Die dritte Beprobung für das Reifemonitoring der LWK Niedersachsen zeigt die Effekte der einsetzenden Niederschläge. Diese sorgten für eine weitere Vitalisierung der Bestände nach der langen Trockenphase und für sinkende TS-Gehalte in den Restpflanzen. Gleichzeitig sorgten sie auch dafür, dass die Stärkeeinlagerung fortgesetzt bzw. in einigen Beständen wieder aufgenommen wurde und die Reife zügig voranschreitet.
Die ersten leichten Niederschläge um den 20. August, die viele Maisbestände vor weiteren Trockenschäden bewahrten, wurden Ende August durch ergiebigere Schauer ergänzt. Die Maisbestände haben die Feuchtigkeit dankbar aufgenommen und sind sichtbar vitaler geworden. In besonders von Trockenstress gezeichneten Beständen war der Stoffwechsel der Pflanzen bereits deutlich reduziert, so dass die Stärkeeinlagerung weitgehend zum Erliegen kam. Durch die einsetzenden Niederschläge haben sich die noch grünen Bereiche des Blattapparats, i.d.R. deutlich sichtbar, erholt und die physiologische Reife durch Kolbenfüllung hat wieder an Fahrt aufgenommen.
An den Daten der Maisreifeprüfung ist das „Wiederergrünen“ kaum zu erkennen. Zur dritten Beprobung sinken zwar mancherorts die TS-Gehalte der Restpflanzen, doch die TS-Werte der Kolben zeigen die kontinuierlich fortschreitende Stärkeeinlagerung und physiologische Reife auf. In der Summe führt dies zu einem normalen Anstieg der Gesamt-TS-Gehalte. Diese haben moderate Zuwächse von 2- 2,5 % binnen einer Woche erzielt, nur im südlichen und östlichen Niedersachsen sind rund 3,5 % TS-Zunahme im Erntegut erreicht worden.
Regionen Süd und Ost
Somit sind frühe und mittelfrühe Sorten theoretisch bereits jetzt im Erntefenster, jedoch ist die Kolbenentwicklung noch nicht so weit fortgeschritten, wie angestrebt wird. Diese wird voraussichtlich zum Wochenende (05.Sep.) auch die Silierreife erreichen. Mittelspäte Sorten werden bei vergleichbaren Aussaatterminen (siehe Tabelle) eine Woche später das Erntefenster erreichen.
Regionen Nord und West
In den Regionen „Nord“ und „West“ verläuft die Reifeentwicklung in diesem Jahr sehr ähnlich. Die Daten der Reifeprüfung werden im Westen jedoch vom sehr spät ausgesäten Versuch in Astrup (LK OS) etwas verzerrt, so dass früh gesäte Bestände ebenfalls schon weit entwickelt und erntereif sind. Die ermittelten Daten lassen ein Erreichen der Silierreife früher und mittelfrüher Sorten für den Zeitraum um den 10. Sep. erwarten; spätere Sorten oder Saattermine erreichen ab ca. 15.Sep. die Silierreife.
In den bis hier angesprochenen Regionen eilen die Gesamt-TS-Gehalte der Kolbenentwicklung leicht voraus, da die Restpflanzen i.d.R. von der Trockenheit beeinflusst bleiben. Um Bestände mit optimaler Kolbenausreife und damit hohen Stärkegehalten ernten zu können, müssen in diesem Jahr ggf. etwas höhere TS-Gehalte in der Silage hingenommen werden. Die Werte werden sich dann voraussichtlich im Bereich knapp über 35 % in der Silage bewegen und damit im oberen Bereich der Zielwerte.
Küstennahe Standorte
Die küstennahen Bereiche Niedersachsen zeichnen sich für gewöhnlich durch eine spätere Abreife der Maisbestände aus. In diesem Jahr zeigen die TS-Gehalte der Kolben jedoch bereits eine weite und kaum verzögerte Entwicklung. Dies gilt es im Blick zu behalten, denn die Werte der Restpflanzen und somit auch die errechneten und in der Grafik dargestellten Gesamt-TS-Gehalte vermitteln im Vergleich zu den anderen Regionen eine „normal verzögerte“ Abreife. Dieser Eindruck sollte nicht über die weit fortgeschrittene Stärkeeinlagerung hinwegtäuschen. Frühe und mittelfrühe Sorten, die in dieser Region optimal angebaut werden können, erreichen bei regional üblichen Aussaatterminen bereits um Mitte September die Silierreife. Auch die Gesamt-TS-Gehalte werden dann im Optimalbereich liegen. Der Mais kann also voraussichtlich bei erreichen der Teigreife noch relativ grün und frisch geerntet werden, so wie es für die Fütterung optimal ist.
Aufgrund der zügig fortschreitenden Reife wurden die Ernteprognosen angepasst und gegenüber der 2. Reifemitteilung vorgezogen. Die guten Wetteraussichten unterstreichen diese Prognose ebenfalls.
Zünslerdruck steigt deutlich
Bei der Beobachtung der Maisbestände und auch während der Ernte sollte ein besonderes Augenmerk auf das Auftreten des Maizünslers gelegt werden. In Regionen mit bereits bekanntem Befall ist in diesem Jahr ein besonders hoher Befallsdruck zu beobachten, gleichzeitig ist ebenfalls eine deutliche Ausbreitung in Richtung Norden festzustellen. In den betroffenen Beständen sind häufig oberhalb er Kolben abgeknickte Halme zu finden, welches als erster Hinweis diesen kann. Bei genauerem Hinsehen finden sich dann Bohrlöcher im Bereich der Stängelknoten, welche nicht von der Larve durchdrungen werden können, sowie Bohrmehl in den Blattachseln.
Bekämpfung
Um den Larven ein Überwintern und damit eine massenhafte Vermehrung im Folgejahr zu erschweren, sollten Maßnahmen nach der Ernte ergriffen werden.
Hierzu gehört an erster Stelle eine geeignete Stoppelbearbeitung, die in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist. Messerwalzen können viele Stoppel im Bereich der untersten Internodien zerschneiden oder Quetschen, bessere Ergebnisse erzielen i.d.R. jedoch Schlegelmulcher. Diese haben ihre Schwächen bei niedergefahrenen Stoppeln in den Fahrspuren, erzielen jedoch insgesamt einen höheren Zerkleinerungsgrad der Stoppel.
Werden die Flächen nachfolgend (egal ob im Herbst oder Frühjahr) gepflügt, sollte trotzdem eine Stoppelzerkleinerung erfolgt sein. Die Erntereste sollten beim Pflügen möglichst vollständig in die Furche geräumt werden, z.B. mittels Vorschäler oder Dungeinleger, und so tief wie möglich in den Boden eingebracht werden. Stoppelreste, die weniger als 15 cm tief im Boden liegen, ermöglichen es dem Falter im späten Frühjahr die Oberfläche zu erreichen und in neue Maisbestände der weiteren Umgebung auszufliegen. Ein gezieltes Pflügen im Herbst bringt keine Vorteile.
Bei nachfolgenden Mulchsaaten ist eine besonders gute Stoppelzerkleinerung zu gewährleisten, um den Larven die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Unterflurmulcher am Häckslergebiss haben sich hierbei als besonders effektiv gezeigt, da auf diese Weise keine unzerkleinerten Stoppel niedergefahren werden. Die beschriebenen Maßnahmen und Grundsätze gelten nach Körnermais ebenso. Die Bekämpfung des Maiszünslers ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe aller Maisanbauer.






