischen Sämaschinen und bei Windstärken unter 5 m pro Sekunde ausgebracht werden. Da bereits die Wirkung des Tefuthrins Auflaufschäden vermeidet und spätere Fraßschäden selten ertragsrelevant sind, können durch den Einsatz der Standardbeize Kosten gesenkt werden. Zudem kann unter sicheren Anbaubedingungen die Aussaatstärke reduziert werden. Bestandesdichten zwischen 70.000 und 90.000 Pflanzen / ha führen bei gleichmäßiger Verteilung bereits zu optimalen Zuckererträgen. Zwischen der günstigsten und der teuersten Zuckerrübensorte liegen mehr als 150 €/Einheit Preisunterschied. Mit Blick auf die benötigten Sorteneigenschaften können auch mittelpreisige Sorten erfolgreich angebaut werden.
Die Saatgutbestellung bei Nordzucker läuft bis zum 15. August. Nehmen Sie sich Zeit, die Saatgutpreise zu vergleichen und die benötigten Sorteneigenschaften abzuwägen.
Schnell gelesen:
- Bei Saatgutbestellung auf Kosten achten
- Bereits bei einem Nematodenbefall ab 50 Eiern und Larven/100 g Boden nematodentolerante Sorten verwenden
- Durch Verwendung von Sorten mit geringer Anfälligkeit gegen Cercospora den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren
- Zu jedem Standort die richtige Sorte wählen, falls es weitere Einschränkungen wie Rizomaniaresistenzbruch, Gürtelschorf oder Rhizoctonia gibt.
- Sorten mit hohem Zuckergehalt den Vorzug geben, sofern alle benötigten Eigenschaften berücksichtigt wurden.











