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Landessortenversuche 2022: Sojabohnen

Webcode: 01041481 Stand: 09.02.2023

In Niedersachsen findet in klimatisch günstigeren Regionen der Sojaanbau auch bei konventionellen Betrieben zunehmendes Interesse. Der steigenden Nachfrage wird seitens der Züchtung durch die Entwicklung früh abreifender Sorten ebenfalls Rechnung getragen. Positive Signale gibt es bei den  Absatzmöglichkeiten für regional erzeugte Sojabohnen.

Sojabohnen-Feldbestand
Sojabohnen-FeldbestandCarsten Rieckmann
Gegenüber dem Vorjahr hat der Sojabohnenanbau nochmals eine deutliche Ausdehnung erfahren; allerdings auf insgesamt niedrigem Niveau. Laut Invekoszahlen stieg die Anbaufläche von 840 auf 1.474 ha im Jahr 2022 an, wovon der überwiegende Teil von knapp 64 % nach wie vor ökologisch angebaut wird. Allerdings sind in den letzten Jahren auch zunehmend konventionelle Betriebe in den Anbau eingestiegen, einige davon haben sich nach ein bis zwei Jahren jedoch wieder zurückgezogen. Ursachen hierfür waren oftmals Schwierigkeiten bei der Unkrautbekämpfung. Andere Betriebe scheinen die Anfangsprobleme in den Griff bekommen zu haben und werden den Sojaanbau fortführen bzw. ausdehnen. Die Nachfrage nach heimischem und gentechnikfreiem Eiweiß aus pflanzlicher Erzeugung hält generell an. Von den in Niedersachsen angebauten Leguminosen steht Soja nach Ackerbohnen, Körnererbsen und Lupinen derzeit an vierter Stelle.

Aufgrund der enorm gestiegenen Düngerkosten und dem pflanzenbaulichen, aber auch politischen Druck zu einer Erweiterung oftmals enger Getreidefruchtfolgen könnte auch der Sojaanbau in Niedersachsen künftig auf dafür günstigen Standorten profitieren.

Kann die Sojabohne nicht im eigenen Betrieb verwertet werden, sollten vor dem Einstieg in ihren Anbau allerdings die Vermarktungsmöglichkeiten sondiert und am besten durch entsprechende Kontrakte abgesichert werden. Die Vermarkungschancen steigen mit einer vermarktungsgerechten Warenmenge (LKW Ladung) und einer Möglichkeit zur Zwischenlagerung im eigenen Betrieb.

Innerhalb Niedersachsens eignen sich für den Anbau die Standorte mit leicht erwärmbaren Böden und gesicherter Wasserversorgung. Dass die Sojabohne in ihrer Wachstumsphase eine ausreichende Wasserversorgung benötigt, hat das Jahr 2022 klar vor Augen geführt. In einem Beregnungsversuch im Raum Suderburg (LK UE) auf einem schwach schluffigen Sandboden mit ca. 34 Bodenpunkten konnte der Ertrag von 8,3 dt/ha in der unberegneten Variante in der reduziert beregneten Variante durch eine dreimalige Beregnungsgabe mit insgesamt 85 mm auf 26,4 dt/ha gesteigert werden. Die weitere Intensivierung der Beregnung auf sechs Gaben in der optimal beregneten Variante führte zu einer Ertragssteigerung um weitere 20 %.

Als klimatische „Grenzregion“ kommen in Niedersachsen für den Anbau vornehmlich Sorten der frühen Reifegruppe „000“ in Frage. Sehr frühe Sorten aus der Gruppe „0000“ reifen in der Regel noch zeitiger ab, sind ertraglich jedoch meist weniger interessant.

Um einen zügigen Aufgang der Sojabohne zu gewährleisten, sind Bodentemperaturen ab 10 °C bei der Aussaat erforderlich. Die anschließende Witterung sollte ebenfalls mit milden Temperaturen und ausreichender Wasserversorgung die Jugendentwicklung unterstützen. Eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Anbau ist die Impfung des Saatguts mit speziellen Rhizobien für Sojabohnen. Dadurch wird die Stickstoff-Fixierleistung der Pflanzen verbessert und so ihr Ertrag und der Eiweißgehalt erhöht und gesichert.

Ein Problem beim Sojaanbau ist die Gefahr durch Vogel- oder auch Hasenfraß. Die Kollegen aus dem Ökolandbau empfehlen daher, beim Anbau in gefährdeten Lagen entsprechend große Flächen (ab 5 ha) anzubauen, um einem möglichen Totalausfall durch Vogelfraß vorzubeugen.

Landessortenversuche

In Niedersachsen werden seit nunmehr sechs Jahren auch Landessortenversuche (LSV) mit Sojabohnen unter konventionellen Bedingungen durchgeführt. Sie haben in erster Linie das Ziel, die Ertragsleistung und das Abreifeverhalten der Sorten für die Praxis zu prüfen und darzustellen. Die Sojabohne wird für den Anbau in Deutschland auch von züchterischer Seite zunehmend interessanter. Das zeigt sich daran, dass zur Zeit sehr viele neue Prüfkandidaten beim Bundessortenamt (BSA) in den Wertprüfungen getestet werden. Darunter befinden sich zahlreiche Sorten der frühen Reifegruppe, die auch für niedersächsische Standorte in Frage kommen könnten. So wurden in den letztjährigen Landessortenversuchen bereits vielversprechende BSA-Zulassungen aus den Jahren 2020 bis 2022 aufgenommen. Um der hoffentlich stärkeren Bedeutung der Sojabohne auch in Niedersachsen gerecht zu werden, wurde 2022 eine Wertprüfung des BSA am Standort Poppenburg (LK HI) mit über 50 Prüfgliedern erfolgreich angelegt, die den BSA-Standort in Scharnhorst (LK H) ergänzt.

In diesem Jahr wurden die LSV-Versuche in Poppenburg (LK HI) und Höckelheim (LK NOM) mit 12 Sorten am 17. bzw. 12. Mai ausgesät, um bei Einsetzen höherer Temperaturen günstige Startbedingungen für die Sojabohne zu schaffen. Speziell in Poppenburg wurde die Aussaat trotz günstiger Temperaturen hinausgezögert, um eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit für die Unkrautbekämpfung im Vorauflauf zu gewährleisten. Dadurch traten auf den LSV-Standorten keine Probleme durch Unkrautbesatz auf. Die Beerntung erfolgte dem späten Aussaattermin geschuldet entsprechend spät erst am 10. Oktober in Höckelheim bzw. am 26. Oktober in Poppenburg. Die weiteren Standorte Friedberg in Hessen und Kerpen-Buir in NRW, die für die Auswertung mit herangezogen wurden, konnten bereits am 20. bzw. 22. April ausgesät und entsprechend früher im September gedroschen werden. Der BSA-Standort Scharnhorst war leider nicht wertbar. Im Mittel der vier wertbaren Standorte konnte ein Durchschnittsertrag von 27,3 dt/ha erzielt werden, wobei die Schwankungsbreite von 18,8 am NRW-Standort bis 32,2 dt/ha in Höckelheim reichte, in Poppenburg wurden 26,8 dt/ha erzielt. Die diesjährigen und die Ergebnisse der Vorjahre incl. Wertprüfungen fließen in die mehrjährige Verrechnung ein, sie sollte vorrangig zur Sortenbeurteilung herangezogen werden, da hierdurch Standort- und Jahresunterschiede entsprechend besser berücksichtigt werden können.

Sortenergebnisse

2022 konnte in den auswertbaren Versuchen vor allem Nessie PZO überzeugen. Aber auch ES Comandor, Ceres PZO, Cantate PZO und Sussex erreichten sehr gute Erträge an den Prüfstandorten. Zudem lieferten die sehr früh abreifende neue Sorte Magnolia PZO sowie Obelix überdurchschnittliche Erträge. An die guten Vorjahresergebnisse konnte Asterix leider nicht anknüpfen. Schwach fielen auch die Ergebnisse der frühen und altbekannten Sorte Merlin sowie von Abelina aus. Die zwei erstmalig im LSV geprüften Sorten Proteline und Ranger überzeugten noch nicht.

Unter Einbeziehung der mehrjährigen Ergebnisse incl. WP-Ergebnissen erwiesen sich Nessie PZO, Ceres PZO und Cantate PZO am ertragsstärksten und untermauerten damit ihre Vorjahreseinstufungen. Von den länger geprüften Sorten konnte auch Obelix überzeugen, während Abelina aufgrund schwacher 2022er Erträge etwas abfiel. Das gute aktuelle Jahr von ES Comandor führte mehrjährig betrachtet letztlich leider nach wie vor nur zu einem etwas unterdurchschnittlichen Ergebnis. Von den beiden zweijährig geprüften Sorten konnte Asterix noch von den sehr guten Ergebnissen aus dem Jahr 2021 profitieren, während Magnolia PZO trotz guter aktueller Leistungen insgesamt unterdurchschnittliche Werte erreichte. Durch das schwache diesjährige Ergebnis fiel die altbewährte frühreife Sorte Merlin insgesamt nur noch auf ein unterdurchschnittliches Niveau zurück. Die beiden erstmalig geprüften Sorten Proteline und Ranger profitierten von ihren guten Vorprüfungsergebnissen, sodass sie insgesamt noch ein durchschnittliches Ergebnis erreichten.

Zu den wichtigsten Sorten im Einzelnen

Von den insgesamt 12 Sorten, die 2022 im LSV geprüft wurden, zählt Merlin nach wie vor zu den sehr frühreifen Sorten, sodass sie auch aufgrund ihrer Frohwüchsigkeit und ihrer sehr guten Kältetoleranz vielfach als „Einstiegssorte“ angebaut wird. Die guten Leistungen von 2021 konnte sie 2022 leider nicht bestätigen, weil teilweise nunmehr zunehmend ertragsstärkere Sorten mitgeprüft werden.

Nessie PZO, Ceres PZO und Cantate PZO wurden 2020 vom BSA zugelassen und erreichten inklusive der Wertprüfungsergebnisse überdurchschnittliche Erträge, wobei insbesondere Nessie PZO, aber auch Ceres PZO vor allem 2022 überzeugten und gleichzeitig ihre frühe Abreife zeigten. Laut BSA reift Cantate PZO etwas später als diese beiden Sorten ab, sie weist aber hohe RP-Werte auf. Alle drei Sorten kommen daher für den Anbau in Frage, wobei die Frühreife von Nessie PZO und Ceres PZO einen etwas sichereren Anbau verspricht.

Obelix wurde 2022 nur an drei LSV-Standorten geprüft, die Sorte verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr und erreichte überdurchschnittliche Leistungen. Mehrjährig betrachtet zählt sie trotz insgesamt etwas schwankender Erträge zu den ertragsbetonten Sorten. Sie ist frohwüchsig und reift etwas später als Merlin ab. Hervorzuheben ist die hohe Tausendkornmasse. Ein Anbau kann in Erwägung gezogen werden.

Abelina wurde ebenfalls nur an drei Standorten geprüft, sie konnte ihr gutes Vorjahresergebnis nicht wiederholen und erzielte auch mehrjährig betrachtet leicht unterdurchschnittliche Ergebnisse. Die eher kleinkörnige Sorte weist einen hohen Ölgehalt auf.

ES Comandor verbesserte die Leistungen gegenüber dem Vorjahr erheblich, das gute diesjährige Ergebnis führte dennoch bei mehrjähriger Betrachtung immer noch zu einem unterdurchschnittlichen Wert. In der Praxis hat sie sich allerdings bewährt und wird dort nach wie vor angebaut. Besonders die Frohwüchsigkeit und die Abreife sind positiv zu bewerten.

Auch die Sorte Sussex erzielte 2022 deutlich bessere Ergebnisse als im Vorjahr, mehrjährig verrechnet blieb sie damit durchschnittlich, lag aber im RP-Gehalt über dem Durchschnitt. Die frühe Abreife spricht für ihren Anbau in Niedersachsen, weitere Versuchsergebnisse bleiben abzuwarten.

Magnolia PZO und Asterix absolvierten ihr zweites Prüfjahr mit unterschiedlichen Ergebnissen. Während Magnolia PZO sich deutlich besser als im Vorjahr präsentierte, fiel Asterix in den Leistungen ab. Dennoch konnte sich Magnolia PZO mehrjährig verrechnet nicht verbessern, sie blieb unterdurchschnittlich. Asterix hingegen erreichte wieder einen überdurchschnittlichen Wert, allerdings nicht mehr auf dem herausragenden Niveau des Vorjahres. Magnolia PZO bestätigte ihre frühe Abreife. Zur Absicherung der Ergebnisse muss ein drittes Prüfjahr weitere Erkenntnisse liefern.

Die beiden neuen Kandidaten Proteline und Ranger konnten in ihrem ersten LSV-Jahr ertraglich noch nicht überzeugen und profitierten bei der mehrjährigen Verrechnung von guten Vorergebnissen. Beide Sorten reiften nur 1 bzw. 2 Tage später als Merlin ab. Auch hier bleiben weitere Ergebnisse abzuwarten.

Fazit für den konventionellen Anbau

Die Anbausicherheit der Sojabohnen von der Etablierung weitgehend unkrautfreier Bestände bis hin zur Abreife und Ernte ist für den weiteren Erfolg dieser Kultur in Niedersachsen von großer Bedeutung. Die jährlichen Schwankungen zeigen, dass noch Schwierigkeiten bestehen und Anbauerfahrungen gesammelt werden müssen. Hier bieten frohwüchsige und frühreife Sorten Vorteile.

Vor dem Anbau der Sojabohnen sollte die Vermarktung auch im konventionellen Bereich geklärt sein, um eine entsprechende Absicherung zu haben.

Für die wirtschaftliche Betrachtung des Sojaanbaus sind bei dessen Einbindung in bisherige enge, getreidedominierte Fruchtfolgen auch die positiven Fruchtfolgewirkungen zu berücksichtigen und entsprechend ökonomisch mit einzubeziehen. Vor allem in den klimatisch günstigeren Regionen mit ausreichender Wasserversorgung könnte auch in Niedersachsen der Sojaanbau zukunftsfähig sein, die Zahl der neu zur Prüfung beim BSA angemeldeten Kandidaten lässt auf weitere geeignete Sorten hoffen.