Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!

Borkenkäfer - und wer sich ihnen entgegenstellt

Webcode: 01040954

Hektar um Hektar: Viele Fichtenbestände sind in den vergangenen Jahren verloren gegangen, häufig haben Buchdrucker und Kupferstecher dabei eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Den stark angewachsenen Populationen dieser beiden Borkenkäferarten hatte viele Fichten im Zusammenspiel mit der anhaltenden Trockenheit nicht genug entgegenzusetzen. Es scheint fast, als hätten die kleinen Käfer im Wald keinen natürlichen Gegenspieler. Dieser Gedanke täuscht allerdings – verschiedene Tiere machen Jagd auf die unerwünschten Besiedler angeschlagener Fichten. Zu den wichtigsten Prädatoren, also Fressfeinden, zählt der nur unwesentlich größere Ameisenbuntkäfer.

Ameisenbuntkäfer
oben: Etwa sieben bis zehn Millimeter wird das Insekt groß, vor allem die schwarz-weiß-roten Deckflügel fallen schnell ins Auge. Optisch erinnert der Käfer stark an eine Waldameise, was sich auch in der deutschen Namensgebung wiederfindet. Carl Hesebeck
Etwa sieben bis zehn Millimeter wird das Insekt groß, vor allem die schwarz-weiß-roten Deckflügel fallen schnell ins Auge. Optisch erinnert der Käfer stark an eine Waldameise, was sich auch in der deutschen Namensgebung wiederfindet. Ameisenbuntkäfer haben ein weites Verbreitungsgebiet, sie sind in Europa, Asien und Nordafrika anzutreffen. Weil sie früh als Nützling im Kampf gegen den Borkenkäfer erkannt wurden, wurde die Art auch nach Nordamerika eingeführt. In unseren Wäldern lassen sich die sechsbeinigen Jäger von Frühling bis Herbst beobachten- in der Regel vor allem dort, wo sie ihre Beute suchen. Das können befallene Fichten sein, aber auch Meterholz am Wegesrand oder Baumstümpfe.

Insbesondere, wenn Buchdrucker und Kupferstecher intensiv schwärmen, lassen sich auch Ameisenbuntkäfer häufiger beobachten. Die Käfer dringen dabei nicht in das Brutbild unter der Rinde ein, sondern erwischen ihre Beute schon auf dem Stamm. Die Borkenkäfer werden dabei mit den Mandibeln gepackt, die Vorderbeine helfen beim Fixieren der Beute. Interessant als Nahrung sind die weicheren Körperteile, deshalb werden Halsschild und Deckflügel entfernt. Mit etwas Geduld lässt sich dieser Vorgang auch im Wald beobachten, allerdings ziehen sich Ameisenbuntkäfer bei zu viel Bewegung in ihrem Umfeld schnell zurück.

Jagdrevier - Ameisenbuntkäfer
Jagdrevier für den Ameisenbuntkäfer: Von Borkenkäfern besiedeltes Sturmholz in einem Fichtenbestand.Carl Hesebeck
Die Eiablage für die nachfolgende Generation erfolgt zwischen April und Juni – also dann, wenn auch Borkenkäfer intensiv neue Brutbäume besiedeln. Das Weibchen platziert die Eier in der Nähe von Borkenkäfergängen, die unter der Rinde verlaufen. Sind die Larven geschlüpft, machen sie Jagd auf die Larven der Borkenkäfer. Eier und Puppen werden ebenfalls gefressen. Im Herbst folgt die Verpuppung, im nächsten Frühjahr schlüpfen dann die Käfer.

Die Insekten lassen sich nicht nur an Fichten und anderen Nadelbäumen beobachten, auch Lockstoffe in unterschiedlichen Fallensystem ziehen Ameisenbuntkäfer an – Borkenkäfer-Pheromone haben also nicht nur auf Buchdrucker und Kupferstecher eine Wirkung.

In Hinblick auf Massenvermehrungen ihrer Beute sind Ameisenbuntkäfer allerdings nicht in der Lage, stark anwachsende Populationen einzudämmen. „Das ist ein Phänomen, das sich in der Natur häufiger beobachten lässt. Die Räuberpopulation ist kleiner als die Beutepopulation, deshalb kann der Ameisenbuntkäfer den Borkenkäfer auch nicht in die Schranken weisen. Kommt es bei den Borkenkäfern zu einer Massenvermehrung, ist ein Populationsanstieg bei den Ameisenbuntkäfern nur zeitverzögert zu beobachten“, erklärt der Göttinger Entomologe André Apel. Während der Jäger in diesem Fall jedes Jahr nur über eine Generation verfügt, können beim Borkenkäfer zwei und mehr Generationen heranwachsen. „Dennoch ist der Ameisenbuntkäfer sehr nützlich und kann immerhin einen gewissen Teil des Schadpotentials auffangen“, sagt Apel. Mit etwas Glück und Geduld lässt sich das beim nächsten Waldspaziergang gut beobachten.

Ameisenbuntkäfer mit Beute
Ameisenbuntkäfer mit Buchdrucker als Beute.Carl Hesebeck

Kontakte

Carl Hesebeck

Carl Hesebeck

Bezirksförster

carl.hesebeck~lwk-niedersachsen.de

Wolfriss-Begutachtung: 0511 3665-1500

Mehr zum Thema

Esskastanie

Trockenheit im Wald: 2023 im Emsland und der Grafschaft Bentheim kein Problem?

Die Regenfälle der vergangenen Wochen lassen beinahe vergessen, dass es im Mai und zeitweise auch im Juni durchaus trockene Phasen ohne Niederschläge gab. Welche Auswirkungen das auf den Wald im Emsland und in der Grafschaft Bentheim hat, …

Mehr lesen...
Im Wiehengebirge

Käfer, Sturm und Freiflächen im Wiehengebirge

Geht es um den Borkenkäfer und Trockenheitsschäden in Wäldern in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, stehen oft die Region Südniedersachsen, der Harz oder das Sauerland im Fokus. Aber auch im Raum Osnabrück, wo groß…

Mehr lesen...

Genehmigungen für Rodentizid-Anwendungen auf forstwirtschaftlichen Flächen in Naturschutz- und FFH-Gebieten

Am 8. September 2021 ist die neue Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung in Kraft getreten. Sie schränkt die Anwendung von Glyphosat und anderer Pflanzenschutzmittel in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz weiter ein. Die Änderungen…

Mehr lesen...
Frostspanner Männchen an Buche

Schmetterlinge im Winterwald

Was flattert denn da? Schmetterlinge im November? – Kein Witz. Es ist die beste Zeit des Frostspanners. Förster Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, hat die kleinen Falter im Buchenwald aufgespürt.

Mehr lesen...
Zur Bekämpfung der ersten Generation Borkenkäfer wurden im niedersächsischen Privatwald 6.600 Fangsysteme vom Typ Trinet P aufgestellt. Sie wurden vorwiegend an den Rändern der im Vorjahr mit Borkenkäfern befallen Flächen platziert.

Borkenkäferfangeinrichtung Trinet P hilfreich, aber kein Allheilmittel

In den vergangenen Jahren kam eine neuartige Borkenkäferfangeinrichtung häufig zum Einsatz. Das sogenannte Trinet P hat im Juli 2020 seine Zulassung verloren (Aufbrauchfrist Juli 2021). Drei Bezirksförster berichten über ihre …

Mehr lesen...
Raupe des Weidenbohrers

Groß, rot und gefräßig: Die Weidenbohrer Raupe

Die Raupe des Weidenbohrers versetzt Waldbesuchende in Erstaunen und Gartenbesitzende in Sorge. Die Raupen sind im Verhältnis zu anderen Arten ungewöhnlich groß und imposant. Der Weidenbohrer zählt zu den …

Mehr lesen...

Weitere Arbeitsgebiete

Beratungsangebote & Leistungen

Beratungsgespräch zum Waldbau

Beratung und Fortbildung für Waldbesitzer/innen

Als Waldeigentümer oder Waldinteressierter überlegen Sie den Einstieg in die Waldbewirtschaftung oder möchten Ihr forstliches Wissen verbessern bzw. auffrischen. Sie benötigen fachgerechte Informationen zur richtigen …

Mehr lesen...

Drittmittelprojekte

Bäume

CO-2-OPT

Ausgangslage Das Projekt CO-2-OPT widmet sich dem Klimaschutzbeitrag der Waldbewirtschaftung und Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz. Am Beispiel des Landkreises Harburg wurde untersucht, wie sich Klimaschutz vor Ort im Spannungsfeld …

Mehr lesen...
Abholzen

GeProOpt_Holz

Ausgangslage Trotz der Rationalisierungs- und Mechanisierungsbemühungen, die in den letzten Jahren unternommen wurden, um die Nachhaltigkeit der Waldwirtschaft zu erhalten, sind die Kosten der Holzversorgung weiter gestiegen und die …

Mehr lesen...
Das Projekt greenGain war ebenfalls Partner der Veranstaltung.

greenGain

Ausgangslage Das Projekt greenGain hat sich zum Ziel gesetzt die energetische Verwertung regionaler und lokaler Biomasse aus Landschaftspflegemaßnahmen in ganz Europa zu stärken. Das EU Programm Horizont 2020 hat die vollstä…

Mehr lesen...
'Buchen sollst du suchen'?

Klimanutzwälder für Niedersachsen

Ausgangslage Die Wälder leiden stark unter den Witterungsextremen, die der Klimawandel mit sich bringt. Insgesamt 59 % der Waldfläche Niedersachsens befinden sich im privaten Besitz. Davon zählt ein Großteil (45 %) des Besitzes …

Mehr lesen...
Baumholz

Prima

Ausgangslage Das Risikomanagement identifiziert die Ziele, die ein Betrieb erreichen möchte und von welchen Faktoren sie beeinflusst werden. Welche Baumarten Waldbesitzer angesichts des Klimawandels pflanzen sollten, wie sicher Wälder …

Mehr lesen...
Smart Forest

Smart Forest Inventory - SFI

Ausgangslage Bei der Erfassung von Waldstrukturdaten im Klein- und Kleinstprivatwald sowie bei der Inventur ganzer Forstbetriebe arbeiten klassische Inventurverfahren mit einem Stichtagsbezug, was dazu führt, dass Daten und die daraus …

Mehr lesen...