Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!

Mehl oder Pellets für Schweine?

Webcode: 01040976 Stand: 02.09.2022

Steigenden Energiekosten verteuern auch die energieaufwändige Pelletherstellung. Da stellt sich schnell die Frage, ob die Kosten für pelletiertes Futter eingespart und statt Pellets nicht besser mehlförmiges Schweinefutter eingesetzt werden kann. Die bekannten Vorteile der Pelletfütterung stehen dem entgegen:

Bessere Futterhygiene und Fließfähigkeit, keine Staubbildung, keine Entmischung, geringeres Volumen, dadurch höhere Transportwürdigkeit, reduzierte Keimzahl u.a.

In der Praxis wird zudem ein Vorteil in der höheren Futteraufnahme von Pellets gegenüber Mehl gesehen. Andererseits speicheln die Schweine bei Mehlfütterung mehr ein, und die Fressgeschwindigkeit ist geringer, so dass die Tiere etwas länger beschäftigt sind.

 

Lohnt sich die Pelletierung? Gibt es tatsächlich Leistungsdifferenzen zwischen den unterschiedlichen Futterkörnungen?  Dazu liegen kaum neuere Ergebnisse vor. In der LPA Quakenbrück führte die LWK Niedersachsen zwei Erprobungen durch. Mastschweine der Herkunft PI x Danhybrid wurden in Einzelbuchten gehalten und erhielten einphasiges LPA-Futter als Mehl, Krümel oder Pellet ad libitum über Trockenfutterautomaten. Die Tabelle 1 weist nur Rohdaten auf, so dass keine Aussagen über Signifikanzen getroffen werden können.

 

Tabelle 1:  Unterschiedliche Futterkörnungen (LWK Niedersachsen, 2015)

Durchgang 1

 

Mehl

Krümel

Pellets

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Indexpunkte je kg SG

 

kg

kg

 g

kg

kg

kg

%

 

12

29,6

127,3

1024

2,63

2,69

99,4

78,1

1,010

11

29,2

127,5

1043

2,43

2,53

100,5

78,9

1,000

11

28,8

126,0

1089

2,33

2,52

98,2

77,9

1,018

Durchgang 2

 

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Indexpunkte je kg SG

 

kg

kg

 g

kg

kg

kg

%

12

25,3

124,8

952

2,78

2,64

96,5

77,4

0,950

12

25,7

124,8

989

2,48

2,45

98,2

78,7

0,989

12

25,6

124,8

1006

2,36

2,37

96,9

77,6

0,970

 

Die Tageszunahmen der mehlförmig gefütterten Tiere lagen unter denen der Gruppen mit Krümel-bzw. Pelletfutter. Beim Futteraufwand/kg Zuwachs schnitten die beiden letztgenannten Gruppen günstiger ab. Eine vollständige Erfassung der Futterverluste war schwierig. In den beiden Durchgängen war aber zu erkennen, dass die Verluste bei Mehlfütterung deutlich höher als bei Pelletfütterung lagen. Dies dürfte auch größtenteils die Ursache für den höheren täglichen Futterverbrauch sein.

 

Ferkel- und Mastversuch in Haus Düsse

Im Jahr 2009 wurde in Haus Düsse ein Ferkelversuch mit mehlförmigem und pelletiertem Futter durchgeführt. Die Tiere wurden 41 Tage an Brei- und Trockenautomaten mit mehlförmigem bzw. pelletiertem Futter versorgt. Es wurden keine signifikanten Leistungsunterschiede festgestellt.

 

Tabelle 2: Mehl und Pellets im Ferkelversuch (LWK NRW, 2009)

 

Mehl

Pellets

Tageszunahmen                            g

Futterverbrauch/Tag                    g

Futteraufwand/kg Zuwachs      kg

423

659

1,57

442

632

1,43

 

Im Düsser Mastversuch wurden Tiere der Herkunft Topigs und Westhybrid in Einzelbuchten auf Teilspaltenboden gehalten und einmal täglich rationiert gefüttert. Futterverluste konnten nicht erfasst werden (Tabelle 3).

 

Auch in diesem Versuch war die Mastleistung der mit Mehlfutter versorgten Tiere schlechter. Ihr geringeres Schlachtkörpergewicht hatte eine niedrigere Schlachtausbeute zur Folge. Allerdings wiesen diese Schweine einen höheren Bauchfleischanteil auf als die mit Krümeln gefütterten Tiere. Unterschiede in den Indexgewichten bestanden nicht. Die mit Pellets gefütterte Gruppe erzielte gegenüber den mit Mehlfutter versorgten Tieren einen um 3,20 € höheren Überschuss über die Futterkosten.

 

Tabelle 3:  Mehl, Krümel und Pellets im Mastversuch (LWK NRW, 2008)

 

 

Mehl

Krümel

Pellets

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

MFA Bauch

Indexpunkte je kg SG

Überschuss über Futterkosten

 

kg

kg

 g

kg

kg

%

%

 

60

26,6

119,8

821c

2,71b

93,4b

78,0b

53,0a

0,99

97,6

63

26,5

119,9

849b

2,60a

94,7a

79,0a

51,3b

0,98

98,1

62

26,6

119,9

881a

2,52a

94,4ab

78,8a

51,9ab

0,99

100,8

a,b,c: Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Differenzen.

 

Festzuhalten bleibt, dass in den drei Untersuchungen die Mastleistung der Tiere mit Pelletfütterung am höchsten war. Der höhere Futteraufwand/kg Zuwachs der mit Mehlfutter versorgten Schweine dürfte zu einem Großteil auf die Futterverluste zurückzuführen sein.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

0511 3665-4479

andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de

Wolfgang Vogt
Dipl.-Ing. agr.
Wolfgang Vogt

Leiter LPA Quakenbrück, Koordination Versuche Schwein

05431 90309-12

0152 5478 2062

wolfgang.vogt~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

Hohe Sonnenblumenkuchenanteile im Öko-Mastversuch

In ökologisch wirtschaftenden Schweinebetrieben sind Ölkuchen, wie z.B. Sonnenblumenkuchen, als Eiweißfutter weit verbreitet. Bei höheren Anteilen steigt aber auch der Fettgehalt und der Anteil mehrfach ungesättigter Fetts&…

Mehr lesen...
Ratgeber Schweinefütterung

Neuerscheinung: Ratgeber Schweinefütterung

Der Ratgeber Schweinefütterung, im November 2022 erstmalig von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit Unterstützung des Futterberatungsdienstes Niedersachsen e.V. herausgegeben, enthält neben Grundlagen zur Ernährung des …

Mehr lesen...

CCM-Qualität 2022 – erste Ergebnisse

Die LUFA Nord-West hat bisher knapp 300 CCM-Proben untersucht. Der Stärkegehalt ist mit 70,5 % der TS gegenüber dem Vorjahr (71,7 %) gesunken, der Energiegehalt hat sich kaum verändert. Das diesjährige CCM ist sehr trocken und &…

Mehr lesen...

Getreidepreise Januar - Dezember

Als Richtwerte schlagen wir die vom Fachbereich 3.1 der Landwirtschaftskammer vorläufig geschätzten Getreidepreise (netto) in €/100 kg für die Futterkostenberechnung vor.

Mehr lesen...

Ferkelfutter von April bis Juni 2022 überprüft

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen teilt mit, dass der Verein Futtermitteltest sieben Ferkelaufzuchtfutter I im 2. Quartal 2022 überprüft hat. Der Test umfasste Produkte von sieben Herstellern. Die FAZ waren mit 13,2 bis 13,8 MJ ME/kg,…

Mehr lesen...

Sauenfutter von April bis Juni 2022 überprüft

Die LWK Niedersachsen teilt mit, dass der Verein Futtermitteltest neun Sauenalleinfutter, und zwar fünf Futter für säugende und vier für tragende Sauen, im 2. Quartal 2022 überprüft hat. Die Laktationsfutter waren mit 12…

Mehr lesen...

Veranstaltungen

/media/media/392E23E5-0788-24D0-CE9D95F68D08FD91.jpg

Tierwohl steigern – Perspektiven der Umstellung auf ökologische Schweinehaltung

17.01.2023

Welche Kriterien und Vorgaben stecken eigentlich hinter der ökologischen Haltung? Und welche Perspektiven kann mir eine Umstellung auf ökologische Haltung für meinen Betrieb und das Tierwohl bieten? Das erklären Steffen Dö…

Mehr lesen...