Die Hauptfrucht soll durch die Düngung bedarfsgerecht mit Nährstoffen versorgt werden. „So viel wie nötig – so wenig wie möglich“ ist angesichts hoher Stickstoffpreise ein alter und gleichzeitig aktueller Grundsatz. Bei der Stickstoffdüngung ist der Bedarfswert u. a. um den Nmin-Wert zu reduzieren. Hierzu können Richtwerte herangezogen werden, die den Mittelwert aller plausiblen Proben darstellen.
Die Einzelergebnisse schwanken allerdings: in vielen Fällen über- aber auch unterschätzen diese Richtwerte also die tatsächliche N-Versorgung einer Fläche. Gewissheit gibt daher nur eine eigene Nmin-Probe, die terminlich möglichst nah am geplanten Aussaat- bzw. Düngungstermin der Hauptkultur gezogen wird. Die Werte sind stark jahresabhängig. Dies zeigt eindrucksvoll ein Blick auf die diesjährigen Nmin-Ergebnisse im Vergleich zu den Vorjahren aus einer dreijährigen Versuchsserie zum Zuckerrübenanbau nach Zwischenfrüchten auf nachlieferungsstarken Böden. Der Versuch geht der Frage nach, mit welcher Kombination von Zwischenfruchtaussaat und Management des Zwischenfruchtbestandes die besten Zuckererträge im Vergleich zum Strohmulchsystem erzielt werden können.

Auf leichten, auswaschungsgefährdeten Standorten gibt es keine Argumente, die vor Sommerungen gegen den Zwischenfruchtanbau sprechen. Auf schweren Böden steht der Zwischenfruchtanbau jedoch in Konkurrenz zum Strohmulchverfahren bzw. zur Winterfurche. Auf nachlieferungsstarken und wenig auswaschungsgefährdeten Böden ist in der Vergangenheit besonders in trockeneren Wintern eine Vorzüglichkeit des Strohmulches hinsichtlich der Ertragsleistung der Folgefrucht Zuckerrübe zu verzeichnen gewesen. Anders als auf leichten Standorten liegen die Frühjahrs-Nmin-Werte, die in der Düngebedarfsermittlung (DBE) zum Abzug gebracht werden, auf diesen Standorten nach Strohmulch häufig höher als nach einer Zwischenfrucht. Das hat geringere erforderliche N-Düngermengen bei gleichem oder oft auch höherem Ertragsniveau zur Folge. Nach dem nassen Winter 2023/24 lagen die Nmin-Werte im März nach Strohmulch allerdings auch auf den besseren Böden z. T. unter denen nach Zwischenfrüchten, was auch auf diesen Standorten in dieser Situation auf eine Stickstoff-Verlagerung in tiefere Schichten schließen ließ (Abbildung 1). Um diesem Risiko vorzubeugen, kann der Zwischenfruchtanbau auch auf den schweren Böden mit entsprechendem Umbruch eine Art Versicherung sein. Als Kalkulationsbasis für die notwendige N-Düngermenge zu den Zuckerrüben lohnt es sich, genau hinzuschauen und durch eine eigene Nmin-Untersuchung Klarheit über die Höhe des bereits mineralisierten Stickstoffs zu erlangen.

Dieser Frage widmet sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen seit mehreren Jahren und nunmehr im dritten und abschließenden Versuchsjahr in einer Exaktversuchsserie. An den drei unterschiedlichen Lehm-Standorten wurde eine Mischung aus 70 % Ölrettich und 30 % Sommerwicke mit einer Saatstärke von 60 kg/ha mit verschiedenen Verfahren und sich daraus ergebenden Terminen ausgebracht. Über Winter wurde die Zwischenfrucht an zwei Terminen gemulcht und – wo die Bodenbedingungen es zuließen - gegrubbert. Eine weitere Variante blieb ohne Bearbeitung bis zur Zuckerrübenaussaat stehen. Im November 2025 erfolgte eine Nmin-Beprobung sowie die Ermittlung des Aufwuchses (Trockenmasseertrag und Stickstoffaufnahme). Eine weitere Nmin-Beprobung fand um den 10. März 2026 statt. In der Folge werden Zuckerrüben angebaut, die nur eine geringe mineralische Startdüngung in Höhe von 50 kg N/ha erhalten. So kann jede Variante Ihre N-Nachlieferung aus dem Boden und die Auswirkung auf die Ertragsergebnisse der Zuckerrüben unter Beweis stellen.
Den Tabellen 2-4 sind die detaillierten Nmin-Werte von den Standorten Barum, Höckelheim und Koldingen im März 2026 zu entnehmen. Beim Blick auf Abbildung 1 wird ersichtlich, dass die Werte nach Zwischenfruchtanbau für die Düngesaison 2026 (dargestellt durch Dreiecke) im mehrjährigen Vergleich im unteren Bereich liegen, während sie in den Vorjahren (Rauten für 2024 und Kreise für 2025) höher lagen. Als Grund ist die geringere Stickstoffaufnahme der Zwischenfruchtbestände vor Winter aufgrund der kühlen aber trockenen Herbstwitterung anzusehen. Lediglich nach Strohmulch finden wir im Schnitt der drei Versuchsjahre und drei Standorte 2026 höhere Nmin-Werte als in den Vorjahren. In Abbildung 2 (N-Aufnahme der Zwischenfrucht) werden die Jahresunterschiede ebenfalls deutlich.
Nach zwei für die Versuchsanlage günstigen, weil ausreichend feuchten, Sommern 2023 und 2024 erfolgte die Zwischenfruchtaussaat 2025 in einer von Trockenheit geprägten Phase. Dies war in vielen Regionen Niedersachsens der Fall und betraf auch die Versuchsstandorte. Die Bestände konnten sich häufig nur unzureichend entwickeln und gingen früh in die generative Phase über. Demensprechend wurden 2025 die niedrigsten N-Aufnahmen der Bestände ermittelt (Abbildung 2). Die Nmin-Werte vor Winter nach diesen Zwischenfruchtbeständen lagen auf dem angestrebt niedrigen Niveau (Abbildung 3).
Bei Betrachtung der März-Nmin-Werte auf den betrachteten Lehmstandorten lässt sich feststellen, dass innerhalb der einzelnen Saatvarianten der Zwischenfrucht der Nmin-Wert umso höher liegt, je früher die Zwischenfrucht umgebrochen wurde. Ein Einfluss des Saattermins ist ebenfalls zu erkennen: Je früher die Zwischenfrucht ausgesät und somit eine höhere N-Aufnahme erzielt wurde, umso höher ist der März-Nmin-Wert. Allerdings ist die tatsächliche Höhe von den Niederschlagsmengen im Winter und etwaigen Verlagerungen des Stickstoffs in tiefere Bodenschichten und der Temperatur abhängig. Wird eine Strohmulchfläche nicht schwarz gehalten (z. B. von Ausfallgetreide), ist mit niedrigeren Nmin-Werten zu rechnen, als würde sie ohne Bewuchs durch den Winter kommen. Der spät gesäte Senf hat in Koldingen im Herbst vergleichsweise hohe Nmin-Werte hinterlassen und zeigt in der Folge auch höhere März-Werte. In feuchten Wintern und auf leichten Standorten bestünde bei dieser Variante eine höhere N-Verlagerungsgefahr als nach den früh etablierten Zwischenfruchtbeständen.
Für den Standort Koldingen zeigt eine mittlerweile 7-jährige Nmin-Reihe eindrucksvoll den Umbrucheffekt am Beispiel der klassisch nach Bodenbearbeitung ausgesäten Zwischenfrucht (Abbildung 4). Während sich bei den Strohmulchwerten in der Bodenschicht 60-90 cm in den meisten Jahren mehr als die Hälfte des mit der Probe gemessenen Stickstoffs befindet, liegt er in den Zwischenfruchtvarianten zum Großteil in den Schichten 0-30 und 30-60 cm vor. Hierdurch ist der Stickstoff in der Strohmulchvariante zwar stärker verlagerungsgefährdet, die Zuckerrübe findet nach Strohmulch, wenn sie im Laufe der Vegetation in die tiefen Schichten wurzelt, aber auch höhere Mengen Stickstoff vor. Das kann ein Grund für die Vorzüglichkeit der Strohmulchvarianten sein.
Wesentlich für die N-Versorgung der Zuckerrübe ist aber auch der nach der Frühjahrs-Nmin-Probe bis zum Beginn der Haupt-Nährstoffaufnahme der Rübe noch mineralisierte Stickstoff. Um die Nachlieferung aus der Zwischenfrucht über die Vegetationszeit bei der Düngung gezielt zu berücksichtigen, empfiehlt sich die Anwendung der Spät (Mai-)-Nmin-Methode (Abbildung 5).

Hiernach düngen Sie Ihre Rüben in Höhe von „120 kg N/ha-März minus Nmin-Wert“ an. Im 4-6-Blattstadium (ca. Mitte bis Ende Mai) ziehen Sie eine erneute Nmin-Probe und düngen die Differenz zwischen 160 kg N/ha und dem Mai-Wert nach. Liegt der Mai-Wert oberhalb von 160, erfolgt keine weitere Düngung, liegt er beispielsweise bei 140 kg N/ha, sind 20 kg N/ha zu ergänzen.
Zwischenfrüchte tragen u. a. dazu bei, eine ganzjährige Begrünung der Flächen sicherzustellen, Humus zu erhalten sowie vor Erosion und das Grundwasser zu schützen. Durch gezieltes Management der Bestände ist zudem eine Steigerung des Nmin-Wertes nach dem Winter möglich. Dies kann zur Kostenreduktion bei der Düngung beitragen.
Schnell gelesen:
- Nmin-Werte nach Zwischenfrüchten auf Lehmstandorten sind in diesem Jahr häufig niedrig. Als eine Ursache können die schwach entwickelten Zwischenfruchtbestände im Herbst 2025 angesehen werden.
- Lehmstandorte, die bereits im Winter umgebrochen wurden, weisen 10-20 kg N/ha mehr auf als nicht umgebrochene Flächen.
- Für leichte Standorte gilt aus sowohl aus Sicht des Grundwasserschutzes als auch aus dem Bestreben heraus, Nährstoffe im System halten zu wollen: Zwischenfrüchte nicht zu früh umbrechen!
- Um auch die N-Nachlieferung aus der Zwischenfrucht zu berücksichtigen: niedrig andüngen und durch Nmin-Probe im 4-6-Blatt-Stadium der Zuckerrüben, die aktuelle N-Versorgung einschätzen
























