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LSV Körnermais 2023: Ein- und mehrjährige Ergebnisse

Webcode: 01042442 Stand: 30.11.2023

Der Körnermais konnte in diesem Jahr aus ertraglicher Sicht insgesamt überzeugen. Aufgrund der gegenüber dem Vorjahr veränderten Marktbedingungen gewinnen frühreife Sorten gerade bei der Vermarktung dank geringerer Trocknungskosten an Bedeutung.

Körnermais Ernte
Körnermais ErnteCarsten Rieckmann
Aufgrund der letztjährigen positiven ökonomischen Ergebnisse setzte sich das zunehmende Interesse am Körnermaisanbau weiter fort. Laut der Invekos-Zahlen stieg der Anbau um gut 22 % von 93.000 ha im Jahr 2022 auf über 114.000 ha 2023. Auch ein prozentualer Ertragszuwachs um ca. 35 % war festzustellen. Nach den vorläufigen Zahlen des niedersächsischen Landesamtes für Statistik (LSN) stieg der niedersächsische Durchschnittsertrag von 77 dt/ha (2022) auf 104 dt/ha (Angaben des LSN vom 20.11.2023) an. Die letztjährigen, durch den Ukrainekrieg in die Höhe geschossenen Körnermaispreise von ca. 32,00 €/dt rutschten wieder auf ein Preisniveau von ca. 20 €/dt ab, sodass sich trotz sehr guter Erträge die bereinigte Marktleistung um knapp 1.000 €/ha gegenüber dem Vorjahr reduzierte. Diese Preisnivellierung betraf jedoch alle vermarkteten Mähdruschfrüchte in vergleichbarer Relation.

Vegetationsverlauf

Zum Zeitpunkt des üblichen Aussaattermins Mitte April und in den darauffolgenden Wochen waren Spitzenerträge für die Maisernte kaum erwartbar. Ungünstige Witterungsverhältnisse mit niedrigen Bodentemperaturen und schlechter Befahrbarkeit der Flächen verzögerten die Maisaussaat je nach Standortbedingungen um ca. eine bis zwei Wochen; teilweise wurden Flächen erst Mitte Mai bestellt. Die anschließenden kühlen Temperaturen bis Ende Mai beeinträchtigten die Jugendentwicklung des Maises. Die ab Mitte Mai einsetzende und bis zum 20. Juni anhaltende Trockenphase, die vielen Winterungen, besonders aber dem Sommergetreide und den Leguminosen zu schaffen machte, wirkte sich auf den Mais deutlich weniger aus. Die danach einsetzenden Niederschläge fielen in den meisten Regionen noch gerade rechtzeitig, um für den Blühbeginn des Maises ausreichende Wasservorräte zur Verfügung zu haben. Befürchtungen, dass die verzögerte Aussaat auch zu einer späten Reife führen würde, bestätigten sich nicht. Durch die hohe Sonneneinstrahlung und die sommerlichen Temperaturen ab Ende Juni wurde die erforderliche Temperatursumme zum Einleiten der Blühphase selbst für spät bestellte Maisflächen noch im Juli erreicht. In den Sommermonaten profitierte der Mais von den häufigen Niederschlagsereignissen, während sie für die ab August zu erntenden Kulturen, wie Weizen und Roggen zu Ernte- und in deren Folge auch zu Qualitätsproblemen führten. Ein Beregnungseinsatz im Mais war vielfach nicht erforderlich.

Die hochsommerlichen Temperaturen vor allem im September beschleunigten dann die weitere Abreife des Maises. Erste Maisbestände zur CCM-Nutzung und auch frühreife Körnermaissorten wurden daher bereits Ende September gedroschen. Generell erstreckte sich die Körnermaisernte jedoch wieder über einen recht weiten Zeitraum, abhängig von Aussaat, Sorte und klimatischen Standortbedingungen. Die starken Niederschläge Ende Oktober und auch im November verursachten dann teilweise Befahrbarkeitsprobleme auf den noch zu erntenden Flächen.

Insgesamt führten die günstigen Temperaturbedingungen bei gleichzeitig guter Wasserversorgung in den Sommermonaten zu einer sehr guten Kolben- und Kornausbildung, sodass vielfach sehr hohe Erträge erzielt wurden; dies spiegelt sich auch in den Erträgen der niedersachsenweit angelegten Körnermaisversuche wider. Wenn auch viele Körnermaisbestände nicht ganz die geringen Restfeuchtegehalte des Vorjahres erreichten, so wurden zahlreiche Maisbestände in diesem Jahr mit Feuchtegehalten unter 32 % gedroschen.

Versuchsstandorte

Die Körnermaisprüfungen in Niedersachsen wurden in den drei Anbauregionen Nord, West und Süd/Ost auf insgesamt acht Prüfstandorten angelegt (siehe Karte).

Sowohl die Aussaat als auch die Ernte erstreckte sich über einen recht weiten Zeitraum, da die jeweiligen Boden- bzw. Witterungsbedingungen berücksichtigt werden mussten.

Die Anbauregion West (südliches Weser-Ems-Gebiet) wird durch die langjährigen Standorte Astrup (LK OS), Essen (LK CLP) und Borwede (LK DH) abgebildet und durch die NRW Standorte Dülmen-Merfeld, Greven und Ostenland-Delbrück in der mehrjährigen Auswertung ergänzt. Alle drei niedersächsischen Standorte konnten in diesem Jahr mit sehr hohen Ertragsleistungen von durchschnittlich 130 bis 148 dt/ha Kornertrag gewertet werden. Zusätzlich zu den NRW-Versuchen wurden in dieser Anbauregion in die mehrjährige Verrechnung weitere Vorprüfungsstandorte mit Wert- bzw. EU-Prüfungen einbezogen. Für die Anbauregion Nord konnten die beiden Standorte Rockstedt (LK ROW) und Wehnen (LK WST) mit sehr hohen Durchschnittserträgen von 122 bis 156 dt/ha in die Auswertung eingehen. Zusätzlich wurden aber auch die LSV-Ergebnisse aus Borwede mit einbezogen. Vorprüfungsergebnisse aus EU- bzw. Wertprüfungen von Rockstedt und Wehnen der letzten Jahre konnten entsprechend genutzt werden. Von den drei südöstlichen Körnermaisprüfstandorten Poppenburg (LK HI), Königslutter (LK HE) und Göttingen (LK GÖ) konnte letzterer aufgrund von Auflaufproblemen und Vogelfraßschäden nicht gewertet werden. In die mehrjährige Verrechnung wurden der NRW-Standort Haus Düsse (LK SO) sowie Wertprüfungen am Standort Einbeck und Poppenburg mit einbezogen, um so aussagekräftige Ergebnisse für die Anbauregion südöstliches Niedersachsen zu gewährleisten.

In den Landessortenversuchen wurden 2023 insgesamt 45 Sorten geprüft, die in der Reifezahl zwischen K 180 und K 250 liegen. Aufgrund der Vielzahl an Neuzulassungen wurden insgesamt 12 neue Kandidaten aufgenommen, sodass Sorten ohne letztjährige Empfehlung nicht mehr weitergeprüft wurden. Die Bandbreite der Sorten in ihrer Abreife ist sicherlich sehr unterschiedlich. Zur besseren Vergleichbarkeit der Sorten im Ertrags- und Abreifeverhalten wurden sie in einem gemeinsamen Sortiment geprüft. Stärkere Probleme durch Sturmschäden – auch im frühen Entwicklungsstadium – traten im Prinzip nicht auf, sodass auch frühe Sorten bei tendenziell zu später Ernte an einzelnen Standorten nicht benachteiligt wurden. Auch späte, in erster Linie zahnmaisbetonte Sorten konnten ihr Ertragspotenzial ausschöpfen, da die Einzelversuche in Niedersachsen allesamt in einem Bereich von 33 % bis 24 % Restfeuchtegehalt im Mittel der Sorten geerntet wurden.

Die Beerntung der Versuche erstreckte sich über einen Zeitraum vom 05. Oktober bis 01. November, wobei der späte Termin der mangelnden Befahrbarkeit des Standortes geschuldet war. Während im vergangenen Jahr die Wasserverfügbarkeit oftmals der limitierende Faktor bei der Ertragsleistung war, konnten mit Durchschnittserträgen von 122 dt/ha am Standort Rockstedt (85 dt/ha 2022) und 156 dt/ha am Standort Wehnen (2022 aufgrund von Trockenschäden nicht auswertbar) deutlich höhere Werte erzielt werden. Im Mittel der Prüfstandorte wurde ein Mehrertrag von 22 dt/ha gegenüber 2022 erreicht.

Sortenempfehlungen

Da die Anzahl der Prüfstandorte in den einzelnen Anbauregionen recht eingeschränkt ist, wurden wie oben erwähnt für die mehrjährige Beurteilung der Sortenleistungen die Ergebnisse aus Wert- und EU-Prüfungen sowie von Standorten aus den Nachbarregionen anteilig mit in die Verrechnung einbezogen, um auf diese Weise die Sortenleistungen noch verlässlicher abbilden zu können.

Sorten, die sich unter unterschiedlichen Umweltbedingungen behaupten können, zeichnen sich durch eine entsprechende Robustheit aus und bieten von daher eine höhere Anbausicherheit.

Körnermais wird zum einen als Corn Cob Mix (CCM) angebaut, bei dem keine zusätzliche Trocknung erforderlich ist, da die Lagerung durch Feuchtkonservierung erfolgt. Dieses Verfahren wird vielfach für die Nutzung im eigenen Betrieb angewendet; das Erntegut kann aber auch frisch ab Feld oder bereits siliert entsprechend vermarktet werden. Bei der Körnernutzung werden in der Regel die Körner auf Restfeuchtegehalte von ca. 14 % getrocknet. Hier sind neben dem Kornertrag möglichst geringe Restfeuchten im Erntegut eine entscheidende Größe für die Wirtschaftlichkeit. Unterschiede bei den Trocknungskosten aufgrund variierender Restfeuchtegehalte beeinflussen die Marktleistung stark; dies kommt auch in diesem Jahr wieder zum Tragen, da die Energiekosten nach wie vor auf einem sehr hohen Level liegen. Für die Berechnung der bereinigten Marktleistung wurden Trocknungskosten in Höhe von 0,18 € (2022: 0,20 €) pro % Gesamtfeuchte zu Grunde gelegt. Gleichzeitig verringerte sich für die Berechnung der bereinigten Marktleistung der Vermarktungspreis von 32,00 €/dt (2022) auf nunmehr 20,00 €/dt abzüglich der erwähnten Trocknungskosten. Wenn die Möglichkeit der Trocknung in Zusammenarbeit mit einer Biogasanlage bewerkstelligt oder zumindest unterstützt werden kann, reduzieren sich jedoch in der Regel die Kosten. Die Darstellung der bereinigten – sprich um die Trocknungskosten verringerten – Marktleistung fasst die Leistungsfähigkeit der Sorten ökonomisch zusammen und sie kann daher für die Sortenentscheidung sehr gut herangezogen werden. Früh abreifende Sorten mit eher durchschnittlichen Erträgen können dieses Manko durch geringe Restfeuchtegehalte oftmals dann in der Marktleistung wettmachen. Das zeigt sich insbesondere in diesem Jahr. Zudem bieten diese Sorten eine deutlich höhere Anbausicherheit, vor allem in Jahren mit zögerlicher Abreife. Ebenso bietet die frühere Beerntung der Körnermaisflächen auch für die Fruchtfolgegestaltung deutliche Vorteile, weil Herbstaussaaten entsprechend fristgerecht bestellt werden können; ein Punkt, der gerade in diesem Jahr oftmals stark zum Tragen kam. Müssen später abreifende Sorten mit deutlich über 35 % Restfeuchte gedroschen werden, können entsprechend die Trocknungskosten sowie der Schwundfaktor nochmals spürbar ansteigen. Ertragreiche und gleichzeitig später abreifende Sorten empfehlen sich daher vornehmlich für die Feuchtmais- oder CCM-Nutzung, bei der die Beerntung in einem Feuchtebereich des Korns von ca. 35 bis 40 % erfolgt. Besonders für späte Druschtermine sind Sorten mit guter Standfestigkeit und geringem Stängelfäulebefall sehr wichtig, um die Bestände auch dann noch problemlos beernten zu können.

Für den Frühdrusch eignen sich in erster Linie natürlich sehr früh bzw. früh abreifende Sorten, die dann zu diesem Erntetermin in der Regel auch über eine ausreichende bis gute Standfestigkeit verfügen. Zu den sehr früh abreifenden und wenigstens zweijährig im LSV geprüften Sorten zählt nach wie vor Ileo. Mit KWS Nevo ist eine neue 180er Körnermaissorte in die Prüfungen gestellt worden, die nochmals geringere Restfeuchtegehalte zur Ernte aufweist bei allerdings unterdurchschnittlichen Kornerträgen. Dennoch überzeugte sie dank geringer Trocknungskosten in der bereinigten Marktleistung und wird für den Probeanbau empfohlen. Mit zunehmender Verzögerung der Ernte ist die Gefahr durch abnehmende Stängelfestigkeit zu beachten, was jedoch bei KWS Nevo zumindest im ersten LSV-Jahr nicht erkennbar war. Als frühreife Sorten sind Amarola, Amanova, Farmactos, KWS Emporio, Amavit, Farmalou und Ashley sowie die 2023 nicht mehr geprüfte,

 aber nach wie vor empfohlene Sorte Rancador zu nennen, die in einer oder mehreren Anbauregionen für die Körnermaisnutzung empfohlen werden. Darüber hinaus sind ES Blackjack und LG 31222 zu erwähnen, die ertraglich jedoch etwas schwächer einzustufen sind. Von den einjährig geprüften Sorten erwies sich die 200er Körnermaissorte LG 31212 als frühreif und standfest, wodurch sie auch in der bereinigten Marktleistung zu überzeugen wusste und bereits für den Probeanbau empfohlen wird.

Als besonders standfest erwiesen sich die Sorten LG 32257, Farmactos, Farmalou, Sumumba, Plutor und LG 31219. Volney, Micheleen, LG 31238, DKC 4338 und Greatful sind ebenfalls standfest und zeigen zudem keine Schwächen gegenüber Stängelfäulebefall. Von den erstmalig im LSV geprüften Sorten sind vor allem DKC 3400, RGT Alyxx Duo und Farmbeat als standfest zu bezeichnen. Aber auch die übrigen neuen Sorten zeigten 2023 in der Standfestigkeit keine Schwächen, zumal sie auch gegenüber Stängelfäulebefall unauffällig waren.

Für die Körnermaisnutzung hat sich aufgrund der geänderten Marktpreise und Trocknungskosten die im letzten Jahr bereits vollzogene Verschiebung der Sortenrangierung zugunsten der frühreifen Sorten noch weiter verstärkt. Die Trocknungskosten beeinflussen bei gesunkenen Marktpreisen die bereinigte Marktleistung in höherem Maße. Durch überdurchschnittliche Ergebnisse in der bereinigten Marktleistung zeichnen sich folgende Sorten aus und werden daher für diese Nutzungsrichtung empfohlen:

KWS Emporio konnte die letztjährigen Kornerträge vor allem im Norden und Westen bestätigen. Aufgrund der geringen Trocknungskosten erreichte sie in diesen Regionen auch sehr hohe Marktleistungen. Bei guter Standfestigkeit wird sie zur Körnernutzung generell, für die CCM-Nutzung im Norden und Westen empfohlen.

Ileo wies unter den mehrjährig geprüften Sorten die geringsten Restfeuchtegehalte auf und wird trotz unterdurchschnittlicher Erträge generell für die Körnernutzung empfohlen, besonders im Norden, wo sie die besten Marktleistungen dank geringer Trocknungskosten erreichte. Zu beachten sind die möglichen Schwächen bei der Stängelfäule, die jedoch in erster Linie bei verspäteter Beerntung zu befürchten sind. Aufgrund der sehr frühen Abreife empfiehlt sie sich insbesondere auch für den Frühdrusch.

Amanova wird trotz leicht unterdurchschnittlicher Kornerträge dank früher Abreife nach wie vor für die Körnermaisnutzung empfohlen, da sie in der Marktleistung in allen drei Anbauregionen, vor allem im Norden, konstante gute Ergebnisse lieferte. Hinzu kommt die gute Standfestigkeit.

Amavit erzielte vor allem im Norden und Westen hohe Kornerträge. Dank geringer Restfeuchtegehalte überzeugte sie in allen Anbauregionen mit guten Marktleistungen und wird daher für die Körnermaisnutzung empfohlen.

Ashley erreichte im Norden hohe Kornerträge und erzielte wegen geringer Restfeuchtegehalte dort eine sehr gute Marktleistung. Aber auch in den beiden anderen Anbauregionen wurden hohe Marktleistungen erbracht, sodass sie generell für die Körnernutzung empfohlen wird, zudem im Norden auch für die CCM-Nutzung.

Amarola erzielte leicht unterdurchschnittliche Erträge und profitierte in der bereinigten Marktleistung von den geringen Restfeuchtegehalten, sodass sie insgesamt hohe Markteistungen erreichte und damit als Körnermais in allen Anbauregionen empfohlen wird.

LG 32257 überzeugte in beiden Prüfjahren durch sehr gute Ertragsleistungen und Standfestigkeit bei durchschnittlicher Abreife. Daher wird sie als einzige Sorte generell für alle Anbauregionen sowohl für die Körner- als auch CCM-Nutzung empfohlen.

Farmactos erzielte durch geringe Restfeuchten hohe Marktleistungen im Norden und Westen und wird dort als Körnermais empfohlen. Darüber hinaus ist die sehr gute Standfestigkeit hervorzuheben.

Die 2023 nicht mehr geprüfte Sorte Rancador wird aufgrund der hohen Marktleistung nach wie vor für die Anbauregion Nord empfohlen.

Farmalou und Micheleen erhalten für diese Anbauregion dank hoher Marktleistungen und sehr guter bzw. guter Standfestigkeit ebenfalls eine Anbauempfehlung.

KWS Johaninio und die standfeste Sorte LG 31238 erreichten in der Anbauregion West hohe Marktleistungen und empfehlen sich daher dort für den Anbau.

Nutzungsrichtung CCM

Vor allem die kornertragsbetonten Sorten mit guter Standfestigkeit sind für diese Nutzungsrichtung besonders geeignet; die Restfeuchtegehalte spielen dafür eine eher untergeordnete Rolle.

Folgende Sorten erhalten hier eine Empfehlung:

Farmoritz lieferte auch dieses Jahr wieder sehr gute Erträge in allen Anbauregionen und ist mehrjährig betrachtet die ertragsstärkste Sorte bei gleichzeitig guter Standfestigkleit, aber später Abreife.

LG 32257 überzeugte nach zwei LSV-Jahren sowohl in der Ertrags- als auch in der bereinigten Marktleistung und wird daher neben der Körnernutzung auch für die CCM-Nutzung in allen drei Anbauregionen klar empfohlen.

Zusätzlich zu LG 32257 empfehlen sich aus ertraglicher Sicht die generell für die Körnernutzung empfohlenen Sorten KWS Emporio für die Anbauregionen Nord und West sowie Ashley für die Anbauregion Nord als CCM-Mais.

Privat, ES Traveler und Digital bestätigten auch im dritten LSV-Jahr in allen Anbauregionen ihre Ertragsleistungen und bieten sich für den CCM-Anbau an, wobei bei Privat die etwas schwächere Einstufung in der Standfestigkeit und beim Stängelfäulebefall beachtet werden sollte.

Die spät abreifende zweijährig geprüfte Sorte Glutexo konnte in allen Anbauregionen hohe Erträge erzielen und wird unter Berücksichtigung der Schwächen in der Halmstabilität ebenfalls empfohlen.

Neben der spät abreifenden Sorte Sumumba werden auch die zweijährig geprüften Sorten Murphey und Wesley für die Anbauregion Süd/Ost zur CCM-Nutzung empfohlen; dieses trifft für Volney und Janeen für die Anbauregion Nord zu. Während bei Janeen Schwächen in der Standfestigkeit zu beachten sind, erweisen sich Sumumba und leicht abgeschwächt Volney und Wesley als sehr robust.

Empfehlung für den Probeanbau in den beiden Nutzungsrichtungen

Von den zahlreichen erstmalig im LSV geprüften Sorten erreichten auch unter Einbeziehung von Vorprüfungsergebnissen zahlreiche Kandidaten gute bis sehr gute Ergebnisse, die eine Empfehlung für den Probeanbau rechtfertigen.

Die sehr früh abreifende Sorte KWS Nevo erreichte trotz unterdurchschnittlicher Erträge dank geringer Trocknungskosten sehr hohe Marktleistungen und kommt damit klar für den Probeanbau als Marktfrucht für alle Anbauregionen in Frage. Mit ebenfalls hohen Marktleistungen durch frühe Abreife überzeugte auch die standfeste Sorte LG 31212.

DKC 3323 und Chelsey werden ebenfalls für die Körnernutzung für die Anbauregionen West und Süd/Ost empfohlen, wobei DKC 3323 dank hoher bis sehr hoher Erträge niedersachsenweit auch als CCM-Mais getestet werden kann. Alle genannten neuen Sorten erwiesen sich als standfest.

Die neue Sorte LID 2404 C bietet sich für den CCM-Anbau in erster Linie für die Anbauregionen West und Süd/Ost an und für die Körnernutzung für die Region Süd/Ost.

Schwerpunktmäßig für den CCM-Anbau kommen auch die spät abreifenden Sorten Smartboxx, Fight, Grizmo und P 8317 für den Probeanbau in Frage, da sie ertraglich überzeugten, wobei dieses für die beiden erstgenannten niedersachsenweit gilt, während es bei Grizmo für die Anbauregionen West und Süd/Ost und bei P 8317 für die Region Nord zutrifft.

Empfohlene Sorten für den Körner- und Silomaisanbau

Da viele Landwirte sowohl Körner- als auch Silomais anbauen und wie in diesem Jahr beispielsweise im Laufe der Vegetation die Verwertungsrichtung noch ändern wollen bzw. müssen, wird oftmals nach sogenannten Doppelnutzungssorten angefragt. In der Tabelle der zusammengefassten Sortenempfehlungen Mais-Doppelnutzungssorten sind alle die Sorten aufgeführt, die in beiden Nutzungsrichtungen geprüft und in wenigstens einer auch empfohlen wurden.

Fazit

Der Körnermais stellte in diesem Jahr sein Leistungsvermögen eindrucksvoll unter Beweis. Je nach Nutzungsrichtung, sprich als Körnermais zur Vermarktung oder für die CCM-Nutzung, bieten sich eine Vielzahl entsprechender Sorten an. Aufgrund der gesunkenen Marktpreise bei gleichzeitig nach wie vor hohen Trocknungskosten kommen für die Körnermaisvermarktung in erster Linie frühreife Sorten in Betracht, die durch geringere Trocknungskosten auch etwas schwächere Erträge gut kompensieren können. Hierfür stehen sehr gute zwei- und mehrjährig geprüfte Sorten zur Verfügung, die durch einzelne neue Sorten gut ergänzt werden. Die ertragsbetonten und oftmals später abreifenden Sorten hingegen kommen vornehmlich für die CCM-Nutzung in Frage, wobei auch hier sehr etablierte Sorten durch neuere Kandidaten ergänzt werden.

Bei künftig weiterhin hohen Energiekosten wird die Wirtschaftlichkeit stark von den Trocknungskosten abhängig sein. Hier werden vor allem die früh abreifenden Sorten mit guter Standfestigkeit weiterhin ihre Anbaubedeutung stärken.

Aufgrund der schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst 2023 konnten viele Fläche vor Winter nicht bestellt werden. Hiervon könnte der Körnermaisanbau entsprechend profitieren.

Von den Sommerungen ist der Mais durch seine lange Vegetationsdauer im Vergleich zum Getreide sehr gut in der Lage, verschiedenste organische Nährstoffträger effektiv zu nutzen. Somit können Kosten für Mineraldünger reduziert werden. Dem Wunsch zur stärkeren Anbaudiversifizierung in Ackerbauregionen kann mit Körnermais sicherlich ebenfalls Rechnung getragen werden.