Heike Hoffmann und ihr Partner, Landwirt Michael Meyer, leben seit vielen Jahren zusammen auf dem Hof von Meyers Vater. Sie haben drei gemeinsame minderjährige Kinder. Um sich und ihre Familie besser abzusichern, überlegen sie zu heiraten. Sie sind aber unsicher, was sich dadurch genau ändert. Hier bekommen Sie einen ersten Überblick.

Ohne Vorsorgevollmacht
Wird einer der beiden durch Unfall oder Krankheit handlungsunfähig, kann der andere ohne Vorsorgevollmacht keine persönlichen oder finanziellen Entscheidungen treffen. In diesem Fall bestellt das Betreuungsgericht einen Betreuer. Auch wenn dies der Partner ist, unterliegt dieser der gerichtlichen Kontrolle.
Tod vor Heirat
Verstirbt Meyer vor einer Hochzeit, erben seine drei Kinder. Hoffmann geht als unverheiratete Partnerin leer aus.
Der Hof gehört nicht zum Nachlass, da er weiterhin Eigentum von Meyers Vater ist. Mit dem Tod von Meyer endet grundsätzlich auch das Pachtverhältnis. Zum Nachlass gehört jedoch das Vermögen, das Meyer während seiner Bewirtschaftung aufgebaut hat. Die Erben können daraus unter Umständen Ausgleichsansprüche gegenüber dem Hofeigentümer geltend machen.
Ohne besondere Vereinbarung könnte Hoffmann ihre Investition von 150.000 € nicht ohne Weiteres zurückfordern. Auch ein Recht, mit den Kindern auf dem Betrieb zu bleiben besteht nicht.
Aus der Risikolebensversicherung erhält sie zwar 100.000 €. Als unverheiratete Partnerin steht ihr jedoch nur ein erbschaftssteuerlicher Freibetrag von 20.000 € zu. Auf die weiteren 80.000 € müsste sie 30 % Erbschaftssteuer zahlen, das sind 24.000 €.
Trennung
Kommt es zur Trennung, hat Hoffmann als ehemalige Lebensgefährtin grundsätzlich keinen Anspruch auf Unterhalt. Die Kinder hingegen haben einen eigenen Unterhaltsanspruch gegenüber ihrem Vater. Der Unterhalt würde vom Jugendamt auf der Grundlage der Einkommenssituation des Vaters festgesetzt. Frau Hoffmann hätte auch in diesem Fall keine rechtliche Handhabe, um die in den Hof investierten 150.000 € zurückzuverlangen.
Was sich durch die Heirat ändert
Sozialversicherung
Durch die Heirat wird Hoffmann grundsätzlich versicherungspflichtig in der Landwirtschaftlichen Alterskasse. Die Alterskasse verlangt einkommensunabhängig 325 € Beitrag pro Monat (Stand 2026). Für jedes Beitragsjahr erhalten Versicherte im Alter derzeit 19,63 € Monatsrente (Stand 2026). Eine Befreiung von der Beitragspflicht ist möglich beim Vorliegen einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit über 603 € monatlich, beziehungsweise 7.236 € jährlich. Auch während bestimmter Kindererziehungszeiten oder auf Grund der nicht erwerbsmäßigen Pflege von Angehörigen kann eine Befreiung möglich sein. Das sollte aber gut überlegt sein, schließlich ist eine ausreichende Altersvorsorge wichtig. Seit Hoffmann ohne Einkommen auf dem Hof mitarbeitet, hat sie aus dieser Tätigkeit keine eigenen Rentenansprüche erworben. Sie war zwar arbeitslos gemeldet, bekam aber wegen der Bedarfsgemeinschaft mit ihrem Freund kein Arbeitslosengeld II beziehungsweise Bürgergeld. Außerdem musste sie sich selbst krankenversichern. Durch die Heirat wird sie in der landwirtschaftlichen Krankenversicherung ihres Mannes ohne zusätzlichen Beitrag kranken- und pflegeversichert. Ihre gemeinsamen Kinder konnten schon vorher bei ihrem Vater ohne zusätzlichen Beitrag familienversichert sein.
Krankheit und Unfall
Auch die Ehe ersetzt keine Vorsorgevollmacht. Zwar kann die Ehefrau aufgrund des Ehegattennotvertretungsrechtes vorübergehend Entscheidungen in Gesundheitsangelegenheiten treffen. Dieses Recht gilt jedoch nur im begrenzten Umfang und höchstens 6 Monate.
Für vermögensrechtliche Angelegenheiten oder die Betriebsführung bleibt die Vorsorgevollmacht daher weiterhin unverzichtbar.
Tod nach der Heirat

Die Risikolebensversicherung wird an Frau Meyer ausgezahlt. Als Ehefrau profitiert sie zudem von einem Erbschaftssteuerfreibetrag von 500.000 €, sodass voraussichtlich keine Steuer anfällt. Die in den Stall investierten 150.000 € erhält sie nicht direkt zurück. Da der Stall auf fremden Grund errichtet wurde, gehört er dem Grundstückseigentümer. Teil der Erbschaft ist wiederum der Anspruch auf geldlichen Ausgleich für die Wertsteigerung des Pachtbetriebes, den die Erben gegenüber dem Schwiegervater und Opa fordern können. Darüber könnten die investierten 150.000 € u. U. indirekt zurückfließen.
Scheidung
Bei einer Scheidung sind insbesondere Versorgungsausgleich, Unterhalt und Zugewinnausgleich zu regeln.
Versorgungsausgleich
Die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften werden grundsätzlich zwischen den Ehegatten hälftig aufgeteilt. Dabei werden Ansprüche aus gesetzlicher Rentenversicherung, Alterskasse und private Vorsorgesysteme berücksichtigt. Wegen der vergleichsweise geringen Rentenanwartschaften der Landwirte in der Alterskasse kommt es regelmäßig zu einem Versorgungsausgleich, bei dem die Ehefrau Rentenansprüche an ihren Ehemann abgibt. Ihr höheres Rentenkonto kommt oft allein dadurch zustande, dass die Kindererziehungszeiten auf ihrem Rentenkonto verbucht werden. Zudem hat sie meist entweder Rentenansprüche in der Alterskasse oder aus Tätigkeit außerhalb des Betriebes in der Deutschen Rentenversicherung gesammelt.
Nachehelicher Unterhalt
Nach einer Scheidung ist grundsätzlich jeder Ehegatte für seinen eigenen Unterhalt verantwortlich. Ansprüche bestehen nur in besonderen Fällen, etwa wegen Kinderbetreuung, ( Kinder unter 3 Jahren) Krankheit, Erwerbsminderung oder hohen Alters.
Zugewinnausgleich
Der Zugewinnausgleich ist in der Landwirtschaft ein besonders schwieriger Teil der Scheidung. Die Zugewinngemeinschaft ist der gesetzliche Güterstand, sofern keine Regelungen getroffen wurden. Dabei bleibt das Vermögen der Ehepartner grundsätzlich getrennt. Im Falle der Scheidung wird jedoch der während der Ehe erzielte Zugewinn der Ehepartner miteinander verglichen und gegebenenfalls ausgeglichen. Die Landwirtschaft ist beim Zugewinnausgleich privilegiert. Nach § 1376 BGB ist der landwirtschaftliche Betrieb nicht mit dem Verkehrswert, sondern mit dem jeweiligen Ertragswert anzusetzen. Dieser wird auf der Grundlage der Buchabschlüsse des Betriebes gutachterlich ermittelt. Er ist vielfach geringer als der Verkehrswert des jeweiligen Betriebes. Durch die begünstigte Bewertung des Hofes wird in den meisten Fällen ein geringer bis kein Zugewinn auf der Seite des Betriebsinhabers zu verzeichnen sein. Ist der landwirtschaftliche Betrieb erst während der Ehe durch Erbschaft oder Hofübergabe in den Besitz eines Ehegatten gekommen, so wird dieser behandelt, als wäre er schon vor der Ehe im Eigentum des jeweiligen Ehegatten gewesen. Damit zählt der Betrieb selbst nicht als Zugewinn, sondern nur die Ertragswertsteigerung. Werden allerdings während der Ehe Flächen hinzugekauft oder verkauft, so sind diese nicht mit dem Ertragswert, sondern mit dem Verkehrswert zu bewerten und führen zu einem beträchtlichen Zugewinn. Die Ermittlung und Einigung über den Zugewinn verursachen regelmäßig langwierige Auseinandersetzungen.
Meyer und Hoffmann waren in diesem Fall noch nicht von der schwierigen Zugewinnermittlung eines landwirtschaftlichen Betriebs betroffen. Da Meyer selbst nur Pächter ist, wurde der Betrieb kein Gegenstand des Zugewinnausgleichs. Nur das selbst erwirtschaftete Inventar wird neben dem sonstigen Vermögen der Ehegatten gleichermaßen mit dem Verkehrswert angesetzt und ist auszugleichen.
Die eigene Familie richtig absichern!
Am einfachsten lässt sich das Risiko einer Handlungsunfähigkeit durch gegenseitige Vorsorgevollmachten absichern. Sie ermöglichen dem Ehepartner, im Ernstfall unmittelbar Entscheidungen zu treffen, ohne dass ein gerichtlicher Betreuer bestellt werden muss. Ergänzend sollte eine Bankvollmacht erteilt und ein Notfallordner mit allen wichtigen Informationen angelegt werden.
Für den Todesfall ist ein Testament besonders wichtig. Dabei sollte vermieden werden, dass ein minderjähriges Kind Hoferbe wird. Andernfalls entscheidet über Jahre ein Vormund mit, der in erster Linie die Interessen des Kindes und den Erhalt des Vermögens sichern muss. Dies kann die betriebliche Entwicklung erheblich einschränken.
Ist der Betrieb noch nicht im Besitz des Betriebsleiters, wie im Fall Meyer, so ist dessen Familie auf andere Weise finanziell abzusichern z. B. über eine hoch angesetzte Risikolebensversicherung, die nicht zur Ablösung von Verbindlichkeiten notwendig ist.
Nach den vielen Jahren erfolgreicher Betriebsbewirtschaftung könnte Herr Meyer seinen Vater aber auch vorsichtig fragen, ob eine Hofübergabe nicht bald möglich wäre. Dann könnten seine Hinterbliebenen im Ernstfall ganz sicher auf dem Betrieb bleiben.
Die Versorgungslücke, die Frau Hoffmann durch ihre langjährige unentgeltliche Mitarbeit entstanden ist, hätte durch einen Arbeitsvertrag vermieden werden können. Grundsätzlich ist ein angemessener Arbeitsvertrag eine gute Möglichkeit, die Mitarbeit im landwirtschaftlichen Betrieb wertzuschätzen und gleichzeitig eigene Ansprüche für die Altersvorsorge aufzubauen.
Die Unsicherheiten, die eine Scheidung (mit Hof) mit sich bringen würde, könnte Familie Meyer über die Errichtung eines Ehevertrages ausräumen. Darin könnte eine modifizierte Zugewinngemeinschaft vereinbart werden, bei der der Hof aus dem Zugewinnausgleich ausgeschlossen wird und stattdessen ein fester Ausgleichsbetrag pro Ehejahr vereinbart würde.
Um die von Frau Hoffmann eingebrachten 150.000 € abzusichern, sollte ein Darlehensvertrag mit ihrem Ehemann oder Schwiegervater geschlossen werden, der insbesondere für die Fälle von Tod oder Scheidung eine sofortige Rückzahlung vorsieht.
Wie das Beispiel der Familie Meyer aufzeigt, gilt es, die individuellen Folgen der einzelnen Risiken zu beleuchten und dann die jeweils passende und umsetzbare Absicherungsvariante zu wählen. In einer solch unabgesicherter Situation befinden sich nicht nur eine Vielzahl von Frauen auf den Betrieben, sondern gleichermaßen Männer, die auf einem Betrieb eingeheiratet sind.
Aus diesem Grund bietet die LWK-Niedersachsen Seminare und Einzelberatung zu diesem Thema an. Nähere Infos zu den Seminaren finden Sie hier und direkt in unserem Veranstaltungskalender.
















