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Landessortenversuche 2021: Lupinen

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Lupinenanbau könnte auch für konventionelle Betriebe wieder interessant werden

Durch die politischen Änderungen im Bereich der GAP-Reformen und die sprunghaft angestiegenen Düngerpreise kommt den Leguminosen künftig eine höhere Bedeutung zu, insbesondere auch im konventionellen Anbau. Der zunehmenden Nachfrage nach heimischer Eiweißproduktion könnte dann auch durch den Anbau von Lupinen, vor allem den Weißen, Rechnung getragen werden.

LSV Weiße Lupine
LSV Weiße LupineCarsten Rieckmann
Mit der Einführung neuer anthraknosetoleranter Sorten bei den Weißen Lupinen erlangt der Lupinenanbau wieder zunehmendes Interesse, auch in Niedersachsen. Bisher hat diese Kultur vorwiegend in den ostdeutschen Bundesländern eine größere Bedeutung. In Niedersachsen stieg die Anbaufläche laut der Invekos-Zahlen von 2020 auf 2021 um ca. 500 ha auf 1.472 ha, wovon ca. 40 % auf den konventionellen Anbau entfallen.

Damit tritt die Lupine erkennbar aus dem Schatten von Ackerbohne und Futtererbse heraus. Hier sorgen insbesondere die neuen Sorten der Weißen Lupine für einen Aufschwung. Während die bundesweite Vermehrungsfläche der Schmalblättrigen oder auch Blauen Lupine sich gegenüber dem Vorjahr nur um 100 ha erhöht hat, war bei den beiden derzeit relevanten Weißen Lupinensorten ein Sprung von 770 auf 2.100 ha Vermehrungsfläche zu verzeichnen. Damit zogen sie innerhalb eines Jahres an den bisher vorwiegend angebauten schmalblättrigen Sorten vorbei. Für ihren Anbau kommen auch höher bonitierte Standorte in Frage, sie sind damit im Hinblick auf die pH-Werte des Bodens auch toleranter.

Unterschiedliche Arten und Wuchstypen

Bei den Schmalblättrigen Lupinen gibt es zum einen die Verzweigungstypen, die neben dem Haupttrieb zusätzliche Nebentriebe ausbilden, zum anderen die sogenannten endständigen Sorten, die nur einen Haupttrieb (determinierter Wuchs) bilden und dadurch gleichmäßiger und sicherer abreifen. Sie sind im Vergleich zu den verzweigten Sorten jedoch etwas ertragsschwächer.

Der Anbau von Gelben Lupinen spielt derzeit keine Rolle und es gibt auch keine in Deutschland zugelassene Sorte.

Seit 2019 stehen für die Weiße Lupine mit Frieda und Celina zwei neue Sorten aus dem Züchterhaus DSV zur Verfügung, die ihre Anthraknosetoleranz in den bisherigen Versuchen auch bestätigen konnten. Anhand der oben beschriebenen Vermehrungszahlen zeichnet sich ab, dass bereits 2021 mehr Weiße als Schmalblättrige Lupinen angebaut wurden. Die Einstufungen des Bundessortenamtes (BSA) und die nunmehr zweijährigen Versuchsergebnisse bestätigen die Ertragsvorteile der Weißen gegenüber den Schmalblättrigen Lupinen.

Verwendungsmöglichkeiten

Gegenüber Ackerbohnen und Erbsen erreichen Lupinen höhere Rohprotein (RP)-Gehalte, wobei der RP-Gehalt der Weißen Lupinen wiederum höher ist als der der Schmalblättrigen. Lupineneiweiß hat zudem eine hohe Eiweißwertigkeit. Diese Eigenschaften machen die Lupine in der Fütterung und durch die neuen Sorten der Weißen Lupine auch in der menschlichen Ernährung interessant. Zu beachten ist allerdings, dass der Grenzwert für die in Lupinen enthaltenen Alkaloide (Bitterstoffe) bei Ware für die menschliche Ernährung niedriger liegt als der für Futtermittel. Der Gehalt kann sorten- und jahresbedingt schwanken. Lupinenmehl ist glutenfrei und somit für Menschen mit Zöliakie eine Alternative zu Getreidemehl. Zum Teil wird es Getreidemehl zugesetzt, um die Konsistenz und Haltbarkeit von Backwaren zu verbessern oder kohlenhydratarme und eiweißreichere Brote zu backen. Das aus den Bohnen isolierte Eiweiß wird als vegetarische Proteinquelle u. a. für die Herstellung von Milch- und Fleischersatzprodukten genutzt.

Anbau und Aussaat

Die Schmalblättrigen Lupinen bevorzugen leichte bis mittlere Böden und haben ähnliche Ansprüche wie die Futtererbse. Die Weiße Lupine gedeiht am besten auf mittleren bis schweren Böden, sie hat vergleichbare Standortansprüche wie die Ackerbohne. Wie alle Leguminosen ist auch die Lupine nicht selbstverträglich, sondern benötigt Anbaupausen von sechs bis sieben Jahren, auch zu anderen Leguminosen wie Ackerbohnen oder Erbsen.

Die Aussaat erfolgt zwischen Mitte und Ende März in einer Ablagetiefe von 2 bis 4 cm. Die endständigen Sorten können bis Mitte April ausgesät werden. Je nach Wuchstyp sind die Aussaatstärken (keimfähige Körner/m²) anzupassen: abhängig von der Bodenqualität 45 - 60 bei Weißen (zertifiziertes Saatgut verwenden, ein Nachbau ist strikt untersagt), 90 - 100 bei verzweigten und 100 - 120 bei endständigen Schmalblättrigen Lupinen.

Insbesondere wenn Lupinen erstmalig auf der Fläche angebaut werden, sollte das Saatgut, unbedingt mit einem Rhizobien-Präparat geimpft werden. Das Vorhandensein spezialisierter Knöllchenbakterien fördert den Ertrag und die Rohproteingehalte. Unterschiedliche Impfmittel in flüssiger Form oder auf Torfbasis stehen zur Verfügung.

Versuchsergebnisse

Aufgrund der derzeit recht geringen Anbaubedeutung im nordwestdeutschen Raum liegen auch nur wenige Versuchsergebnisse vor. In der dargestellten Tabelle sind daher die über die Jahre 2017 bis 2021 zusammengefassten Ergebnisse aus LSV- und Wertprüfungen mit den Einstufungen des Bundessortenamtes (BSA) vergleichend dargestellt. Zu beachten ist, dass die Ergebnisse von Schmalblättrigen und Weißen Lupinen nicht direkt miteinander vergleichbar sind, da die Versuche i. d. R. getrennt voneinander und nicht gemeinsam randomisiert angelegt wurden. Das gilt auch für die Einstufungen des BSA.

Die Sorten im Einzelnen:

Im Sortiment der Schmalblättrigen Lupinen ist Boregine deutschlandweit die am stärksten angebaute Sorte und stellt über die Jahre ihre solide Ertragsstabilität unter Beweis. Die Rohproteingehalte sind leicht unterdurchschnittlich. Sie weist eine mittlere Standfestigkeit und eine sehr gute Unkrautunterdrückung auf und gehört nach wie vor in die engere Wahl.

Probor erreichte insgesamt höhere Erträge und lieferte überdurchschnittliche Rohproteingehalte und -erträge. Insbesondere von Betrieben mit eigener Tierhaltung kann diese Sorte für den Anbau dank der guten RP-Werte bevorzugt angebaut werden.

Die 2018 zugelassene Sorte Bolero erwies sich etwas ertragsstärker als Boregine bei gleichzeitig etwas besseren Rohproteinwerten. Schwächen in der Standfestigkeit sind allerdings zu beachten.

Von den Sorten Carabor und Lunabor liegen nur sehr eingeschränkte LSV-Ergebnisse vor, sie konnten in den zur Verfügung stehenden Prüfungen allerdings ertraglich sehr gut überzeugen. Laut Einstufungen des BSA ist Lunabor als ertragsstärkste Sorte dargestellt bei allerdings etwas schwächeren RP-Gehalten. Carabor weist als recht kurze Sorte eine gute Standfestigkeit auf und erreichte etwas höhere RP-Gehalte im Vergleich zu Lunabor. Weitere Ergebnisse müssen abgewartet werden. Während Carabor mit 132 ha Vermehrungsfläche bereits einen nennenswerten Anbauumfang hat, befindet sich Lunabor noch im Aufbau mit derzeit lediglich 5 ha Vermehrungsfläche.

Boruta als einzige endständige Sorte im LSV-Sortiment erzielte über die Jahre hinweg streuende, insgesamt aber hohe Erträge bei mittleren Rohproteingehalten. Für den Anbau endständiger Sorten ist Boruta nach wie vor erste Wahl.

Bei den Weißen Lupinen sind die beiden zweijährig geprüften Sorten Frieda und Celina als anthraknosetolerant eingestuft und insbesondere Celina konnte die vom BSA beschriebene hohe Ertragsleistung durch die Ergebnisse im norddeutschen Raum bestätigen. Ebenso verzeichnen beide Sorten deutlich höhere Rohproteingehalte als die Schmalblättrigen Lupinen.

Zusammenfassung

Durch die politischen Änderungen im Bereich der GAP-Reformen und die sprunghaft angestiegenen Düngerpreise kommt den Leguminosen künftig eine höhere Bedeutung zu, insbesondere auch im konventionellen Anbau. Der zunehmenden Nachfrage nach heimischer Eiweißproduktion könnte künftig auch durch den Anbau von Lupinen, vor allem den Weißen, Rechnung getragen werden. Steigende Korn- und besonders Rohproteinerträge fördern bei hoffentlich auch entsprechenden preislichen Anreizen die Vermarktung und die Wirtschaftlichkeit des Lupinenanbaus. Die positiven Effekte der Lupinen auf die Folgefrüchte sollten bei der ökonomischen Betrachtung in jedem Fall berücksichtigt werden. Durch ihre Fähigkeit, mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft zu binden, mindern sie die Düngerkosten und tragen zur N-Versorgung der nächsten Kultur bei. Zudem fördern sie die Bodengare.

Es ist ratsam, sich bereits vor dem Anbau von Lupinen um den Absatz des Erntegutes zu kümmern. Findet keine Verwertung im eigenen Betrieb statt, sollte im Vorfeld ein Abnehmer gefunden werden, mit dem auch eine Absprache über Qualitätsanforderungen und die Bezahlung getroffen wird.

Unter folgenden Link finden Sie einen Artikel mit Angaben zum Futterwert von Ackerbohnen, Futtererbsen und Lupinen: /index.cfm/article/39085.html

 

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Carsten Rieckmann

Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte

0511 3665-4357

0152 5478 2194

carsten.rieckmann~lwk-niedersachsen.de

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