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Webcode:01040664
Stand:03.06.2022

Unterschiedliche Lysingehalte in proteinreduzierter Endmast

Bei sehr niedrigen Rohproteingehalten in der Endmast treten bei Mastschweinen häufiger Minderleistungen auf. Versuche mit starker Rohproteinreduzierung und unterschiedlicher Aminosäurenversorgung zeigen nicht immer eindeutige Ergebnisse.

Reicht ein höherer Lysingehalt ab 80 kg Lebendgewicht aus, um möglichen Leistungseinbußen durch eine sehr niedrige Proteinversorgung vorzubeugen? Oder ist es ratsamer, den Proteingehalt in der Endmast erst ab 90 kg zu senken und den Lysingehalt nicht zu erhöhen? Und wie wirken sich unterschiedliche Aminosäurengehalte auf die Futterkosten aus? Diese Fragen wurden in einem Versuch der LWK Niedersachsen geprüft.

Mehr Aminosäuren ab 80 kg LG

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 112 Ferkel (Topigs Norsvin, Pietrain Select x Topigs TN 70) nach Gewicht und Geschlecht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Zweierbuchten gehalten. Die Tiere wurden dreiphasig gefüttert. In der Anfangsmast bis 60 kg erhielten beide Gruppen dasselbe Futter mit 16,5 % Rohprotein und 1,10 % Lysin. Das Mittelmastfutter mit 14 % Rohprotein und 0,90 % Lysin erhielt die Kontrollgruppe im Abschnitt von 60 bis 90 kg und die Versuchsgruppe im Abschnitt von 60 bis 80 kg. Das Endmastfutter mit 12,5 % Rohprotein unterschied sich nur im Aminosäurengehalt. So waren in der Kontrollgruppe 0,85 % Lysin und in der Versuchsgruppe 0,95 % Lysin geplant. Da die anderen essentiellen Aminosäuren in einem entsprechenden Verhältnis zum Lysin stehen, betrifft die Erhöhung nicht allein das Lysin.

Tabelle 1: Übersicht über die zwei Futtergruppen (Planungsdaten)

 

 

Kontrollgruppe

Versuchsgruppe

mehr Aminosäuren ab 80 kg

 

 

 

 

 

Mastabschnitt

 

kg

AM

 28-60

MM

60-90

EM

90-122

AM

28-60

MM

60-80

EM

80-122

Rohprotein

Lysin

Methionin

Methionin+Cystin                

Threonin

Tryptophan

Valin

Phosphor

ME

%

%

%

%

%

%

%

%

MJ/kg

16,5

1,10

0,30

0,61

0,72

0,20

0,75

0,50

13,2

14,0

0,90

0,25

0,52

0,59

0,17

0,64

0,45

13,0

12,5

0,85

0,24

0,49

0,56

0,16

0,59

0,42

12,8

16,5

1,10

0,30

0,61

0,72

0,20

0,75

0,50

13,2

14,0

0,90

0,25

0,52

0,59

0,17

0,64

0,45

13,0

12,5

0,95

0,28

0,53

0,62

0,18

0,65

0,42

12,8

                 

Während im Anfangs- und Mittelmastfutter eine Ergänzung nur der ersten vier Aminosäuren erfolgte, wurde im Endmastfutter zusätzlich Valin ergänzt. Die Pelletfütterung erfolgte ad libitum. Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 28 bis 124 kg. Zwischenwägungen wurden bei jedem Futterwechsel vorgenommen.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

AM

MM

EM Kontrolle

EM

mehr AS

 ab 80 kg

Rohprotein

Lysin

Methionin

Methionin + Cystin

Threonin

Valin

Phosphor

ME

Lysin/ME                             

%

%

%

%

%

%

%

MJ/kg

g/MJ

16,4

1,16

0,29

0,61

0,69

0,76

0,52

13,2

0,88

14,0

0,95

0,23

0,50

0,58

0,67

0,46

13,2

0,72

12,7

0,92

0,23

0,48

0,56

0,60

0,47

12,7

0,72

12,8

0,97

0,26

0,51

0,60

0,64

0,48

12,8

0,76

             

Die geplanten Gehalte wurden unter Berücksichtigung des Analysenspielraums mit zwei Ausnahmen (Phosphorgehalt in beiden EM-Futtern) bestätigt.

Tageszunahmen von mehr als 1000 g

Im Mittel lagen die Tageszunahmen bei 1029 g. In der Kontrollgruppe mit 0,85 % Lysin und 12,5 % Rohprotein ab 90 kg wurden 1023 g und in der Versuchsgruppe mit 0,95 % Lysin und Proteinreduzierung bereits ab 80 kg 1035 g Tageszunahmen erreicht. Der Futteraufwand je kg Zuwachs unterschied sich nicht signifikant (2,57 vs. 2,53 kg), dies traf ebenso für den täglichen Futterverbrauch zu (2,63 vs. 2,61 kg). In der Phase ab 80 bzw. 90 kg LG erzielten die Schweine sehr hohe Tageszunahmen von 1060 bzw. 1031 g. Die Schlachtkörper wurden nach AutoFOM klassifiziert. Die Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht betrugen 1,000 in der Kontroll- und 0,997 in der Versuchsgruppe. Weder in der Mastleistung noch in der Schlachtkörperbewertung traten gesicherte Unterschiede auf.

Tabelle 3: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Kontrollgruppe

 

Versuchsgruppe

mehr AS ab 80 kg LG

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Mastleistung bis 60 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

Mastleistung von 60 - 90 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

Mastleistung von 90 - 124 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs 

Mastleistung von 60 - 80 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

Mastleistung von 80 - 124 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs 

Mastleistung gesamt

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

 

 

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

56

27,7

124,2

 

1009

1,97

1,95

 

1046

2,86

2,75

 

1031

3,07

3,03

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1023

2,63

2,57

56

27,7

124,7

 

1013

1,98

1,97

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1031

2,53

2,45

 

1060

3,15

2,99

 

1035

2,61

2,53

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Speckmaß

Fleischmaß

Indexpunkte/kg

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

mm

mm

97,9

78,8

19,2

7,6

9,4

13,9

59,2

13,2

65,5

1,000

98,1

78,6

19,1

7,5

9,4

14,0

59,0

13,4

65,4

0,997

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruht auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum (Januar bis April 2022). Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 99,62 € und in der Versuchsgruppe (mehr Aminosäuren) bei 100,18 €. Daraus ergibt sich ein Kostenvorteil von 0,56 € je 100 kg Zuwachs zugunsten der Kontrollgruppe.

Nährstoffausscheidungen

Je Tier wurden folgende Stickstoff- und Phosphat-Ausscheidungen ermittelt:

Kontrollgruppe:                                                             3,10 kg N und 1,56 kg P2O5

Versuchsgruppe (mehr Aminosäuren ab 80 kg):     2,95 kg N und 1,54 kg P2O5

Somit schieden die Tiere der Versuchsgruppe, die schon ab 80 kg LG mit 12,5 % Rohprotein versorgt wurden, 5 % weniger Stickstoff und rund 1 % weniger Phosphor aus.

Fazit

In diesem Mastversuch mit einer Rohproteinreduzierung auf 12,5 % ab 80 bzw. 90 kg Lebendgewicht wurde der Effekt einer höheren Aminosäurenversorgung ab 80 kg geprüft. Der Lysingehalt wurde ab 80 kg LG auf 0,95 % erhöht, auch die übrigen erst limitierenden Aminosäuren wurden entsprechend den Aminosäurenrelationen angepasst. Die Kontrollgruppe wurde ab 90 kg mit 12,5 % Rohprotein und 0,85 % Lysin versorgt. Das Leistungsniveau lag im Mittel bei 1029 g Tageszunahmen, einem Futteraufwand je kg Zuwachs von 2,55 kg und Indexpunkten je kg Schlachtkörpergewicht von 1,000 bzw. 0,997. Im gesamten Versuch gab es keine signifikanten Unterschiede. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe um 0,56 € niedriger. Die in einigen früheren Versuchen mit einer Proteinreduzierung auf 12 % ab 80 kg aufgetretenen Leistungsminderungen konnten in diesem Versuch nicht bestätigt werden.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

 0511 3665-4479

  andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de


Wolfgang Vogt
Dipl.-Ing. agr.
Wolfgang Vogt

Leiter LPA Quakenbrück, Koordination Versuche Schwein

 05431 90309-12

  wolfgang.vogt~lwk-niedersachsen.de


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