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Salmo-SaFe

Interdisziplinäres Konzept (Diagnostik/Fütterung/Vakzination) zur Optimierung der frühen Ferkelentwicklung und Stabilisierung der Bestandsimmunität zwecks effektiver Reduktion der Salmonelleninfektionen in bisher auffälligen Ferkelerzeugerbetrieben.

Bemühungen zur Reduktion der Salmonellenprävalenz in der Schweinehaltung sind nach wie vor von besonderem Interesse für die Lebensmittelsicherheit. Zwar fällt die absolute Fallzahl für salmonellenbedingte Durchfallerkrankungen des Menschen seit Jahren. Der relative Anteil, der auf den Verzehr von Schweinefleisch zurückzuführen ist, steigt allerdings. Das vorliegende Projekt hat zwei Arbeitsschwerpunkte:

1. Entwicklung und Etablierung von Massnahmenplänen in salmonellenauffälligen Ferkelerzeugerbetrieben, um die Salmonellenprävalenz am Anfang der Produktionskette zu senken. Dabei steht die Umsetzung von bestimmten Fütterungskonzepten im Vordergrund, die sich auf die Sauenfütterung in der Hochträchtigkeit und der Saugferkelphase konzentrieren.

2. Prüfung und Etablierung von systematischen Vakzinationsprogrammen analog der positiven Erfahrungen mit der Umsetzung in der Geflügelproduktion. Dabei werden entweder Sauen oder Sauen und Ferkel geimpft. Die Massnahmen werden begleitet von einer intensiven Beratungstätigkeit und serologische Verlaufsuntersuchungen zur Verifizierung erhoffter Effekte.

 

1. Zielsetzung

Die Salmonellose ist in Deutschland und auch europaweit die zweithäufigste bakteriell bedingte Zoonose beim Menschen. Die Übertragung erfolgt insbesondere über kontaminiertes Geflügel-, Schweine-, und Rindfleisch sowie Eier. Nachdem über mehrere Jahre ein deutlicher Rückgang der gemeldeten Salmonellose-Fälle zu verzeichnen war, der vor allem der intensiven Bekämpfung von Salmonellen beim Geflügel zugeschrieben wurde (BVL, 2016), stieg die Anzahl der übermittelten Salmonellose-Fälle in 2017 gegenüber dem Jahr 2016 um 10% an. Der Anteil der (vermutlich Schweinefleisch-assoziierten) Erkrankungen durch Salmonella Typhimurium lag bei 34% und damit um 3% höher als im Vorjahr (BVL, 2018).  Die Strategie zur Bekämpfung und Überwachung der Salmonellensituation in der Lebensmittelkette Schwein basiert auf einer stichprobenartigen, serologischen Untersuchung von Fleischsaftproben am Schlachthof auf Grundlage der Schweine-Salmonellen-Verordnung. Die Probenentnahme und Auswertung dieses Salmonellenmonitorings erfolgt durch die QS Qualität und Sicherheit GmbH, Bonn. Die Betriebe werden in Risikoklassen (Kategorie 1-3) eingeteilt. Obwohl Betriebe in Kategorie 3 verpflichtet sind, Maßnahmen gegen Salmonellen zu ergreifen und Vermarktungsnachteile entstehen können, konnte der Anteil „salmonellen-auffälliger“ Mastbetriebe trotz intensiver Bemühungen nicht weiter reduziert werden (ROSTALSKI, 2015). Nach bisherigen Erfahrungen stellt mitunter der Zukauf von bereits infizierten Mastläufern aus der Ferkelerzeugung ein Risiko für einen Salmonelleneintrag in den Mastbestand dar, was durch eine hohe Anzahl serologisch positiver Salmonellenbefunde in Zucht- und Ferkelerzeugerbeständen bestätigt werden kann. Aus diesem Grund wird eine Ausweitung der Salmonellenbekämpfung auf die Zucht und Ferkelerzeugung, ähnlich wie in der Geflügelbranche, als wichtig erachtet (ROSTALSKI, 2015; BVL, 2016). In den niedersächsischen Regionen Emsland und Grafschaft Bentheim nehmen ca. 200 Ferkelerzeugerbetriebe zweimal jährlich an einem regionalen Tiergesundheitsscreening (EVH-Screening, EVH Select GmbH, Meppen) teil, indem zehn Blutproben von zur Mast verkaufsfertigen Ferkeln unter anderem auf Antikörper gegen Salmonellen untersucht werden. 

Nachdem im ersten Teil des Projektes der Einfluss der Reproduktionsleistung auf die Salmonellenbelastung anhand einer retrospektiven Auswertung von serologischen Untersuchungen auf Salmonellen aus dem Tiergesundheitsscreening sowie Sauenplanerdaten aus den jeweiligen Betrieben untersucht wurden (SCHULTE ZU SUNDERN et al., 2017), beleuchtet der zweite Teil des Projektes den Einfluss der Kolostrumversorgung auf die Salmonellenprävalenz in der Ferkelaufzucht. Die Ergebnisse wurden bereits in einem internationalen, tierärztlichen Fachjournal veröffentlicht und werden im Folgenden aus der Originalpublikation (SCHULTE ZU SUNDERN et al., 2018) wiedergegeben.

Im weiteren Verlauf des Projektes sollen zudem gezielte Maßnahmen erprobt werden, um eine Reduktion der Salmonellenbelastung in Problembetrieben zu erreichen. Im Fokus dabei stehen diätetische Maßnahmen bei Sauen rund um den Geburtstermin, sowie die Vakzination von Sauen bzw. Sauen und Ferkeln gegen Salmonella Typhimurium. Die Untersuchungen dieses Projektteils sind noch nicht abgeschlossen, sodass im Folgenden nicht weiter darauf eingegangen wird.

2. Material und Methoden

Im zweiten Teil des Projektes wurden auf Grundlage der Tiergesundheitsscreenings von März 2014 bis Dezember 2016 12 „salmonellen-auffällige“ Ferkelerzeugerbetriebe ausgewählt, deren Ferkel wiederholt und über einen längeren Zeitraum positive serologische Salmonellenbefunde aufwiesen. Die Untersuchung erfolgte mittels ELISA Herdcheck® Salmonella (IDEXX Laboratories, Hoofddorp, NL). Die Proben wurden als „positiv“ gewertet, wenn die Optische Dichte (OD) ≥ 10 % betrug. Zu jedem „salmonellen-auffälligen“ wurde ein „salmonellen-unauffälliger“ Betrieb ausgewählt, der dem „salmonellen-auffälligen“ Betrieb hinsichtlich Bestandsgröße, Hygiene, Management und tierärztlicher Betreuung ähnelte. Die weitere Probenentnahme erfolgte in allen Betrieben 24-48 Stunden nach dem Hauptabferkeltag. In jedem Bestand wurden vier Sauen, die bereits geferkelt hatten, zufällig ausgewählt. Aus jedem Wurf wurde bei jeweils zwei Ferkeln mit geringem, mittleren und schweren Geburtsgewicht eine Blutprobe entnommen und das Gewicht erfasst. In 14 der 24 Bestände (7 „salmonellen-auffällige“ Betriebe, 7 „salmonellen-unauffällige“ Betriebe) wurde auch den Sauen eine Blutprobe entnommen. Die Blutproben wurden zunächst mittels ELISA auf Antikörper gegen Salmonellen (Herdcheck® Salmonella, IDEXX Laboratories, Hoofddorp, NL) untersucht. Die Proben der Sauen wurden als positiv gewertet, wenn die optische Dichte (OD) ≥40% betrug. Die Proben der Saugferkel wurden nicht klassifiziert. Als Maß für die Kolostrumversorgung wurde der Immunokrit-Wert im Blutserum der Ferkel bestimmt (VALLET et al., 2013). Mittels statistischer Analyse wurden erhobene Parameter (Ferkelgewicht, Immunokrit-Wert, Salmonellen-Antikörpergehalte der Sauen und Ferkel) der „salmonellen-auffälligen“ mit den „salmonellen-unauffälligen“ Betrieben verglichen. Das Signifikanzniveau betrug 5% (p<0,05).

Körpergewicht, Immunokrit-Wert und Salmonellen-OD-Wert 24-48 post natum, unterteilt in leichte, mittelschwere und schwere Ferkel in „salmonellen-auffälligen“ und „salmonellen-unauf-fälligen“ Betrieben
Körpergewicht, Immunokrit-Wert und Salmonellen-OD-Wert 24-48 post natum, unterteilt in leichte, mittelschwere und schwere Ferkel in „salmonellen-auffälligen“ und „salmonellen-unauf-fälligen“ BetriebenDr. med. vet. Carolin Holling
3. Ergebnisse

Bei der serologischen Untersuchung der Blutproben von Sauen wiesen die Salmonellen-Antikörpergehalte zwischen den „salmonellen-auffälligen“ und den „salmonellen-unauffälligen“ Betrieben signifikante Unterschiede auf (p<0,0153). Während die mittlere optische Dichte (OD) der Sauen aus „salmonellen-unauffälligen“ Betrieben 50,85% (± 29,34) betrug, lag der mittlere OD-Wert der Sauen aus „salmonellen-auffälligen“ Betrieben bei 32,88% (± 21,96%). Die OD-Werte der Saugferkel unterschieden sich in beiden Gruppen nicht signifikant. Die Ergebnisse der Saugferkel sind in Tabelle 1 dargestellt. Hinsichtlich der Kolostrumversorgung wiesen die Ferkel mit leichtem Körpergewicht in beiden Gruppen niedrigere Immunokrit-Werte auf, als die Wurfgeschwister mit mittlerem oder schwerem Körpergewicht. Zudem war die Kolostrumversorgung der leichten Ferkel in „salmonellen-auffälligen“ Betrieben signifikant schlechter als in „salmonellen-unauffälligen“ Betrieben (p<0,0339). Die leichten Ferkel in „salmonellen-auffälligen“ Betrieben wiesen einen durchschnittlichen Immunokrit-Wert von 0,087 (± 0,04) auf, während der Immunokrit-Wert von Saugferkeln in „salmonellen unauffälligen“ Betrieben im Mittel 0,100 (± 0,04). Hinsichtlich der Kolostrumversorgung von Ferkeln mit mittlerem und schwerem Körpergewicht konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden. Auch unterschieden sich die durchschnittlichen Körpergewichte der leichten, mittelschweren und schweren Ferkel zwischen den beiden Gruppen nicht.

 

 

 

4. Bedeutung Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Die Studie zeigt, dass die Kolostrumversorgung von Saugferkeln zumindest für die Salmonellenbekämpfung in der Ferkelaufzucht ein potentieller Einflussfaktor sein kann. Insbesondere bei einer hohen Anzahl lebend geborener Ferkel sowie stark unterschiedlichen Geburtsgewichten innerhalb eines Wurfes kommen dem Geburtsmanagement inklusive Maßnahmen zur Verbesserung der Kolostrumaufnahme, wie z. B. Split-Suckling (geteiltes Säugen) eine hohe Bedeutung zu. Auch langfristige wirtschaftliche Effekte, z. B. durch eine bessere Vermarktungsfähigkeit von Ferkeln aufgrund eines höheren Anteils serologisch negativer Salmonellenbefunde, sind denkbar.

 

5. Fazit

Durch den Vergleich von „salmonellen-auffälligen“ und „salmonellen-unauffälligen“ Betrieben auf Grundlage von serologischen Untersuchungen auf Antikörper gegen Salmonellen bei Ferkeln am Ende der Ferkelaufzucht wird die Bedeutung der Kolostrumversorgung, insbesondere von Ferkeln mit geringem Geburtsgewicht, als potentieller Risikofakor deutlich. Da sich die Ferkelgewichte in beiden Gruppen nicht signifikant unterscheiden, sind weitere Studien nötig um die Ursachen für die Unterschiede in der Kolostrumversorgung zu ergründen und langfristige Effekte auf die Seroprävalenz von Salmonellen in der Ferkelaufzucht und Mast zu untersuchen.

 

LWK-Produktnummer: 30250010800

 

Was ist EIP-Agri?

In der Europäischen Innovationsgemeinschaft (EIP Agri) arbeiten Landwirte, Berater, Wissenschaftler und andere Akteure entlang der Wertschöpfungskette in einer Operationellen Gruppe (OG) zusammen. Eine Problemstellung wird durch innovative Lösungsansätze aus der landwirtschaftlichen Praxis heraus bearbeitet. Ziel ist ein intensiver Wissensaustausch in der nachhaltigen und produktiven Land- und Forstwirtschaft. Die Produktivität soll bei ressourcenschonendem Vorgehen, Schutz der Umwelt und Effizienzsteigerung bestehen bleiben.

Gefördert im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft “Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft” (EIP Agri).

EIP-agri Logo
EIP-agri Logoeip-agri
 
ELER-Logo
ELER-LogoEuropäische Union
 
Logo 'Europa für Niedersachsen'
Logo Europa für NiedersachsenNiedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
 
Logo 'PFEIL'
Logo PFEILNiedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
 

Weitere Informationen über das Projekt:

Netzwerk EIP Agrar & Innovation Niedersachsen

Deutsche Vernetzungsstelle

 

 

 

 

 

 

Kontakt Koordinatorin des gesamten Vorhaben:

EVH Select GmbH
Ansgar Deermann
An der Feuerwache 14
49716 Meppen

Telefon: 05962/934616

deermann@porcussanus.de

Kontakte


Dr. med. vet. Carolin Holling

carolin.holling~lwk-niedersachsen.de

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