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MulTiViS

Verbundprojekt: Multivirate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen

Beginn: 15.01.2017 / Ende: 31.12.2020

Schwein im Porträt
Schwein im PorträtImke Voigtländer

Ausgangslage
Um die Tiergerechtheit von Haltungen bewerten und die Entwicklung über Jahre verfolgen zu können, ist es unerlässlich, dass Wohl der darin gehaltenen Tiere zu messen. Hierzu wurden in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Variablen beschrieben (Tierwohlindikatoren), die es ermöglichen sollen, sowohl auf der Ebene einzelner Tiere, aber auch in diversen Aggregationsstufen in der Wertschöpfungskette (landwirtschaftliche Betriebe, Futtermittelwirtschaft, Schlachthof, Viehhandel, Beratung etc.) Tierwohl zu erfassen und damit zu bewerten.

Ziel des Projektes
Auf der Grundlage der unter „Ausgangslage“ beschriebenen Indikatoren sollen Tierhalter und Tierärzte Zusammenhänge zum Tierwohl und zu Krankheitssymptomen erstellen und gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Situation herbeiführen. Hiermit soll dann auf allen Stufen eine Steuerung erfolgen, die es ermöglicht, sichere Lebensmittel bei gleichzeitig optimalem Tierwohl zu erzeugen.

Projektdurchführung
Der Ansatz von MulTiViS beinhaltet eine stufenübergreifende Bewertung des Tierwohls. Diese berücksichtigt nicht nur wie üblich die Schlacht- und Befunddaten, sondern auch die biologischen und wirtschaftlichen Leistungsdaten aus der VzF-Betriebszweiganalyse, die antibiotische Therapiehäufigkeit sowie die aktive Erfassung von Tierwohl-Indikatoren am lebenden Tier im Betrieb.

 

Kontakt

Dr. med. vet. Hendrik Nienhoff

Dr. med. vet. Hendrik Nienhoff

0170 3583823

hendrik.nienhoff~lufa-nord-west.de

Beiträge aus dem Projekt-Blog

28.06.2021
Bohmann, Sonja

Das wissenschaftliches Verbundprojekt MulTiViS hat Ergebnisse zum Tierwohl bei Mastschweinen vorgestellt. Alle Beteiligten der Lebensmittelkette können die Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.

Schweine in der LWK-Versuchsstation Wehnen
Insgesamt hat das Forschungsteam über 200 Indikatoren untersucht, anhand derer Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen gezogen werden können. Wolfgang Ehrecke
Oldenburg/Hannover - Wie lässt sich möglichst objektiv messen und bewerten, ob es Schweinen in ihrer Haltung gut geht? Mit dieser Frage hat sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) gemeinsam mit drei Projektpartnern befasst. Jetzt hat das Projektteam die Ergebnisse der MulTiViS-Studie (Multivariate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen) vorgestellt. Das Ziel der Untersuchung war es, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, sogenannte Tierwohlindikatoren bei Mastschweinen zuverlässig und vergleichbar zu erfassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Studie im Rahmen des Programms „Innovationen zur Bewertung der Tiergerechtheit und des Tierwohls“ gefördert.

Tierwohlindikatoren auf Praxistauglichkeit getestet

Die Projektpartner untersuchten in Schweinemastbetrieben sowie am Schlachthof verschiedene mögliche Tierwohlindikatoren wie das Auftreten von Verletzungen, die Mortalität oder diverse Schlachtbefunde auf ihre Praxistauglichkeit. Die Informationen wurden verglichen und schließlich in einer Gesamtbewertung zusammengefasst. Insgesamt untersuchten die Forschenden über 200 Indikatoren, anhand derer Tierärzt*innen sowie Tierhalter*innen Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen ziehen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten können.

„International wie national wird in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft, in der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft viel über Tierwohl diskutiert und um die richtige Vorgehensweise der Erfassung und der Bewertung des Tierwohls gestritten“, sagt Professor Dr. Lothar Kreienbrock vom Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der das Projekt zusammen mit PD Dr. Hubert Gerhardy, Marketing Service Gerhardy, koordinierte. „Um aber eine verlässliche Aussage über das Wohlbefinden von Tieren treffen zu können, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Vielmehr müssen belastbare Daten so zur Verfügung gestellt werden, dass diese im landwirtschaftlichen Alltag praktikabel erfasst und die Daten und deren Zusammenhänge anschließend auch fachlich korrekt weiterverarbeitet werden können.“

Eindeutig zeigt das Projekt, dass von den Landwirt*innen erhobene Daten und von Tierärzt*innen im Betrieb und auf Schlachthöfen gezielt nacherfasste Informationen eine Klassifikation von Betrieben nach Tierwohlkriterien ermöglichen. „Dabei gibt es nicht den guten oder den schlechten Betrieb. Vielmehr müssen die vielfältigen Teilinformationen, aus denen Tierwohl besteht, angemessen geprüft, verarbeitet und bewertet werden“, so Kreienbrock.

Grundlage für nationales Tierwohlmonitoring

„Das Projekt, für das wir mit den Projektpartnern in über 200 Betrieben Daten erhoben haben, kann als wesentliche Grundlage für ein nationales Tierwohlmonitoring genutzt werden, da es bereits jetzt wesentliche Komponenten einer Tiergesundheitsdatenbank enthält“, erklärt Dr. Hendrik Nienhoff vom Schweinegesundheitsdienst der LWK, „damit kann nicht nur das Tierwohl beurteilt werden. Vielmehr können alle Beteiligten der Lebensmittelkette diese Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.“

Außer dem Schweinegesundheitsdienst der LWK waren das Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung, das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie sowie die Außenstelle für Epidemiologie in Bakum als Partner der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft e.V. in Uelzen sowie der Marketing Service Gerhardy, Garbsen als aktive Partner Mitglieder im Forschungsverbund.

 

Aus dem Projekt sind bereits drei wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen:

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, grosse Beilage E, Kemper N, Fels M. Status quo analysis of noise levels in pig fattening units in Germany. Livestock Science 230 (2019) 103847

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, Grosse Beilage E,Kemper N. Application of the voluntary human approach test on commercial pig fattening farms: a meaningful tool? Porcine health management [Internet]. 2020;6:19.

Grosse-Kleimann J, Plate H, Meyer H; Gerhardy H, Heucke CE, Kreienbrock L. Health monitoring of finishing pigs by secondary data use – a longitudinal analysis. Porc Health Manag 2021;7(20) 

 


Nutzungserlaubnis für Pressemitteilungen


 

26.10.2020
Bohmann, Sonja

Anliegend der Jahresbericht für das Projekt, dessen Ergebnisse sich noch in der Auswertungsphase befinden.

Jahresbericht MulTiVis
10.12.2019
Bohmann, Sonja

„In den vergangenen Jahren hat sich die Tierhaltung in Deutschland kontinuierlich weiterentwickelt. Das Wohlbefinden landwirtschaftlicher Nutztiere und die Tiergerechtheit der Haltung haben eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung erlangt.“
(aus: BMEL, 2015)

Was ist das Innovative an MulTiViS?

In der Tierhaltung gibt es viele Ansätze zur Bewertung des Tierwohls. Dabei haben bislang alle Stufen der Wertschöpfungskette jeweils isoliert für ihren Bereich gearbeitet.

Der Ansatz von MulTiViS beinhaltet eine stufenübergreifende Bewertung des Tierwohls. Diese berücksichtigt nicht nur wie üblich die Schlacht- und Befunddaten, sondern auch die biologischen und wirtschaftlichen Leistungsdaten aus der VzF-Betriebszweiganalyse und die antibiotische Therapiehäufigkeit sowie die aktive Erfassung von Tierwohl-Indikatoren am lebenden Tier im Betrieb.

Was sind die Ziele von MulTiViS?

  • Ermittlung aussagekräftiger und praxisnaher Tierwohl-Indikatoren
  • Verknüpfung von Tierwohl-Indikatoren über alle Stufen der Wertschöpfungskette

Dadurch soll die Basis für einen möglichst prozessstufenübergreifenden Tierwohl-Index geschaffen werden, der sich auch für ein nationales Monitoring eignet.

Das Projekt wird insgesamt in fünf Schritten durchgeführt:

 

1. Schritt: Status quo Analyse

Zur aktuellen Beschreibung von Tierwohl und Tiergesundheit in der Schweinemast werden von ca. 200 Mastbetrieben die biologischen und ökonomischen Leistungen, der Antibiotikaeinsatz sowie die Schlacht- und Befunddaten erfasst und analysiert.

Zusätzlich werden bei Betriebsbesuchen des SGD und der TiHo Hannover mit einem standardisierten Erhebungsbogen potenzielle Tierwohl-Indikatoren erfasst. Außerdem erfolgt an ca. zehn Schlachthöfen eine stichprobenartige Analyse der Organbefunde von Schlachtschweinen ausgewählter Projektlandwirte durch eigene Erhebung.

 

2. Schritt: Datenbank

Die stufenübergreifend erfassten Daten werden verschlüsselt in eine Projektdatenbank überführt und vom Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung und Marketing Service Gerhardy statistisch aufgearbeitet.

 

3. Schritt: Festlegung von Tierwohl-Indikatoren

Aus der Gesamtheit aller erfassten Daten sollen praxistaugliche Indikatoren ermittelt werden.

Dabei werden durch multivariate Analyse zufällige Effekte ausgeschlossen und objektive Gewichtungen vorgenommen, so dass auf dieser Grundlage ein Tierwohl-Index entwickelt werden kann.

Die statistische Auswertung und Objektivierung der Ergebnisse erfolgt unabhängig von wirtschaftlichen Interessen. Jedoch wird durch die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Vermarktung und praktischer Beratung eine einmalige Kooperationsgemeinschaft gebildet, die für einen breit gefächerten Ansatz der Studie sorgt.

 

4. Schritt: Exemplarisches Monitoring

Die ausgewählten Indikatoren sollen schließlich erneut in einigen Beispielbetrieben und -schlachthöfen angewendet und mit der aktuellen Situation abgeglichen werden. Dabei wird vor allem die Praxistauglichkeit der Indikatoren getestet und eine Validierung der Verfahren durchgeführt.

Darauf aufbauend findet eine ausführliche Fachberatung zur Optimierung der Tiergerechtheit der Haltung mit anschließender Erfolgskontrolle statt.

 

5. Schritt: Nationales Monitoring

Abschließend sollen in einer zusammenfassenden Bewertung Kernaussagen ausgearbeitet werden, die die Basis für ein nationales Tierwohl-Monitoring bilden können. Dieses ermöglicht den deutschlandweiten Vergleich von Betrieben und Schlachthöfen hinsichtlich des Tierwohls und der Tiergesundheit sowie das Aufzeigen der Entwicklung des Tierwohls.

 

Förderkennzeichen: 2817905515

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Projekt im Rahmen seiner Initiative "Eine Frage der Haltung. Neue Wege für mehr Tierwohl".

 

Logo Förderung BMEL BLE PTBLE
Kombimarke Gefördert BMEL BLE PTBLEBundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Weitere Informationen über das Projekt:

Projektseite