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Landessortenversuche 2020: Sommerweizen

Sommerweizen fungiert weiterhin als Reservekultur. Der Anbau wird vielfach davon abhängig sein, ob andere Kulturen im Herbst nicht bestellt werden konnten bzw. ausgewintert sind.  

 

Sommerweizen
SommerweizenWilli Thiel
Die Sommerweizen-Anbaufläche erreichte im Jahr 2020 mit 5.300 ha wieder die langjährige durchschnittliche Größenordnung, da die geplanten Winterungen im vergangenen Herbst ohne gravierende Probleme bestellt werden konnten. Lediglich in den Marschregionen waren die vorgesehenen Wintergetreideflächen wegen Nässe nicht befahrbar und mussten mit Sommerungen, also auch Sommerweizen, bestellt werden.

Die Aussaat des Sommerweizens erfolgte größtenteils ab Mitte März, sobald die Befahrbarkeit der Böden nach den ergiebigen Niederschlägen im Februar wieder gegeben war. Die Ernte in Niedersachsen begann ab der zweiten Augustdekade.

Die zeitweiligen Trockenphasen im Frühjahr und Sommer machten vor allem auch den Sommerungen zu schaffen, sodass hier auf den leichteren Standorten entsprechende Ertragseinbußen zu verzeichnen waren. Dies wurde beispielsweise am Versuchsstandort Astrup (LK OS) erkennbar, wo die Erträge auf 55 dt/ha abfielen und die Trockenschäden eine Wertbarkeit des Standortes zu Nichte machten. Geringe Nährstoffverfügbarkeit aufgrund der Frühjahrstrockenheit machte dem Bestand in Königslutter zu schaffen, sodass hier nur 70 dt/ha erzielt wurden und die Auswertbarkeit des Versuches leider nicht gegeben war. Auf dem Marschstandort Otterham (LK AUR) hingegen wurden über 90 dt/ha gedroschen. Auf allen drei niedersächsischen Standorten lagen die Sommerweizenerträge ca. 20 dt/ha unter denen des Winterweizens; sie bestätigen damit auch das Ertragsgefälle, welches für die Praxis durch das Landesamt für Statistik (LSN) beschrieben wird.

Die Erträge des Sommerweizens lagen laut LSN mit 54,3 dt/ha auf einem mittleren Niveau. Im Vergleich zu den Durchschnittserträgen des Winterweizens in Höhe von 80 dt/ha wird klar erkennbar, dass der Sommerweizen in der Regel nicht Bestandteil einer vorgeplanten Fruchtfolge ist, sondern oftmals als Lückenbüßer fungiert; insbesondere in weizendominierten Regionen sind durch die Sommerkultur auch keine positiven Fruchtfolgewirkungen zu erwarten.

Von daher gehen wir für das kommende Jahr nicht von einer Anbauausweitung aus, es sei denn, Auswinterungsschäden in den bereits bestellten Kulturen machen einen Umbruch erforderlich. Das kann derzeit jedoch noch nicht prognostiziert werden, zumal die Winterungen zurzeit durchweg gut entwickelt, aber nicht überwachsen, in den Winter gehen.

Ergebnisse der Sorten

Der Prüfumfang hinsichtlich Sorten und Standorten ist, bedingt durch die geringe Anbaubedeutung des Sommerweizens, eingeschränkt. Gegenüber dem Vorjahr wurde das Sortiment mit der im Winter neu zugelassenen A-Sorte Akvitan um eine Sorte erweitert. Die bisherigen Sorten wurden weitergeprüft, weil viele davon auch erst in den letzten Jahren in die Prüfungen aufgenommen wurden, wie beispielsweise SU Ahab als E-Sorte und KWS Starlight als A-Sorte. Jasmund (A) absolvierte das dritte Prüfjahr. Quintus, Licamero und KWS Mistral wurden bereits wenigstens fünfjährig geprüft. Servus, Zenon und Anabel standen im vierten Prüfjahr.

Für die Auswertungen musste in diesem Jahr stark auf die Ergebnisse der Nachbarländer zurückgegriffen werden, weil von den drei in Niedersachsen angelegten Versuchen lediglich der Marschstandort Otterham auswertbar war. So kann für die Anbauregion Lehmige Standorte Nordwest kein eigener Versuch herangezogen werden. Umso wichtiger ist es, bei der Beurteilung der Sorten die mehrjährigen Leistungen in den jeweiligen Anbauregionen zu betrachten. So fließen Ergebnisse von Standorten aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Schleswig-Holstein mit in die Auswertungen ein. Außerdem werden bei der mehrjährigen Verrechnung auch die Ergebnisse aus Wert- und EU-Prüfungen einbezogen, die an Standorten in den jeweiligen Anbauregionen durchgeführt wurden.

In der Marsch wurden mit Ausnahme von Anabel alle genannten Sorten an zwei Standorten geprüft. Ertraglich konnten bei den A-Sorten vor allem die neue Sorte KWS Starlight und Quintus sowie KWS Mistral und Servus mit überdurchschnittlichen Erträgen überzeugen, während Licamero etwas schwächer abschnitt. Damit kehrten sich die Ergebnisse von KWS Mistral, Servus und Licamero gegenüber dem Vorjahr um. Zenon, Jasmund sowie SU Ahab erreichten nur unterdurchschnittliche Ergebnisse, die jeweils noch etwas schwächer als im Vorjahr ausfielen.

Im mehrjährigen Vergleich überzeugte in der Marsch vor allem die Sorte Quintus mit konstant überdurchschnittlichen Erträgen, die damit klar für den Anbau empfohlen wird. Nach zwei ertragsstarken Jahren zählt auch die Sorte KWS Starlight dazu. Darüber hinaus erhalten KWS Mistral, Servus sowie Jasmund und Licamero eine Empfehlung, die mehrjährig betrachtet ein mittleres Ertragsniveau erreichten, in der Ertragskonstanz allerdings etwas schwankender sind. Mit Ausnahme des aktuell leicht schwächeren Ergebnisses zählt die E-Sorte Zenon ebenfalls zu den ertragsstärksten Sorten, die das Ertragsniveau vieler A-Sorten erreichte und damit auch klar empfohlen wird. Lediglich SU Ahab und die neue Sorte Akvitan konnten nicht überzeugen.

In der Anbauregion der lehmigen Standorte Nordwest wurde die E-Sorte Anabel dank letztjähriger sehr guter Ergebnisse weitergeprüft, aber auf Zenon wegen schwacher Leistungen verzichtet. Licamero und KWS Starlight überzeugten auf den vier Prüfstandorten durch sehr gute Ertragsleistungen. Leicht unterdurchschnittliche Ergebnisse erreichten Servus, die neue Sorte Akvitan, KWS Mistral, Jasmund und Quintus. Relativ schwach schnitten die E-Sorten Anabel und SU Ahab ab.

Im mehrjährigen Vergleich überzeugte vor allem Licamero durch überdurchschnittliche Erträge, insbesondere in den letzten zwei Jahren, und wird daher klar empfohlen. Die zweijährig geprüfte Sorte KWS Starlight erhält ebenfalls eine Anbauempfehlung, da sie vor allem in diesem Jahr sehr gute Leistungen zeigte. KWS Mistral und Jasmund werden dank insgesamt guter Erträge ebenfalls empfohlen, obwohl die Ertragskonstanz etwas schwach ist. Eine eingeschränkte Empfehlung erhält Quintus trotz schwächerer Erträge, weil sie gegenüber den Rosten und Ährenfusarium sowie Blattseptoria sehr robust reagiert.

Die neue Sorte Akvitan erreichte unter Einbeziehung der Vorprüfungsergebnisse ein gutes Ergebnis. Sollten sich diese Werte im kommenden Jahr bestätigen, wird sie dann ebenfalls in die Empfehlungsgruppe aufgenommen. Da in Niedersachsen auch im Sommerweizenanbau die Priorität auf den Kornertrag liegt, verpassen die E-Sorten Anabel und SU Ahab sowie Servus (A) eine Empfehlung.

Die Qualitäten

Die geprüften Sorten erreichten im Mittel Proteingehalte (RP) von 12,5 % und lagen damit 1 % unter den Werten des Vorjahres. Im Vergleich der letzten vier Jahre wurden die geringsten RP-Werte erzielt. Die höchsten Werte lieferten mit 12,9 % die E-Sorten Zenon, SU Ahab und die A-Sorte KWS Mistral sowie Licamero und Akvitan mit 12,8 %. Als E-Sorte erreichte Anabel wie in den Vorjahren nur unterdurchschnittliche Werte.

Die an fünf Standorten durchgeführten Fallzahluntersuchungen wiesen mit einem Durchschnittswert von 337 sek. wiederum sehr gute Werte auf. Die höchsten Fallzahlen erreichten KWS Mistral, Servus, SU Ahab, Jasmund und Anabel. Zenon und die neue Sorte Akvitan erreichten mit unter 290 sec. die schwächsten Werte, was insbesondere bei Zenon überraschte. Gleichwohl liegen sie noch im tolerablen Bereich.

Im Mittel der Sorten wurde mit 77,2 kg ein hohes Hektolitergewicht erreicht, das deutlich über dem Vorjahresniveau lag. Das zeigt, dass die Kornfüllungsphase zufriedenstellend verlaufen war, wofür auch die gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Erträge sprechen. Die höchsten Werte über 80 kg erreichten Anabel und KWS Mistral, gefolgt von Servus mit 77,4 kg. Aber auch die weiteren Sorten enttäuschten hier nicht. SU Ahab erreichte mit 74, 6 kg die geringsten Werte.

Die empfohlenen Sorten im Einzelnen:

KWS Mistral überzeugte trotz etwas schwankender, insgesamt jedoch guter Erträge und punktet vor allem auch durch sehr gute Qualitäten, besonders beim Rohproteingehalt sowie im hl-Gewicht. Zu beachten sind die insgesamt schwächeren Einstufungen gegenüber Krankheiten, hauptsächlich bei Blattseptoria.

Licamero lieferte als mehrjährig geprüfte Sorte in beiden Anbauregionen gute Leistungen; die besten Erträge erzielte sie jedoch auf den Lehmstandorten. Mit leichten Schwächen gegenüber Braunrost, aber besserer Einstufung gegenüber Mehltaubefall ist sie bei insgesamt guten Qualitäten für den Anbau zu empfehlen. Sie ist derzeit die einzige Sorte im Sommerweizensortiment, die mehrjährig auch für Spätsaaten im Herbst mit Erfolg geprüft wurde.

Die Sorte Quintus wird aufgrund der konstant hohen Ertragsleistungen in der Marsch und ihrer guten Widerstandfähigkeit gegenüber Blattkrankheiten und Ährenfusariosen für den Anbau empfohlen; aufgrund schwächerer Erträge auf den Lehmstandorten Nordwest allerdings nur eingeschränkt.

Servus konnte in beiden Anbauregionen das schwache Vorjahresergebnis wettmachen, vor allem auf den Marschstandorten, und wird dank überdurchschnittlicher mehrjähriger Erträge dort empfohlen. Bei sehr guten Fallzahlen und hohen Rohproteingehalten sind die schwächeren Hektolitergewichte zu erwähnen. Zu beachten sind zudem die Schwächen gegenüber Ährenfusarium und Braunrost, sodass sie beispielsweise nach Mais nicht unbedingt angebaut werden sollte.

Jasmund fiel in diesem Jahr in den Erträgen etwas zurück, wird aufgrund der mehrjährigen Ergebnisse aber in beiden Anbauregionen empfohlen. Bei guten bis mittleren Qualitäten zeigte sie gegenüber Lager und Krankheiten keine negativen Auffälligkeiten.

Die zweijährig geprüfte Sorte KWS Starlight erzielte in beiden Jahren und Anbaugebieten sehr gute Erträge und wird daher empfohlen. Bei mittleren Qualitäten ist sie mit Ausnahme gegenüber Mehltau als robuste Sorte einzustufen.

Von den E-Sorten erreichte Zenon auf den Marschstandorten insgesamt gute Erträge und wird daher dort empfohlen. Die Sorte zeichnet sich darüber hinaus vor allem durch sehr gute Rohproteingehalte aus. Trotz schwächerer Werte in diesem Jahr wird sie als Sorte mit sehr guten Fallzahlen beschrieben und erhält auch gegenüber Lager und Krankheiten eine gute Einstufung. Lediglich das schwache hl-Gewicht gilt es zu beachten.

Zusammenfassung

Aufgrund der deutlich schwächeren Erträge des Sommerweizens gegenüber dem Winterweizen, was sich auch 2020 wieder gezeigt hat, wird die Anbaubedeutung weiterhin gering bleiben. Ein Anstieg im Anbau wird vor allem dann erfolgen, wenn der Sommerweizen aufgrund widriger Bedingungen als Ersatz für andere Kulturen fungieren muss. Für das Frühjahr 2021 können dies im Prinzip lediglich mögliche Auswinterungsschäden der bereits bestellten Winterungen sein. Hiervon ist nach derzeitigem Stand der Kulturen jedoch nicht unbedingt auszugehen.

 

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Carsten Rieckmann

Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte

 0511 3665-4357

  carsten.rieckmann~lwk-niedersachsen.de


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