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LSV Silomais 2023: Ergebnisse und Empfehlungen mittelfrühes und mittelspätes Sortiment

Webcode: 01042490 Stand: 23.11.2023

Das Reifesegment mittelfrüh hat im niedersächsischen Maisanbau die größte Bedeutung. In sehr günstigen Lagen werden nicht selten auch mittelspäte Sorten erfolgreich angebaut.

Silomais-Ernte
Zu Beginn der Maissaison erbrachte die Ernte sehr gute Erträge und Qualitäten und verlief bei bestem WetterKarl-Gerd Harms
Ob eine mittelfrühe oder mittelspäte Maissorte angebaut werden sollte, hängt von den klimatischen Bedingungen des jeweiligen Standorts ab. Je spätreifer eine Sorte ist, desto höher ist ihr Anspruch an die Temperatursumme. Für Silomais kann als Richtschnur gelten, dass dieser im Durchschnitt der Jahre gegen Ende September seine Silierreife (32 – 35 % TS-Gehalt) erreicht haben sollte. Bei späterem Erreichen der Silierreife kann es zu Qualitätseinbußen kommen, Ertragssteigerungen sind gegenüber ortsangepassten Sorten mit niedrigerer Reifezahl hingegen kaum zu erwarten, jedoch steigt das Ernterisiko deutlich an, wie die diesjährige Witterung mit der zunehmend schlechteren Befahrbarkeit der Flächen mal wieder deutlich zeigt.

In Niedersachsen sind daher mittelfrühe Sorten weit verbreitet. In Küstennähe, ausgemachten Höhenlagen und auf sehr kalten Standorten sowie bei Mais im Zweitfruchtanbau sollten frühreife Sorten zum Einsatz kommen. Auf vielen wärmeren Standorten Niedersachsens können auch mittelspäte Sorten angebaut werden. Daher werden für die Anbauregionen Ost, Süd und West (siehe Karte) auch Sorten mit Reifezahlen über S 250 offiziell für den Anbau empfohlen. Zu beachten ist hierbei jedoch der höhere Wärmeanspruch dieser Genetik; ohne die entsprechenden Witterungsbedingungen können diese Sortentypen ihr höheres Ertragspotential nicht auf die Waage bringen. Vor diesem Hintergrund macht der Anbau von mittelspäten Sorten im nördlichen Niedersachsen wenig Sinn und diese werden dort nicht empfohlen; gleiches gilt auch für höhere Lagen in Südniedersachsen. Wie bereits in der letzten Ausgabe beschrieben, werden für den Bodenklimaraum „Höhenlagen“ keine separaten Empfehlungen mehr erstellt.

Um die passende Reifegruppe für den eigenen Standort zu finden, ist ein Temperatursummenmodell geeignet. Hierzu werden die langjährigen täglichen Durchschnittstemperaturen von Mai bis einschließlich September am einer Basistemperatur von 6°C addiert. Zum Erreichen der Silierreife (32% TS-Gehalt) werden bei mittelspäten Sorten (S 260 – S 280) mindestens 1570 Summengrade benötigt. Die Mindesttemperatursumme für mittelfrühe Sorten (S 230 – S 250) liegt bei ca. 1500 Grad. Frühen Sorten (S 200 – S220) benötigen bis zum Beginn des Erntefensters ca. 1430 Summengrade. Wird diese Summe nicht erreicht, sollten Sorten mit einer Reifezahl von unter S 200 gewählt werden. Für einen erfolgreichen Maisanbau ist die Wahl der richtigen Reifegruppe von entscheidender Bedeutung, denn eine höhere Reifezahl bedeutet nicht zwangsläufig einen höheren Ertrag.

Die Sortenwahl ist demgegenüber nachrangig zu klären. Hierfür stellen die LSV-Ergebnisse Silomais eine gute Informationsquelle dar.

Die unabhängigen Sortenempfehlungen der LWK Niedersachsen basieren auf statistischen Auswertungen, welche die LSV-Ergebnisse mehrjährig auf Basis der Bodenklimaräume auswerten und in Relation zum aktuellen Prüfsortiment darstellen (siehe Regionstabellen). Auf diese Weise fließt der aktuelle Zuchtfortschritt möglichst schnell in die Auswertungen mit ein, gleichzeitig werden mögliche witterungsbedingte Jahreseffekte in den Einzelergebnissen nicht überbewertet. Das Verfahren ermöglicht es auch, die Ergebnisse aus den LSV-Vorprüfungen (WP/EUP) mit einzubeziehen, so dass auch neu in die LSV aufgenommene Sorten bereits auf Basis einer mehrjährigen Datenbasis bewertet werden.

In den diesjährigen LSV Sortimenten wurden insgesamt 98 Silomaissorten auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft. Bereits in der letzten Ausgabe wurden die Anbauempfehlungen aus den 30 Prüfsorten des frühen Sortiments zzgl. zwei Vergleichssorten aus dem mittelfrühen Sortiment vorgestellt.

Im Folgenden werden aus 43 mittelfrühen und 25 mittelspäten Sorten die Anbauempfehlungen vorgestellt; in jedem Sortiment wurde außerdem eine Vergleichssorte mitgeprüft.

Auf Basis dieser Prüfsortimente wird jährlich ein Sortenratgeber und eine differenzierte Anbauempfehlung nach Nutzungsschwerpunkten erarbeitet.

Region Nord

Für die milden Standorte im Norden Niedersachsens eignen sich nicht nur frühe Sorten. Jedoch macht besonders bei mittelfrühen Sorten ein Blick auf die in der Anbauregion erreichte Abreife, also den TS-Gehalt, durchaus Sinn. Der Anbau von Sorten mit der Einstufung „-„ bzw. einer unterdurchschnittlichen Abreife (unter rel. 100) sollten in diesen Breiten wohl überlegt sein. Mittelspäte Sorten werden für das nördliche Niedersachsen nicht empfohlen.

Für die energetische Aufwertung grasbetonter Rationen werden aus dem mittelfrühen Reifesegment die Sorten LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), KWS Bernadino (S 240), KWS Jaro (S 230), P 8255 (S 240), Greatful (S 240), Benedictio KWS (S 230), Feuerstein (S 250), Privat (ca. S 240) und Farmactos (S 230) für den Anbau im kommenden Jahr empfohlen.

Für die Gestaltung maisbetonter Rationen haben die Sorten ES Traveler (S 250), DKC 3327 (S 230), LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), P 8153 (S 240), KWS Jaro (S 230), LG 31238 (S 230) und Greatful (S 240) eine Anbauempfehlung erhalten. Die Sorten Already (S 250) und DKC 3323 (S 230) haben eine Empfehlung für den Probeanbau erzielt.

Im Bereich Energiemais haben die Sorten ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), DKC 3438 (S 250), DKC 3327 (S 230), DKC 3414 (S 250), Haruka (S 250), DKC 3418 (S 250) und Haiko (S 250) mehrjährig sehr gute Leistungen gezeigt und eine Anbauempfehlung erhalten. Die Sorte Already (S 250) wird für den Probeanbau empfohlen.

Region Ost

Auf den eher trockenen Standorten der Region Ost werden je nach Spätfrostgefahr und weiteren Standortbedingungen vielfach mittelfrühe bis mittelspäte Sorten angebaut.

Von den qualitätsbetonten Sorten haben aus dem mittelfrühen Segment LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), KWS Jaro (S 230), Greatful (S 240) und DS 1890 B (S 240) eine Empfehlung bekommen. Die Neuzulassung Chelsey (S 230) wird für den Probeanbau empfohlen.

Für die Fütterung in maisbetonten Rationen erhalten hier die Sorten ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), DKC 3327 (S 230), LG 31245 (S 240), LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), LG 31238 (S 230), Greatful (S 240) und LG 31224 (S 230) eine Anbauempfehlung. Die Sorte DKC 3323 (S 230) hat eine Empfehlung für den Probeanbau erzielt.

Für den Energiemaisanbau im östlichen Niedersachsen haben die mittelfrühen Sorten ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), DKC 3438 (S 250), DKC 3327 (S 230), DKC 3414 (S 250), LG 31245 (S 240), Haruka (S 250), DKC 3418 (S 250), Haiko (S 250), LG 31238 (S 230) und DKC 3419 (S 240) eine Anbauempfehlung erzielen können. Für den Probeanbau wird Already (S 250) empfohlen.

Für die klimatisch wärmeren und somit für den Maisanbau günstigeren Standorte der Region sind auch mittelspäte Sorten ab der Reifezahl S 260 geeignet und schaffen die Abreife problemlos.

Zur Aufwertung grasbetonter Futterrationen werden hier die Sorten Farmirage (S 260), Lacorna (S 260), Bismark (S 260) und Farmoritz (S 260) empfohlen. Für den Probeanbau hat die Sorte Justy (S 260) eine Empfehlung erreicht.

Bei eher maisbetont fütternden Betrieben bekommen folgende energie- oder stärkeertragsbetonte Sorten eine Anbauempfehlung: DS 1891 B (S 260), SU Crumber (S 270), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 260), Lacorna (S 260), Smartboxx (S 260) und EC Gisella (ca. S 260). Für den Probeanbau werden die Sorten Justy (S 260) und SY Bradford (S 270) empfohlen.

Im Bereich der Energieerzeugung werden für die klimatisch günstigen Standorte der Region Ost die Sorten DS 1891 B (S 260), SU Crumber (S 270), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 260), EC Gisella (ca. S 260), Agrogant (S 260) und Clementeen (S 270) empfohlen. Eine Empfehlung für den Probeanbau hat die Sorte Ladino (S 260) erzielt.

Region Süd

Die Region ist durch sehr unterschiedliche und z.T. kleinräumig auftretende klimatische Bedingungen gekennzeichnet. Für eher kühlere Lagen sind die Sortenempfehlungen aus der frühen Reifegruppe bereits in der letzten Ausgabe der Land & FORST veröffentlicht worden.

Aus dem mittelfrühen Sortiment werden für die qualitative Aufwertung grasbetonter Rationen die Sorten LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), KWS Jaro (S 230), LG 31238 (S 230 ), Greatful (S 240), KWS Otto (S 240), Privat (ca. S 240), Struana (S 250), DS 1890 B (ca. S 240) und Farmactos(S 230) für die Aussaat empfohlen.

Für den Einsatz bei eher maisreicher Grundfutterbasis haben die Sorten ES Traveler (S 250), LG 31245 (S 240), LG 32257 (S 230) und KWS Jaro (S 230) eine Anbauempfehlung erhalten. Die Sorte DKC 3323 (S 230) wird für den Probeanbau empfohlen.

Für die Biogasnutzung haben im südlichen Niedersachsen die mittelfrühen Sorten ES Traveler (S 250), LG 31272 (S 250), DKC 3438 (S 250), DKC 3327 (S 230), DKC 3414 (S 250), DKC 3418 (S 250) und Haiko (S 250) aufgrund ihrer mehrjährig sehr gute Leistungen eine Anbauempfehlung erhalten. Die Sorten Already (S 250) und DKC 3323 (S 230) werden bereits nach nur einem LSV-Prüfjahr für den Probeanbau empfohlen.

Für viele klimatisch günstige Lagen in Südniedersachsen eignet sich auch mittelspäte Genetik. Voraussetzung für höhere Erträge ist allerdings eine entsprechend hohe Temperatursumme am Standort und dadurch ein pünktliches Erreichen der Silierreife zur Monatswende September/Oktober; dies gilt insbesondere für Futtermais.

Für die qualitative Rationsergänzung werden hier die Sorten Farmpower, (S 260), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 270), Lacorna (S 260), EC Gisella (ca. S 260), Bismark (S 260) und Farmoritz (S 260) für den Anbau empfohlen.

Für die Gestaltung einer maisbetonten Grundfutterbasis haben die Sorten DS 1891 B (S 260), Farmpower (S 260), SU Crumber (S 270), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 260), Lacorna (S 260), Smartboxx (S 260) und Janeen ( S 260) eine Anbauempfehlung erhalten. Aufgrund sehr guter Leistungen hat bereits nach einem LSV-Prüfjahr die Sorte Fight (S 270) die Empfehlung für den Probeanbau erreicht.

Für die Biogaserzeugung haben für den Süden die Sorten DS 1891 B (S 260), SU Crumber (S 270), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 260), Lacorna (S 260),  EC Gisella (ca. S 260), Agrogant (S 260) und Novialis DS 1901C (S 290) eine Anbauempfehlung erhalten. Die Anforderungen für eine Empfehlung für den Probeanbau hat die Sorte Ladino (S 260) erreicht.

Region West

Die mehrjährigen Verrechnungen für das westliche Niedersachsen beziehen neben den LSV-Standorten Werlte und Borwede auch Wert- und EU-Prüfungen von diesen Standorten sowie Ergebnisse aus dem angrenzenden Nordrhein-Westfalen mit ein.

Aus dem mittelfrühen Sortiment werden auf dieser Basis die Sorten LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), KWS Jaro (S 230), P 8255 (S 240 ), Greatful (S 240), Benedictio KWS (S 230),  KWS Otto (S 240) und Privat (ca. S 240) für die Ergänzung grasbetonter Futterrationen empfohlen. Für den Probeanbau hat die Neuzulassung Chelsey (S 230) eine Empfehlung erzielt.

Für Betriebe mit maisbetonter Rationsgestaltung werden für diese Region die Sorten ES Traveler (S 250), LG 31245 (S 240), LG 32257 (S 230), Plutor (S 240), KWS Jaro (S 230) und LG 31238 (S 230) für den Anbau empfohlen. Aus der Gruppe der neu im LSV geprüften Sorten hat DKC 3323 (S 230) eine Empfehlung erhalten.

Für die Substraterzeugung zur Biogasnutzung werden in der Region West die Sorten ES Traveler (S 250), DKC 3438 (S 250), DKC 3327 (S 230), DKC 3414 (S 250), LG 31245 (S 240), Haruka (S 250), DKC 3418 (S 250), Bernadino KWS (S 240) und Haiko (S 250) für den Anbau empfohlen. Mit Already (S 250) und DKC 3323 (S 230) stehen hier auch zwei Neuzulassungen mit einer Anbauempfehlung zur Verfügung.

Für Sorten aus dem mittelspäten Reifesortiment werden für das westliche Niedersachsen ebenfalls einige interessante Sorten empfohlen.

Zur Aufwertung einer grasreichen Grundfutterbasis sind dies die Sorten Farmirage (S 260), Lacorna (S 260), Bismark (S 260) und Farmoritz (S 260).

Bei hohen Maisanteilen in der Ration werden die Sorten DS 1891 B (S 260), Farmpower (S 260), SU Crumber (S 270), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 260), Smartboxx (S 260), EC Gisella (S 260) und Bismark (S 260) für den Anbau empfohlen. Die neu in den LSV aufgenommenen Sorten Justy (S 260), Fight (S 270) und SY Bradford (S 270) haben eine Empfehlung für den Probeanbau erhalten.

Für die Biogasnutzung stehen die Sorten DS 1891 B (S 260), Farmpower (S 260), SU Crumber (S 270), Farmirage (S 260), SY Amfora (S 260) und EC Gisella (ca. S 260) mit einer Anbauempfehlung zur Verfügung. Von den neuen LSV-Prüfkandidaten hat die Sorte Ladino (S 260) eine Empfehlung für den Probeanbau erhalten.

Die Landessortenversuche bieten durch ihre Neutralität und ihre klare Strukturierung in Reifegruppen einen guten Überblick über das Spitzensegment der am Markt befindlichen Maissorten. Von den weit über 800 allein im deutschen Markt erhältlichen Sorten werden die rund 100 Besten und Neusten geprüft, um den Landwirten eine solide Informationsquelle zu bieten. Die nach Leistung und Qualität besten Sorten werden, kategorisiert nach Nutzungsschwerpunkten, alljährlich für den Anbau empfohlen.

Nutzen Sie daher die breite Datenbasis der LSV für Ihre Sortenwahl und eine erfolgreiche Anbauplanung.