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Landessortenversuche 2022: Winterraps

Webcode: 01040909 Stand: 11.08.2022

Durch hohe bzw. sehr hohe Erträge in Verbindung mit außergewöhnlich hohen Markterlösen zählt Raps in diesem Jahr zu den lukrativsten Mähdruschfrüchten. Die LSV-Ergebnisse des Jahres 2022 belegen eindrucksvoll das Leistungsvermögen neuer Rapssorten, der züchterische Fortschritt kommt deutlich zum Ausdruck.

Winterraps
WinterrapsCarsten Rieckmann
Die günstigen Vermarktungsbedingungen beim Raps im vergangenen Jahr haben dazu geführt, dass Landwirte diese Kultur wieder vermehrt in ihre Fruchtfolge aufgenommen bzw. die Anbaufläche ausgedehnt haben. Landwirte, die sich für den Rapsanbau entschieden haben, waren dank landesweit guter bis sehr guter Erträge und Vermarktungsmöglichkeiten auf der Gewinnerseite. Der im Juni vom Landesamt für Statistik als erste Schätzung prognostizierte Ertrag in Höhe von 35,7 dt/ha wird sicherlich deutlich übertroffen; wir gehen derzeit davon aus, dass die Erträge wieder in den Bereich der Jahre 2013 und 2014, sprich deutlich über 40 dt/ha kommen werden. Für die Berechnung der Marktleistung wurden für die ökonomische Bewertung der Sorten Marktpreise von 75,70 €/dt incl. 9,5 % MwSt. zugrunde gelegt, wohl wissend, dass insbesondere in diesem Jahr eine gerechte Preisfindung äußerst schwierig ist.

Witterungsverlauf

Witterungsbedingt erfolgte die Rapsaussaat im letzten Jahr vielfach in den letzten August- bzw. ersten Septembertagen, da Niederschläge Anfang der dritten Augustdekade eine frühe Aussaat behinderten. Die durchweg günstigen Auflaufbedingungen, die auch durch leichte Niederschläge Ende September/Anfang Oktober in Verbindung mit relativ hohen Temperaturen von teilweise über 20 °C begünstigt wurden, führten zu einer insgesamt guten Rapsentwicklung. Nur regional regnete es stärker, sodass es dort zu Verschlämmungen und dadurch zu Wachstumsbeeinträchtigungen kam. Gleichzeitig konnte sich jedoch der Rapserdfloh vielfach gut entwickeln, wodurch nach Überschreiten der Schadschwellen ein- bis zweimal Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden mussten, teilweise noch intensiver auch darüber hinaus. Die Winterruhe setzte praktisch erst kurz vor Weihnachten bei Eintritt einer kühleren Phase ein. Auswinterungsschäden waren während der Wintermonate kaum feststellbar, lediglich Spätfröste im April/Mai verursachten zum Teil ein Aufplatzen der Stängel, was jedoch keine nennenswerten Schäden verursachte.

Dank niedersachsenweit ergiebigerer Niederschlagsmengen im Februar konnten sich die Bodenwasservorräte füllen. Von ihnen mussten die Bestände in den darauffolgenden Monaten entsprechend zehren, da vielfach anschließend nur eher unterdurchschnittliche Niederschläge fielen.

Die Rapsblüte begann in den klimatisch günstigeren Lagen bereits ab der zweiten Aprildekade und sie verlief insgesamt über einen recht langen Zeitraum teilweise bis in den Juni hinein, was generell zu einer hohen Befruchtungsrate führte. Gelegentlich gefallene Niederschläge konnte der Raps zur weiteren Ertragsbildung effektiv nutzen; wo die Möglichkeit der Beregnung gegeben war, wurde diese entsprechend genutzt. Ansteigende Temperaturen Ende Juni beschleunigten die weitere Entwicklung des Rapses und damit wurde die relativ gleichmäßige Abreife der Bestände eingeläutet. Die Ernte begann ab Mitte Juli, die letzten Bestände wurden in der ersten und zweiten Augustwoche gedroschen. Insgesamt waren die Landwirte auch auf den leichteren Standorten trotz Trockenstress mit den Erträgen zufrieden, auf günstigeren Standorten konnten vielfach Spitzenerträge mit gleichzeitig hohen Ölgehalten gedroschen werden; zusammengefasst also ein auch aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet erfolgreiches Rapsjahr.

Landessortenversuch Raps

Der Landessortenversuch Winterraps 2022 wurde in Niedersachsen an 11 Standorten in vier Anbauregionen angelegt, er umfasste 22 Hybridsorten. Standorte benachbarter Bundesländer konnten zusätzlich mit in die Auswertung einbezogen werden. Neben 10 wenigstens dreijährig geprüften Sorten wurden sechs Sorten im zweiten Jahr getestet. Dem sich ab 2018 abzeichnenden Züchtungsfortschritt wurde auch für die diesjährige Prüfung Rechnung getragen, indem nochmals sechs neue Sorten als Aufsteiger aus den Bundessortenversuchen (LG Activus, Davos, Scotch) sowie PT 303, LG Adonis und Picard aus dem Zulassungsjahr 2021 aufgenommen wurden.

Als kohlhernieresistente Sorten wurden die zweijährige Sorte LG Alledor sowie Croozer (dreijährig) geprüft. Zahlreiche der geprüften Sorten sind als resistent gegenüber dem Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) ausgewiesen. Dieses Merkmal war jedoch nicht unbedingt ertragsentscheidend, da andere Sorten gleich gute oder bessere Leistungen an den Standorten erreichten. Die vom Bundessortenamt als phomaresistent bezeichneten Sorten wurden in den Tabellen entsprechend mit ausgewiesen; ertraglich machte sich dieses Merkmal in den Prüfungen offenbar ebenfalls nicht bemerkbar.

In allen vier Anbauregionen konnten die Versuchserträge gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert werden, insbesondere in der Marsch und auf den Lehmstandorten wurden zum Teil mit Erträgen von weit über 60 dt/ha herausragende Einzelortergebnisse erzielt. Damit kamen die standörtlichen Ertragsvorteile wieder klar zum Vorschein. Auf den niedersächsischen Sandstandorten lagen die Erträge zwischen 44 und 46 dt/ha, lediglich der gut mit Wasser versorgte Standort in NRW ragte mit 57 dt/ha deutlich heraus. Die Erträge der niedersächsischen Lehmstandorte bewegten sich in einer Leistungsspanne von 50 bis 66 dt/ha. In den Höhenlagen fielen die Erträge mit durchschnittlich 45 dt/ha gegenüber den Lehmstandorten deutlich ab.

Mehrjährige Verrechnung der Ergebnisse

Der mehrjährige Durchschnittsertrag wird aus den Ergebnissen der Jahre 2018 bis 2022 errechnet, um so für die Sorten belastbarere Aussagen treffen zu können. Zusätzlich fließen auch die Werte der Vorprüfungen wie WP- oder EU-Versuche mit ein. Die dargestellten Ergebnisse werden auf Basis der diesjährigen Bezugssorten als Relativwerte dargestellt. Durch die Vielzahl neuerer und ertragsstarker Sorten fallen etablierte Sorten wie Bender in den Relativwerten deutlicher ab. Das bedeutet für diese Sorten, dass ihre hohen Relativwerte aus den Vorjahren auf das aktuelle Ertragsniveau der neueren Sorten herabgestuft werden. Insgesamt ist dadurch aber ein gerechterer Vergleich der Sortenergebnisse möglich.

Marktleistung vorrangig berücksichtigen

Die Marktleistung ist für den Landwirt bei der Sortenwahl letztlich das wichtigste Kriterium. Die hier dargestellte relative Marktleistung setzt sich aus den Erträgen und den Ölgehalten inklusive Preisaufschläge von 1,5 Prozent je Prozent Ölgehalt über 40 % bei 9 % Feuchte und 2 % Besatz, bezogen auf die durchschnittliche Marktleistung des Versuchs­standards, zusammen. Für die Sortenbeurteilung sind sowohl die Kornertragsleistungen als auch die Ölgehalte dargestellt. Bei der Kommentierung der Sorten wird in erster Linie auf die Marktleistung Bezug genommen.

Dank des sehr erfreulichen Preisanstiegs bereits im Frühsommer wurden die durchschnittlichen Marktpreise wie bereits erwähnt mit 75,70 € je dt incl. 9,5 % MwSt zu Grunde gelegt. Die Preiszuschläge für hohe Ölgehalte sind wirtschaftlich von Bedeutung und können damit die Marktleistung dieser Sorten verbessern. Mit durchschnittlich 44,8 % Ölgehalt liegen die Sorten 2022 auf einem sehr hohen Niveau und damit 2,9 Prozentpunkte über den Werten des Vorjahres.

Bei insgesamt guter bis sehr guter Ertragsleistung in allen Anbauregionen konnte bei gleichzeitig noch nicht dagewesenen Marktpreisen in der bereinigten Marktleistung die hohe Wirtschaftlichkeit des Vorjahres nochmals wesentlich verbessert werden. Auf Basis der diesjährig zugrunde gelegten Preise wurde auch die mehrjährige Marktleistung ausgewiesen und damit gegenüber dem Vorjahr stark angehoben. In der Anbauregion Sandböden lag die Marktleistung mit 3.801 €/ha um gut 1.700 € höher als im Vorjahr, da hier im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich 11 dt/ha mehr gedroschen wurde. Auf den Lehmstandorten betrug die Ertragsdifferenz sogar 14 dt/ha gegenüber 2021, sodass daraus Mehrerlöse von über 2.300 €/ha resultierten. In den Höhenlagen Mitte/West und der Marsch konnte die Marktleistung um durchschnittlich um 1.700 bzw. 1.600 €/ha verbessert werden.

Qualität und Eigenschaften der Sorten

Im Mittel der Sorten wurden 44,8 % Ölgehalt erreicht, wobei die Spannbreite zwischen den Sorten 2,8 % beträgt. Durch hohe Ölgehalte zeichnet sich besonders die Sorte Davos aus, gefolgt von Bender, Armani und Daktari. Neben den ertrags- und qualitätsbestimmenden Merkmalen sollten für die Sortenbeurteilung in jedem Falle auch die übrigen Eigenschaften der Sorten beachtet werden, wie sie in der Tabelle Empfehlungen und Eigenschaften dargestellt sind. Hier sind Parameter wie Abreifeverhalten, Standfestigkeit und Toleranz gegenüber Krankheiten zu nennen. Die Reifeverzögerung beim Stroh ist bei den derzeitig geprüften Sorten weniger ausgeprägt. Durch eine zeitige Restpflanzenabreife zeichnen sich Ludger, Ambassador, Heiner, Daktari, Scotch und LG Alledor aus, während Ernesto KWS, Otello KWS, Allesandro KWS, PT 303, LG Adonis und Picard eine länger grünbleibende Restpflanze aufweisen.

Leistungen in den Anbauregionen

Für die Sortenbeurteilung in der Marsch stehen derzeit lediglich der niedersächsische Standort im Landkreis Aurich sowie der schleswig-holsteinische Versuch im Sönke-Nissen-Koog zur Verfügung.

Ertraglich konnten 2022 vor allem die erstmalig im LSV geprüften Sorten Picard und PT 303 überzeugen, gefolgt von Daktari, Smaragd, Ivo KWS, LG Activus und Ernesto KWS. Aber auch die weiteren neuen Kandidaten Davos, LG Adonis und Scotch zeigten sich ertragsstark. Die höchsten Ölgehalte lieferte Davos, gefolgt von Bender, LG Activus und Daktari.

Im Mittel der Jahre und unter Einbeziehung der Ölgehalte erreichten von den zwei- und mehrjährig geprüften Sorten Daktari, Smaragd, Ivo KWS, Armani, Allesandro KWS und Ernesto KWS die besten Marktleistungen und werden daher empfohlen, Ambassador erhält eine eingeschränkte Empfehlung.

Von den neuen Sorten erreichten unter Einbeziehung von Vorprüfungsergebnissen mit Abstand PT 303, Picard, LG Activus und LG Adonis hohe Erträge und überdurchschnittliche Marktleistungen, sodass sie sich für den Probeanbau eignen.

Auf den Sandböden erreichten Daktari und Otello KWS auf allen Standorten gute bis sehr gute Erträge, gefolgt von Ambassador und Ernesto KWS. Aber auch die neuen Sorten Scotch, Picard und LG Activus lieferten überdurchschnittliche Erträge. Mehrjährig betrachtet erreichten von den zwei- bis mehrjährig geprüften Sorten Daktari, Ambassador, Smaragd, Otello KWS und Ivo KWS die höchsten Marktleistungen und werden empfohlen. Für den Probeanbau werden Scotch, LG Activus und Picard vorgeschlagen.

In der Anbauregion Lehmböden Nordwest stehen derzeit sieben Versuchsergebnisse zur Verfügung und bilden somit eine gute Datenbasis. Ertraglich überzeugen konnten in diesem Jahr Ivo KWS, Daktari, LG Activus, Otello KWS, Picard und PT 303. In der mehrjährigen Marktleistung überzeugten vor allem Daktari, Smaragd, Ivo KWS, Heiner, Ambassador und Ernesto KWS, wobei für die drei letzteren Sorten nur eine eingeschränkte Empfehlung ausgesprochen wird, da sie bei eher durchschnittlichen Marktleistungen allerdings weitere durchaus positiven Eigenschaften zeigen.

Für den Probeanbau bieten sich zahlreiche neue Sorten an, die insbesondere durch hohe Marktleistungen positiv auffallen. Insbesondere in dieser Anbauregion stehen für diese Sorten bereits mehrere Vorprüfungsergebnisse zur Verfügung, die die Entscheidung stützen. Hierzu zählen LG Activus, LG Adonis, Scotch, PT 303 und Picard.

In den Höhenlagen erzielten die bereits im Vorjahr ertragsstärksten Sorten Daktari und Otello KWS mit die höchsten Erträge. Auf gleich hohem Niveau lagen auch Allesandro KWS und die neuen Sorten Scotch und Picard. Eine Empfehlung auf Basis der zwei- bzw. mehrjährigen Marktleistungen erhalten Otello KWS; Daktari, Ivo KWS, Smaragd und Allesandro KWS. Eine eingeschränkte Empfehlung wird für die Sorten Aganos, Heiner und Ambassador aufgrund günstiger Eigenschaften, wie gute Standfestigkeit bzw. Phomaresistenz ausgesprochen. Für den Probeanbau empfehlen sich die Sorten Picard und Scotch.

Ergebnisse der Sorten

Die ertragsstärksten Sorten über alle Orte waren in diesem Jahr Picard, Daktari, Otello KWS, Scotch und Ivo KWS, gefolgt von PT 303, Ernesto KWS und LG Activus. Die Ertragsvorteile der neueren Sorten spiegeln sich entsprechend auch in der bereinigten Marktleistung wider, da die Mehrzahl der angesprochenen Sorten auch im Ölgehalt mittlere bis hohe Werte aufweisen. Ältere Sorten wie Bender, Archtect und Ludger hingegen erreichten nur unterdurchschnittliche Werte.

Die für die Praxis empfohlenen dreijährig geprüften Sorten im Einzelnen:

Daktari erzielte zweijährig konstant sehr hohe Erträge bei gleichzeitig hohen Ölgehalten und ist dadurch auch in der bereinigten Markleistung die leistungsstärkste Sorte, die damit ganz klar empfohlen ist. Bei mittlerer Wuchshöhe und guter Standfestigkeit reift sie gleichmäßig ab. Lediglich die schwache Einschätzung gegenüber Phomabefall ist anzumerken.

Smaragd überzeugte in allen Anbauregionen mit sehr konstanten und überdurchschnittlichen Erträgen bei gleichzeitig hohen Ölgehalten. Dadurch zählt sie von den mehrjährig geprüften Sorten insgesamt zu den leistungsstärksten und wird generell empfohlen.

Ivo KWS erreichte 2022 nicht in allen Anbauregionen die Spitzenerträge aus den Vorjahren, zählt mehrjährig betrachtet aber zu den ertragsstärksten und konstantesten Sorten und wird daher klar ebenfalls in allen Anbauregionen empfohlen. Bei eher schwachen Ölgehalten kann sie dennoch in der Marktleistung überzeugen. Sie gehört zu den frühblühenden Sorten, die im Abreifeverhalten aber im mittleren Bereich liegt.

Ambassador zeigte 2022 recht schwankende Ertragsleistungen. Vor allem auf den Sandböden Nordwest erreichte sie sehr gute Ergebnisse und wird dort klar empfohlen. Auf den Marsch- und Lehmböden sowie den Höhenlagen profitierte die Sorte in erster Linie von den sehr guten 2020er Ergebnissen, wo sie mehrjährig noch leicht überdurchschnittliche Erträge erzielte. Der Ölgehalt liegt im leicht unterdurchschnittlichen Bereich, wodurch die Werte in der Marktleistung tendenziell etwas schwächer ausfallen. Trotz ihrer Wuchshöhe zeigte sie keine Lagerprobleme. Aufgrund der recht guten Phomaeinstufung wird sie für die übrigen Anbauregionen noch eingeschränkt empfohlen.

Ernesto KWS erreichte in diesem Jahr durchweg wieder hohe Erträge. Mehrjährig betrachtet wird sie für die Marschstandorte empfohlen und erhält aufgrund der sehr guten Phomatoleranz und Standfestigkeit auch für die Lehmböden noch eine eingeschränkte Empfehlung.

Armani überzeugte durch sehr hohe Ölgehalte und konnte mehrjährig betrachtet in erster Linie in der Marsch gute Leistungen erbringen, sodass sie hier noch eine Empfehlung erhält.

Heiner zeigte gegenüber den Vorjahren deutlich schwächere Leistungen und wird von daher nur noch für die Lehmböden und Höhenlagen Mitte/West eingeschränkt empfohlen. Die gute Dreschbarkeit sowie die guten Ölgehalte und die Standfestigkeit sprechen für den Anbau; die schwache Einstufung hinsichtlich Phoma ist zu beachten.

Otello KWS konnte ertraglich vor allem auf den Sand- und Lehmstandorten sowie den Höhenlagen hohe Erträge erzielen. Bei allerdings schwachen Ölgehalten wird die bereinigte Marktleistung dadurch etwas geschmälert. Dennoch erreichte die Sorte auf den Sandböden und in den Höhenlagen mehrjährig hohe Marktleistungen, die eine Empfehlung auch dank guter Standfestigkeit und Phomatoleranz rechtfertigen.

Allesandro KWS erzielte auf der Marsch und in den Höhenlagen insgesamt gute Marktleistungen, sodass diese Sorte dort entsprechend mit vergleichbaren Eigenschaften wie Otello KWS empfohlen wird.

Aganos verdankt die eingeschränkte Anbauempfehlung für die Höhenlagen den Vorprüfungsergebnissen, wodurch sie letztlich in der mehrjährigen bereinigten Marktleistung gute Werte erzielte.

Für den Probeanbau geeignet:

Mit Ausnahme der Sorte Davos, die sich zwar durch sehr hohe Ölgehalte auszeichnet aber eher schwache Erträge lieferte, werden die übrigen erstmalig geprüften Sorten aufgrund ihrer Ertragsleistungen für den Probeanbau in unterschiedlichen Anbauregionen empfohlen.

Die Sorte Picard erzielte in allen Anbauregionen sehr gute Kornerträge, sie erreichte trotz schwacher Ölgehalte dennoch eine hohe bereinigte Marktleistung und wird damit für den Probeanbau generell empfohlen. Bei frühem Blühbeginn reift die Sorte durchschnittlich ab mit allerdings verzögerter Strohreife.

Scotch erreichte bei guten Ölgehalten insgesamt hohe Marktleistungen. Eine Empfehlung für den Probeanbau wird für die Sand- und Lehmstandorte sowie die Höhenlagen ausgesprochen.

LG Activus konnte vor allem in der Marsch und auf den Sand- und Lehmböden ertraglich überzeugen und wird dort dank gleichzeitig guter Ölgehalte, Standfestigkeit und Toleranz gegenüber Phoma für den Probeanbau empfohlen.

PT 303 und LG Adonis erreichten auf den Marsch- und Lehmstandorten hohe Erträge. Bei gleichzeitig ebenfalls guten Ölgehalten zeigten beide Sorten keine Schwächen in der Standfestigkeit und bieten sich von daher für diese Anbauregionen für den Probeanbau an.

Kohlhernie-Resistenz

Die Kohlhernie, die auch den Raps befällt, hat in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern regional bereits ein größeres Ausmaß erreicht. Sie ist in Niedersachsen bislang nur verhalten aufgetreten, könnte bei Ausdehnung des Rapsanbaus jedoch zunehmend relevanter werden. Befallene Pflanzen zeigen Symptome von Welkeerscheinungen über verminderten Wuchs bis hin zu Totalausfällen. Die Krankheit zeigt sich vorwiegend auf Flächen, auf denen Raps in zu enger Fruchtfolge angebaut wird. Das tatsächliche Schadausmaß auf betroffenen Flächen hängt von den jeweiligen Witterungsbedingungen des Anbaujahres ab.

Da die Erreger sehr lange im Boden überdauern können und nur schwer zu bekämpfen sind, muss ihrer Verschleppung auf andere Flächen durch kontaminierte Erde an Bodenbearbeitungs- und Sägeräten vorgebeugt werden. Nach der Bearbeitung befallener Flächen müssen die Geräte gründlich gereinigt werden.

Neben pflanzenbaulichen Maßnahmen bietet auch der Anbau resistenter Sorten eine Chance, die Kohlhernie zu bekämpfen. Dadurch wird die Anzahl der Sporen im Boden reduziert. Auf bekannten Kohlhernie-Flächen sollte zudem Ausfallraps so schnell wie möglich entfernt werden, damit dem Krankheitserreger keine Möglichkeit gegeben wird, Sporen auszubilden.

Mit den inzwischen drei- bzw. zweijährig geprüften Sorte Croozer und LG Alldeor wurden ertragliche Fortschritte gegenüber älteren Sorten erzielt. Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse scheint vor allem LG Alledor in der Lage zu sein, das Ertragsniveau etablierter nicht kohlhernieresistenter Sorten wie Bender zu erreichen. Nicht in den Prüfungen aufgrund erhöhter Glucosinolatgehalte , aber in der Praxis häufig angebaut, ist auch die Sorte Crocodile zu nennen, die laut BSA im Kornertrag gute Leistungen zeigt.

Auf Flächen mit Kohlhernie-Gefahr wird in erster Linie die Sorte LG Alledor empfohlen. Landwirte, die gute Erfahrungen mit der Sorte Crocodile gemacht haben, können diese Sorte sicherlich weiter einsetzen.

Die spezielle Leistungsprüfung Kolhherniesorten in Schleswig-Holstein könnte zukünftig weitere Sorten liefern, die dann im LSV getestet werden.

Unter Befallsbedingungen der Standorte können diese Sorten einen Rapsanbau weiterhin ermöglichen, wie Beispiele vor allem aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zeigen. Dennoch müssen alle pflanzenbaulichen Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Erregers zu minimieren. Resistente Sorten sollten ausdrücklich nur auf Verdachtsflächen angebaut werden, um einem möglichen Überwinden der Resistenz durch den Erreger so lange wie möglich vorzubeugen!

Zusammenfassung

Die Ergebnisse des Jahres 2022 belegen eindrucksvoll das Leistungsvermögen neuer Rapssorten, insbesondere dann, wenn die äußeren Bedingungen es erlauben, das Ertragspotenzial auszuschöpfen. Der züchterische Fortschritt kommt deutlich zum Ausdruck. Dank der hohen bzw. sehr hohen Erträge in Verbindung mit außergewöhnlich hohen Markterlösen zählt Raps in diesem Jahr zu den lukrativsten Mähdruschfrüchten.

Die derzeit positiven Marktaussichten werden sicherlich dazu beitragen, dass der Raps auch für den Anbau 2023 gute Perspektiven hat und damit das Landschaftsbild während der Blüte prägt. Die positiven Effekte des Rapses für die Fruchtfolgegestaltung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Carsten Rieckmann

Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte

0511 3665-4357

0152 5478 2194

carsten.rieckmann~lwk-niedersachsen.de

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