Die Ergebnisse des 4. Beprobungstermins zeigen, dass die Niederschläge häufig keine vollständige Regeneration des Trockenstresses in den Beständen mehr bewirken konnten. Auf die eigentlich anzustrebende Kolbenreife kann nicht immer gewartet werden.
Die Maisreifeprüfung wird mit dieser 4. Mitteilung enden, da das Erreichen der Silierreife in den niedersächsischen Regionen erreicht oder klar absehbar ist.
Die Hoffnung auf sich in Folge der gefallenen Niederschläge gut erholende Pflanzen und Bestände hat sich nur bedingt erfüllt. Die Testparzellen der Maisreifeprüfung zeigen weiterhin vielfach vorauseilende TS-Gehalte in den Rest- und auch Gesamtpflanzen, was dazu führt, dass die anzustrebenden TS-Gehalte im Erntegut erreicht werden, bevor die wünschenswerte Kolbenentwicklung erzielt wird (siehe Grafiken). Auf diese zu warten, macht jedoch wenig Sinn, da dies deutlich höhere TS-Gehalte im Siliergut bedeuten würde, was die Verdichtbarkeit und damit die Lagerverluste und die aerobe Stabilität der Silage negativ beeinflusst – auch die Schmackhaftigkeit und damit die Futteraufnahme sinken durch zu hohe TS-Gehalte der Silage.
Vielfach keine harmonische Abreife
Um den optimalen Erntetermin unter diesen Voraussetzungen zu finden, muss ein Kompromiss zwischen der anzustrebenden Kolbenausreife und den bereits hohen TS-Gehalten des Ernteguts durch trockenheitsbeeinflusste Restpflanzen gefunden werden. Werte ca. 2 - 3 % oberhalb der unter normalen Bedingungen anzustrebenden ca. 35 % TS sollten noch keine nennenswerten negativen Auswirkungen haben. Spätestens ab TS-Gehalten von 40 % sieht dies jedoch anders aus und sollte unbedingt vermieden werden.
Abreife in den Regionen
Außer in den nördlichen Teilen Niedersachsens haben auch mittelspäte Maissorten bereits in allen Regionen die Silierreife erreicht. Mittelfrühe und frühe Genetik hat bei Aussaatterminen im April bereits das optimale Erntefenster durchschritten und sollte schon gehäckselt worden sein, was bei frühen Aussaatterminen auch schon in nördlichen Breiten gilt. Hier sollte nur noch bei mittelspäten Sorten ein wenig gewartet werden, jedoch ist auch bei diesen bereits Ende dieser Woche mit dem Erreichen des Erntefensters zu rechnen.
Auf küstennahen Standorten erreichen die frühen Sorten bei Aprilsaaten spätestens in dieser Woche die Silierreife; Standorte mit guter Wasserführung eine Woche verzögert. Mittelfrühe Sorten folgen mit maximal einer Woche Verzögerung.
Spätere Aussaattermine als die der Maisreifeprüfungen führen zu etwas späterer Abreife, jedoch ist in diesem Jahr nicht von einer „eins zu eins“ Verzögerung auszugehen; die später gesäten Bestände brauchen zur Abreife nicht viel länger. 
Vorsicht Gärgase
Vor dem Hintergrund des Witterungsverlaufs ist aufgrund der Niederschläge nach langer Trockenheit mit einem Mineralisationsschub im Boden zu rechnen. Es kann erwartet werden, dass der verfügbar gewordene Stickstoff mit dem Bodenwasser aufgenommen, aber nicht mehr vollständig verstoffwechselt wurde. In der Folge ist bei vielen Silomieten mit der verstärkten Bildung von Nitrosegasen zu rechnen – diese dürfen weder von Menschen noch Tieren eingeatmet werden, da schwere Gesundheitsschäden, bis hin zum Tod, die Folge sein können.
Nach Abschluss der Erntearbeiten sollten die Mieten daher unverzüglich luftdicht abgeschlossen werden. Dazu gehört das vollständige Beschweren der Planen bzw. Netze, damit in den folgenden Tagen möglichst keine Arbeiten am Silo durchgeführt werden müssen. Sichtbare Gärgashauben sollten nicht abgelassen werden!
Ausblick Körnermaisreife
Die letzten Daten der Silomaisreifeprüfung lassen einen ersten Ausblick auf die Körnermaisernte zu. Die TS-Gehalte im Korn liegen ab dem Erreichen der Silierreife ca. 5 Prozentpunkte über den Gehalten des Kolbens. Die Werte vom 7. September zeigen für die meisten im April gesäten Bestände früher und z.T. auch mittelfrüher Sorten bereits Kolben-TS-Gehalte von 55 - 60 %. Daraus folgen Kornfeuchten von 35 - 40 %. Bei weiterhin guter Abreife ist mit sicherem Erreichen der CCM-Reife (Feuchtmais) bereits ab Mitte September zu rechnen, im nördlichen Niedersachsen ca. eine Woche später. Diese Bestände können zur Monatswende bereits Restfeuchten um 25 % erreichen (frühe Sorten vorausgesetzt). Je nach Witterung im Oktober sind also durchaus geringe Restfeuchten im Körnermais im Berch des Möglichen.
Hoher Zünslerdruck
Doch nicht alle Bestände sollten so lange stehen bleiben, denn in einigen Regionen ist hoher bis sehr hoher Zünslerbefall zu beobachten. Beginnen diese Bestände stärker zusammenzubrechen, sollte unverzüglich geerntet werden, um Kolbenverluste zu vermeiden. Gleichzeitig sind von Trockenstress gezeichnete Bestände teilweise sehr mürbe im Stängel und sollten, ebenso wie Flächen mit hohem Zünslerdruck, keinem stärkeren Wind mehr ausgesetzt werden. Eine genaue Begutachtung der Maisbestände ist also angeraten und sollte mit darüber entscheiden, ob Körnermais oder Feuchtmais geerntet wird.
Trocknungsmodalitäten klären
Die zu erwartenden niedrigen Restfeuchtegehalte bei einer Nutzung als Körnermais werden nur dann vollumfänglich wirtschaftlich genutzt werden können, wenn die Abrechnungsmodalitäten der Trocknung gut verhandelt werden. Gerade das klassische Abrechnungsmodell mit einheitlichem Trocknungspreis für Mais und Getreide (z.B. 12 Ct/dt und %) und dafür Berechnung bis auf null Prozent Restfeuchte, benachteiligt Partien mit geringer Restfeuchte. Eine Berechnung der Trocknungskosten nach tatsächlich heruntergetrockneten Feuchteprozenten (bei dann höheren Kosten; z.B. 24 ct/dt und %) führt zu einem besseren (und ehrlicheren) monetären Ergebnis.
Ähnlich verhält es sich mit dem Schwundfaktor, dieser ist i.d.R. bei rel. geringen Restfeuchtegehalten niedriger und kann auch mit 1,2 – 1,3 in Ansatz gebracht werden. Hier ist also durchaus Obacht bei der Vermarktung angebracht.





