Die Niederschläge der letzten Tage haben die Wassermangelsituation in vielen Maisbeständen ein wenig entspannt. Pflanzen, deren Stoffwechsel bereits weitgehend zum Stillstand gekommene war, setzen nun die Stärkeeinlagerung fort. Bestände sollten genau beobachtet werden, um den richtigen Erntezeitpunkt zu finden.
Wenige Tage vor der aktuellen Beprobung der Maisreifeprüfungen sind an den Versuchsstandorten zwischen 5 und 15 mm Niederschlag gefallen. Nicht genug bis zur Ernte, aber immerhin so viel, dass ein Fortscheiten der Welke unterblieben ist.
Die am 25.08. ermittelten Daten zeigen an vielen Standorten noch einen klaren Einfluss der unter Trockenstress stehenden Restpflanzen auf die TS-Gehalte, da die Niederschläge der letzten Woche nicht für eine vollständige Regeneration der Pflanzen ausgereicht haben. Gleichzeitig ist jedoch gut zu erkennen, wie sich die Kolben der beprobten Pflanzen gut weiterentwickelt haben.
In der Praxis ist zu beobachten, dass bei deutlich unter Trockenstress stehenden Pflanzen die Kolbenentwicklung ins Stocken geraten kann. Die betroffenen Bestände zeigen i.d.R. verdorrte Blätter bereits oberhalb der Kolben bzw. von den oberen Blattetagen her. Wenn die verbliebenen grünen Blätter rollen und die Assimilationsleistung auf ein Minimum sinkt, pausiert die Stärkeeinlagerung in den Kolben.
Dies führt derzeit dazu, dass die Reifeentwicklung vitaler grüner Bestände weiter fortgeschritten ist als die durch Trockenstress deutlich gezeichneter Bestände, auch wenn der optische Eindruck das Gegenteil erwarten ließe.
Die in den vergangenen Tagen gefallenen Niederschläge dürften die Situation weiter entspannt haben und den Pflanzen eine Fortsetzung der Stärkeeinlagerung ermöglichen.
Bestände mit Trockenschäden sollten nur dann vorzeitig gehäckselt werden, wenn keine weitere Kolbenentwicklung zu erwarten ist. Hierbei ist daran zu denken, dass gerade kolbenlose oder -arme Bestände ein hohes Potential zur Sickersaftbildung aufweisen, besonders, wenn zuvor Niederschläge gefallen sind und die Pflanzen sich wieder vollsaugen konnten (siehe auch Artikel zur Maissilierung).
Um die physiologische Reifeentwicklung der Maisbestände richtig zu beurteilen, sollte besonders in diesem von Trockenstress geprägtem Jahr auf die TS-Werte der Kolben geschaut werden, da die Gesamt-TS-Gehalte z.T. von austrocknenden Restpflanzen verfälscht sein können.
Aktuelle Reifeentwicklung
Süd und Ost
Im südlichen und östlichen Niedersachsen sind im April gesäte Bestände i.d.R. schon weit entwickelt. Frühe Sorten hatten am 25. August bereits TS-Gehalte im Kolben von 45 – 50 % erzielt und erreichen in diesen Tagen die Silierreife. Mittelfrühe Sorten sind in ihrer Reifeentwicklung ebenfalls weit du erreichen um den 10 September die Siloreife; mittelspäte Genetik wird ab Mitte des Monats geerntet werden können. Bei Aussaatterminen Anfang Mai verschiebt sich die Erntereife entsprechend.
West
An den Reifeprüfungsstandorten im westlichen Niedersachsen zeigen sich besonders die Einflüsse der deutlich unterschiedlichen Aussaattermine.
Während im emsländischen Werlte durch die Aussaat am 23.04. bereits weit entwickelte Prüfparzellen zu finden sind, die bei frühen Sorten bereits jetzt die Silierreife erlangt haben, erreichen die Bestände früher Sorten in Borwede (LK Diepholz) bei Aussaatterminen Anfang Mais erst eine Woche später, ab dem 05.09., das Erntefester.
Am Standort Astrup bei Osnabrück konnten die Maisversuche in diesem Jahr erst sehr spät gesät werden. Die Aussaat am 22. Mai führt zu rel. spät abreifenden Maispflanzen, so dass frühe Sorten erst Mitte September die Silierreife erreichen. Mittelfrühe Sorten benötigen jeweils ca. 5 Tage mehr gegenüber frühen Sorten - mittelspäte Genetik nochmal weitere ca. 5 Tage.
Anhand dieser drei Standorte lässt sich sehr schön der diesjährige Effekt des Aussaattermins erkennen und auf die eigenen Bestände übertragen.
Nord und Küste
Im nördlichen Niedersachsen sind auch die Aprilsaaten noch nicht so weit entwickelt wie in anderen Landesteilen. Frühe Sorten haben hier zum 25.08. gut 40 % TS in den Kolben erreicht, mittelfrühe blieben noch knapp unter dieser Marke. Daraus ergeben sich voraussichtliche Erntetermine ab ca. 10.09. für frühe und am etwa 15.09. für mittelfrühe Sorten. Mittelspäte Genetik wird bei entsprechenden Aussaatterminen ab ca. 20. September silierreif sein. Bei späteren Aussaatterminen gibt der Standort Borgholt (siehe Tabelle) einen Eindruck der Reifeentwicklung; die um eine Woche spätere Aussaat (06.05.) zeigt sich hier auch in der Abreife entsprechend. Die Küstennahen Standorte zeigen in diesem Jahr kaum eine verzögerte Abreife gegenüber anderen nördlichen Standorten. Die sehr frühe Aussaat am Marschstandort Wirdum (17.04.) hat auch hier für weit entwickelte Pflanzen gesorgt, die ebenfalls schon TS-Gehalte in den Kolben um die 40 % aufweisen.
Vitale Bestände nicht unterschätzen
Den Maisbeständen auf Marschböden und allgemein auf Standorten mit ausreichender Wasserführung sieht man die tatsächliche Reife häufig nicht auf den ersten Blick an. Zur Ernte hin ist eine Prüfung der Kolbentwicklung immer angeraten. Verfärben sich die Lieschblätter, sollten die Körner genau geprüft werden. Diese dürfen zur Ernte noch einen minimalen Rest an Feuchtigkeit an der Kornbasis aufweisen. Bei guter Witterung kann bereits gut eine Woche später der Schwarze Punkt am Korn gebildet werden; dieses Entwicklungsstadium sollte beim Silomais jedoch nicht mehr erreicht werden. Ein Blick tiefer in die Bestände lohnt sich häufig, denn gerade für die Fütterung ist die Schmackhaftigkeit von großer Bedeutung. Silomais sollte daher zur Ernte eine möglichst grüne Restpflanze (stay green) mit weit entwickeltem Kolben (55 – 60 % TS) aufweisen. Eine zu späte Ernte sorgt für unnötig weit abgereifte und somit verstrohte Restpflanzen, die die Futteraufnahme negativ beeinflussen können.
Karl Gerd Harms
Landwirtschaftskammer Niedersachsen





