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Ausnahmejahr sorgt für Gewinnzuwachs in der Landwirtschaft

Webcode: 01042515 Stand: 30.11.2023

Landwirtschaftskammer Niedersachsen präsentiert Ergebnisse des Wirtschaftsjahrs 2022/23 – Kammerpräsident rechnet für 2023/24 mit erheblichem Rückgang

Gerste
Die Unsicherheiten der Ukraine-Krise haben die Marktpreise aller Getreidearten an den Handelsbörsen deutlich steigen lassen. Wolfgang Ehrecke
Oldenburg – Politische Extremsituationen haben zu außergewöhnlichen Verhältnissen auf den Rohstoff- und Agrarmärkten geführt und damit erhebliche Gewinnsteigerungen der landwirtschaftlichen Betriebe im Wirtschaftsjahr 2022/23 ermöglicht. Die ersten Auswertungen hätten eine Verbesserung der Ergebnisse um fast 50 Prozent auf 148.000 Euro im Durchschnitt aller Betriebe ergeben, berichtete Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), am Donnerstag (30.11.2023) auf der Kammerversammlung in Oldenburg.

„Der Boom auf dem Milchmarkt, international steigende Preise für Getreide und sinkende Schweinebestände führten zu einer deutlichen Steigerung der Gewinne in allen Betriebsformen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe“, kommentierte Schwetje die Zahlen zur wirtschaftlichen Situation seiner Berufskolleginnen und Berufskollegen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr (01.07.2022–30.06.2023).

„Die bäuerlichen Familienbetriebe haben im zurückliegenden Wirtschaftsjahr nach langer Durststrecke ein Niveau erreicht, das neben Lebenshaltung, Steuerlasten und Tilgung auch eine positive Eigenkapitalbildung ermöglicht hat“, fügte Schwetje hinzu.

Die Unsicherheiten der Ukraine-Krise haben die Marktpreise aller Getreidearten an den Handelsbörsen deutlich steigen lassen. Bei den Milchviehbetrieben haben die Milchpreisrallye des Jahres 2023 und die stabilen Schlachtrindernotierungen für hohe Umsatzerlöse gesorgt. Die Märkte für Ferkel und Schlachtschweine haben im vergangenen Wirtschaftsjahr ebenfalls überrascht. Im Gegenzug stiegen die Ausgaben für Düngemittel um 33 Prozent, für Futtermittel um 20 Prozent, für Treib- und Schmierstoffe um 15 Prozent.

Milchviehbetriebe mit höchster Gewinnsteigerung

Für die Milcherzeuger*innen hat das zurückliegende Wirtschaftsjahr bei außerordentlichen Milchpreisen im Schnitt vollkostendeckende Ergebnisse gebracht. Die Gewinne stiegen in dieser Sparte je nach Betriebsgröße um mehr als 50 Prozent auf 187.000 Euro je Unternehmen. Dieses Ergebnis ermöglicht neben der vollständigen Vergütung der eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital auch Kapazitäten für den Abbau von Fremdkapital und für Neuinvestitionen.

Marktfruchtbetriebe profitieren von starker Nachfrage

Die Hochpreisphase zur Getreideernte 2022, die weltweit große Nachfrage für Rohzucker und die wieder gestiegene Nachfrage für Kartoffelprodukte haben die erhebliche Betriebsmittelkostensteigerung im vergangenen Jahr sogar noch überkompensiert. Die Marktfruchtbetriebe konnten ihr Wirtschaftsergebnis um 30 Prozent auf 110.000 Euro steigern und haben somit ebenfalls Spielraum für Rücklagen und Investitionen.

Veredlungsbetriebe können überraschende Marktentwicklung nutzen

Angesichts sinkender Tierzahlen hat das weiter rückläufige Ferkel- und Mastschweineangebot im abgelaufenen Wirtschaftsjahr einen unerwartet deutlichen Preisausschlag bewirkt. Der fehlende Angebotsdruck auf den Veredlungsmärkten hat trotz der deutlich gestiegenen Futterkosten zu einer erheblichen Verbesserung der Gewinnsituation auf immerhin 106.000 Euro je Betrieb geführt.

Öko-Betriebe kämpfen mit sinkender Nachfrage

Das Geschäft mit Biolebensmitteln hat in Deutschland im zurückliegenden Wirtschaftsjahr einen Dämpfer erhalten. Der deutsche Öko-Markt schrumpfte in Zeiten hoher Inflation erstmalig. So konnten die ökologisch wirtschaftenden Betriebe nicht im Umfang ihrer konventionellen Nachbarbetriebe von der Volatilität der Märkte profitieren. Vor diesem Hintergrund stiegen die Gewinne der Ökobetriebe nur moderat um 18 Prozent auf ein Niveau von durchschnittlich 75.000 Euro an.

Fünfjahresmittel lässt noch keine nachhaltige Entwicklung erkennen

Vom Jahresgewinn eines bäuerlichen Unternehmens müssen Steuern, Lebenshaltung, Neuinvestitionen, Leistungen für Alternteiler sowie Alters- und Krankenversucherungen bezahlt werden.
Vom Jahresgewinn eines bäuerlichen Unternehmens müssen Steuern, Lebenshaltung, Neuinvestitionen, Leistungen für Alternteiler sowie Alters- und Krankenversucherungen bezahlt werden.Wolfgang Ehrecke
Mit Ergebnissen von im Schnitt 148.000 Euro je Unternehmen haben die bäuerlichen Familienbetriebe in Niedersachsen im zurückliegenden Wirtschaftsjahr ein Niveau erreicht, das neben Privatentnahmen, Steuerlasten und Tilgung auch eine positive Eigenkapitalbildung ermöglicht hat. „Mit Blick auf die vom Gesetzesgeber geforderten Investitionen für eine zukunftsweisende Entwicklung eines Haupterwerbsbetriebes erscheinen Unternehmensergebnisse von 100.000 Euro erforderlich, um den Ansprüchen einer angemessenen Entlohnung und Risikodeckung nachhaltig zu entsprechen“, fasste Kammerpräsident Schwetje zusammen. Zugleich hob er hervor: „Das Durchschnittsniveau von etwa 70.000 Euro im Zeitraum von 2017 bis 2022 ist davon noch weit entfernt.“

Deutlich niedrigeres Niveau im laufenden Wirtschaftsjahr

Nach Schwetjes Angaben ist bereits heute ersichtlich, dass sich die Wirtschaftsergebnisse des laufenden Wirtschaftsjahres auf einem deutlich niedrigeren Niveau einpendeln werden als im Vorjahreszeitraum: „Besorgniserregend bleiben Faktoren wie die Folgen des Klimawandels, wie die Seuchengefahr etwa durch die Afrikanische Schweinepest und die Blauzungenkrankheit.“ Auch die Ungewissheit, wie es mit der Umsetzung von gesellschaftlichen und politischen Forderungen weitergehe, trübe aktuell die Stimmung.

Datengrundlage der veröffentlichen Zahlen ist eine repräsentative Stichprobe von 450 identischen landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (Testbetriebsnetz), deren Jahresabschlüsse die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung auswertet.


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