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Zuckerrüben für Biogas - Sortenempfehlung und Aktuelles zum Anbau

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Der Artikel behandelt die Nutzung von Zuckerrüben in Biogasanlagen und deren Anbaumanagement. Aufgrund neuer Regelungen zur Begrenzung des Maisanteils in Biogasanlagen gewinnen Zuckerrüben an Bedeutung. Sie verbessern Fruchtfolgen und fördern die Vergärung schwerer Substrate. Herausforderungen im Anbau ergeben sich durch Unkrautresistenzen und Krankheiten. Die Sortenwahl ist entscheidend, um Pflanzenschutzmittel zu sparen und Erträge abzusichern. Blattgesunde Sorten und eine angepasste Unkrautbekämpfungsstrategie sind wichtig. Organische Dünger eignen sich gut für Zuckerrüben, um den Stickstoffbedarf effizient zu decken.

Zuckerrüben für die Biogasanlage
Sortenwahl und Anbaumanagement 
 

Sortenunterschiede beim Cercosporabefall
Sortenunterschiede beim CercosporabefallDr. Bernhard Werner
Zuckerrüben werden erfolgreich in Biogasanlagen eingesetzt und könnten künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Bei Neuausschreibungen ab diesem Jahr wird der Maisanteil incl. Getreidekorn auf 25 % begrenzt. In Verbindung mit dann u. U. steigenden Mistanteilen wirken die Zuckerrüben aufgrund Ihres hohen Wassergehaltes positiv. Nebenbei tragen sie in maisbetonten Fruchtfolgen dazu bei, die Anforderungen an den Fruchtwechsel nach § 18 der GAP KondV zu erfüllen. Ein sinkendes Angebot an probaten Wirkstoffen auf der einen und eine fortschreitende Resistenzentwicklung der Unkräuter, Krankheitserreger oder Schädlinge auf der anderen Seite sowie neue Schaderreger stellen den Zuckerrübenanbau jedoch vor Herausforderungen.

Mit der Verwendung von Zuckerrüben in Biogasanlagen findet der Zuckerrübenanbau auch auf Betrieben außerhalb der klassischen Anbaugebiete statt. Insbesondere für diese Landwirtinnen und Landwirte werden die wichtigsten Aspekte und Neuerungen, die den Zuckerrübenanbau 2026 betreffen, in diesem Artikel dargestellt. Bitte beachten Sie die detaillierten Beratungshinweise und Behandlungsempfehlungen z.B. der Bezirksstellen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen während der Saison und in dieser Zeitung. Auch wenn der Pflanzenschutz bei der Zuckerrübenproduktion einer besonderen Aufmerksamkeit bedarf, sprechen viele Aspekte für die Integration von Zuckerrüben in Biogasfruchtfolgen.

Die Vorteile der Zuckerrübe in Biogasfruchtfolgen auf einen Blick:

  • Auflockerung maisbetonter Fruchtfolgen
  • Booster in der Biogasanlage, durch ihren hohen Wasseranteil fördert sie die Vergärung schwervergärbarer Substrate wie Mist oder Maissilagen mit hoher TS
  • Effizienter Stickstoffeinsatz bei gleichzeitig effektiver Ausnutzung organischer Düngemittel
  • Entzerrung von Arbeitsspitzen

Durch die richtige Sorte Pflanzenschutz einsparen und Erträge steigern 

Spätestens jetzt steht die Entscheidung zur Sortenwahl an, wobei folgende Punkte besonders zu berücksichtigen sind:

  • Ertragsleistung der Sorte
  • Nematodenbelastung der Fläche
  • Befallssituation mit Blattkrankheiten (Erfahrungen aus Vorjahren)
  • Unkrautdruck auf der Fläche
  • Etwaige Resistenzen der Unkräuter gegen Herbizide
  • Saatgutpreis
  • Saatgutverfügbarkeit

Die dreijährigen Versuchsergebnisse der Zuckerrübensorten wurden in der ersten Ausgabe der Land und Forst 2026 durch Stephen Baumgarten von der ARGE NORD bereits eingehend vorgestellt und besprochen. Die zuckerertragsreichsten Sorten sind auch die besten Sorten für die Biogasanlage, sofern keine weiteren Sorteneigenschaften berücksichtigt werden müssen. Das liegt daran, dass der Trockensubstanzertrag, der für die Nutzung in der Biogasanlage sehr wichtig ist, eng mit dem Zuckerertrag korreliert.

Aufgrund der schwieriger werdenden Bekämpfungssituation bei Cercospora beticola werden blattgesunde Sorten immer wichtiger. Durch deren Verwendung wird ein wichtiger Baustein des integrierten Pflanzenschutzes erfüllt. Die Sortenempfehlungen leiten sich aus den Ergebnissen der über das Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen (IfZ) koordinierten Sortenversuchen und der Sorteneinstufungen durch das Bundessortenamt ab. Seit 2024 werden die Zuckerrübensortenversuche mit reduziertem Fungizideinsatz durchgeführt. Die Ergebnisse werden sowohl über alle Standorte gemittelt als auch getrennt nach starkem bzw. schwachem Befall mit Blattkrankheiten, insbes. Cercospora, dargestellt. Je nach zu erwartender Befallssituation kann die Sortenempfehlung somit unterschiedlich ausfallen. Im Segment der rizomaniatoleranten Sorten ohne Nematodentoleranz zeigen die Sorten Ludovica KWS, BTS 2030 sowie Annedora KWS sowohl im Gesamtergebnis als auch bei starkem Befallsdruck die besten Zuckererträge. Diese Sorten kombinieren die hohe Zuckerertragsleistung mit einer Cercospora-Toleranz. Durch ihre hohen Zuckergehalte bieten sich beispielsweise Rigoletto und Calledia KWS auch für einen frühen Erntetermin an.

Ergebnis Sortenversuche Zuckerrüben 2023 bis 2025 Ergebnis Sortenversuche Zuckerrüben 2023 bis 2025

 

Ist ein Befall mit Nematoden auf der Fläche vorhanden oder zu erwarten, empfiehlt sich ab einer Belastung mit 50 Eiern und Larven pro 100 g Boden der Anbau von nematodentoleranten Sorten. Die nematodentoleranten Sorten werden zum einen in den Sortenversuchen auf Standorten ohne Nematodenfall geprüft und hier unter einem reduzierten Fungizideinsatz getestet. Zum anderen werden sie auf Standorten mit Nematodenbefall ebenfalls getestet, dort aber maximal gesund gehalten. So können sie hier Ihre Leistung möglichst unbeeinflusst von Blattkrankheiten unter Beweis stellen. Die Sorten BTS 6975 N und Bombina sowie Smart Adiella KWS als Conviso-Sorte überzeugen hier besonders. Sehr gut schneiden auch die Sorten Marabella KWS, Brabanter und Francina KWS ab, von denen jedoch kein Saatgut zum Anbau 2026 zur Verfügung steht.

 

Einige Züchter bieten spezielle Sorten zur Biogasnutzung an. Diese Sorten zeichnen sich unter anderem durch einen glatten Rübenkörper aus, sodass ein geringerer Erdanhang bei der Ernte zu erwarten ist. Bei der Sortenwahl ist jedoch zu beachten, dass nicht jede Sorte (z. B. EU-Sorten) das deutsche Prüfsystem durchlaufen hat und somit nicht immer vergleichbare Zahlen vorliegen.

Sortenempfehlung Zuckerrüben
Sortenempfehlung ZuckerrübenAnnette Hoffmann

 

In Maisfruchtfolgen auf Rhizoctonia achten

 

Fruchtfolgen mit einem Anbau von Zuckerrüben und Mais erhöhen das Risiko der Infektion mit der späten Rübenfäule (Rhizoctonia solani). Besonders in engen Mais-Rübenfruchtfolgen und bei der direkten Folge der Zuckerrübe nach Mais steigt die Infektionsgefahr. Eine Infektion mit diesem bodenbürtigen Pilz kann zu erheblichen Ertragsausfällen führen und wird durch das nesterweise Absterben der Zuckerrüben ersichtlich. Eine direkte Bekämpfung des Pilzes ist nicht möglich. Idealerweise erfolgt der Anbau der Zuckerrübe nicht unmittelbar nach Mais, sondern nach einem Getreide, was zusätzlich den Anbau einer Zwischenfrucht erleichtert. Hier gilt es jedoch, auf Phacelia zu verzichten, da diese weiter zu einer Vermehrung von Rhizoctonia beitragen kann. Besonders begünstigend wirken sich feuchte Bodenbedingungen, Bodenverdichtung (z. B. in Fahrspuren) und der hohe Einsatz von organischen Düngern (insbesondere Mist) auf den Befall aus. Ist ein Befall zu erwarten, sollte der Anbau von Sorten, die über eine Rhizoctoniatoleranz verfügen, erfolgen. Im Nematodensegment ist hier die Sorte BTS 3645 RHC zu nennen und bei den Normalsorten überzeugt die neue Sorte BTS 6685 RHC (kein Saatgut verfügbar), die neben der Rhizoctoniatoleranz auch über eine gute Cercosporatoleranz verfügt.  Alternativ kann auch die Sorte BTS 6000 RHC zum Einsatz kommen.

Unkrautbekämpfung 

Sollte die Altverunkrautung so stark sein, dass eine Bodenbearbeitung zur Beseitigung nicht ausreicht, kann das Unkraut vor der Bodenbearbeitung durch eine Glyphosatmaßnahme beseitigt werden.

Für den Herbizideinsatz in Zuckerrüben sind Einzelwirkstoffprodukte sowie Wirkstoffkombinationen erhältlich. Als Kombinationsprodukte stehen z. B. Belvedere Duo (200 g/l Phenmedipham, 200 g/l Ethofumesat) und Betanal Tandem zur Verfügung. 2026 steht zusätzlich das neue Kombinationsprodukt Wizard (125 g/l Phenmedipham, 125 g/l Ethofumesat) zur Verfügung. Empfohlen wird Wizard mit 3 x 1,8 l/ha in Kombination mit weiteren Herbiziden. Die Vielfalt der reinen Metamitron-Produkte ist größer geworden, somit stehen zahlreiche Mittel zur Auswahl. Der Wirkstoff Quinmerac ist u. a. in den Produkten Goltix Titan (525 g/l Metamitron, 40 g/l Quinmerac) und Glotron Neo (571 g/l Metamitron, 71 g/l Quinmerac) enthalten. Das Herbizid Rinpode (Wirkstoff Florpyrauxinfen-benzyl) ist seit 2026 ebenfalls zugelassen und wirkt besonders auf Weißen Gänsefuß, Bingelkraut und Hundspetersilie. Welche Herbizidstrategie auf der Fläche zur Anwendung kommt, hängt von der Leitverunkrautung und der vorherrschenden Witterung ab.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Herbizidstrategie stellt das CONVISO®-System auf Flächen mit Problemverunkrautung, wie resistentem Gänsefuß, eine Alternative dar. Eine intensive Beratung zur Eignung und Notwendigkeit des CONVISO®-Systems wird angeraten, da ein umfassendes Resistenzmanagement zu beachten ist. Aufgrund einer Drainauflage ist die volle Aufwandmenge auf drainierten Flächen nur als Bandspritzung möglich, während dort eine Flächenspritzung nur mit reduzierten Aufwandmengen erfolgen kann. Das Herbizid Conviso® One wird z.B. mit den „Smart-Sorten“ wie Smart Adiella KWS oder Smart Herma KWS im Nematodensegment oder Smart Mirea KWS bei den Normalsorten geliefert und darf nur in diesen Sorten eingesetzt werden. Mit dem Ziel, das Sortenspektrum an Conviso-Sorten zu erweitern, wurden auch EU-Sorten geprüft. Mittlerweile liegen dreijährige Ergebnisse vor. Ertraglich interessant aus dem Vergleich sind u. a. die Sorten BTS Smart 4825 (Normalsorte) und die BTS Smart 9775 N als nematodentolerante Sorte. Bei einem Anbau von Sorten mit und ohne ALS-Hemmertoleranz in einem Betrieb müssen eine strikte Saatguttrennung und die Spritzenreinigung oberste Priorität haben!  Schosser sind konsequent aus den Beständen zu entfernen, da Convisorüben mit ALS-Hemmern in anderen Kulturen nicht bekämpft werden können.

Die chemische Unkrautbekämpfung lässt sich in vielen Fällen gut mit mechanischen Verfahren kombinieren. Ermöglicht wird dieses durch den technologischen Fortschritt und die zunehmende Verbreitung dieser Geräte in der Fläche. Erosionsgefahr, Restverunkrautung, Hangneigung und Steine lassen die mechanische Unkrautbekämpfung jedoch in Teilen an ihre Grenzen stoßen.

Virusvektoren im Blick behalten 

Die verfügbaren Beizausstattungen der Zuckerrübe bieten einerseits einen Schutz gegen Pilzerkrankungen des jungen Keimlings (Rampart (Wirkstoff Penthiopyrad) oder Vibrance 500 FS (Wirkstoff Sedaxane)), beide in Kombination mit Tachigaren. Andererseits wirkt die Beize Force 20 CS (Wirkstoff Tefluthrin) gegen bodenbürtige Schädlinge wie Springschwänze und Drahtwürmer. Ein Teilwirkung gegen oberirdische Schaderreger wie den Moosknopfkäfer kann ab der Aussaat 2026 durch die insektizide Saatgutbehandlung Buteo Start (Wirkstoff Flupyradifurone) erfolgen. Der Wirkstoff wird von der Pflanze aufgenommen und systemisch in ihr verteilt. Buteo Start hat eine Zulassung gegen Moosknopfkäfer, Rübenerdflöhe und Rübenfliege. Auch eine Teilwirkung gegen Blattläuse besteht bis zum 4-Blattstadium der Zuckerrübe. In Deutschland wurde Buteo Start mit einer Drainauflage zugelassen. Ebenso ist die Aussaat mit pneumatischen Sägeräten sowie bei Windgeschwindigkeiten > 5 m / sec. nicht erlaubt.

Zur Vermeidung von Virusinfektionen ist eine umfassende Bestandeskontrolle auf die Vektoren grüne Pfirsichblattlaus und schwarze Bohnenlaus notwendig. Da Blattläuse versteckt in den Herzblättern oder an den Blattunterseiten sitzen, sind die teilsystemisch wirkenden Insektizide Teppeki und Alakazam 500 WG/Velmeri 500 WG die einzigen zugelassenen Produkte, die eine gute Wirkung erwarten lassen. Der enthaltene Wirkstoff Flonicamid weist eine gute Dauerwirkung auf. Die Zulassung von Teppeki besteht allerdings erst ab dem 6-Blattstadium der Zuckerrübe gegen Blattläuse, Alakazam 500 WG/Velmeri 500 WG sind bereits ab BBCH 12 zugelassen. Die Aufwandmenge beträgt jeweils 140 g/ha.

Bei einem starken Auftreten von Nützlingen kann gegebenenfalls durch die natürliche Reduktion auf den Einsatz von Insektiziden verzichtet werden. Um die Leistung der Nützlinge besser beurteilen zu können, empfiehlt sich eine Bestandeskontrolle im Abstand von wenigen Tagen. Eine Insektizidanwendung sollte nur erfolgen, wenn die Bekämpfungsschwellen erreicht sind. Nutzen Sie dazu gerne auch den Blattlauswarndienst der Landwirtschaftskammer sowie die Hinweise auf www.isip.de.

Die Schilf-Glasflügelzikade und die von ihr übertragenen bakteriellen Krankheiten SBR (Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus) und Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani) stellen seit einigen Jahren eine zunehmende Herausforderung für den deutschen Zuckerrübenanbau dar. Diese Krankheiten führen zu Gelbverfärbungen, Welkeerscheinungen und einer gummiartigen Konsistenz der Rüben, was erhebliche Ertragsverluste und Verarbeitungsprobleme zur Folge hat. Der Lebenszyklus der Zikade erschwert ihre Bekämpfung: Sie fliegt von Mai bis Oktober aus Vorjahresfeldern in die Zuckerrübenbestände ein, wo sie an den Blättern saugt und dabei die Krankheitserreger überträgt. In Niedersachsen erfolgt seit 2024 ein flächendeckendes Monitoring zur Erfassung der Zikade. Die aktuellen Fangzahlen können unter www.isip.de eingesehen werden. Für 2026 werden erneut Notfallzulassungen für Insektizide in Zuckerrüben und Pflanzkartoffeln erwartet. Behandlungen mit Insektiziden werden in der Zuckerrübe voraussichtlich nur in Hotspotregionen, also Regionen mit erheblichem Befall genehmigt. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird über die aktuelle Situation informieren.

Blattgesundheit sicherstellen

Ein wichtiger Baustein zur Vermeidung von Blattkrankheiten ist die Sortenwahl. Zu beachten ist, dass sich die Krankheitstoleranz einer Sorte in erster Linie auf Cercospora bezieht. Aber auch bei der Anfälligkeit gegen Ramularia, Mehltau und Rost gibt es deutliche Sortenunterschiede. Bestandeskontrollen sind auf allen Rübeschlägen, auch in toleranen Sorten, unerlässlich; sie bieten dem Landwirt gute Informationen zum Befall, Fungizidapplikation können teilweise gespart und optimal terminiert werden. Cercosporatolerante Sorten bewirken einen mitunter späteren Krankheitsbeginn und einen etwas langsameren und weniger starken Krankheitsverlauf. Die unterschiedlichen Anfälligkeiten der Sorten gegenüber Cercospora und Mehltau sind den Sortenergebnissen zu entnehmen. Darüber hinaus haben Zuckerrübenfruchtfolge und -anbaudichte in der Region, die Witterung, die Beregnung und auch abiotischer Pflanzenstress einen erheblichen Einfluss auf das Erstauftreten und den Epidemieverlauf von Blattkrankheiten.

Zur Bekämpfung von pilzlichen Schaderregern stehen neben den Strobilurinen und dem Kontaktmittel Schwefel verschiedene Azole zur Verfügung, Difenoconazol (Score), Mefentrifluconazol (Diadem), Metconazol (Panorama), Prothioconazol (Propulse, Panorama, Cortina, Maganic) sowie Tetraconazol (Domark). Durch die Zulassung von Diadem und Propulse sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Carboxamide hinzugekommen. Die Wirksamkeit der zugelassenen Fungizide gegen die bedeutendste Krankheit, Cercospora beticola, sind eingeschränkt. Gegen die Strobilurine sind bei Cercospora inzwischen flächendeckend Resistenzen vorhanden. Die beste Wirkung erzielen zurzeit alle Mittel mit dem Wirkstoff Prothioconazol. Voraussichtlich stehen 2026 wie auch in den letzten Jahren verschiedene kupferhaltige Fungizide durch zeitlich begrenzte Notfallzulassungen zur Verfügung. Eine Zugabe von Kupferpräparaten als Kontaktmittel kann bei der Bekämpfung nützlich sein und das Resistenzmanagements verbessern. Auch hier gilt es, wie bei dem Einsatz von Insektiziden, die gültigen Bekämpfungsschwellen zu beachten.

Einsparpotential und Eignung organischer Dünger nutzen 

In langjährig durchgeführten Untersuchungen zur Auswirkung der Stickstoffdüngung auf ertragsbildende Faktoren zeigt die Zuckerrübe, dass sie Stickstoff effektiv ausnutzen kann. Häufig wird in Versuchen auch schon mit einer um 20 – 40 kg N/ha reduzierten Düngung ein Zuckerertrag auf dem Niveau der Bedarfswertdüngung erzielt, wenn die Mineralisierung den fehlenden Anteil ausgleicht.. Das funktioniert also immer nur dann gut, wenn die Mineralisierung im Boden unter warmen, leicht feuchten Bedingungen auf einem hohen Niveau abläuft. Zur Bedarfswertermittlung gilt es, den standortspezifischen Nmin-Wert zu berücksichtigen. Dieser unterliegt zu Vegetationsbeginn bedingt durch Bodenart und Anbausystem starken Schwankungen. Während leichte Böden zu Vegetationsbeginn in der Regel kaum einen Nmin-Wert von über 30 kg N/ha aufweisen, kann dieser auf nachlieferungsstarken Standorten bis zu 100 kg N/ha betragen. Der Vollzug der zusätzlichen Auflagen der Bundes- und Landesdüngeverordnungen in den ausgewiesenen nitratbelasteten und eutrophierten Gebieten wird bis auf weiteres ausgesetzt, somit entfällt im Jahr 2026 die verpflichtende Nmin-Beprobung für die roten Gebiete. Außerhalb dieser Gebiete können ohnehin immer die von der LWK veröffentlichten Nmin-Richtwerte genutzt werden. Im Gegensatz zu den Richtwerten bilden schlagspezifische Nmin-Analysen die Auswirkungen des Zwischenfruchtanbaus und vorjähriger eingesetzter organischer Dünger jedoch genauer ab und erhöhen so die Genauigkeit der Düngebedarfsermittlung. Eigene Nmin-Proben sind aus pflanzenbaulicher Sicht also immer genauer als Richtwerte. Bei einer hohen Mineralisationsrate können in der Zuckerrübe Stickstoffdüngemengen gespart werden. Daher empfiehlt sich die Nutzung eigener Nmin-Untersuchungen. Während Zwischenfrüchte auf leichten Standorten durch die Bindung von Nährstoffen deren Verlagerung und Auswaschung reduzieren, überwiegt auf schweren (nachlieferungsstarken) Böden nach Zwischenfrüchten durch die Nährstoffbindung häufig ein niedrigerer Frühjahres-Nmin-Wert als in Varianten nach Strohmulch.

Durch ihre lange Vegetationszeit eignen sich Zuckerrüben hervorragend für den Einsatz organischer Dünger und bieten dadurch die Möglichkeit, den N-Bedarf vollständig durch Wirtschaftsdünger zu decken. Eine mineralische Ergänzung als Startgabe in Höhe von 30 – 40 kg N/ha wird auf Flächen, die nicht langjährig organisch gedüngt werden, empfohlen. Auf eine verlustarme Ausbringung der organischen Dünger und eine umgehende Einarbeitung binnen einer Stunde ist zu achten. Während die Mindestwirksamkeit (nach DüV) des Stickstoffs aus flüssigen Gärresten 60 % des Gesamt-N-Gehaltes beträgt, kann unter guten Bedingungen (emissionsarme Ausbringung bzw. direkte Einarbeitung, ausreichende Bodenfeuchte bzw. folgende Niederschläge) mit einer tatsächlichen Wirksamkeit von 70 % kalkuliert werden (bei einer Ausbringung von 20 m³/ha mit einem N-Gehalt von 5 % entspricht das 70 kg N/ha verfügbarer Stickstoff). Die mit der Organik ausgebrachten Mengen an P und K können zu 100 % angerechnet werden.

Schnell gelesen:

  • maisbetonte Fruchtfolgen durch Zuckerrüben nach Getreide und Zwischenfruchtanbau vielfältiger gestalten
  • zuckerertragsstarke Rübensorten auch für Biogas interessant
  • durch Anbau gesunder Sorten Blattkrankheiten entgegenwirken
  • eigene Nmin-Ergebnisse helfen, Stickstoffdünger effizient einzusetzen
  • organische Dünger zu Zuckerrüben gut geeignet

 

Stand: Januar 2026