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Insektenprotein für Mastschweine?

Webcode: 01042430
Stand: 08.11.2023

Weltweit sind für mehr als 2 Mrd. Menschen Insekten ein ganz normaler Bestandteil der Ernährung - vorrangig in Afrika, Asien und Südamerika. Auch wenn Insekten als Lebensmittel bei uns bisher kaum eine Rolle spielen, ist das Thema in aller Munde. Ebenso ist es in der Tierernährung präsent. Denn seit September 2021 darf Insektenprotein an Schweine verfüttert werden, sofern rechtliche Vorgaben im Zusammenhang mit den Ausnahmen vom Verfütterungsverbot für tierische Proteine eingehalten werden. Wollen selbstmischende Landwirte Insektenprotein einsetzen, benötigen sie eine Registrierung oder Zulassung. In Niedersachsen ist das Laves für die Anträge zuständig.

Beim Einsatz des Insektenproteins als Futtermittel geht es in erster Linie um Nachhaltigkeit, Tier- und Umweltschutz. Beispielsweise soll seine Nutzung den Sojaimport aus Südamerika reduzieren. Zudem wird für die Produktion weniger Fläche benötigt. Insekten zählen zu den landwirtschaftlichen Nutztieren und dürfen sich nur von Futtermitteln ernähren. Derzeit sind in der EU acht Insektenarten zugelassen. Insektenprotein wird überwiegend in der Heimtierfütterung eingesetzt und ist im Nutztierbereich bisher kaum von Bedeutung. Während bereits Versuche mit Jungtieren durchgeführt wurden, liegen in Deutschland noch keine Ergebnisse von Versuchen mit Mastschweinen vor. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat deshalb den Einsatz von Insektenprotein in der Schweinemast geprüft.

Schwarze Soldatenfliege
Schwarze SoldatenfliegeBrett Hondow / pixabay.com

Versuch mit Insektenprotein

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 112 Ferkel (Topigs Tempo x Topigs TN 70) nach Gewicht und Geschlecht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Zweierbuchten gehalten. Die Tiere wurden dreiphasig gefüttert. Die Anfangs- und Mittelmastfutter der beiden Futtergruppen enthielten Soja- und Rapsextraktionsschrot als Eiweißergänzung, die Endmastfutter nur Sojaextraktionsschrot. Das Versuchsfutter enthielt zusätzlich 4 % Insektenprotein der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens). Alle Futter waren pelletiert und wurden ad libitum verabreicht.

Tabelle 1: Übersicht über die zwei Futtergruppen (Planungsdaten)

 

 

Kontroll- und Versuchsgruppe

 

Mastabschnitt

 

kg

AM

 28-50

MM

50-80

EM

80-122

Rohprotein

Lysin

Phosphor

ME

%

%

%

MJ/kg

16,4

1,20

0,44

13,6

16,0

1,10

0,44

13,3

13,0

0,95

0,40

12,8

 

Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 28 bis 125 kg. Zwischenwägungen wurden bei jedem Futterwechsel vorgenommen. Die Ermittlung möglicher Unterschiede im Verhalten der Tiere war nicht Gegenstand des Versuchs.

Das Insektenprotein enthielt folgende Werte (97 % TS):

52,9 % Rohprotein, 7,8 % Rohfett, 10,3 % Rohfaser, 2,6 % Lysin, 0,68 % Methionin, 1,92 % Threonin, 0,63 % Tryptophan, 0,79 % Calcium und 1,23 % Phosphor.

 

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

Kontrollgruppe

Versuchsgruppe

Insektenprotein

 

 

AM

MM

EM

AM

MM

EM

Rohprotein

Lysin

Methionin + Cystin

Threonin

Valin

ADF

aNDFom

Phosphor

ME

%

%

%

%

%

%

%

%

MJ/kg

15,9

1,19

0,60

0,65

0,72

4,7

11,9

0,42

13,7

15,4

1,12

0,60

0,65

0,74

5,9

15,3

0,51

13,3

13,2

0,92

0,49

0,55

0,62

5,1

16,8

0,44

12,9

16,2

1,23

0,60

0,66

0,74

5,6

13,1

0,48

13,6

15,5

1,15

0,60

0,65

0,73

5,7

14,9

0,50

13,5

13,3

0,88

0,47

0,53

0,64

5,7

16,8

0,46

13,0

 

Die analysierten Phosphorgehalte lagen in beiden MM-Futtern und im EM-Futter der Versuchsgruppe außerhalb des Analysenspielraums.

 

Bessere Leistungen durch Insektenprotein?

Im Mittel lagen die Tageszunahmen bei 1080 g. In der Kontrollgruppe ohne Insektenprotein wurden 1085 g und in der Versuchsgruppe 1073 g Tageszunahmen erreicht. Der Futteraufwand je kg Zuwachs von 2,40 kg war in beiden Gruppen identisch, der tägliche Futterverbrauch unterschied sich ebenfalls nicht (2,60 vs. 2,57 kg). In der Phase ab 80 LG erzielten die Schweine sehr hohe Tageszunahmen von durchschnittlich mehr als 1100 g. Die Schlachtkörper wurden nach AutoFOM klassifiziert. Die Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht waren mit 0,998 in beiden Gruppen identisch. Mit Ausnahme der Tageszunahmen in der Anfangsmast traten weder in der Mastleistung noch in der Schlachtkörperbewertung gesicherte Unterschiede auf.

 

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruht auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum (Juni bis Oktober 2023. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 81,66 € und in der Versuchsgruppe bei 125,89 €. Daraus ergibt sich ein Kostenvorteil von 44,23 € je 100 kg Zuwachs zugunsten der Kontrollgruppe.

 

Tabelle 3: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Kontrollgruppe

 

Versuchsgruppe

Insektenprotein

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Mastleistung bis 50 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

Mastleistung von 50 - 80 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

Mastleistung von 80 - 125 kg LG

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs 

Mastleistung gesamt

Tageszunahmen

Futterverbrauch/Tag

Futteraufwand/kg Zuwachs

 

 

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

56

26,1

125,7

 

1043a

1,76

1,69

 

1094

2,34

2,14

 

1116

3,30

2,97

 

1085

2,60

2,40

 

56

25,8

124,5

 

1009b

1,72

1,71

 

1113

2,35

2,12

 

1096

3,23

2,96

 

1073

2,57

2,40

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Speckmaß

Fleischmaß

Indexpunkte/kg

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

mm

mm

97,2

77,2

18,8

7,4

9,2

13,9

58,9

13,1

64,2

0,998

96,1

77,3

18,6

7,3

9,2

14,1

58,2

13,3

63,1

0,998

 

Fazit

In diesem Schweinemastversuch wurde der Einsatz von 4 % Insektenprotein aus der Schwarzen Soldatenfliege geprüft. Das Leistungsniveau lag im Mittel bei 1080 g Tageszunahmen, einem Futteraufwand je kg Zuwachs von 2,40 kg und Indexpunkten je kg Schlachtkörpergewicht von 0,998. Mit Ausnahme höherer Tageszunahmen der Kontrollgruppe in der Anfangsmast gab es keine signifikanten Unterschiede. Der Einsatz des Insektenproteins erhöhte die Futterkosten je 100 kg Zuwachs um mehr als 44 €. 

Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass der Einsatz von Insektenprotein als Eiweißkomponente im Schweinemastfutter ohne Leistungseinbußen möglich, aber bei dem derzeitigen Preisniveau unwirtschaftlich ist.